12 Sommer voller Sehnsucht
Kein Sommer ohne AugustLucy Astners "Kein Sommer ohne August" war für mich ein wirklich intensives Leseerlebnis. Selten hat mich die emotionale Atmosphäre zwischen zwei Figuren so sehr gepackt wie hier. Die Geschichte von Charlie ...
Lucy Astners "Kein Sommer ohne August" war für mich ein wirklich intensives Leseerlebnis. Selten hat mich die emotionale Atmosphäre zwischen zwei Figuren so sehr gepackt wie hier. Die Geschichte von Charlie und August hat mich von der ersten bis zur letzten Seite mitgerissen. Eine bittersüße Liebesgeschichte voller Sehnsucht, verpasster Chancen, tragischer Momente sowie kleiner und großer Gefühle.
Besonders gelungen fand ich die Erzählstruktur. Die Kapitel wechseln zwischen der Gegenwart und den vergangenen elf Sommern, in denen sich die beiden Hauptfiguren August und Charlie kennenlernen und Jahr für Jahr enger zusammenwachsen. August lebt in New York und verbringt die Sommer bei seiner Großmutter in Liberty Beach, wo diese eine Buchhandlung besitzt. Charlie lebt im Ort und kommt im Gegensatz zu August aus sozial schwächeren Verhältnissen mit einer alleinerziehenden Mutter, die selbst einige Schwierigkeiten hat, sich im Leben zurechtzufinden. Die erste Begegnung zwischen Charlie und August beginnt denkbar ungewöhnlich: Als Charlie versucht, ein Buch zu stehlen, bemerkt sie August, erschrickt, lässt das Buch fallen und flüchtet aus dem Laden dessen Großmutter. Im Nachgang entwickelt sich eine Freundschaft, bei der schnell deutlich wird, dass zwischen den beiden weit mehr als nur Freundschaft entsteht.
Doch zahlreiche Schicksalsschläge und die persönlichen Prägungen der Figuren sorgen immer wieder für Distanz. Vor allem Charlie steht sich oft selbst im Weg. Ihre Angst davor, verletzt zu werden, zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte und verhindert lange Zeit, dass sie wirklich glücklich werden kann. Während des Lesens war ich häufig wütend auf ihre Entscheidungen und hätte sie am liebsten geschüttelt. Gleichzeitig konnte ich ihre Unsicherheiten und die Auswirkungen ihrer schwierigen Beziehung zu ihrer Mutter nachvollziehen. Ebenso sehr habe ich mit August gelitten, dessen Geduld und Gefühle immer wieder auf die Probe gestellt werden. Manche Situationen der Vergangenheit haben mich von der Atmosphäre und Charlies Lebenssituation her entfernt an "Der Gesang der Flusskrebse" erinnert.
In der Gegenwart kehrt Charlie nach Jahren der Abwesenheit nach Liberty Beach zurück, nachdem sie erfährt, dass sie die Buchhandlung von Augusts Großmutter geerbt hat. Dieser Handlungsstrang war interessant, hätte für meinen Geschmack aber noch etwas mehr Tiefe vertragen können. Generell haben mir die Rückblicke besser gefallen, weil die Autorin die Vergangenheit nicht einfach abhandelt, sondern Stück für Stück neue Informationen offenbart und die Sehnsucht der Figuren nacheinander mich nur so durch die Zeilen zog.
Die authentische Wandlung der Charaktere hat mir ebenfalls sehr gefallen. Die Geschichte besitzt eine angenehme emotionale Tiefe und fühlte sich für mich erwachsener an als viele klassische Young- oder New-Adult-Romances. Gleichzeitig hätte ich mir stellenweise sogar noch etwas mehr Tiefgang gewünscht, insbesondere in den Kapiteln der Gegenwart.
Trotz vieler tragischer und teilweise schwer zu verdauender Momente konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Ich habe jede Emotion mitgefühlt, war traurig, frustriert, hoffnungsvoll und erleichtert. Auch wenn das Ende für mich letztlich vorhersehbar war, blieb der Weg dorthin spannend, weil Gefühle, Konflikte und Beziehungen lange Zeit undurchsichtig blieben.
Positiv hervorheben möchte ich außerdem die romantischen Szenen. Es gibt knisternde Momente zwischen Charlie und August, doch die Autorin verzichtet auf ausufernde Spice-Szenen. Das hat für mich sehr gut zur emotionalen Stimmung des Romans gepasst. Die Romantik wirkte auf mich gefühlvoll und stimmungsvoll, statt vulgär oÄ zu sein.
Kleine Abzüge gibt es für einige Wiederholungen im Schreibstil, denn irgendwann konnte ich das ständige „die Zähne auf die Unterlippe pressen“ kaum noch lesen, sowie für die etwas verschenkten Möglichkeiten in der Gegenwartshandlung.
Dennoch bleibt "Kein Sommer ohne August" für mich ein echtes Highlight. Die intensive Atmosphäre, die emotionale Wucht der Geschichte und die Sommerstimmung am Ende eines schwer-intensiven Sommertags haben dafür gesorgt, dass mich das Buch vollkommen mitgerissen hat. Wer bittersüße Liebesgeschichten mit glaubwürdigen Figuren, viel Gefühl und einer großen Portion Sehnsucht liebt, sollte diesem Roman unbedingt eine Chance geben.