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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.05.2026

Großartig!

Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten
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»Wenn man Pflanzen gießt und düngt, Schädlinge fernhält und einen guten Standort aussucht, werden sie die Mühe mit Blüten und Früchten belohnen. Menschen kennen diese Dankbarkeit nicht. Du kannst sie lieben, ...

»Wenn man Pflanzen gießt und düngt, Schädlinge fernhält und einen guten Standort aussucht, werden sie die Mühe mit Blüten und Früchten belohnen. Menschen kennen diese Dankbarkeit nicht. Du kannst sie lieben, so viel du willst, und weißt dennoch nie, was du bekommst.« (Seite 176)

Mit der Urgroßmutter fängt es an, Henrike macht den Anfang bei dieser Erzählung, die sich durch vier Generationen zieht. Auf einem Bauernhof an der Nordsee zu Kaiserzeit hat es begonnen und viele Kilometer davon entfernt läutet ein umgebauter Hof den Abschluss ein, die Enkelin realisiert, dies wird das Ende des Stammbaums sein. In einer wunderschönen Sprache, die sie spielend benutzt, erzählt Anna Maschik die Geschichte einer Familie, konzentriert sich dabei auf die Frauen, lässt die Männer aber nicht außen vor, sondern bezieht sie mit ein. Dies liest sich so spannend und unterhaltsam, dass es eine Freude ist für mich, dabeigewesen zu sein. Großartig!

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Veröffentlicht am 28.04.2026

Elma in Höchstform

Verschworen
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In einem Ferienhaus wird ein Mann brutal erstochen, die Täterperson hinterlässt auf einer Wand über dem Toten einen biblischen Vers. Kommissarin Elma nimmt zusammen mit ihrem Team die Ermittlungen auf, ...

In einem Ferienhaus wird ein Mann brutal erstochen, die Täterperson hinterlässt auf einer Wand über dem Toten einen biblischen Vers. Kommissarin Elma nimmt zusammen mit ihrem Team die Ermittlungen auf, die zu einem tragischen Unfall von vor über fünfundzwanzig Jahren führen. Keine der damals beteiligten Personen ist jedoch bereit, mit der Wahrheit herauszurücken.

»Die Welt ist nicht wie ein Film, wo am Ende das Gute siegt. Es gibt keine verdiente Strafe. Sogar die Vorstellung von Gerechtigkeit ist relativ.« (Seite 295)

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um den fünften Teil der großartigen Island-Reihe der Autorin und den vierten Band mit der Kommissarin Elma, nachdem der vorherige Teil in der Zeit vor ihrer Rückkehr nach Akranes spielte, weswegen ich persönlich diesen etwas schwächer fand. Wie für diese Reihe typisch, springt auch die aktuelle Geschichte zwischen zwei Zeitebenen hin und her, wechselt permanent die Perspektive und verrät erst kurz vor Schluss das Motiv für die Tat. Die persönlichen Umstände der ermittelnden und sonstigen Personen vervollständigen das Bild, nehmen aber nicht überhand.

Auch wenn das Verbrechen selbst ziemlich brutal ist, geht es ansonsten überwiegend unblutig zu, sodass auch sensible Leserinnen und Leser bei dieser Buchreihe auf ihre Kosten kommen. Die zwischenmenschlichen Beziehungen stehen hier meistens im Vordergrund, offenbaren Schwächen und Verfehlungen, woraus dann etwas entsteht, das die Fratze des Bösen offenlegt. Der Fall selbst wird abgeschlossen, aber bereits jetzt der Fokus auf ein neues Geheimnis gerichtet. Es bleibt spannend und ich freue mich auf das nächste Abenteuer in Akranes, und zwar sehr!

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Veröffentlicht am 26.04.2026

Fühlen wie ein Sohn

Der Junge im Taxi
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»M., der deutsche Sohn von Malusci. Du weißt doch, dass dein Großvater in Deutschland einen Sohn gezeugt hat, damals, als er am Bodensee Besatzungssoldat war. Einen Sohn mit einer Deutschen, die er ein ...

»M., der deutsche Sohn von Malusci. Du weißt doch, dass dein Großvater in Deutschland einen Sohn gezeugt hat, damals, als er am Bodensee Besatzungssoldat war. Einen Sohn mit einer Deutschen, die er ein paar Wochen lang gekannt hat, das wusstest du doch, oder?« (Seite 25)

Nachdem Simons Großvater Malusci im Kreise der Familie bestattet worden ist, wird Simon von dem Mann seiner Tante zur Seite genommen und erfährt ein Geheimnis, das ungeheuerlich klingt. Einen Sohn soll sein Großvater gezeugt haben, als Besatzungssoldat in Deutschland, den niemand je erwähnt hat. Simon, selbst gerade frisch getrennt und verletzlich, macht sich auf die Suche nach dem unbekannten Mann.

Sylvain Prudhomme verarbeitete mit dem vorliegenden Buch seine eigene Geschichte, auch er erfuhr bei der Beerdigung seines Großvaters erstmals von einem Onkel in Deutschland und musste dieses Erlebnis verdauen, bevor er es niederschrieb. Dinge aus der Vergangenheit verbanden sich plötzlich mit dem neuen Wissen und einiges, das vorher nebenbei erzählt worden ist, ergab plötzlich einen Sinn. Man merkte dem autofiktionalen Roman an, wie getroffen er war, wie sehr es ihn persönlich bewegt hat, diesem Familiengeheimnis nachzuspüren.

