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Veröffentlicht am 07.05.2026

Wohlfühlroman

Der Briefladen, in dem die Zeit stillstand
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💗Hand aufs Herz - wer freut sich nicht über einen handgeschriebenen Brief?!💗

Bevor das digitale Zeitalter so richtig Einzug gehalten hat, habe ich noch regelmäßig Briefe geschrieben und verschickt. ...



💗Hand aufs Herz - wer freut sich nicht über einen handgeschriebenen Brief?!💗

Bevor das digitale Zeitalter so richtig Einzug gehalten hat, habe ich noch regelmäßig Briefe geschrieben und verschickt. Es war jedes Mal ein ganz besonders Gefühl, einen eben solchen in den Händen zu halten und zu lesen. Doch diese Momente sind heutzutage leider selten geworden.



Durch eine Unbedachtheit hat Hyoyeongs Schwester ihre eigene Familie in finanzielle Schwierigkeiten gebracht. Als sich ihre Mutter auch noch die Hüfte bricht, wird es Hyoyeong zu viel. Sie zieht aus und beginnt, als Aushilfe im Briefladen eines ehemaligen Uni-Kommilitonen zu arbeiten.

In dem Letter Shop gibt es nicht nur besonderes Briefpapier, handgefaltete Umschläge und spezielle Schreibutensilien zu kaufen. Vielmehr ist der Briefladen eine Anlaufstelle für Menschen, die Trost, Verständnis und Zuflucht gegen ihre Einsamkeit suchen. Ob Stammkunden oder zufällige Besucher - sie alle können anonyme Briefe hinterlassen und einen solchen mitnehmen, auf den sie antworten möchten. Der daraus entstehende Briefwechsel wird ebenfalls über den Briefladen gesteuert, der als Mittlerstelle funktioniert. Im Verlauf der Geschichte lernt man so einige der Kunden kennen und bekommt viele berührende Einblicke in deren Lebenssituationen und die ungewöhnlichen Brieffreundschaften, die daraus wachsen.

Obwohl ich eigentlich recht gesättigt an „Healing Fiction“ -Literatur bin, hat mich diese wunderschöne Hommage an das analoge Briefschreiben dennoch angesprochen und sich als echtes Herzensbuch entpuppt.

Nicht nur die Idee dahinter ist schön. Was mich an diesem Roman besonders begeistert, die Briefe im Buch basieren tatsächlich auf echten Briefen aus zwei südkoreanischen Letter Shops.

Eine große Leseempfehlung von mir! Ich freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung der Geschichte, die noch in diesem Jahr erscheint.

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Veröffentlicht am 29.04.2026

Eine grandiose Geschichte!

Stunden wie Tage
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Als junge Frau erhält Martha eine Stelle als Hausbesorgerin für das Mietshaus der Brüder Berkowitz in Berlin-Schöneberg. Fortan kümmert sich nicht nur um die Belange des Hauses und dem bunten Potpurri ...

Als junge Frau erhält Martha eine Stelle als Hausbesorgerin für das Mietshaus der Brüder Berkowitz in Berlin-Schöneberg. Fortan kümmert sich nicht nur um die Belange des Hauses und dem bunten Potpurri an Bewohnern, sondern nimmt sich vor allem auch der kleinen Liane an, der Tochter von Henry Berkowitz. Doch die Machtübernahme Adolf Hitlers’ und der zweite Weltkrieg haben tragische Auswirkungen auf die Familie Berkowitz. Eine davon, ist das Schicksal, welches Liane ereilt, die sich aus Liebe dem Widerstand anschließt.

Der Grundstein zu dieser Geschichte legt eine alte, heruntergekommen wirkende Frau, die der Autorin auf den Straßen von Berlin-Schöneberg immer wieder auffällt und ihr nicht mehr aus dem Kopf geht. Sie erfährt, dass die verarmt aussehende Martha E. ist, die in Wirklichkeit ein beachtliches Vermögen besitzt und welches Gerüchten zufolge einer früheren Affäre mit einem hochrangigen Nazi-Bonzen entsprungen sein soll.

Bei ihren intensiven Recherchen fördert Shelly Kupferberg mehr und mehr spannende Fragmente aus der Vergangenheit zutage und verbindet sie mithilfe von einer Spur Fiktion, zu einer erschütternden Geschichte, die einen nicht mehr loslässt. Absolut grandios erzählt.
Der historische Kontext setzt dem Ganzen die Krone auf und macht den Roman zu einem literarisch wichtigen Beitrag gegen die Verbrechen des Nationalsozialismus.

