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Veröffentlicht am 04.03.2018

Niemals zu weit weg

Ein langer Weg nach Hause
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Der Musiker Cooper hat schon viel Tragisches erlebt, aber er ist darüber nicht bitter geworden. Im Gegenteil, er sieht Menschen in Not und hilft ihnen großzügig. Ganz unerwartet trifft er dabei auf eine ...

Der Musiker Cooper hat schon viel Tragisches erlebt, aber er ist darüber nicht bitter geworden. Im Gegenteil, er sieht Menschen in Not und hilft ihnen großzügig. Ganz unerwartet trifft er dabei auf eine Frau, die er seit zwanzig Jahren nicht mehr gesehen hat. Sie braucht dringend seine Hilfe. Cooper hilft ihr. Er ringt mit sich. Soll er ihr die Wahrheit über die Vergangenheit sagen? Aus Liebe entscheidet er sich schließlich zu schweigen. Es bleibt für den Leser erstmal ein Rätsel welche Vorgeschichte diese beiden verbindet, und was sie auseinandergebracht hat.

Ein Brief erinnert Cooper an seinen Vater, und an seine bewegte Kindheit und Jugend. Als Witwer kümmerte sich sein Vater, ein reisender Prediger, aufopfernd um ihn, sein einziges Kind. Coopers große musikalische Begabung wurde reichlich gefördert. An jedem Wochenende begleitete Cooper seinen Vater zu seinen Predigtdiensten, und wirkte dort auch selbst bald musikalisch mit. Im Laufe der Zeit sprach sich herum, wie begabt er war, und viele Menschen kamen nicht nur um den Vater zu hören, sondern um der Musik Coopers zu lauschen.

Der junge Cooper bekam viele lukrative Angebote der Musikindustrie, doch sein Vater hielt ihn immer zurück. Eines Tages reichte es ihm. Der 18jährige Cooper verließ wutentbrannt sein Vaterhaus. Dabei nahm er alles mit, was seinem Vater kostbar war.

Der Traum von einer erfolgreichen Karriere scheiterte schnell, aber Scham hielt ihn davon ab zurückzukehren. Als sich sein Lebensweg langsam besserte nahm ein tragisches Ereignis ihm alles, was ihm wichtig war.

Was konnte er mit den Scherben seines Lebens noch anfangen? Und gab es einen Weg zurück nach Hause?

Einmal begonnen, kann man dieses Buch nur schwer aus der Hand legen. Die Sprache des Ich-Erzählers Cooper vermittelt authentisch seine Stimmung; etwas melancholisch, aber erfüllt von einer großen Entschlossenheit und einer tiefen Liebe. Die aufopfernde Liebe seines Vaters weckt die Sehnsucht eine solche Liebe selbst zu erfahren und seine Weisheit ist bewundernswert. Die vielen eingestreuten Wissens-Häppchen über Musik sind auch für unmusikalische Leser interessant. Die zarte Liebesgeschichte zwischen Cooper und Daley erinnert an einen Nicholas Sparks Roman. Und der Blick auf das Übernatürliche bringt eine ungewohnte Dimension ins Buch; am Ende des Buchs ist es vielleicht ein bisschen zu viel.

Nach den Höhen und Tiefen seines Lebens hat Cooper die Antwort auf eine wichtige Frage gefunden; wer soll durch seine Musik geehrt werden – er selbst oder sein Schöpfer?

Eine fesselnde Erzählung über verpasste Chancen, Umkehr und Versöhnung, und über eine Liebe, die alles andere in den Schatten stellt. Unbedingt zu empfehlen!

Veröffentlicht am 04.03.2018

Frei von Scham

Unverschämt frei
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Scham, das ist etwas, über das wir nicht oft reden. Ist ein ganzes Buch darüber nötig? Auf jeden Fall, und es ist ein unglaublich hilfreiches und wertvolles Buch!

Christine Caine weiß, wovon sie spricht. ...

