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Veröffentlicht am 07.12.2020

Wo andere Urlaub machen

Föhnlage
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Während eines Konzertes in einem bayrischen Alpen-Kurort stürzt ein Mann direkt auf einen Zuhörer im Publikum. Beide sind tot. Und Kommissar Jennerwein übernimmt die Ermittlungen. War es Mord, Selbstmord, ...

Während eines Konzertes in einem bayrischen Alpen-Kurort stürzt ein Mann direkt auf einen Zuhörer im Publikum. Beide sind tot. Und Kommissar Jennerwein übernimmt die Ermittlungen. War es Mord, Selbstmord, ein Unfall? Viele Gedanken werden überprüft auf Logik und Relevanz, Spekulationen unter den Einheimischen verbreiten sich wie der Wind, denn „Ratschkathln“ gibt es genug.

Mit viel Humor und einer treffenden Schreibweise setzt Maurer diesen ersten Krimi seiner „Jennerwein-Serie“ in Szene. Der Leser begleitet Ermittler und Bewohner des Dorfes durch spannende und recht unterhaltsame Episoden, die durchwegs für kurzweilige Lesestunden sorgen. Nicht knallharte Fakten und akribisch recherchierte Daten stehen hier im Mittelpunkt, sondern Wortwitz und Augenzwinkern, insbesondere, wenn es darum geht, dem Leben da und dort ein Schnippchen zu schlagen, das Gesetz ein wenig vorteilhaft zu interpretieren und einen Seitenblick auf Österreicher und Italiener zu werfen. Jennerweins Team ist eine kunterbunte, sympathische Gruppe, die man gerne bei einem weiteren Fall trifft und auch die Dorfbewohner mit ihren Ecken und Kanten passen gut ins Bild.

Insgesamt ist Föhnlage also eine tolle Mischung aus Spannung, Witz und ein wenig Sarkasmus, flott zu lesen und somit allemal eine Empfehlung wert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.04.2026

Verstörend

Der Trakt
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Sybille Aurich wacht in einem Krankenzimmer auf, wo sie sich daran erinnert, dass sie überfallen worden ist. Da sie sich gesund genug fühlt, will sie so schnell wie möglich zurück zu ihrem Mann und ihrem ...

Sybille Aurich wacht in einem Krankenzimmer auf, wo sie sich daran erinnert, dass sie überfallen worden ist. Da sie sich gesund genug fühlt, will sie so schnell wie möglich zurück zu ihrem Mann und ihrem Sohn, aber angeblich hat sie gar kein Kind? Und als sie vor ihrer Haustür steht, erkennt sie ihr eigener Ehemann nicht wieder.

Rasant manövriert uns Arno Strobel durch diesen unwirklichen Thriller, der einem zeigt, wie verstörend es ist, wenn man sich genau erinnert, aber niemand einem glaubt. Sybille Aurich findet nach ihrem Klinikaufenthalt keinen Weg zurück in ihr altes Leben. Woran kann das liegen? Warum erkennt sie niemand mehr? Weshalb verfolgen sie sonderbare Männer? Fragen über Fragen. Und keine plausible Antwort in Sicht.

Wir fiebern und rätseln mit Sybille mit, überlegen, was hinter dieser Geschichte stecken kann. Vielfältige Ideen tauchen auf, erweisen sich aber allesamt als Sackgassen. Wer im jetzigen Moment als Freund erscheint, kann wenig später schon der Feind sein, Lügen und Täuschungen überlagern die nackte Wahrheit. Die Kapitel fliegen rasch dahin, die Auflösung – wenn auch sehr wissenschaftlich formuliert – kommt passend und rechtzeitig daher.

Ziemlich verstörend und nicht allzu glaubwürdig, aber flott und unterhaltsam, so kann man diese Geschichte wohl kurz umschreiben.

Veröffentlicht am 26.04.2026

Hitze

Ins fahle Herz des Sommers
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Unerträgliche Hitze breitet sich über Mutter Erde aus, die Menschen wandern immer weiter in den Norden. Wer in seiner angestammten Heimat bleibt, tauscht den Tag gegen die Nacht, in der man noch unter ...

Unerträgliche Hitze breitet sich über Mutter Erde aus, die Menschen wandern immer weiter in den Norden. Wer in seiner angestammten Heimat bleibt, tauscht den Tag gegen die Nacht, in der man noch unter halbwegs aushaltbaren Bedingungen auf die Suche nach Nahrung und anderen notwendigen Dingen gehen kann. Fausto und Valerie trotzen den Umständen, aber ihrer Zweisamkeit sind Grenzen gesetzt.

In kurzen Kapiteln und eindringlichen bildgewaltigen Szenen erfasst Andreas Eschbach Szenarien, welche man sich kaum vorstellen kann. Flirrender Asphalt lässt Fahrradgummis schmelzen, normale Infrastruktur existiert nicht mehr, vertrauenswürdige Nachbarn werden immer rarer. Unter diesen widrigen Umständen trifft Fausto auf Valerie und verliebt sich in die charmante Fremde. Was dann kommt, übersteigt mein Vorstellungsvermögen und löst Gänsehaut aus beim Lesen. Das Ende der Menschheit scheint gekommen.