Dieses Buch hätte ich mir damals als Schullektüre gewünscht und hoffe von Herzen, dass es von vielen Menschen gelesen wird!
Für mich ist dieser Roman schon jetzt ein Jahreshighlight!

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Veröffentlicht am 27.04.2026

Eine literarische Reise nach Island

Moosland
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1949 folgen knapp 300 deutsche Frauen dem Aufruf des isländischen Bauernverbandes, um sich auf einem der dortigen Höfe als Arbeitskraft zu verdingen. Eine von ihnen ist Elsa, die nach dem Verlust ihrer ...

1949 folgen knapp 300 deutsche Frauen dem Aufruf des isländischen Bauernverbandes, um sich auf einem der dortigen Höfe als Arbeitskraft zu verdingen. Eine von ihnen ist Elsa, die nach dem Verlust ihrer Familie und Freundin vollkommen in sich gekehrt und schweigsam geworden ist. 
Es dauert, bis sie sich in dem rauen Klima, dem fremden Land und auch den Menschen und Tieren auf dem Bauernhof einlebt. Sie hat mit Ängsten und Albträumen zu kämpfen und erfährt, dass auch die Bauernfamilie einen schweren Verlust erlitten hat, auch wenn keiner von ihnen darüber spricht.
Die beiden Söhne des Bauern, Ólafur und Skúli, zeigen von Anfang an, unterschwellig Interesse an ihr, wobei vor allem Skúli einige Versuche unternimmt, sie aus der Reserve zu locken. Nur Knecht Halldór beäugt sie kritisch, ist schließlich aber derjenige, der Elsa Isländisch beibringt und ihr damit hilft, in der neuen Umgebung schlussendlich anzukommen.

Durch den Klappentext, der sich auf dem Vorsatzpapier befindet, wusste ich gleich, dass ich dieses Buch so schnell wohl nicht mehr aus der Hand legen werde. 
Es ist eine wahre Kunst, schon mit den einleitenden Sätzen so viel Atmosphäre zu schaffen, mit der man gleich zu Beginn, in eine vollkommen andere Welt katapuliert wird. Aber genau das, ist der Autorin hier perfekt gelungen. Gemeinsam mit Elsa setzt man nach Island über und begleitet sie durch das ungewisse Abenteuer, das hier auf sie wartet. Dabei ist es nicht nur die bildgewaltige Darstellung der isländischen Natura, sondern auch der tiefe Einblick in die Persönlichkeit und Gedankenwelt der Hauptfigur. Auf mich wirkt sie innerlich zerissen und auf der Suche nach einem festen Platz im Leben, auf dessen Weg wir sie ein Stück begleiten dürfen.

Was ich neben der Geschichte besonders spannend fand, war jedoch, endlich mehr über die historischen Begebenheiten auf Island und damit auch mehr zu den Hintergründen der „Esja-„ Frauen zu erfahren. Das wird in dem Roman hochinteressant und ausführlich thematisiert. Allein dafür hat sich die Lektüre schon gelohnt.

Ein wundervolles Buch mit authentisch-isländischem Setting, das mich so begeistert hat, dass ich es euch nur wärmstes empfehlen kann!

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Veröffentlicht am 23.04.2026

Herrlich skurril!

Einatmen. Ausatmen.
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Marlene Buchholz ist das, was man zweifellos als Workaholic beschreiben würde. Ihr einziger Lebensinhalt ist ihre Arbeit, Erholung und Selbstfürsorge hingegen ein Fremdwort. Trotz ihrer fachlichen Kompetenz ...

Marlene Buchholz ist das, was man zweifellos als Workaholic beschreiben würde. Ihr einziger Lebensinhalt ist ihre Arbeit, Erholung und Selbstfürsorge hingegen ein Fremdwort. Trotz ihrer fachlichen Kompetenz wird ihr Mangel an Empathie zum Problem. Die Beschwerden über sie häufen sich, auch, weil sie die Belästigungsvorwürfe einer Mitarbeiterin nicht ernst nimmt. Um jedoch den angestrebten Posten als Vorstandsvorsitzende übernehmen zu können, soll sie an einem Achtsamkeitsseminar teilnehmen.