Scham, das ist etwas, über das wir nicht oft reden. Ist ein ganzes Buch darüber nötig? Auf jeden Fall, und es ist ein unglaublich hilfreiches und wertvolles Buch!

Christine Caine weiß, wovon sie spricht. Schon als Vorschulkind wurde sie von den anderen Kindern wegen ihrem anderen kulturellen Hintergrund ausgelacht. Dazu kamen die schrecklichen Erfahrungen des sexuellen Missbrauchs. Außerdem konnte sie die Erwartungen ihrer Eltern einfach nicht erfüllen. Sie interessierte sich weniger für typische Mädchentätigkeiten, glänzte dafür aber mit akademischen Leistungen, was von ihren Eltern nicht gerne gesehen wurde. Scham bestimmte ihr Leben. Das führte dazu, dass sie mehr und mehr selbstzerstörerische Entscheidungen traf.

Eines Tages wurde ihr das bewusst, und es begann ein langer Prozess der Heilung. In diesem Buch lässt die Autorin den Leser an ihren Erfahrungen und Erkenntnissen auf diesem Weg zur Freiheit teilnehmen. Dabei ist ihre erstaunliche Offenheit eine große Stärke dieses Buchs.

Aber sie erzählt nicht nur ihre Geschichte. Durch die vielen Beispiele und Geschichten ist das Buch nicht nur sehr gut lesbar, sie machen es auch leichter beim Lesen zu erkennen, wo Scham im eigenen Leben verborgen liegt und welche negative Auswirkungen das hat. Manche vielleicht unbewussten Folgen von Scham, wie zum Beispiel Perfektionismus, das Streben nach Anerkennung oder der Wunsch andere zu kontrollieren, führen zu einem unfreien Leben. Christine Caine zeigt mehrere hilfreiche und praktische Schritte, um sich nicht mehr von Scham einschränken zu lassen.

Christine Caine veranschaulicht das Erzählte auch immer wieder mit Geschichten aus der Bibel, in denen es um Scham geht. Durch ihre anschaulichen Erklärungen, kommt so manches in den Geschichten zum Vorschein, dass einem vorher vielleicht nicht so bewusst war.

Nicht nur Frauen, auch Männer, werden sicher von diesem wertvollen und sehr empfehlenswerten Buch profitieren. Ein Buch zum Lesen, Durcharbeiten, Anstreichen und immer wieder Nachlesen!

Veröffentlicht am 25.02.2018

Nirgends in Sicherheit

Der Reisende
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Dieses Buch begleitet den jüdischen Kaufmann, Otto Silbermann, auf eine Reise ohne Ziel. Er hat im ersten Weltkrieg treu gedient, sich anschließend ein ansehnliches Vermögen erarbeitet. Er ist angesehen, ...

Dieses Buch begleitet den jüdischen Kaufmann, Otto Silbermann, auf eine Reise ohne Ziel. Er hat im ersten Weltkrieg treu gedient, sich anschließend ein ansehnliches Vermögen erarbeitet. Er ist angesehen, und er hat viele Freunde. Dann aber kommt der November 1938. Bis vor kurzem waren Juden ebenso Teil der Gesellschaft wie alle anderen, aber nun sind sie zu Verfolgten geworden. Otto Silbermann erfährt von Freunden und Verwandten, die einfach ohne Grund abgeführt wurden. Als die Staatspolizei kommt um ihn zu holen, kann er im letzten Moment fliehen. Aber wohin? Als Jude ist er nicht mehr erwünscht, weder bei Verwandten, im Hotel oder in seiner eigenen Firma.

Es gelingt ihm einen Teil seines Vermögens in einer Aktentasche mitzunehmen, und nun reist er kreuz und quer durch Deutschland, immer auf der Suche nach einem sicheren Ort. Die Angst ist sein ständiger Begleiter. Unterwegs ist er mit vielen Menschen im Gespräch; freundliche, aber auch gleichgültige oder gar feindselige Menschen. Ein Versuch über die Grenze zu flüchten scheitert. Wird es Otto Silbermann gelingen sich in Sicherheit zu bringen?

