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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.07.2025

Eine süße Idee mit kleinen Schwächen

Zehn Eis an einem Tag
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„Zehn Eis an einem Tag“ ist ein liebevoll erzähltes Kinderbuch mit einer charmanten Grundidee. Die Geschichte greift einen kindlichen Wunsch auf, den viele kennen dürften, nämlich an einem heißen Sommertag ...

„Zehn Eis an einem Tag“ ist ein liebevoll erzähltes Kinderbuch mit einer charmanten Grundidee. Die Geschichte greift einen kindlichen Wunsch auf, den viele kennen dürften, nämlich an einem heißen Sommertag große Lust auf ein Eis zu haben und am liebsten gleich zehn davon essen zu wollen. Dieser Traum wird mit viel Humor und der dezenten, aber klugen Botschaft erzählt, dass es manchmal eben auch zu viel des Guten geben kann.

So schön die Idee auch ist, konnte mich die Umsetzung nicht ganz überzeugen. Für das empfohlene Lesealter von etwa fünf Jahren wirkt der Textanteil recht hoch. Zwar ist die Sprache gut verständlich, doch die vielen Sätze am Stück können beim Vorlesen schnell herausfordernd werden.
Die Illustrationen sind zwar liebevoll gestaltet, treten aber gegenüber dem Text stark in den Hintergrund. Gerade bei einem Bilderbuch hätte ich mir mehr visuelle Begleitung gewünscht, um die Aufmerksamkeit der jungen Zuhörerinnen und Zuhörer stärker zu fesseln.

Die Geschichte ist freundlich, kindgerecht und mit Herz erzählt.
Leider fehlte mir das gewisse Etwas, das sie nachhaltig im Gedächtnis verankert hätte. Für Kinder, die bereits gerne etwas längere Geschichten hören, bietet das Buch trotzdem schöne Vorlesemomente. Wer jedoch auf der Suche nach einem klassischen Bilderbuch mit ausgewogener Text-Bild-Gestaltung ist, könnte etwas enttäuscht sein.

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Veröffentlicht am 21.04.2025

Italienische Kulisse, starke Frauen und der Mut zur Veränderung

Lieber solo als allein
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Lieber Solo als Allein von Tessa Henning ist ein unterhaltsamer, leicht zu lesender Roman, der sich wunderbar als Urlaubslektüre eignet – nicht zuletzt, weil er selbst so viel Urlaubsstimmung vermittelt. ...

Lieber Solo als Allein von Tessa Henning ist ein unterhaltsamer, leicht zu lesender Roman, der sich wunderbar als Urlaubslektüre eignet – nicht zuletzt, weil er selbst so viel Urlaubsstimmung vermittelt. Bereits das Cover gibt einen stimmungsvollen Hinweis auf den Inhalt: Es zeigt die drei Generationen von Frauen, um die sich die Geschichte dreht, und spiegelt damit die zentrale Konstellation des Romans treffend wider. Auch der weiche Einband macht das Buch zu einem angenehmen Begleiter – im wahrsten Sinne des Wortes liegt es leicht und griffig in der Hand.

Die Handlung führt die Leserinnen und Leser ins malerische Umbrien, und genau hier liegt eine der großen Stärken des Romans: Die Beschreibungen der Region sind so lebendig und detailliert, dass man sofort Lust bekommt, selbst durch die engen Gassen zu schlendern, das mediterrane Flair zu genießen und die warme italienische Sonne auf der Haut zu spüren. Tessa Henning gelingt es hervorragend, die Atmosphäre Umbriens einzufangen und sie zum fühlbaren Schauplatz ihrer Geschichte zu machen.

Im Mittelpunkt stehen drei Frauen aus unterschiedlichen Generationen: Gabriele, die sich nach Jahren der Routine endlich traut, auszubrechen und Neues zu wagen; ihre Tochter Katrin, die sich wieder auf die wahren Werte ihres Lebens besinnt; und Enkelin Leonie, die vor großen Entscheidungen steht, die ihre Zukunft maßgeblich beeinflussen werden.
Jede von ihnen macht im Laufe der Geschichte eine spürbare Entwicklung durch, was den Roman auf inhaltlicher Ebene bereichert.

