Profilbild von Schnick

Schnick

Lesejury Star
offline

Schnick ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Schnick über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.11.2018

Starker Thriller

Feinde
0

Ich habe nicht viel erwartet, als ich Susanne Saygins "Feinde" gekauft habe. Das Cover hat mich im Buchladen aber immer dermaßen angelacht, dass ich irgendwann tatsächlich zugegriffen habe. Und ich habe ...

Ich habe nicht viel erwartet, als ich Susanne Saygins "Feinde" gekauft habe. Das Cover hat mich im Buchladen aber immer dermaßen angelacht, dass ich irgendwann tatsächlich zugegriffen habe. Und ich habe es keine Sekunde lang bereut.

Dieses Buch ist - um es auf den Punkt zu bringen - verdammt gut. Ich stehe deutschen Krimi- und Thrillerautoren eher kritisch gegenüber. Meistens sind mir die Romane zu seicht oder zu konstruiert oder schlicht zu langweilig. Aber Saygings Debüt ist von Anfang bis Ende dermaßen realistisch, gut geschrieben und spannend, dass ich froh bin, es mir gekauft und es gelesen zu haben. Laut Klappentext hat Susanne Saygin für "Feinde" fünf Jahre recherchiert und ich bin versucht, das zu glauben.

Auf mich wirkte der Thriller, der in Köln beginnt (und weit davon entfernt ist, ein seichter Regionalkrimi zu sein), wohl durchdacht und realitätsnah. Alles, was in dem Buch geschieht, könnte so auch geschehen (und geschieht wohl leider auch teilweise so - was das Erschreckendste und Niederschmetterndste ist).

Auch sprachlich hat mich "Feinde" überzeugt. Susanne Saygin hat einen eher nüchternen Sprachstil gewählt, der weit entfernt ist vom Betroffenheitschmalz, den viele schlechtere Autoren angesichts der Thematik wohl gewählt hätten. Saygins Sprache ist direkt, teilweise erschreckend direkt, aber es passt jederzeit und wirkt nie aufgesetzt. Auch das - gerade wenn Autoren sexuell explizite Sprache verwenden - hebt sie wohltuend vom Durchschnitt ab.

Für mich ist Saygin eine echte Entdeckung. Wie sie die Geschichte vorantreibt und sich am Ende alles nach und nach auflöst und sich dann auch noch ganz nebenbei eine unfassbar schöne, ganz unsentimental erzählte Liebesgeschichte herauskristallisiert, das könnte man als sehr konstruiert bezeichnen, aber - ganz ehrlich - das hat mich keine Minute gestört. Eher fällt mir das jetzt auf, während ich das Buch rezensiere und noch einmal Revue passieren lasse.

Während des Lesens habe ich kein einziges Mal mit den Augen gerollt oder mit dem Kopf geschüttelt oder auch nur ansatzweise Unmut empfunden. Nein, ich habe mich bestens unterhalten gefühlt.

In "Feinde" gibt es wahnsinnig viel zu entdecken - Saygin verknüpft Korruption, Menschenhandel, EU-Politik, Mord, Rechtsradikalismus, aber auch naive Hilfsbereitschaft zu einem brodelnden Gemenge, das keine einfache Lösung zulässt. Das merkt man am Ende auch. Genau genommen kann man natürlich anführen, wie unrealistisch es ist, aber ich will es mal so sagen: Die Spuren wurden während des gesamten Thrillers immer wieder gelegt, so dass es für mich echt okay ist, auch wenn dies das einzige Mal ist, dass Saygin bei allem Realismus einfach mal nicht hyperrealistisch sein wollte.

Für die deutschsprachige Thrillergemeinschaft ist Susanne Saygin jedenfalls ein großer Gewinn. Ich hoffe, sie wird noch mehr Bücher veröffentlichen!

