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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.05.2026

Beeindruckend und bedrückend

John of John
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Beeindruckend und bedrückend

Aufgewachsen auf einer kleinen Insel der Äußeren Hebriden, studierte Cal in Edinburgh, leider ohne anschließend einen Job zu finden. Da kommt die Bitte seines Vaters, nach ...

Beeindruckend und bedrückend

Aufgewachsen auf einer kleinen Insel der Äußeren Hebriden, studierte Cal in Edinburgh, leider ohne anschließend einen Job zu finden. Da kommt die Bitte seines Vaters, nach Hause zurückzukehren, gar nicht so ungelegen. Doch Cal ahnt, dass das Zusammenleben mit seinem Vater John und seiner Großmutter Ella nicht einfach werden wird. John ist in der Kirche sehr aktiv und bibelfest, sodass Cal sich nicht traut, ihm seine Homosexualität zu gestehen. Dabei hat John selbst ein Geheimnis, das ihm zu schaffen macht.

Douglas Stuart hat einen ganz wunderbaren, ehrlichen, direkten Schreibstil, der einen tief eintauchen und nicht an dem Gelesenen zweifeln lässt. Und was man hier zu lesen bekommt, ist harter Tobak. Es tut richtig weh, Cal dabei zu begleiten, sich selbst zu finden. Sein Hadern mit seiner Familie, mit seinem Leben, mit seiner sexuellen Orientierung, seine Unentschlossenheit zwischen Familienbanden und Freiheit lassen sich fast schon mit Händen greifen, so dicht und intensiv werden sie dargestellt.

Es passiert eigentlich nicht viel und doch benötigt die Story die über 550 Seiten, um sich genau richtig zu entwickeln. Ich hätte auch gerne noch mehr davon lesen können, mir war keine Seite zu viel. Die Handlung ist zwar nicht wirklich spannend, aber mich konnte sie so dermaßen fesseln, dass ich in jeder freien Minute nach dem Buch greifen musste. Und auch dazwischen waren meine Gedanken oft bei Cal und John und Innes und den anderen Dorfbewohnern, die auf einem unglaublich kargen Fleckchen Erde ihr Auskommen finden und es miteinander aushalten müssen.

Fazit:
Ein langsamer, intensiver Roman, den man nicht so schnell vergisst.

★★★★★

Veröffentlicht am 06.05.2026

Ein absoluter Pageturner!

Vermisst - Der Fall Lucas
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Ein absoluter Pageturner!

Dies ist schon der 3. Band um die Berner Ex-Polizistin Malou Löwenberg. Natürlich ist es schöner, alle Bände chronologisch zu lesen, da Malous Suche nach ihren leiblichen Eltern ...

Ein absoluter Pageturner!

Dies ist schon der 3. Band um die Berner Ex-Polizistin Malou Löwenberg. Natürlich ist es schöner, alle Bände chronologisch zu lesen, da Malous Suche nach ihren leiblichen Eltern als Nebenhandlung von Band zu Band fortgeführt wird. Aber man kann sich auch einzelne Bände herauspicken und sie unabhängig voneinander lesen. Die wichtigsten Hintergrundinformationen bekommt man auf jeden Fall.

Mittlerweile arbeitet Malou als Privatermittlerin, wobei sie sich auf die Suche nach vermissten Personen spezialisiert hat. Ihre neue Auftraggeberin ist Lana Boban, die im Hospiz auf den Tod wartet. Ihr Bruder Lucas hat vor 26 Jahren gestanden, im Wahn zwei Mädchen ermordet zu haben. Seitdem ist er untergetaucht. Lanas Wunsch ist es nun, Lucas noch ein Mal zu sehen. Damit bringt sie Malou in einen Gewissenskonflikt: Sollte sie Lucas wirklich finden, müsste sie ihn als gesuchten Mörder der Polizei übergeben und somit ihrer Auftraggeberin in den Rücken fallen.

Mir gefällt Christine Brands Schreibstil unglaublich gut. Er wirkt dynamisch und fesselnd. Zum größten Teil wird Malous Perspektive erzählt. Durch kurze Rückblenden ins Jahr 2000 aus Sicht der damals Betroffenen wird nach und nach offenbart, was sich wirklich zugetragen hat. Die Autorin schafft es immer wieder, dass ich mich der Protagonistin ganz nahe fühle. Malou finde ich mit all ihren Zweifeln, ihrer Empathie, ihrem Mut und ihrer Entschlossenheit unglaublich sympathisch.

Die Story ist super spannend. Ich habe mich öfter dabei erwischt, wie ich den Atem angehalten und gebannt eine Seite nach der anderen umgeblättert habe. Bei der aufregenden Jagd nach dem Täter begleiten wir Malou durch Bern, Interlaken und ins Ausland. Immer wieder tauchen neue Puzzlestücke auf, die das Bild allmählich vervollständigen. Man kann dabei wunderbar miträtseln, aber der Täter wird erst kurz vor Schluss offenbart. Genial!