Was mir jedoch gefehlt hat, war die emotionale Tiefe. Trotz der interessanten Figuren und ihrer persönlichen Wendepunkte konnte ich keine wirkliche Verbundenheit zu ihnen aufbauen. Die Geschichte ließ mich über weite Strecken hinweg emotional unberührt, was schade ist – denn das Potenzial für große Gefühle war durchaus da.

Möglicherweise liegt das an der sehr kompakten Erzählweise. Die Handlung spielt sich gefühlt innerhalb weniger Tage ab, in denen zahlreiche Themen und Herausforderungen auftauchen und abgearbeitet werden. Dadurch wirkt vieles überstürzt und etwas unauthentisch, fast so, als wolle die Geschichte zu viel in zu kurzer Zeit erzählen.

Auch der Titel hat mich im Nachhinein eher irritiert. Zwar wird im Buch der Satz „Lieber Solo als Allein“ aufgegriffen und in einen passenden Kontext gesetzt, doch der Titel weckt andere Erwartungen. Denn letztlich ist keine der Protagonistinnen am Ende „solo“ – vielmehr geht es um Neuanfänge, das Reflektieren von Beziehungen und das Wiederentdecken der eigenen Bedürfnisse.

Trotz dieser kleinen Schwächen ist Lieber Solo als Allein ein gelungenes Buch für entspannte Lesestunden. Wer Lust auf eine generationsübergreifende Geschichte mit italienischem Flair, persönlichen Wendepunkten und leichtem Erzählstil hat, wird mit diesem Roman gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 23.03.2025

Zwischen Filmgeschichte und moderner Spurensuche

Von Stufe zu Stufe
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Das Cover von "Von Stufe zu Stufe" ist ebenso raffiniert gestaltet wie die Geschichte selbst: Es zeigt grafisch einen ausgerollten Film, der zugleich als Stufen interpretiert werden kann – eine gelungene ...

Das Cover von "Von Stufe zu Stufe" ist ebenso raffiniert gestaltet wie die Geschichte selbst: Es zeigt grafisch einen ausgerollten Film, der zugleich als Stufen interpretiert werden kann – eine gelungene visuelle Anspielung auf den gleichnamigen Film von 1909 und die Entwicklung des Handlungsstrangs in der Gegenwart.

Der Roman spielt auf zwei miteinander verwobenen Zeitebenen. In der Gegenwart begleiten wir den Filmwissenschaftler Marc, einen jungen Wiener im Jahr 2021, der zwischen einem langweiligen Archivjob und einem Nebenjob als Kartenabreißer im Kino feststeckt. Um dem Alltag zu entfliehen, sucht er als Roofer den Nervenkitzel auf Wiens Dächern. Durch seine Begegnung mit Katalina, der ukrainischen Pflegerin seiner Großmutter, wird er ungewollt in ein Abenteuer verwickelt: die Suche nach verschollenen Filmdosen aus der Stummfilmzeit. Diese Spur führt ihn bis in die Ukraine, kurz vor dem Ausbruch des Krieges. Obwohl Marc als Figur zunächst schwer greifbar wirkt und mir etwas fremd blieb, machten seine Ängste und seine direkte, manchmal unbeholfene Art ihn am Ende doch sympathisch und menschlich.

Der zweite Erzählstrang führt uns ins Jahr 1909 und zeichnet den spannenden Weg von Louise Kolm, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Anton Kolm und Jakob Fleck die österreichische Filmindustrie mitbegründet. Ihr Werdegang von der Fotografin zur Pionierin des abendfüllenden Spielfilms wird lebendig und detailreich erzählt. Besonders gelungen finde ich die Darstellung von Louises Entwicklung: Ihre Entschlossenheit, sich in einer von Männern dominierten Branche durchzusetzen, verleiht dem Buch eine starke feministische Note, ohne belehrend zu wirken.