Veröffentlicht am 22.04.2026

Sehr lesenswerter, vielschichtiger Roman

Tal der Schwalben
0

Seraina Koblers Roman "Tal der Schwalben" verbindet Dystopie, Gesellschaftsroman und Thriller- sowie Steampunk-Elemente zu einem stimmigen Werk. Für mich ist dieser Roman eine positive Überraschung.

Mir ...

Seraina Koblers Roman "Tal der Schwalben" verbindet Dystopie, Gesellschaftsroman und Thriller- sowie Steampunk-Elemente zu einem stimmigen Werk. Für mich ist dieser Roman eine positive Überraschung.

Mir hat besonders gefallen, wie Seraina Kobler in nur wenigen Worten eine Schweiz der nahen Zukunft entstehen lässt, die für uns LeserInnen nachvollziehbar und in einer Weise realistisch ist, die subtilen Schrecken verbreitet.

"Es ist nicht die Landschaft, die bedroht ist. Sie verschwindet nicht, wir verschwinden. Die Natur hat keine Tränen, sie träumt nicht. Sie wird einfach eine andere sein".

Letztlich nimmt die Autorin unsere Gegenwart und denkt sie einfach weiter - genau das macht "Tal der Schwalben" so faszinierend. Die Auswirkungen der Klimakrise werden ebenso wie die gesellschaftlichen, (energie-) politischen und wirtschaftlichen Folgen fast beiläufig in die Geschichte eingewoben - obwohl sie zentral für die Handlung sind.

Fixpunkt ist Alesch, ein junger Wissenschaftler, der in der so genannten Metropolitane gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern nach einer Lösung für die Energieversorgung der Schweiz sucht. Vor Jahren hat er seinen in den Schweizer Bergen liegenden Geburtsort Pradetta (und seine große Liebe Anette) verlassen. Nun wird er zurückgeschickt, um die restlichen DorfbewohnerInnen zu überzeugen, ebenfalls in die Metropolitane umzuziehen.

Detailreich (aber zum Glück nicht ausufernd) beschreibt Seraina Kobler Pradetta, erweckt den Ort und seine BewohnerInnen zum Leben und erschafft einen Kontrast zum Leben in der Metropolitane. Ich habe mich schnell mit dem Ort und den darin lebenden Menschen identifiziert. Und so gelang es der Autorin, dass ich mit den Menschen, deren Lebensweise und mit dem Ort (!) mitfieberte. Würden sie bleiben können und der Ort weiterexistieren oder würde am Ende alles im Namen der Energieversorgung plattgemacht werden von der übermächtigen Stromgesellschaft? Diese Frage entwickelt im Verlauf der Handlung einen ganz eigenen Sog und führt zum Ende hin zu stetig steigender Spannung.

Über all den Geschehnissen - so spannend sie sein mögen - schwebt immer wieder auch die Frage, was genau eigentlich Heimat ist. Diese Frage ist subtil eingearbeitet und wird - wie im echten Leben, so auch von den Romanfiguren - je nach eigenen Erfahrungen jeweils anders beantwortet. Seraina Kobler arbeitet nicht mit dem Holzhammer, sondern webt dieses Handlungselement immer wieder fast beiläufig in die Geschichte ein.

Fazit: Seraina Kobler ist ein vielschichtiger, sehr lesenswerter Roman gelungen, der viele aktuelle Themen zu einer spannenden Geschichte verwoben hat. Empfehlenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.04.2026

Sehr lesenswert

Tal der Schwalben
0

Seraina Koblers Roman "Tal der Schwalben" verbindet Dystopie, Gesellschaftsroman und Thriller- sowie Steampunk-Elemente zu einem stimmigen Werk. Für mich ist dieser Roman eine positive Überraschung.

Mir ...

Seraina Koblers Roman "Tal der Schwalben" verbindet Dystopie, Gesellschaftsroman und Thriller- sowie Steampunk-Elemente zu einem stimmigen Werk. Für mich ist dieser Roman eine positive Überraschung.

Mir hat besonders gefallen, wie Seraina Kobler in nur wenigen Worten eine Schweiz der nahen Zukunft entstehen lässt, die für uns LeserInnen nachvollziehbar und in einer Weise realistisch ist, die subtilen Schrecken verbreitet.