„Der Reisende“ wurde bereits im Jahr 1939 geschrieben, und das ist das Besondere und Außergewöhnliche an diesem Buch. Der Autor, Ulrich Alexander Boschwitz, war selbst Jude, aber im Gegensatz zu Otto Silbermann konnte er Deutschland schon 1935 verlassen.

Die authentischen Einblicke eines Zeitzeugens in diese grauenhafte Zeit trösten über manche Längen in den Dialogen oder Ausflügen in Silbermanns innere Gedankenwelt hinweg. Für Menschen, die diese Zeit besser verstehen möchten, ist dieses Buch sehr zu empfehlen!

Veröffentlicht am 10.02.2018

Ein Leben in Freiheit

Frauen dürfen hier nicht träumen
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Rana Ahmad stammt aus Syrien, wächst aber in Saudi-Arabien auf. Es gibt viele schöne Erlebnisse in ihrer Kindheit, und sie steht vor allem ihren Vater sehr nahe. In den langen Sommerferien in Syrien als ...

Rana Ahmad stammt aus Syrien, wächst aber in Saudi-Arabien auf. Es gibt viele schöne Erlebnisse in ihrer Kindheit, und sie steht vor allem ihren Vater sehr nahe. In den langen Sommerferien in Syrien als Kind ist das Leben freier. Vor allem beim Fahrradfahren ist sie glücklich. Sie genießt den Fahrtwind und das unbeschwerte Gefühl von Freiheit.

Aber viel zu früh ist ihre Kindheit zu Ende. Das Mädchen wächst zu einer jungen Frau heran, und selbst in Syrien, das nicht so streng religiös ist wie Saudi-Arabien, darf sie schon mit zehn Jahren nicht mehr Fahrrad fahren. Ein Verwandter bekommt ihr geliebtes Fahrrad, und schon bald kann sie nur noch verschleiert das Haus verlassen.

Ob Zuhause oder in der Schule, ihr Alltag ist von der Religion geprägt. Neben den festen Gebetszeiten und dem strengen Koranunterricht, achtet vor allem ihre Mutter darauf, dass sie sich an alle Regeln hält. Rana versteht nicht, warum Frauen weniger wert sind und kaum Rechte haben. Aber was noch viel schlimmer ist, sie können sich nicht vor sexuelle Übergriffe durch Männer schützen.

Rana freut sich auf ein selbstständiges Leben als Ehefrau, aber die Ehe scheitert. Als geschiedene Frau kehrt sie zu ihren Eltern zurück. Mühsam setzt sie sich dafür ein, dass sie einen Englischkurs besuchen und arbeiten gehen darf. Sie ist aber immer darauf angewiesen, dass ihr Vater oder Bruder sie fahren.

Eine Ausflucht aus ihrem unfreien Leben findet sie mit dem Internet. Dort entdeckt sie auch atheistisches Gedankengut, das sie sehr fasziniert. Das ist aber ein Spiel mit dem Feuer, denn in ihrer Heimat wird jeder Abkehr vom Islam mit dem Tod bestraft. Wegen ihrer große Liebe zur Naturwissenschaft, beschäftigt sie sich trotzdem weiter mit den unerlaubten Gedanken, bis sie schließlich den Entschluss fasst heimlich Atheistin zu werden. Ihre Familie bemerkt eine Veränderung in ihr. Auch wenn er den Grund für diese Veränderung nicht kennt, vermutet ihr Bruder eine heimliche Beziehung, und er schlägt sie brutal zusammen.

Es kommt der Punkt, an dem Rana erkennt, dass sie ihre Heimat verlassen muss. Es fällt ihr sehr schwer alles zurückzulassen, aber sie weiß, dass sie so nicht mehr leben kann. Sie flieht in die Türkei, und von dort aus gelangt sie schließlich nach Deutschland. Sie ist begeistert über die neugefundene Freiheit, als Frau ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Endlich darf sie träumen und auf ihre Träume hinarbeiten.

In diesem Buch nimmt die Autorin den Leser hinein in ihr Leben, zum Beispiel bei den aufregenden Vorbereitungen für ihre Hochzeit. Sie schreibt über ihre Angst vor der Hochzeitsnacht und über die immer gegenwärtige Sorge, dass sie als Frau Schande über die Familie bringen könnte. Man hat den Eindruck ihr gegenüberzusitzen und ihrem persönlichen Bericht zu lauschen. Fesselnd geschrieben, gibt dieses Buch einen wichtigen Einblick in ein Leben, das den Meisten in europäischen Ländern fremd ist. Es ist erschütternd zu sehen, welche Repressalien Frauen befürchten müssen, für Kleinigkeiten, die bei uns selbstverständlich sind. Wie schwer muss es sein, geliebte Menschen zu verlassen, und sich auf den ungewissen und gefährlichen Weg in ein neues Land zu machen. Aber es ist andererseits berührend zu lesen, wie liebevoll die Geflüchteten mit einer warmen Mahlzeit willkommen geheißen werden.

Auch wenn es schade ist, dass sie mit den Fesseln ihrer Religion den Glauben an Gott ganz abgelegt hat, kann man ihren Weg nachvollziehen. Eine wirklich lesenswerte Geschichte über einen hoffnungsvollen Neuanfang!

Veröffentlicht am 10.02.2018

Was wirklich zählt

Eine Insel zwischen Himmel und Meer
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Crow ist zwölf Jahre alt. Sie lebt glücklich auf einer kleinen Insel, auf der sie fast ihr ganzes Leben verbracht hat. Als sie erst wenige Stunden alt war, wurde sie in einem Boot an die Küste gespült ...

Crow ist zwölf Jahre alt. Sie lebt glücklich auf einer kleinen Insel, auf der sie fast ihr ganzes Leben verbracht hat. Als sie erst wenige Stunden alt war, wurde sie in einem Boot an die Küste gespült und von Osh gefunden. Osh selbst kam vor einigen Jahren allein auf diese Insel, denn den Krieg in seiner Heimat fand er sinnlos. Osh kümmert sich aufopfernd um das kleine Baby, mit der Hilfe einer lieben Nachbarin, die damit langsam Teil dieser kleinen Familie wird.

Crow sehnt sich mehr und mehr danach zu wissen, woher sie gekommen ist. Sie versteht auch nicht, warum die anderen Inselbewohner den Kontakt mit ihr meiden. Widerwillig begleitet Osh sie auf der Reise nach ihren Wurzeln. Doch seine Bedenken sind unbegründet, trotz der Suche bleibt Crow fest in ihrer kleinen Familie verwurzelt. Am Ende ihrer Suche sagt sie, „Ich war sogar ganz froh, etwas zu wissen, was nicht jeder wusste: dass es Besseres gab als Blutsbande.“

Diese drei, zusammen mit einer verspielten Katze namens Maus, erleben bei ihrer Suche viele Abenteuer und lebensgefährliche Situationen. Dabei retten sie ein Leben, finden einen Schatz und wachsen über sich selbst hinaus; aber vor allem lernen sie, was im Leben wirklich wichtig ist.

An diesem zauberhaft geschriebenen Buch werden nicht nur Kinder Freude haben! Das ruhige und einfache Leben auf einer Insel, vor rund hundert Jahren, ist einerseits hart, andererseits aber in seiner Schlichtheit unglaublich anziehend. Das Leben besteht aus Arbeit im Garten oder auf dem Meer, einfache Mahlzeiten, und viel Liebe und Geborgenheit in der einfach eingerichteten Hütte. Beziehungen sind wichtiger als Dinge, das Leben auf dem Land schöner als das laute Gedränge der Stadt. Die mutigen Menschen in dieser zusammengewürfelten Familie wachsen dem Leser schnell ans Herz. Und auch wenn am Ende des Buchs noch einige Rätsel offenbleiben, hat der Leser gemeinsam mit Crow das Wichtigste entdeckt – Familie ist da, wo man sich Zuhause fühlt.