Der Schreibstil von Felix Kucher ist angenehm und lässt sowohl die historischen als auch die gegenwärtigen Szenen realistisch und plastisch wirken. Die Beschreibungen der technischen Entwicklungen rund um die Kinematographen-Theater sowie die Herausforderungen bei der Produktion des ersten österreichischen Spielfilms sind für Filmbegeisterte ein echtes Highlight. Für weniger filmhistorisch interessierte LeserInnen könnten diese Passagen jedoch etwas langatmig wirken.

Dennoch bleibt das Buch durch seine spannende Thematik und die gelungene Verknüpfung von zwei Zeitebenen lesenswert.

Insgesamt ist „Von Stufe zu Stufe“ eine interessante und gut recherchierte Hommage an die Anfänge der österreichischen Filmgeschichte. Die abenteuerliche Spurensuche wird durch die historischen Einschübe lebendig ergänzt und bietet einen interessanten Blick in eine Zeit, in der der Film gerade erst begann, die Welt zu erobern.
Für Fans der frühen Filmgeschichte und alle, die Lust auf einen kurzweiligen historischen Roman mit einem modernen Twist haben, ist dieses Buch absolut lesenswert.

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Veröffentlicht am 25.04.2026

Viel Gefühl – aber wenig Verbindung

Weißer Sommer
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Alma und Théo waren einst voller Liebe und Zukunftspläne, doch inzwischen ist ihre Beziehung zerbrochen. Um herauszufinden, ob sie noch eine gemeinsame Zukunft haben, verbringen sie einen letzten Sommer ...

Alma und Théo waren einst voller Liebe und Zukunftspläne, doch inzwischen ist ihre Beziehung zerbrochen. Um herauszufinden, ob sie noch eine gemeinsame Zukunft haben, verbringen sie einen letzten Sommer gemeinsam in Frankreich. Umgeben von Erinnerungen, Gesprächen und unausgesprochenen Gefühlen versuchen sie herauszufinden, ob sie zusammenbleiben oder getrennte Wege gehen sollten.

Das Hörbuch „Weißer Sommer“ legt seinen Fokus ganz klar auf die Beziehung zwischen Alma und Théo. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem ihre Gedanken, Gefühle und die Dynamik zwischen ihnen. Eine klassische, spannungsgetriebene Handlung sollte man hier jedoch nicht erwarten, denn die Geschichte ist bewusst ruhig erzählt und eher ereignisarm.

Gerade zu Beginn fiel es mir etwas schwer, mich zurechtzufinden. Denn die häufigen Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart sind nicht immer klar gekennzeichnet, sodass ich manchmal unsicher war, in welcher Zeitebene ich mich befinde. Je besser ich die Hintergründe der Beziehung verstand, desto leichter fiel mir dann auch die zeitliche Orientierung.

Inhaltlich geht es vor allem um die emotionale Entwicklung der beiden. Ihre Beziehung beginnt intensiv, doch schnell wird deutlich, dass sie unterschiedliche Vorstellungen vom Leben haben. Diese Diskrepanz zieht sich durch die gesamte Geschichte und bildet den Kern ihrer gemeinsamen Zeit.

Mit den Figuren selbst bin ich allerdings nicht warm geworden. Alma wirkte auf mich oft sehr ich-bezogen, fast schon egoistisch, was durch ihre privilegierte Herkunft zusätzlich unterstrichen wird. Zwar versucht die Geschichte, ihr Verhalten einzuordnen, doch das konnte mich nicht vollständig erreichen. Théo erschien mir zunächst zugänglicher, wirkte aber stellenweise naiv und er hinterfragt sein eigenes Handeln nur begrenzt.

Obwohl das Hörbuch stark auf Gefühle und innere Prozesse setzt, blieben mir die Figuren insgesamt distanziert. Eine tiefere emotionale Verbindung konnte ich leider nicht aufbauen, sodass mich ihre Geschichte weniger berührt hat, als ich es mir gewünscht hätte.

Positiv hervorheben möchte ich jedoch die Sprecherin Jodie Ahlborn. Sie transportiert die Stimmung und die Emotionen sehr stimmig und verleiht den Figuren eine angenehme, authentische Stimme. Dennoch konnte auch ihre gelungene Interpretation nicht ganz ausgleichen, dass mich die Geschichte insgesamt eher auf Abstand gehalten hat.

Fazit:
Ein ruhiges, stark beziehungsorientiertes Hörbuch mit Fokus auf inneren Konflikten und Emotionen. Trotz sensibler Themen und guter Sprecherleistung konnte mich die Geschichte emotional nicht erreichen.

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Veröffentlicht am 25.04.2026

Magisch gedacht – doch das Potenzial nicht ganz ausgechöpft

Zwei in einem Bild
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Jean führt ein außergewöhnliches Dasein: Seit Jahren ist er Teil eines Gemäldes im Museum und an dessen Grenzen gebunden. Erst als Claire dort zu arbeiten beginnt und einen Weg entdeckt, in die Welt der ...

Jean führt ein außergewöhnliches Dasein: Seit Jahren ist er Teil eines Gemäldes im Museum und an dessen Grenzen gebunden. Erst als Claire dort zu arbeiten beginnt und einen Weg entdeckt, in die Welt der Kunst einzutauchen, verändert sich alles. Gemeinsam erkunden sie verschiedene Gemälde und erleben die darin festgehaltenen Momente hautnah, bis ihre besondere Verbindung auf eine harte Probe gestellt wird.

Die Grundidee von „Zwei in einem Bild“ hat mich sofort angesprochen. Ich hatte zuvor schon einmal ein Buch gelesen, in dem sich ein Mensch in ein Gemälde verliebt. Damals fand ich die Idee eher skurril, aber dennoch interessant. Umso neugieriger war ich, wie die Autorin diesen Ansatz weiterentwickelt und welche Geschichte sich daraus ergibt.

Der Einstieg ist wirklich gelungen. Die Vorstellung, dass man Gemälde nicht nur betrachten, sondern tatsächlich betreten kann, fand ich unglaublich faszinierend. Besonders gut hat mir gefallen, dass die Figuren von Bild zu Bild springen und die eingefangenen Szenen direkt miterleben können. Diese Idee verleiht der Geschichte etwas Spielerisches und eröffnet viele kreative Möglichkeiten.

Vor allem Jeans Perspektive hat mich überzeugt. Seine Gedanken und sein Erleben in einem Kunstwerk, fand ich spannend und gut umgesetzt. Claire hingegen blieb für mich emotional etwas distanziert, sodass die Verbindung zwischen den beiden nicht immer die gewünschte Wirkung entfalten konnte.

Auch die Entwicklung ihrer Beziehung ging mir stellenweise zu schnell. Zudem hat mich irritiert, dass Claire die ungewöhnlichen, magischen Vorgänge kaum hinterfragt. Insgesamt hatte ich das Gefühl, dass einige Aspekte nur angerissen, aber nicht vollständig ausgearbeitet oder zu Ende geführt wurden. Dadurch wirkte die Geschichte an manchen Stellen etwas unfertig.

Im weiteren Verlauf verliert die Handlung leider an Stärke. Die zu Beginn aufgebaute magische Atmosphäre kann nicht durchgehend gehalten werden. Besonders nach den einschneidenden Veränderungen konnte mich die Entwicklung der Geschichte nicht mehr vollständig überzeugen. Stattdessen blieb bei mir das Gefühl zurück, dass hier noch mehr möglich gewesen wäre.

Fazit:
Eine originelle und kreative Idee mit einem starken Einstieg und einer spannenden Perspektive. Leider kann die Geschichte ihr Potenzial im weiteren Verlauf nicht ganz ausschöpfen und lässt mich am Ende etwas enttäuscht zurück.

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