Die Malou Löwenberg-Reihe:
1. Vermisst. Der Fall Anna
2. Vermisst. Der Fall Emily
3. Vermisst. Der Fall Lucas

★★★★★

Veröffentlicht am 22.04.2026

Wieder sehr amüsant

Mord ist die beste Beseitigung
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Wieder sehr amüsant

Kaum ist der Fall mit dem Kind (in »Wenn Ende gut, dann alles«) abgeschlossen, als Tommi (widerwillig) und Svetlana (nur allzu bereitwillig) in einen neuen Fall stolpern. Per Reiseruf ...

Wieder sehr amüsant

Kaum ist der Fall mit dem Kind (in »Wenn Ende gut, dann alles«) abgeschlossen, als Tommi (widerwillig) und Svetlana (nur allzu bereitwillig) in einen neuen Fall stolpern. Per Reiseruf wird Gabriele Zorn gesucht, und genau die fährt gerade vor Tommis Wohnmobil her. Doch als sie der Frau auf einen Parkplatz folgen, ist das Auto leer und Gabriele Zorn spurlos verschwunden.

Während Tommi krampfhaft versucht, endlich sein Buch zu schreiben, wittert Svetlana, die ukrainische Putzfrau, ein handfestes Verbrechen. Ich verrate wohl nicht zu viel, wenn ich sage, dass sie damit ganz richtig liegt.

Neben vielen witzigen Szenen entwickelt sich der Kriminalfall stetig und mit sich steigernder Spannung vorwärts. Dabei hat Svetlana stets die Nase vorn und durchschaut die Zusammenhänge um einiges schneller als Tommi. Die „Zusammenarbeit“ der beiden hat mich immer wieder zum Lachen gebracht. Ich liebe die Wortspiele um Svetlanas verdrehtes Deutsch, wobei die beiden manches Mal grandios aneinander vorbeireden.

Ich mag beide Hauptfiguren sehr gern, sie sind mir schon sehr ans Herz gewachsen. Und auch Tommis Vater Leo ist ein besonderer Charakter, den ich nicht missen mag.

Der Fall hat einige überraschende Wendungen und ist in sich abgeschlossen. Man kann das Buch gut ohne Vorkenntnisse lesen, mit macht es aber eventuell noch mehr Spaß.

Ich freue mich jedenfalls jetzt schon auf ein Wiedersehen mit Tommi und Svetlana in Band 3.

Die Reihe:
1. »Wenn Ende gut, dann alles«
2. Mord ist die beste Beseitigung

★★★★★

Veröffentlicht am 04.04.2026

Intelligent aufgebauter "Soft-Thriller"

Beth is dead
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Intelligent aufgebauter „Soft-Thriller“

„Beth is Dead“ ist der erste veröffentlichte Roman der US-amerikanischen Autorin Katie Bernet nach etlichen Absagen. Zum Glück hat sie nicht aufgegeben und es immer ...

Intelligent aufgebauter „Soft-Thriller“

„Beth is Dead“ ist der erste veröffentlichte Roman der US-amerikanischen Autorin Katie Bernet nach etlichen Absagen. Zum Glück hat sie nicht aufgegeben und es immer wieder versucht, denn dieses Buch ist bisher mein Highlight des Jahres.

Inspiriert von „Little Women“ von Louisa May Alcott aus dem 19. Jahrhundert hat Bernet eine unglaublich dichte Story um eine Familie mit vier jugendlichen bzw. gerade erwachsenen Töchtern ersonnen. Wie im Original heißen sie Meg, Jo, Beth und Amy. Ob es darüber hinaus Parallelen gibt, kann ich nicht sagen, da ich die Vorlage nicht kenne. In der neuen Version ist der Vater Autor und hat einen Roman über seine Töchter veröffentlicht. Dabei ließ er Beth am Ende sterben. Und am Neujahrstag tritt genau dies auch in der Wirklichkeit ein. Beth ist tot.

Die Polizei, aber auch die überlebenden Schwestern versuchen herauszufinden, wer Beth ermordet hat. Dabei geraten sie selbst, ihr Vater, ihre Freunde und andere in Verdacht. Die Lesenden können hier sehr gut selbst miträtseln. Aber die Fakten werden nur ganz langsam nach und nach offenbart. Meg, Jo und Amy erzählen in eigenen Kapiteln über das Vorher und das Nachher. Beth kommt natürlich nur im Vorher zu Wort.