In einer wunderschönen Sprache, stellenweise ohne Satzzeichen und nicht gekennzeichnet, wenn es um Gespräche ging, erzählte Sylvain mit der Stimme von Simon, wie es ihm erging. Eine Familiengeschichte, die manchmal spannender war wie ein Krimi, eine Suche, die oft aufregend war. Ein Roman, der mich berührt hat, ich bin dankbar, dass ich bei dieser sehr persönlichen Aufarbeitung zugegen sein durfte. Lesenswert!

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Veröffentlicht am 22.04.2026

Am Ende der Vernunft

Trocken
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»Im Grunde kann ich mich an das Gefühl, betrunken zu sein, nur noch erinnern. Meine zum Standard gewordenen drei Promille sind jetzt meine Nüchternheit. Alles, was darüber hinausgeht, vergesse oder verdränge ...

»Im Grunde kann ich mich an das Gefühl, betrunken zu sein, nur noch erinnern. Meine zum Standard gewordenen drei Promille sind jetzt meine Nüchternheit. Alles, was darüber hinausgeht, vergesse oder verdränge ich.« (Seite 36)

Beim vorliegenden Buch handelt es sich dem Pressetext des Verlages zufolge um das zutiefst persönliche Debüt eines trockenen Alkoholikers. Mit entwaffnender Ehrlichkeit, brutaler Offenheit und in mal kurzen, mal längeren Abschnitten schildert Daniel Wagner seinen Weg, schreibt bewegend darüber, wie er es nach dreißigjähriger Alkoholabhängigkeit geschafft hat, trocken zu werden und bis heute zu bleiben.

»Auch wenn ich trocken bin, das Leben, das ich führe, führe ich auf der Basis von Alkohol. Ohne es zu merken habe ich mein Leben in seine Hände gegeben und er wird es mir nie wieder vollständig zurückgeben. Hand in Hand in eine gemeinsame Zukunft. Und ich hasse das.« (Seite 12)

Dieses Buch hat mir nicht die Augen geöffnet, ich weiß selbst ganz genau um die Gefahren von Alkohol und Drogen. Dennoch hat es mich erschreckt, wie oft ich mich wiedererkannt habe in manchen Beschreibungen, obwohl ich sicherlich kein Alkoholproblem habe. Daniel Wagner zieht sich vor den Leserinnen und Lesern förmlich aus, kehrt sein Innerstes nach außen, und schildert auch Situationen, die absolut beschämend gewesen sein müssen und dies auch im Nachhinein sind. Dies ist richtig und wichtig, um zu verstehen, wie es soweit gekommen ist und wie es passieren konnte, dass er fast gestorben ist. Nicht, dass dies zur Einsicht geführt hätte, die länger auf sich warten ließ. Ein großartiger und mutiger Bericht von einem, der gesundet ist und doch für immer krank bleiben wird. Respekt, Daniel, ich ziehe meinen imaginären Hut vor dir!

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Veröffentlicht am 19.04.2026

Wir vergessen nicht

Die Kinder von Izieu
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Am 06. April 1944 ist die Welt im Kinderheim von Izieu noch in Ordnung, die 44 dort untergebrachten jüdischen Kinder sowie deren Betreuer rechnen nicht mit der Unmenschlichkeit, die ihnen unerwartet widerfährt, ...

Am 06. April 1944 ist die Welt im Kinderheim von Izieu noch in Ordnung, die 44 dort untergebrachten jüdischen Kinder sowie deren Betreuer rechnen nicht mit der Unmenschlichkeit, die ihnen unerwartet widerfährt, als während der Frühstückszeit draußen Wehrmachtsangehörige nebst drei Gestapo-Offizieren auftauchen. Die Kinder und die anwesenden Erwachsenen werden in Lastwagen verfrachtet, einzig Léon Reifman rettet sich mit einem Sprung aus dem Fenster, und ins Gefängnis Montluc gebracht, von wo aus sie am nächsten Tag nach Drancy überführt werden. Eine Woche nach der Razzia deportiert man die meisten von ihnen nach Auschwitz-Birkenau, der Rest folgt einige Zeit später. Nur die Erzieherin Léa Feldblum kehrt lebend zurück.

Nikolaus »Klaus« Barbie war ein deutscher Kriegsverbrecher, der wegen seiner Grausamkeit unter der Bezeichnung »Der Schlächter von Lyon« zu zweifelhaftem Ruhm gelangte. Von 1942 bis 1944 war er Chef der Gestapo in Lyon, mit einem seiner schlimmsten und niederträchtigsten Verbrechen beschäftigt sich die vorliegende Graphic Novel.

Vor einiger Zeit las ich eine Graphic Novel über Klaus Barbie, bei dem es mir sehr schwer fällt, ihn Mensch zu nennen, solch grausame Verbrechen hat er begangen. Eines davon haben Pascal Bresson und Giulio Salvadori thematisch verarbeitet, mich damit beeindruckt und sehr bewegt. Einem Denunzianten war es zu verdanken, dass unschuldige Kinder und deren Betreuer damals abgeholt und in den sicheren Tod geschickt worden sind. Einen Verdacht gab es zwar, aber an Beweisen hat es leider gefehlt, um diesen Menschen dafür zur Verantwortung zu ziehen. Das vorliegende Werk beleuchtet die Umstände, beschäftigt sich mit dem Gerichtsprozess und lässt Überlebende zu Wort kommen. Die Geschichte hat mich berührt und ich finde es großartig, dass eine Erinnerung an die vielen Toten weiterhin besteht. Gegen das Vergessen.

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