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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.05.2026

Zwischen Party und Trauer

Weird Girls
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„Weird Girls“ von Gráinne O‘hare, erschienen bei Kiwi Space, ist ein Buch über Freundinnenschaft, Partykultur und dem großen Loch das entsteht, wenn ein geliebter Mensch stirbt. In einer WG in Belfast, ...

„Weird Girls“ von Gráinne O‘hare, erschienen bei Kiwi Space, ist ein Buch über Freundinnenschaft, Partykultur und dem großen Loch das entsteht, wenn ein geliebter Mensch stirbt. In einer WG in Belfast, spielt sich das turbulente Leben von Harley, Maggie & Róise ab. Neben unzähligen Partys & viel Drogenkonsum, beschäftigt die Freundinnen vor allem der Tod ihrer gemeinsamen Freundin Lydia. So geht es in „Weird Girls“ um Trauer und den damit verbundenen Schmerz, den jede Protagonistin auf ihre Weise durchlebt.
Nachdem mich das Cover und die Optik des Buches schon komplett überzeugt haben, war ich umso neugieriger auf die Geschichte. Mir hat richtig gut gefallen wie unterschiedlich die Freundinnen sind und wie jeder Erzählstrang eine andere Perspektive aufzeigt. Trotzdem gibt es Punkte an denen alle wieder zusammenfinden und eine Einheit bilden.
Der Schreibstil war total angenehm und hat mich an Coco Mellors Art zu schreiben erinnert. Direkt, intensiv und modern. Ich mochte außerdem den Kontrast zwischen Partykultur & tiefgründigen Themen wie z.B den jeweiligen Beziehungsproblemen oder den Momenten der Trauer.
Hier und da hätte ich mir noch mehr Gespräche zwischen den Freundinnen gewünscht. Auch war mir die Darstellung des Drogenkonsums an der ein oder anderen Stelle etwas zu überzogen. Auf S. 194 gab es außerdem eine (aus meiner Sicht) etwas unglückliche Formulierung in Bezug auf K.O Tropfen. Nachdem Maggie von Männern zum Tanzen gedrängt wird, kommt es ihrerseits gedanklich zu der Aussage: „… ob Rohypnol im Gin nicht vielleicht doch die bessere Alternative gewesen wäre.“ Hier hätte ich mir eine andere Formulierung gewünscht oder zumindest eine klare Einordnung.
Insgesamt hat mir „Weird Girls“ trotz ein paar Kritikpunkte richtig gut gefallen und ich kann es definitiv weiterempfehlen. So überzeugt das Buch sowohl optisch als auch inhaltlich! 🐆🩷✨

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Veröffentlicht am 25.04.2026

Ein einziger Fiebertraum

Image
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„Image“ von Svea Mausolf, erschienen im Gutkind Verlag, ist eine wilde Mischung aus Fiebertraum, Gesellschaftskritik & dem schonungslosen Blick in menschliche Abgründe. Dabei schafft es die Autorin (auch ...

„Image“ von Svea Mausolf, erschienen im Gutkind Verlag, ist eine wilde Mischung aus Fiebertraum, Gesellschaftskritik & dem schonungslosen Blick in menschliche Abgründe. Dabei schafft es die Autorin (auch bekannt für ihre Memes auf Instagram), durch ihre Sprache eine eindringliche Atmosphäre zu erzeugen. Bewusst überspitzt und satirisch, erzählt „Image“ die Geschichte verschiedener Menschen und verwebt sie spinnenähnlich miteinander. Bis ein Netz entsteht, in dem sich Ekel und Hass verfangen.

Das Buch hat mir wirklich gut gefallen, auch wenn es immer mal Stellen gab bei denen ich kurz durchatmen musste. Die Autorin bedient sich an der ganzen Bandbreite menschlicher Charakterlosigkeit und entwickelt Figuren, die man nicht so schnell vergisst. Dabei spitzt sich die Lage immer weiter zu und endet mit einem Ereignis, welches ich nicht erwartet habe.
Was mir besonders gut gefallen hat war, dass es sich ein wenig so angefühlt hat als würde man das Geschehen „von oben“ betrachten. Nicht im „Ich bin frei von Fehlern und blicke auf die Menschen herab“ - Sinne sondern eher so als würde man Sims spielen und zuschauen wie so viel gleichzeitig passiert.
Ich würde „Image“ definitiv weiterempfehlen, denn es ist wahnsinnig gut geschrieben, bleibt mit der provokanten Art definitiv im Kopf und regt zum Nachdenken an. Beachtet bitte, dass es in dem Buch Darstellungen von Gewalt gibt und es so potenziell triggern könnte.

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Veröffentlicht am 03.04.2026

Ein nostalgischer Sommer

Little Hollywood
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Im Roman „little hollywood“ von Inga Hanka, erschienen im Ecco Verlag, geht es ums Erwachsenwerden, einer intensiven Sommerliebe & der ikonischen Videothek der Stadt.

Es ist Leonies erster Sommer nach ...

Im Roman „little hollywood“ von Inga Hanka, erschienen im Ecco Verlag, geht es ums Erwachsenwerden, einer intensiven Sommerliebe & der ikonischen Videothek der Stadt.

Es ist Leonies erster Sommer nach ihrem Schulabschluss und somit der letzte Sommer, bevor ein neues Kapitel anfängt. Während sie unter einer schwierigen Familiensituation leidet, versucht sie gleichzeitig herauszufinden wie es nun mit ihrem Leben weitergehen soll. Welchen Weg soll sie einschlagen? Antworten und Trost findet Leonie in Filmen, die sie sich in der Videothek um die Ecke ausleiht, dem „little hollywood“. Bis sie plötzlich nicht nur in den Filmen Trost findet, sondern auch in einem anderen Menschen. Es beginnt ein Sommer voller Pizza Dates, Abenteuer, aber auch tiefgründiger Momente. Und immer mit dabei die eine Frage: Wo gehöre ich hin?