Die Dynamik innerhalb der Familie und auch innerhalb von Freundschaften außerhalb der Familie wird hier intensiv dargestellt. Einerseits besteht ein unerschütterlicher Zusammenhalt zwischen den Schwestern, doch hat jede auch ihre Geheimnisse, die sie nicht mit den anderen teilt. Jedes davon könnte theoretisch mit dem Mord an Beth zu tun haben. Falsche Fährten gibt es dadurch zuhauf. Praktisch in jedem Kapitel erwartet die Lesenden eine neue Wendung. Aber keine Sorge, man kann dem Ganzen sehr gut folgen.

Ich empfand die Figuren als hervorragend ausgearbeitet. Die Schwestern könnten kaum unterschiedlicher sein, was die Story so interessant macht. Mir fiel es leicht, mich in alle vier hineinzuversetzen. Obwohl Meg, Jo und Amy zum Teil egoistische Züge tragen, mochte ich sie sehr, denn Katie Bernet konnte mir vermitteln, dass sie in ihrem Innersten auch ganz viel Gutes verbergen.

Durch die häufigen Perspektiv- und Zeitwechsel, oft mit Cliffhanger, entsteht ein unglaublicher Sog, dem ich mich kaum entziehen konnte. Gespannt wie ein Flitzebogen habe ich diesen Thriller verschlungen. Ich fand ihn äußerst intelligent konstruiert, sodass man zwar mitermitteln kann, aber nicht zu früh auf den Täter gestoßen wird.

★★★★★

Veröffentlicht am 03.04.2026

Spannender Jugend-Thriller mit sympathischer Protagonistin

Darkly
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Spannender Jugend-Thriller mit sympathischer Protagonistin

Die siebzehnjährige Dia verbringt ihre Zeit im verstaubten Antiquitätenladen der Familie in Eminence, Missouri. Ihre Mutter Gigi schwebt meist ...

Spannender Jugend-Thriller mit sympathischer Protagonistin

Die siebzehnjährige Dia verbringt ihre Zeit im verstaubten Antiquitätenladen der Familie in Eminence, Missouri. Ihre Mutter Gigi schwebt meist über allen Wolken und die beiden Angestellten Basil und Agatha, die schon längst im Rentenalter sind, dienen eigentlich auch nur der Dekoration, sodass Dia den Laden alleine schmeißt. Als die Louisiana-Veda-Stiftung ein Praktikum auslobt, ergreift Dia die Chance und bewirbt sich, um endlich mal etwas anderes zu sehen. Schon lange ist sie Fan von Louisiana Veda, der Erfinderin mysteriöser und kaum zu lösender Brettspiele. Zusammen mit sechs anderen Jugendlichen wird sie auf eine Insel in England gebracht, wo sie in ein gefährliches Spiel auf Leben und Tod verwickelt werden.

Da ich von Marisha Pessl schon sehr gute Bücher gelesen habe, machte ich mich gespannt ans Lesen. Vom Schreibstil war ich auch gleich wieder ganz angetan. Er wirkt recht dynamisch und leicht zu lesen. Die Beschreibungen setzten mein Kopfkino in Gang, was ich immer sehr gerne mag. Auch die Protagonistin Dia fand ich von der ersten Seite an richtig klasse. Sie hat es nicht leicht mit ihrer Mutter und dem Laden, ohne Freund*innen. Trotzdem hat sie das Herz am rechten Fleck, ist immer tatkräftig und hoffnungsvoll. Gut, zwischendurch befallen sie kleine Zweifel, aber das macht sie ja nur umso menschlicher und liebenswürdiger. Ich habe auf jeden Fall das ganze Buch an ihrer Seite sehr genossen.

Sehr gelungen fand ich, dass die sieben Jugendlichen so unterschiedlich dargestellt werden. Jeder hat andere Fähigkeiten und Eigenschaften. Und alle haben natürlich auch ihre eigenen Geheimnisse, die im Lauf des Buches gelüftet werden. Hier gibt es manche Überraschung zu entdecken. Überhaupt gibt es einiges an Überraschungen - nicht nur bei den Jugendlichen. Was hinter diesem Praktikum steckt, bleibt lange Zeit im Dunkeln. Zeitweise erschien es mir sogar unlogisch, doch am Ende kriegt Marisha Pessl genial die Kurve und klärt alles logisch auf.

Die Handlung empfand ich als sehr spannend; ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Teilweise ist es ein wenig gruselig, auch ein bisschen brutal, aber nicht zu vergleichen mit einem Thriller für Erwachsene. Ich würde es allerdings erst für Jugendliche ab ca. 14 Jahren empfehlen. Ob Jüngere es lesen sollten, hängt natürlich vom jeweiligen Kind ab.

Fazit:
Eine klare Leseempfehlung für dieses spannende Jugendbuch mit außergewöhnlichem Plot und Setting und einer tollen sympathischen Protagonistin.

★★★★★