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Veröffentlicht am 18.05.2026

Ein etwas anderer Krimi

Weiße Westen, schwarze Nächte
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Ruhrgebiet, 1966: Hedy Voss bestreitet ihren Unterhalt mit (Auftrags-) Einbrüchen und Diebstählen. Etwas anderes hat sie nie gelernt, und außerdem ist sie wirklich gut darin. Das Geld braucht sie, um die ...

Ruhrgebiet, 1966: Hedy Voss bestreitet ihren Unterhalt mit (Auftrags-) Einbrüchen und Diebstählen. Etwas anderes hat sie nie gelernt, und außerdem ist sie wirklich gut darin. Das Geld braucht sie, um die wiederkehrenden Aufenthalte ihrer Schwester Elsa in einer psychiatrische Privatklinik zu bezahlen. Als Hedy aus der Villa eines ehemaligen Oberregierungsrats neben Bargeld, Schmuck und Uhren auch einen Kalender vom Vorjahr mitnimmt, weil ihr darin interessante Kürzel und Zahlenkolonnen auffallen, setzt sie ungewollt eine gefährliche Kette von Ereignissen in Gang. Vor allem, als Elsa den Kalender entdeckt und versucht, daraus Kapital zu schlagen …

Hedy ist ein ausgesprochen spannender Charakter, weil sie kaum etwas von sich preisgibt. Fast niemand weiß, wie sie wirklich aussieht, da sie ihre Verkleidungen und Perücken ständig wechselt, teilweise sogar noch während oder unmittelbar nach ihren Beutezügen. Selbst ihr Name ist nicht echt. Neben Elsa scheint sie nur eine weitere Bezugsperson zu haben: einen Antiquitätenhändler, der zugleich ihr Hehler und Auftraggeber ist. Außerdem unterhält sie eine lose Beziehung zu einem Mann namens Peter, der angeblich verheiratet ist. Hedy ist jedoch überzeugt, dass er in Wahrheit Polizist oder Spion ist. Sie vertraut niemandem – nicht einmal Elsa, die seit ihrer Jugend von Pervitin abhängig ist und wirklich alles tut, um an die Droge zu kommen.

Die Handlung lebt vor allem von der Spannung, ob Hedy die Jagd des ehemaligen Oberregierungsrats nach seinem Kalender überlebt, den er scheint notfalls auch über Leichen zu gehen. Gleichzeitig ist ihr Kriminalkommissar Hans Wittkamp auf den Fersen. Er möchte unbedingt Karriere machen, wird jedoch immer wieder ausgebremst – besonders, als er entdeckt, dass das Einbruchsopfer in einen Korruptionsskandal verwickelt ist, den die eine Seite vertuschen, die andere jedoch öffentlich machen will.

Auch das Setting des Krimis hat mir sehr gefallen. Das Ruhrgebiet befindet sich im Umbruch. Der Kohleabbau steckt in der Krise, das Wirtschaftswunder ist längst noch nicht überall angekommen, während die Städte gleichzeitig rasant wachsen und moderner werden.

Sabine Hofmann hat mich mit dem Auftakt ihrer neuen Reihe ausgesprochen gut unterhalten. Sie schreibt fesselnd, atmosphärisch und sehr bildhaft.
Zwei kleine Kritikpunkte hatte ich allerdings: Zum einen habe ich mich gefragt, warum Hedy nie versucht hat, einer legalen Tätigkeit nachzugehen. Andere Frauen arbeiten schließlich ebenfalls in regulären Berufen, und Hedy scheint sehr intelligent zu sein. Zwar verdient sie mit ihren Einbrüchen vergleichsweise leicht Geld, doch das Risiko dabei ist enorm. Zum anderen kam mir das Ende etwas zu abrupt, und ich habe mich gefragt, woher Hedy eigentlich wusste, dass Wittkamp der ermittelnde Beamte war.

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Veröffentlicht am 13.05.2026

Eine Pinnwand mit Bösewichten

Die Therapeutin und ihre Mörder
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„Nicht jeder, der bei den verdammten Seven Sisters zu Tode kommt, wollte sich umbringen!“ (S. 32), sagt Psychotherapeutin Patricia Phillips der Polizei, als sie nach dem angeblichen Selbstmord ihres Patienten ...