"Es ist nicht die Landschaft, die bedroht ist. Sie verschwindet nicht, wir verschwinden. Die Natur hat keine Tränen, sie träumt nicht. Sie wird einfach eine andere sein".

Letztlich nimmt die Autorin unsere Gegenwart und denkt sie einfach weiter - genau das macht "Tal der Schwalben" so faszinierend. Die Auswirkungen der Klimakrise werden ebenso wie die gesellschaftlichen, (energie-) politischen und wirtschaftlichen Folgen fast beiläufig in die Geschichte eingewoben - obwohl sie zentral für die Handlung sind.

Fixpunkt ist Alesch, ein junger Wissenschaftler, der in der so genannten Metropolitane gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern nach einer Lösung für die Energieversorgung der Schweiz sucht. Vor Jahren hat er seinen in den Schweizer Bergen liegenden Geburtsort Pradetta (und seine große Liebe Anette) verlassen. Nun wird er zurückgeschickt, um die restlichen DorfbewohnerInnen zu überzeugen, ebenfalls in die Metropolitane umzuziehen.

Detailreich (aber zum Glück nicht ausufernd) beschreibt Seraina Kobler Pradetta, erweckt den Ort und seine BewohnerInnen zum Leben und erschafft einen Kontrast zum Leben in der Metropolitane. Ich habe mich schnell mit dem Ort und den darin lebenden Menschen identifiziert. Und so gelang es der Autorin, dass ich mit den Menschen, deren Lebensweise und mit dem Ort (!) mitfieberte. Würden sie bleiben können und der Ort weiterexistieren oder würde am Ende alles im Namen der Energieversorgung plattgemacht werden von der übermächtigen Stromgesellschaft? Diese Frage entwickelt im Verlauf der Handlung einen ganz eigenen Sog und führt zum Ende hin zu stetig steigender Spannung.

Über all den Geschehnissen - so spannend sie sein mögen - schwebt immer wieder auch die Frage, was genau eigentlich Heimat ist. Diese Frage ist subtil eingearbeitet und wird - wie im echten Leben, so auch von den Romanfiguren - je nach eigenen Erfahrungen jeweils anders beantwortet. Seraina Kobler arbeitet nicht mit dem Holzhammer, sondern webt dieses Handlungselement immer wieder fast beiläufig in die Geschichte ein.

Fazit: Seraina Kobler ist ein vielschichtiger, sehr lesenswerter Roman gelungen, der viele aktuelle Themen zu einer spannenden Geschichte verwoben hat. Empfehlenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.03.2026

Ein toller Ratgeber!

Redet nicht. Räumt nicht auf. Lieb ich trotzdem.
0

Ich liebe das Cover von Inke Hummels "Redet nicht. Räumt nicht auf. Lieb ich trotzdem." Das war der Grund, weshalb ich mir das Buch näher angesehen und mich dann entschieden habe, es lesen zu wollen.

"Redet ...

Ich liebe das Cover von Inke Hummels "Redet nicht. Räumt nicht auf. Lieb ich trotzdem." Das war der Grund, weshalb ich mir das Buch näher angesehen und mich dann entschieden habe, es lesen zu wollen.

"Redet nicht. Räumt nicht auf. Lieb ich trotzdem." richtet sich an die Eltern pubertierender Jungen, und abgesehen von einem Cover zum Verlieben bietet das Buch ein klar strukturierte und hilfreiche Inhalte. Der Schreibstil ist sehr angenehm und verständlich gehalten.

Gut finde ich, dass die Autorin in ihrer Einleitung kurz darauf eingeht, weshalb sie in diesem Buch ausschließlich die Pubertät von Jungs behandelt, obwohl viele Ratschläge auch für die Eltern/Begleiter*innen weiblicher, non-binärer oder genderfluider Menschen hilfreich sein können. Sie geht außerdem auf Vorurteile hinsichtlich pubertierender Jungs ein und hat mir persönlich schon in diesem vorangestellten Teil viele Ängste genommen.