Diese Coming-of-Age Geschichte hat mir richtig gut gefallen. Besonders mochte ich das nostalgische 90s-Setting, dass sich vertraut angefühlt hat. Das „little hollywood“, also die Videothek, hab ich richtig in mein Herz geschlossen und konnte Leonies Begeisterung für Filme sehr gut nachvollziehen. Von der Atmosphäre her und auch inhaltlich hat mich das Buch sogar etwas an „22 Bahnen“ erinnert, welches ich ebenfalls sehr mochte. Inga Hankas Schreibstil hat mir sehr gut gefallen, da ich durchgehend das Gefühl hatte ein Teil der Geschichte zu sein. Die vielen Momente zwischen Jo & Leonie mochte ich ebenfalls. Ihre Bindung hat sich von Anfang an sehr authentisch angefühlt und war dadurch etwas ganz Besonderes. Hier und da hätte ich mir vielleicht etwas mehr Kommunikation zwischen den Beiden gewünscht, da ich manchmal das Gefühl hatte Dinge blieben ungesagt, die eigentlich ausgesprochen gehören.
„little hollywood“ gehört definitiv zu den besten Coming of Age-Romanen, die ich je gelesen habe und daher gibt es von mir eine ganz klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 28.03.2026

Ein schönes Geschenk

Love and be loved
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Mit „love and be loved“ hat die Influencerin und Illustratorin Cleo Wade eine schöne Liebeserklärung an ihre Töchter kreiert. Es geht um all die Dinge die sie ihren Kindern wünscht, um ein glückliches, ...

Mit „love and be loved“ hat die Influencerin und Illustratorin Cleo Wade eine schöne Liebeserklärung an ihre Töchter kreiert. Es geht um all die Dinge die sie ihren Kindern wünscht, um ein glückliches, erfülltes Leben zu führen.
Diese Wünsche werden durch Bilder unterstreicht, welche Cleo selbst gemalt/erstellt hat. Diese entsprechen nicht unbedingt meinem persönlichen Geschmack, erfüllen jedoch ihren Zweck als nette Darstellungen. Ich persönlich mag einfach ausdrucksstärkere Bilder.
Die ausformulierten Wünsche, lesen sich wie ein zusammenhängender Satz oder ein Gedicht. Hier werden viele wertvolle Impulse mitgegeben, die ich kreativ fand. Es waren mehr als nur die typischen Kalendersprüche und es wirkte wirklich als hätte sich die Autorin hier Gedanken gemacht.
Optisch konnte ich erst nicht ganz verordnen ob das Buch eher Kinder oder Erwachsene ansprechen soll, denke aber, dass es eher für eine jüngere Zielgruppe ist.
Den Preis finde ich angesichts des dünnen Buches schon recht hoch und hätte es mir persönlich nicht gekauft. Da ich das Buch geschenkt bekommen habe, hat mich der Kaufpreis nicht betroffen, finde es aber trotzdem erwähnenswert. Ein paar Euro weniger hätte ich angebrachter gefunden.

Als Geschenk ist das Buch wirklich ganz nett, jedoch hat es mich auch nicht komplett geflasht. Ganz schön anzusehen, tolle Botschaften, nette Illustrationen, aber für einen stolzen Preis.

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Veröffentlicht am 08.03.2026

Heimat im Herzen, Krieg im Rücken

Zugwind
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„Zugwind“ ist ein Roman von Iryna Fingerova, erschienen im Rowohlt Verlag, der aufzeigt was es bedeutet aufgrund eines Krieges die eigene Heimat verlassen zu müssen. Ein Buch über den tiefen Schmerz, die ...

„Zugwind“ ist ein Roman von Iryna Fingerova, erschienen im Rowohlt Verlag, der aufzeigt was es bedeutet aufgrund eines Krieges die eigene Heimat verlassen zu müssen. Ein Buch über den tiefen Schmerz, die lähmende Angst, aber auch über das Aufkeimen von Hoffnung.
Inhaltlich begleitet man die ukrainische Hausärztin Mira bei ihrer täglichen Arbeit und ihrem Alltag mit ihrer Familie, während in ihrem Heimatland Krieg herrscht. Dabei gibt das Buch viele Einblicke in Miras Gedanken, die von ihren Gefühlen erschlagen wird. Zwischen Trauer, Angst, Wut & Verzweiflung versucht Mira ihr Leben weiterzuführen, für ihre Familie (besonders die Tochter) da zu sein und nicht aufzugeben.
Das Buch kennzeichnet sich durch einen intensiven, rohen Schreibstil. Wie ein literarisches Ventil für all den Schmerz, der verarbeitet werden muss. Was ich hier besonders authentisch fand, war die Darstellung der vielen verschiedenen Geschichten von Geflüchteten (meistens Patient:innen von Mira), die aufzeigen wie schwer es ist in einem fremden Land anzukommen, wenn das Herz sich nach der Heimat sehnt.
„Zugwind“ ist dabei kein Buch was man mal ebenso „weglesen“ kann. Der Schreibstil hat mich stellenweise definitiv gefordert. Aber vielleicht ist auch genau das, ein wichtiger Aspekt des Buches. Es muss nicht „gemütlich“ und leicht lesbar sein. Es muss echt sein. Dabei zeigt der Roman immer wieder auf wie kompliziert, wirr und oft auch ermüdend es für die Protagonistin ist, am Leben und der Hoffnung festzuhalten, wenn jeden Tag neue schreckliche Meldungen aus der Ukraine kommen.
Ein wirklich starker Roman, den ich sehr empfehlen kann.

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