„Nicht jeder, der bei den verdammten Seven Sisters zu Tode kommt, wollte sich umbringen!“ (S. 32), sagt Psychotherapeutin Patricia Phillips der Polizei, als sie nach dem angeblichen Selbstmord ihres Patienten Henry befragt wird. Er war nicht wegen Depressionen bei ihr in Behandlung, sondern weil er sich von seinem Freund trennen wollte. Auch der kurze Abschiedsbrief überzeugt sie nicht, ganz im Gegenteil – darauf befinden sich nämlich keinerlei Fingerabdrücke. Doch die ermittelnden Beamten bleiben stur: Henrys Tod war Selbstmord! Also beginnt Pat mithilfe ihres Nachbarn Prichard und einer Pinnwand selber zu ermitteln und stößt dabei auf eine ganze Reihe Verdächtige und möglicher Motive.

Man merkt dem Buch an, dass Autorin Philippa Perry selber Psychotherapeutin ist. Ihre Ermittlerin Pat kann sich hervorragend in andere hineinversetzen und bringt Menschen geschickt zum Reden. Sie analysiert Gesprächspartner, Verdächtige und den Toten gleichermaßen und versucht so, deren Beweggründe zu verstehen. Nebenbei therapiert sie sogar einige der in den Fall verwickelten Personen.

Der Plot erinnert stellenweise an Agatha Raisin: Eine Zivilistin mischt sich hartnäckig in Ermittlungen ein, nervt damit die Polizei, gewinnt aber gleichzeitig das Vertrauen eines Beamten, der ihr Informationen zuspielt. Unterstützt wird sie von dem exaltierten Privatier Prichard, der scheinbar unendlich viel Zeit hat, jeden kennt und mit allen bestens auskommt.

Die berühmten Kreidefelsen im Süden Englands liefern ein atmosphärisches Setting und sind zugleich eng mit dem Fall verknüpft. Direkt an den Klippen soll ein Spa- und Golfresort entstehen, gegen das Henry sich in einer Umweltgruppe engagierte. Wurde ihm dieses Engagement zum Verhängnis? Oder steckt doch sein (Ex-)Freund hinter seinem Tod?

Ein entspannter Cosy Crime mit psychologischem Hintergrund, skurrilen Figuren und einer angenehm britischen Atmosphäre.

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Veröffentlicht am 30.04.2026

Aufgepasst! Hier kommt Miss Breen

Mord in der Pension Möwennest
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„Was für ein Narr wirft dreißig Jahre der Hingabe weg, um ein Rätsel zu lösen, so beunruhigend es auch sein mag?“ (S. 15)
Als Schwester Agnes den Karmeliterorden nach über dreißig Jahren verlässt, steht ...

„Was für ein Narr wirft dreißig Jahre der Hingabe weg, um ein Rätsel zu lösen, so beunruhigend es auch sein mag?“ (S. 15)
Als Schwester Agnes den Karmeliterorden nach über dreißig Jahren verlässt, steht sie buchstäblich vor dem Nichts. Ihre Kleidung stammt aus dem Fundus des Klosters, ist altmodisch und sitzt mehr schlecht als recht, und sie muss ihren Mädchennamen wieder annehmen – Nora Breen. All dass nimmt sie auf sich, weil sie sich um die ehemalige Novizin Frieda sorgt, die das Kloster aus gesundheitlichen Gründen verlassen hat und nun spurlos aus der Pension „Möwennest“ in Gore-on-Sea in Kent verschwunden ist. Nora ist überzeugt, dass ein Verbrechen dahinter steckt. Detective Inspector Rideout von der Polizei zeigt an dem Fall zunächst nur wenig Interesse, doch Nora lässt sich nicht abwimmeln. Als weitere Gäste der Pension unter rätselhaften Umständen sterben, drängt sich die Frage auf, ob es einen Zusammenhang gibt.

„Was ist in diesem Haus, dass selbst die Unschuldigen darin bösartig erscheinen mögen?“ (S. 295) Eine heruntergekommen Pension am Ende der Welt, eine geistig und körperlich oft abwesende Besitzerin, ihre verwilderte, stumme Tochter, eine strenge Hausdame und eine Gruppe gestrandeter Existenzen mit dunkler Vergangenheit – das ist die Bühne für den Cosy Crime von Jess Kidd im Stil der 1950er Jahre.

Acht Jahre nach dem 2. WK wirkt die Pension Möwennest wie ein Sammelbecken für Menschen, die mit ihrer Vergangenheit ringen und etwas zu verbergen haben, Nora eingeschlossen, wie sich im Laufe der Handlung zeigt. Umso erstaunlicher ist es, dass sie den Aufenthalt dort überhaupt erträgt: Das Haus ist kalt, zugig und schmutzig, und die ungenießbaren Mahlzeiten stellen selbst Nora auf eine harte Probe.