Interessante Überlegungen, beklemmende Gedanken dominieren diesen möglicherweise gar nicht so unmöglichen Handlungsverlauf. Die Distanz zu den wenigen Figuren ist durchwegs gegeben und spiegelt dadurch deren Endlichkeit wider, lässt allerdings auch keine tiefen Emotionen zu. Eschbach bringt die Zukunft auf den Punkt, skizziert spannende Ausblicke und denkbare Modelle.

Veröffentlicht am 22.04.2026

Zwischen Gletscher und Fortschritt

Tal der Schwalben
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Alesch stammt aus einem abgelegenen Schweizer Bergdorf, wo Natur und Bodenständigkeit vorherrschen. Während er studiert und einen leitenden Posten am Institut für angewandte Fusionsenergie übernimmt, sind ...

Alesch stammt aus einem abgelegenen Schweizer Bergdorf, wo Natur und Bodenständigkeit vorherrschen. Während er studiert und einen leitenden Posten am Institut für angewandte Fusionsenergie übernimmt, sind die Städte in der Schweiz zu einer Metroplitane zusammengewachsen und die Alpenregion soll immer mehr gesperrt und für die Energieversorgung herangezogen werden. Für eine wissenschaftliche Arbeit kehrt Alesch in seine Heimat zurück und muss sich wundern über seltsame Wetterphänomene, er ist hin- und hergerissen zwischen der rauen, sich stark verändernden Gletscherwelt und seiner Forschung, welche viele Energieprobleme lösen könnte.

In drei große Abschnitte gegliedert, begleiten wir Alesch durch diese recht nüchtern dargestellte Geschichte, die möglicherweise genau deshalb die Problematik von Naturschutz und Energiegewinnung unterstreicht. Die wenigen, das Geschehen beherrschenden Figuren sind für mich ziemlich unnahbar, sodass es schwer ist, in deren Gefühls- und Gedankenwelt einzudringen. Dennoch wird das Dilemma eindringlich dargestellt: Klimaflüchtlinge und zwangsweise Umgesiedelte drängen sich in den neuen Städten, große Konzerne übernehmen das Kommando und wecken Illusionen, die möglicherweise nie wahr werden können. Die dystopischen Szenen werden allerdings abgelöst von Bildern aus Pradetta, dem Ort, aus dem Alesch stammt und wo man sich zur Wehr setzt gegen die Evakuierung.

Mit ihrer distanzierten Betrachtung gelingt es der Autorin, wertungsfrei zu erzählen und den Leser mitzunehmen in eine Zukunft, die wir vielleicht doch intensiver und engagierter mitgestalten wollen und sollen. Was romanhaft klingt, kann schneller zur Realität werden als wir uns vorstellen können. Das Tal der Schwalben bietet jedenfalls interessante Ausblicke.

Veröffentlicht am 20.04.2026

Leiche in Schokolade

Die dunkle Seite der Schokolade
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Als studierte Chemikerin und Juristin findet Serafine Montalin einen Platz als interne Ermittlerin im Schokoladeunternehmen CacaoBest. Dafür hat sie ganz persönliche Beweggründe, denn ihr Vater ist etliche ...

Als studierte Chemikerin und Juristin findet Serafine Montalin einen Platz als interne Ermittlerin im Schokoladeunternehmen CacaoBest. Dafür hat sie ganz persönliche Beweggründe, denn ihr Vater ist etliche Jahre zuvor in genau dieser Firma zu Tode gekommen, weshalb sie eigene Nachforschungen anstellen möchte. Im Strudel der Ereignisse gerät Serafine nun selbst zur Zielscheibe.

Detaillierte Beschreibungen zur Herstellung feinsten Kakaos und zartester Pralinen, vermischt mit einem alten Todesfall, das sind die köstlichen Zutaten für diesen atmosphärischen Schweizer Kriminalroman. Eine selbstbewusste und durchsetzungsstarke Hauptperson, Serafine, versucht auf gewitzte Art und Weise ihr Vorhaben umzusetzen, wobei ihr Autorin Dina Casparis noch einige weitere Themen mit auf den Weg gibt. So kommen noch die Unterdrückung Einheimischer während der Kolonialzeit in Afrika, Rassismusprobleme und verstrickte Familienstammbäume ins Spiel, wodurch man als Leser schnell einmal den roten Faden verlieren kann. Weniger ist mehr, hätte da aus meiner persönlichen Sicht besser gepasst. Andererseits sind die komplizierten Puzzlestücke gut miteinander verwoben, was für die Autorin spricht und sämtliche Einzelheiten bestens recherchiert, sowie im Nachwort nochmals übersichtlich zusammengefasst. Der flüssige Schreibstil schließlich vermittelt ein angenehmes Lesegefühl.

Eine spannende Familiengeschichte mit einigen Krimiszenen und vielen verführerischen Düften feinster Schweizer Confiserie – anders als erwartet, aber durchaus interessant.