Die weiteren Kapitel beschäftigen sich mit den verschiedensten Aspekten der Pubertät - und dank der durchweg klaren Gliederung findet man sich schnell zurecht und kann zu späteren Zeitpunkten immer wieder das Buch in die Hand nehmen, schnell das betreffende Thema finden und noch einmal die Ratschläge nachlesen. Das ist mit das Beste an dieser Veröffentlichung: sie ist kein Buch, das man einmal und dann nie wieder liest. "Redet nicht. Räumt nicht auf. Lieb ich trotzdem." ist vielmehr ein Buch, das man sehr gut immer wieder in die Hand nehmen kann. Ich für meinen Teil werde das tun.

Die Ratschläge selbst sind für mich immer nachvollziehbar gewesen und es ist wirklich toll, dass die Autorin auf so gut wie jedes wesentliche Thema der Pubertät eingegangen wird. Die Hormone sind natürlich ein wichtiges Thema, schulische Leistungen, das Miteinander zu Hause, Berufswahl und die damit verbundenen Schwierigkeiten, überhaupt eine Entscheidung für einen Beruf zu treffen, Aggressionen, Freunde und natürlich Sexualität - all das und noch viel mehr wird in dem Buch auf sehr angenehme Weise behandelt. Es gibt viele Tipps - nicht nur in Bezug darauf, was man tun soll, sondern was man möglichst unterlassen soll.

Mir hat der Ratgeber insgesamt sehr gut gefallen: Schreibstil, Aufbau und die Tipps selbst habe ich als wohltuend und hilfreich empfunden. Einzige Manko ist aus meiner Sicht, dass für manche Behauptungen Nachweise fehlen. Wenn die Autorin zum Beispiel behauptet, dass von "25 Kindern einer Schulklasse übers Schulleben gesehen fünf sitzen bleiben", dann hätte ich dafür gerne einen Nachweis, denn ohne diesen bleibt es einfach nur eine Behauptung. Alles in allem überwiegt aber der positive Eindruck, dass Inke Hummel ein lebensnahes Sachbuch abgeliefert hat, das Eltern Ängste nimmt und umsetzbare Lösungen bietet.

Fazit: Super geschriebener und strukturierter Ratgeber für Eltern pubertierender Jungs, der viele Ängste und Sorgen nimmt und den ich in den nächsten Jahren bestimmt öfter zu Hand nehmen werde.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.03.2026

So viel Spaß kann Zählen/Rechnen machen!

Alle Mucklas einsteigen!
0

Die Mucklas aus dem "Pettersson und Findus"-Universum spielen in diesem Kinderbuch die Hauptrolle. Sie reisen mit dem Zug und immer wieder steigen Mucklas aus und Mucklas ein. Daraus ergeben sich ganz ...

Die Mucklas aus dem "Pettersson und Findus"-Universum spielen in diesem Kinderbuch die Hauptrolle. Sie reisen mit dem Zug und immer wieder steigen Mucklas aus und Mucklas ein. Daraus ergeben sich ganz wunderbare Zähl- bzw. Rechenaufgaben für Kinder ab 4 Jahren.

Die Geschichte hat genau die richtige Länge, damit die Kinder bei der Stange bleiben. Der Text ist dem Alter angemessen und die Zähl-/Rechenaufgaben so wunderbar eingearbeitet, dass es Freude bereitet, sie zu lösen.

Begleitet wird die Geschichte von sehr süßen Bildern, auf denen es viel zu entdecken gibt. So wird den Kinder insgesamt eine Menge geboten.

"Alle Mucklas einsteigen!" richtet sich vor allem an Fans von Pettersson und Findus, ist aber natürlich für alle Kinder im richtigen Alter geeignet.

Ich finde die kurze Geschichte, die Zähl- bzw. Rechenaufgaben und die Bilder ganz wunderbar.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere