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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.05.2026

Mord, Lügen und Geheimnisse

Schattengast
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„Happy New Year“ und „Nur eine Lüge“ von Malin Stehn hatten mich begeistert und auch „Schattengast“, ihr neuer Schweden-Krimi überzeugt mit einem originellen Plot und einer Menge Spannung. Worum geht ...


„Happy New Year“ und „Nur eine Lüge“ von Malin Stehn hatten mich begeistert und auch „Schattengast“, ihr neuer Schweden-Krimi überzeugt mit einem originellen Plot und einer Menge Spannung. Worum geht es?
Sandra feiert ihren vierzigsten Geburtstag mit einer großen Party. Am nächsten Tag liegt sie tot in der Waschküche. Was war geschehen?
„Schattengast“ ist ein Slow Burner, der erst langsam Atmosphäre aufbaut, bis die Achterbahn dann richtig loslegt.
Es fällt schwer, Mitgefühl für das Opfer zu empfinden. Denn Sandra kommt ziemlich unsympathisch rüber. Sie ist kaufsüchtig, nimmt Kredite auf und überschuldet sich. Ihr Mann Jack, ein Autor, hat nach dem Erfolg seines Debüts mit seinem zweiten Roman kein Glück, was er seiner Frau verschweigt. Befreundet sind sie mit Lejla und Nedim. Beide Paare haben zwei Kinder.
Gerade im Zusammenspiel der Figuren entsteht die Spannung. Weiß man wirklich alles über seine Nachbarn, Freunde und Familie? Denn in „Schattengast“ wird deutlich, dass kleine Lügen, Heimlichkeiten, verheerende Folgen haben können. Malin Stehn gelingt es sehr gut, Familien und die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern darzustellen.
Wechselnde Perspektiven sorgen für Dynamik. Immer wieder sind Auszüge aus der polizeilichen Vernehmung eingestreut. Obwohl man bereits im ersten Kapitel erfährt, wer das Opfer ist, mindert das die Spannung nicht, da man weder den Täter, noch das Wie und Warum kennt. Es gibt viele mögliche Motive und viele Handlungsstränge, die geschickt miteinander verwoben sind.
Nach Sandras Tod springt die Handlung zurück in die Vergangenheit und wir verfolgen die Ereignisse, die zu der Tat führten. Viele Figuren treffen eine Fehlentscheidung nach der anderen, verstricken sich in Lügen und sind völlig unfähig zu kommunizieren. Wie eine Achterbahn, die immer schneller wird und schließlich entgleist. Die Auflösung ist stimmig - und schockiert.

Fazit: Abgründiger Schweden-Krimi. Absolut empfehlenswert!

Veröffentlicht am 28.04.2026

Tatort Island

Schlafende Vulkane
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Die Schwedenkrimis von Hjorth & Rosenfeldt habe ich geliebt und auch der neue Island-Thriller von Michael Hjorth und Bjarni Thorsson, „Schlafende Vulkane“, überzeugt mit einer Menge Spannung. Worum geht ...

Die Schwedenkrimis von Hjorth & Rosenfeldt habe ich geliebt und auch der neue Island-Thriller von Michael Hjorth und Bjarni Thorsson, „Schlafende Vulkane“, überzeugt mit einer Menge Spannung. Worum geht es?
In einer Pferdebox nahe Reykjavík wird eine Tote gefunden, ermordet. Es handelt sich um Guðný Axelsdóttir.
Danach begegnen wir Bjarki Guðmundsson, genannt Grettir. Er rettet mal eben die Welt, einen Busfahrer und eine Frau aus einem reißenden Fluss.
Und dann ist da noch Helga Þóra Jónsdóttir vom Dezernat für Gewaltverbrechen. Sie soll im Fall der toten Frau ermitteln. Ihr erster großer Fall.
Ist Guðnýs Ex-Mann tatsächlich der Täter? Jedenfalls ist ihr 10-jähriger Sohn Kristofer spurlos verschwunden. In dieser wilden, gefährlichen Landschaft ein großes Risiko. Kristofer wird stark unterkühlt, aber gerade noch rechtzeitig gefunden, der Vater verhaftet. Doch die Morde gehen weiter.
Als wäre das noch nicht genug, werden die Morde vorher im Darknet angekündigt und live übertragen. Der Täter nennt sich „Mamasboy“. Wer steckt dahinter? Denn Kristofers Vater ist es nicht. Wie findet er seine Opfer?
„Schlafende Vulkane“ ist spannend und unterhaltsam. Hart und brutal. Ein wirklich extremes Setting. Wechselnde Perspektiven, auch aus Tätersicht, sorgen für Dynamik. Und Island geht immer. Düster und mystisch.
Die Figurenzeichnung ist gut gelungen. Helga ist analytisch und hartnäckig. Bjarki, ein Motorradpolizist, eher wortkarg und kein Teamplayer. Ein ungleiches Paar, das sich zusammenraufen muss, um diesen komplexen Fall zu lösen.

Fazit: Fesselnder Auftakt um das Ermittlerduo Helga und Bjarki in der Vulkanlandschaft Islands.

Veröffentlicht am 23.04.2026

Wo ist Rebecca?

Widdersehen
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„Widdersehen“ ist der dritte Teil einer Schafskrimi-Reihe, der die Herde um Miss Maple zurück in das irische Glennkill führt. „Glennkill“, „Garou“ und Miss Maple habe ich geliebt. Daher habe ich mich ...


„Widdersehen“ ist der dritte Teil einer Schafskrimi-Reihe, der die Herde um Miss Maple zurück in das irische Glennkill führt. „Glennkill“, „Garou“ und Miss Maple habe ich geliebt. Daher habe ich mich auf „Widdersehen“ sehr gefreut - und wurde nicht enttäuscht.
Die Schafe kehren von ihrer Europareise zurück nach Glennkill, müssen aber feststellen, dass ihre Heimatweide von drei fremden Schafen besetzt ist. Zudem ist ihre Schäferin eines Tages verschwunden. Die Schafe ermitteln, um Rebecca zu finden.
Zurückgeblieben ist nur ein einzelner Finger und ein geheimnisvoller Brief, aus dem sich die Schafe mangels Vorlesemenschen keinen Reim machen können. Die Herde befürchtet das Schlimmste und finden sich Unversehens in einem Familiendrama wieder…
„Widdersehen“ ist unterhaltsam und sprachlich gelungen. Auch der Humor kommt nicht zu kurz. Wechselnde Perspektiven, hauptsächlich aus Schafssicht, sorgen für Dynamik.
Zwischen Weide und Dorfkirche, Läden und Gärten warten ungeahnte Abenteuer auf Miss Maple und ihre Herde - bis es ihnen tatsächlich gelingt, Licht ins Dunkel zu bringen und den Fall aufzuklären.
Das Buch ist wunderschön gestaltet: ein gebundenes Buch mit Lesebändchen und liebevollen Zeichnungen.

Fazit: Wiedersehen mit den Schafen aus Glennkill. Ein tierisches Lesevergnügen!

Veröffentlicht am 20.04.2026

Eine perfide Hetzjagd

39 Grad
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Das Warten hat sich gelohnt. Denn „39 Grad“, der neue Psychothriller von Quentin Peck, ist noch besser, spannender als „Minus 22 Grad“. Worum geht es?
Es ist Sommer. Die Felder sind trocken. Das Thermometer ...