Der Krimi entwickelt sich bewusst nur langsam und lebt weniger von rasanter Spannung als von seinen Figuren, ihren Beziehungen und der rauen, atmosphärischen Küstenlandschaft.
Nora ist direkt, neugierig und unbeirrbar. Ihre Vergangenheit verleiht ihr eine besondere Glaubwürdigkeit, die ihr Türen öffnet und Gespräche erleichtert. Anfangs wirkt sie spröde, doch mit Charme, Klugheit und Beharrlichkeit gewinnt sie nicht nur das Vertrauen der anderen, sondern schließlich auch die Oberhand im Fall – sogar vor Detective Inspector Rideout.
Am Ende bleibt nicht nur die Auflösung eines raffiniert gesponnenen Rätsels, sondern auch die Gewissheit, dass Nora Breen als Ermittlerin noch längst nicht am Ende ihrer Geschichte angekommen ist. Eine Fortsetzung scheint mehr als wahrscheinlich – und durchaus willkommen.

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Veröffentlicht am 24.04.2026

One golden Summer

Der Sommer unseres Lebens
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„Als Teenager fühlte ich mich oft unsicher, aber hinter einem Objektiv wurde diese Unsicherheit zu meiner Superkraft.“ (S. 62) Mit 17 verbrachte Alice den perfekten Sommer mit ihren Großeltern in einem ...

„Als Teenager fühlte ich mich oft unsicher, aber hinter einem Objektiv wurde diese Unsicherheit zu meiner Superkraft.“ (S. 62) Mit 17 verbrachte Alice den perfekten Sommer mit ihren Großeltern in einem Cottage in Barry’s Bay am Kamaniskeg-See und entdeckte dabei ihre Leidenschaft – und schließlich auch Berufung – für die Fotografie. Jetzt, 15 Jahre später, ist sie zwar eine erfolgreiche Fotografin, doch wirklich zufrieden ist sie nicht mehr. Immer häufiger muss sie ihre Bilder stark bearbeite, damit die Menschen darauf makellos aussehen. Genau das widerstrebt ihr zunehmend, sie spürt, dass sich etwas ändern muss.
Als sich ihre geliebte Oma Nan beim Tanzen verletzt, beschließt Alice, sie ihrer Genesung zu unterstützen. Kurzerhand bucht sie das Cottage von damals erneut. Ihr Ansprechpartner vor Ort ist Charlie, der sie schon vor der Anreise mit witzigen und leicht flirtenden SMS unterhält. Alice bleibt zwar sachlich, aber insgeheim amüsiert sie sich über ihn.
Am See angekommen hat sie das Gefühl, dass hier die Zeit stehengeblieben ist. Alles sieht noch genauso aus wie damals. Warum also nicht versuchen, diesen unbeschwerten, perfekten Sommer noch einmal zu erleben und endlich all das tun, was sie sich früher nicht getraut hat? Ausgerechnet Charlie will ihr dabei helfen, nachdem er ihre Bucket List entdeckt hat. Dabei hat sie in ihm den attraktiven Jungen wiedererkannt, in den sie damals heimlich verliebt war, ohne ihn je anzusprechen. Er sieht immer noch so gut aus, und das weiß er leider auch ...

„Du siehst nach Trouble aus. Ich glaube, in deiner Nähe muss ich mich in Acht nehmen.“ (S. 88) Carley Fortune beschreibt die Beziehung zwischen Alice und Charlie wie einen Tango: leidenschaftlich mit einer leisen Melancholie, ständig in Bewegung und voller Richtungswechsel, was die Spannung bis zum Ende aufrecht hält.
Alice hat eine vierjährige Beziehung hinter sich. Ihr Ex-Freund hat sie verlassen und ihr das Gefühl gegeben, sie sei selbst daran schuld. Auch beruflich fühlt sie sich unter Druck: die Agenturen verlangen immer perfektere, retuschierte Bilder, und ihre ehemalige Professorin hat eines ihrer Fotos für eine Ausstellung eingereicht, mit dem Alice selbst unzufrieden ist.
Am See fühlt sich das Leben plötzlich wieder leichter an, auch wenn sie ihre Probleme nicht vollständig ausblenden kann. Doch Charlie gibt sich große Mühe, sie davon abzulenken. Er weiß, wie gut er aussieht und kokettiert gern damit, dass er jede haben kann. Gleichzeitig zeigt er sich tiefsinnig, humorvoll und als echter Familienmensch, der sich rührend um Nan kümmert. Eigentlich der perfekte Schwiegersohn – warum finden die beiden also nicht zueinander?!