Da ihr keine Wahl bleibt, checkt Marlene also in der Achtsamkeitsanstalt von Alex ein, für den, wie sich später rausstellt, der Erfolg ihrer Teilnahme, mindestens genauso wichtig ist, wie für sie selbst.
Zugegeben, ich hätte auf dieses Seminar genauso viel Lust gehabt, wie die Protagonistin selbst, aber zu dem Zeitpunkt standen wir noch am Anfang der Geschichte. Und die entwickelt sich tatsächlich äußerst interessant.

Marlene lernt in den kommenden Tagen viel über sich selbst und mehr als erwartet, allerdings nicht sitzend auf einer Yogamatte, sondern in Gesellschaft des Hausmeisters.
Währenddessen ist Alex mit seinen eigenen Angelegenheiten beschäftigt und gewährt nebenbei einer rebellischen Jugendliche auf seinem Anwesen Unterschlupf, die von der Polizei gesucht wird.
Als hätte er nicht schon genug Probleme - aber naja, vielleicht hilft bei der Lösung ausgerechnet die ganz unbefangene Sichtweise eines Pubertiers.

Es kommt im Verlauf der Geschichte zu zahlreichen skurrilen Situationen, überwiegend liebenswert und witzig, so dass es einiges zu Lachen gab. Vor allem die Charaktere sind mir hier sehr ans Herz gewachsen und waren jeder für sich toll dargestellt, sympathisch und zugänglich. Mit einer Ausnahme - aber auch diese Randfigur hat durchaus ihre Berechtigung in dem Buch.

Für mich war diese Lektüre eine willkommene, entschleunigende und dennoch amüsante Erholung vom Alltag, die mich zu keinem Zeitpunkt gelangweilt, dafür jedoch bestens unterhalten hat.
Eine große Leseempfehlung von mir!

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Veröffentlicht am 23.04.2026

Kindheitstraumata, die Generationen später noch spürbar sind

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
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1947: Ein kleiner Junge landet nach Ende des zweiten Weltkriegsauf einem Kindertransport und wird schließlich in einem katholischen Kinderheim untergebracht. Für ihn und die anderen Kinder entpuppt sich ...

1947: Ein kleiner Junge landet nach Ende des zweiten Weltkriegsauf einem Kindertransport und wird schließlich in einem katholischen Kinderheim untergebracht. Für ihn und die anderen Kinder entpuppt sich dieser Ort zu einer Hölle auf Erden, denn die Nonnen in dem Heim führen ein grausames Regiment. Harte körperliche Arbeit, Misshandlungen und Erniedrigungen gehören zur Tagesordnung. Da er nicht spricht und sehr unbeholfen wirkt, wird er direkt als dumm und schwachsinnig abgestempelt und bekommt als Rufnamen die Nr. 104 verpasst. Hier lernt er auch Margret kennen, die auch noch Jahrzehnte später, für ihn die Führung übernehmen wird.

Denn selbst als Erwachsener kann Hardy in den entscheidenden Momenten seine lähmende Sprachlosigkeit nicht überwinden, obwohl seine geliebte Enkelin nun kurz davor steht, in einem Kinderheim zu landen.

Die Entwicklungen in der Gegenwart lösen bereits ein Beklemmungsgefühl aus und bekommen nochmal durch die Ereignisse von damals, die in einzelnen Rückblenden erzählt werden, eine ganz besondere Dynamik. Es kaum auszuhalten, was in dieser Geschichte passiert und man kann sehr gut nachempfinden, wie tief sich diese traumatischen Erlebnisse in der Psyche der Figuren eingebrannt haben. Obwohl die Geschichte fiktiv ist, steht sie stellvertretend für zahlreiche Berichte von Betroffenen, die diese Gräultaten tatsächlich am eigenen Leib erlebt haben.

Als ich mit dem Buch begonnen habe, war ich darauf gefasst, dass es kein leichter Stoff wird. Doch keinesfalls hätte ich mir ausmalen können, welche bewegenden Themen die Autorin hier unterbringt. Jedes für sich wiegt schwer und bleibt lange im Gedächtnis.

Diese Romanerzählung ist schonungslos und bedarf definitiv eine große Packung Taschentücher, aber es lohnt sich so sehr, diese Geschichte zu hören!

Ganz große Empfehlung!

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