Das Warten hat sich gelohnt. Denn „39 Grad“, der neue Psychothriller von Quentin Peck, ist noch besser, spannender als „Minus 22 Grad“. Worum geht es?
Es ist Sommer. Die Felder sind trocken. Das Thermometer zeigt neununddreißig Grad. Ein Serienkiller geht um.
Wir lernen Anne kennen, aus Tätersicht. Das „Klack-Klack-Klick…“ ihrer Absätze. Danach eine Szene im Pool. Ein Spiel mit der Angst. Die Pumpe gluckert. Das Wasser rauscht. Ob Anne überlebt?
Doch dann wird eine Leiche gefunden. Virtuos inszeniert. Und wieder rumpelt und klackt es. Hat der Killer schon das nächste Opfer im Visier?
Kriminalkommissar Lukas Johannsen und Profilerin Berit Pernstein ermitteln. Der Täter will offenbar spielen. Lukas in den Wahnsinn treiben. Handelt es sich um den Puppenmörder?
„39 Grad“ ist spannend und unterhaltsam. Der Plot ist geschickt aufgebaut. Geräusche und Gerüche werden greifbar. Immer wieder sind Rückblicke in die Vergangenheit eingestreut. Sie verleiten zu unterschiedlichen Spekulationen und Deutungen.
Über das Wiedersehen mit Lukas und Berit habe ich mich gefreut. Denn sie sind mir inzwischen ans Herz gewachsen. Die Figurenzeichnung ist gut gelungen. Ein starker Antagonist und ein Protagonist, der persönlich involviert ist.
Hohes Tempo und fiese Cliffhanger machen diesen abgründigen Thriller zu einem außerordentlichen Lesevergnügen. Erst ganz am Schluss schließt sich der Kreis. Die Handlungsstränge laufen zusammen und münden in einen großen Showdown. Das Ende schockiert.

Fazit: Packender Psychothriller. Verdammt gut gemacht.

Veröffentlicht am 18.04.2026

In einer kleinen Stadt

Komm spielen
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Ich habe lange nichts mehr von Linwood Barclay gelesen. Umso größer war meine Freude über seinen neuen Thriller „Komm spielen“. Worum geht es?
Ein Rückblick in das Jahr 2001. Wir lernen den kleinen Jeremy ...


Ich habe lange nichts mehr von Linwood Barclay gelesen. Umso größer war meine Freude über seinen neuen Thriller „Komm spielen“. Worum geht es?
Ein Rückblick in das Jahr 2001. Wir lernen den kleinen Jeremy kennen. Er bekommt zu Weihnachten eine gebrauchte Eisenbahn. Nicht die PlayStation, die er sich gewünscht hat. Ab da wird es magisch. Seine Wünsche werden wahr.
In der Gegenwart begegnen wir Annie und ihrem Sohn Charlie. Sie ist eine erfolgreiche Autorin und will ein paar Monate aufs Land ziehen. Denn sie gibt sich die Schuld am Tod eines kleinen Jungen.
Charlie langweilt sich in der kleinen Stadt. Ohne seine Freunde fühlt er sich einsam. Umso größer ist seine Freude, als er in einem verschlossenen Schuppen auf ihrem Grundstück eine vergessene Modelleisenbahn findet.
Annie freut sich über Charlies Glück, doch irgendetwas an seinem neuen Spielzeug ist beunruhigend. Seltsame Geräusche wecken Annie nachts - sie könnte schwören, einen Zug zu hören (im Original heißt das Buch „Whistle“), doch weit und breit gibt es keine Zugstrecke, nur einen stillgelegten Bahnübergang.
Merkwürdige Dinge geschehen. Explosionen. Selbstmorde. Männer verschwinden. Seit neustem auch Tiere. In der Nachbarstadt hat ein Geschäft für Spielzeugeisenbahnen aufgemacht. Quasi über Nacht. Steht der Besitzer mit diesen verrückten Ereignissen in Verbindung?
„Komm spielen“ hat mich anfangs ein bisschen an Stephen Kings „In einer kleinen Stadt“ (Needful Things) erinnert. Tatsächlich hat sich Annie dieses Buch als Lektüre für ihre Auszeit mitgebracht. Und tatsächlich entwickelt sich dieser Thriller zu einer Horrorgeschichte wie der Meister sie in den 90ern schrieb.

Fazit: Grandioser Thriller. Wie Stephen King in seinen besten Zeiten.