„Der Sommer unseres Lebens“ ist eine wunderschöne Sommerromanze mit viel Gefühl, Romantik und einer guten Portion Spice. Zwischen Alice und Charly knistert es von Anfang an, doch sie will sich auf keinen Fall auf einen Casanova einlassen. Er wiederum betont immer wieder, dass sie zu schade für einen Sommerflirt ist. Das wirkt anfangs etwas übertrieben und konstruiert, doch schon bald wird klar, dass mehr dahintersteckt – ein tiefergehender, ernster Grund.
Eine Geschichte, die zeigt, dass manche Sommer nie ganz vergehen und manche Gefühle nur auf den richtigen Moment warten. Trotz kleiner Schwächen überzeugt sie mit viel Gefühl und einer Atmosphäre, die noch lange nachhallt.

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Veröffentlicht am 15.04.2026

Dunkle Schatten

Die geheime Grotte von Garda
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Eigentlich wollte Edwina einen gemütlichen Tag in Garda verbringen, als ein kleiner Junge plötzlich um Hilfe ruft. Offenbar soll er entführt werden. Ohne zu zögern greift Edwina ein, doch der Angreifer ...

Eigentlich wollte Edwina einen gemütlichen Tag in Garda verbringen, als ein kleiner Junge plötzlich um Hilfe ruft. Offenbar soll er entführt werden. Ohne zu zögern greift Edwina ein, doch der Angreifer verschwindet in den Schatten der Stadt. Als auch der Junge fliehen will, hält sie ihn zurück und entlockt ihm schließlich seinen Namen: Peppe, 8 Jahre alt. Schnell wird klar, dass etwas nicht stimmt – vor allem, als er sie eindringlich bittet, auf keinen Fall seine Mutter anzurufen: „Wenn du anrufst, tut meinen Mamma vielleicht was Falsches und wird getötet.“ (S. 48)
Mit einem unguten Gefühl wendet sich Edwina an Commissario Adriano Alceste. Dieser bringt Peppe bei einem befreundeten Pflegevater unter, der regelmäßig Kinder aufnimmt. Denn Alceste hat selbst genug Sorgen. Eine junge Society-Reporterin wurde angeschossen und schwebt in Lebensgefahr. Hauptverdächtiger ist ihr Freund, der Erben eines berühmten Weinguts. Als Peppe davon hört, wird er plötzlich blass – kennt er das Weingut oder gar den Täter? Und warum scheint niemand nach ihm zu suchen? Edwina ist sicher, die beide Fälle hängen zusammen. Und wenn Alceste ihre Vermutung nicht teilt, muss sie eben selber ermitteln.

Die Wiener Chefinspektorin Edwina Teufel ist aufgrund ihrer legendären Wutausbrüche noch immer vom Dienst suspendiert und verbringt die Zeit am Gardasee, wo ihr Lebensgefährte Toni als Landschaftsgärtner arbeitet. Inzwischen führt sie das von ihrer Psychologin verordnete Wuttagebuch. Allerdings notiert sie darin nicht den Umgang mit ihren Emotionen, sondern ihre Beobachtungen zu den Ermittlungen.
Ihr Spitzname Zornnatter passt auch diesmal wieder hervorragend. Wie diese verbeißt sich Edwina in dem Fall und lässt nicht locker, bis alles lückenlos aufgeklärt ist. Dass sie sich dabei erneut selbst in Gefahr bringt, nimmt sie in Kauf, Hauptsache, Peppe kehrt unbeschadet zu seiner Familie zurück. Und wenn sie dabei ganz nebenbei auch noch den Anschlag auf die Reporterin aufklärt, um so besser.
Peppes Geschichte weckt in ihr die Erinnerung an das Trauma ihrer eigenen Kindheit. Es wird deutlich, dass gerade diese Erfahrungen zu ihrer Berufswahl geführt haben. Sie wollte nie wieder Opfer sein, sondern Täter zu Rechenschaft ziehen.
Commissario Adriano Alceste kann einem dabei fast leid tun. Immer wieder mischt sich Edwina ungefragt in seine Ermittlungen, präsentiert ihm ihre Theorien und erwartet, dass er ihnen sofort nachgeht. Oder sie ignoriert ihn kurzerhand ganz und handelt auf eigene Faust. Im Gegensatz zu ihr ist er jedoch an Vorschriften und Dienstwege gebunden.

Auch der zweite Band der Reihe überzeugt mit spannender Unterhaltung, einer guten Portion Humor und viel italienischem Flair – Dolce Vita inklusive.

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