Profilbild von Alrik

Alrik

Lesejury Star
offline

Alrik ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Alrik über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.05.2026

Rom ruft und wir haben schon fast die Koffer gepackt

LONELY PLANET Reiseführer Entdecke Rom
0

Rom ist ja so eine Stadt, bei der man schon beim Namen direkt Bilder im Kopf hat: Pizza, alte Steine, enge Gassen, viel zu schöne Plätze und irgendwo garantiert jemand, der dramatisch mit den Händen redet. ...

Rom ist ja so eine Stadt, bei der man schon beim Namen direkt Bilder im Kopf hat: Pizza, alte Steine, enge Gassen, viel zu schöne Plätze und irgendwo garantiert jemand, der dramatisch mit den Händen redet. Genau da setzt dieser Lonely Planet Reiseführer an und macht ziemlich schnell Lust darauf, die Koffer wenigstens gedanklich schon mal halb zu packen.

Wir haben den Reiseführer zusammen als Familie angeschaut und natürlich sofort Pläne geschmiedet. 😬 Erst noch ganz harmlos blättern, dann plötzlich: „Da müssen wir hin“, „Oh, das klingt gut“, „Wie weit ist das vom Hotel?“ und zack, sitzt man innerlich schon mit Pizza Rossa in Testaccio und tut so, als wäre man total entspannt unterwegs.

Besonders schön finde ich, dass der Reiseführer nicht nur die großen Klassiker abklappert. Klar, Petersplatz, Vatikan und römische Ruinen gehören dazu, sonst wäre es ja wie Spaghetti ohne Sauce. Aber diese kleinen lokalen Hinweise geben dem Ganzen Herz. Man bekommt nicht nur Sehenswürdigkeiten serviert, sondern eher das Gefühl: Komm, lauf mal los, da wartet Rom.

Der Reiseplaner und der Faltplan sind für mich echte Pluspunkte. Gerade mit Familie will man nicht jeden Tag komplett planlos durch die Gegend stolpern, auch wenn das in Rom wahrscheinlich trotzdem hübsch aussehen würde. Ein bisschen Struktur, ein bisschen Abenteuer, ein bisschen „wir finden schon zurück“, genau diese Mischung passt hier gut.

Kritisch gesehen bleibt es natürlich ein Reiseführer, kein Zauberportal. Manche Tipps muss man vor der Reise sicher nochmal prüfen, Öffnungszeiten ändern sich und Rom macht sowieso gern, was Rom will. Trotzdem ist das Buch ein richtig schöner Begleiter zum Träumen, Planen und Vorfreuen.

Für mich ein Reiseführer, der nicht nur informiert, sondern dieses kleine Kribbeln auslöst: Mensch, Rom wäre schon verdammt schön.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.05.2026

Wenn Familien schweigen, wird es gefährlich

King Cobra
0

Manchmal steigt man in einen Zug und merkt erst unterwegs, dass man nicht nur Richtung Budapest fährt, sondern mitten rein in den alten Familienkeller, in dem seit Jahren keiner mehr gelüftet hat. King ...

Manchmal steigt man in einen Zug und merkt erst unterwegs, dass man nicht nur Richtung Budapest fährt, sondern mitten rein in den alten Familienkeller, in dem seit Jahren keiner mehr gelüftet hat. King Cobra ist genau so ein Buch. Es riecht nach Schnaps, Staub, alten Wunden und diesem unangenehmen Schweigen, das in Familien gern mal als Tradition verkauft wird.

Lazi kommt nach Ungarn zurück, auf der Suche nach dem Gewehr des Großvaters. Klingt erstmal nach Roadtrip mit leicht gefährlichem Gepäck, wird aber schnell zu etwas viel Größerem. Da geht es um Gewalt, Herkunft, Körper, Scham und die Frage, was eigentlich passiert, wenn man nicht mehr brav stillhält. Und ja, zwischendurch dachte ich schon: Junge, dieses Buch nimmt aber keine Abkürzung zum Wohlfühlregal.

Was mir richtig gefallen hat, ist diese Mischung aus Wut und Zärtlichkeit. Darida schreibt nicht glattgebügelt, sondern rau, bildhaft und manchmal mit einem Humor, der genau dann reinknallt, wenn man kurz Luft holen will. Diese unberechenbaren Tanten, die Schnäpse, die Dorfstimmung, das hat Leben. Nicht immer bequem, aber verdammt lebendig.

King Cobra ist kein Buch, das man einfach wegliest und dann hübsch ins Regal stellt. Es kriecht nach, zischt ein bisschen im Kopf herum und zwingt einen, hinzuschauen. Für mich ein starkes, mutiges Debüt mit Ecken, Giftzähnen und Herz.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.04.2026

Wenn Erben zum magischen Blutbad wird

Gifted and Talented
0

Magie, Geld, Macht und eine Familie, bei der selbst ein gemeinsames Abendessen jederzeit eskalieren kann. Gifted and Talented liefert genau dieses Gefühl von kontrolliertem Chaos, bei dem man merkt: Hier ...

Magie, Geld, Macht und eine Familie, bei der selbst ein gemeinsames Abendessen jederzeit eskalieren kann. Gifted and Talented liefert genau dieses Gefühl von kontrolliertem Chaos, bei dem man merkt: Hier geht es nicht darum, wer recht hat, sondern wer am Ende noch steht.

Im Zentrum stehen Meredith, Arthur und Eilidh – drei Geschwister, die alle auf ihre eigene Art kaputt, ehrgeizig und verdammt gut darin sind, sich selbst im Weg zu stehen. Jeder bringt seine eigenen Baustellen mit, und statt sie zu lösen, wird lieber taktiert, manipuliert und emotional aufgerüstet. Sympathisch ist hier kaum jemand, aber genau das macht den Reiz aus.

Besonders stark sind die Dialoge und diese ständige Spannung zwischen Nähe und Konkurrenz. Man spürt in jeder Szene, dass diese Familie sich eigentlich braucht, aber nicht weiß, wie man das zeigt, ohne dabei jemanden zu verletzen. Das Ganze verpackt in einer Welt, in der Magie und Technologie ganz selbstverständlich zusammengehören und Macht nicht nur ein Privileg, sondern eine Waffe ist.

Der Fokus liegt klar auf den Figuren und ihren inneren Konflikten, weniger auf schneller Handlung. Das Tempo ist ruhiger, dafür aber intensiv und manchmal auch ziemlich schonungslos. Wer hier nur Action erwartet, wird überrascht sein, wer auf komplexe Charaktere steht, bekommt richtig viel geboten.

Olivie Blake schreibt klug, teilweise verschachtelt, aber genau das passt zu dieser Geschichte. Es fühlt sich an, als würde man direkt in die Köpfe dieser Figuren gezogen werden, inklusive aller Zweifel, Ängste und übergroßen Egos.

Unterm Strich ist das ein bissiges, emotionales und ziemlich cleveres Fantasy-Familiendrama, das nicht perfekt sein will, aber genau dadurch hängen bleibt. Eine Geschichte über Macht, Erwartungen und die Frage, ob man sich selbst eigentlich jemals gerecht werden kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.04.2026

Wenn der innere Schweinehund plötzlich Kung Fu lernt

Shaolin Life
0

Manchmal kommt so ein Buch genau dann um die Ecke, wenn der innere Schweinehund gerade breitbeinig auf dem Sofa sitzt, Chips frisst und sagt: Morgen reicht auch noch. Shaolin Life packt genau diesen Typen ...

Manchmal kommt so ein Buch genau dann um die Ecke, wenn der innere Schweinehund gerade breitbeinig auf dem Sofa sitzt, Chips frisst und sagt: Morgen reicht auch noch. Shaolin Life packt genau diesen Typen am Kragen. Nicht laut, nicht peinlich motivierend, sondern ziemlich direkt.

Sacha Wenk erzählt hier nicht von Kung Fu als Show mit coolen Kicks und dramatischer Musik im Hintergrund. Es geht viel mehr um das, was passiert, bevor überhaupt irgendwas nach außen sichtbar wird. Fokus, Mut, Disziplin, Geduld und Demut klingen erst mal wie fünf Wörter, die auf einem Wandtattoo landen könnten. Aber das Buch macht daraus etwas Greifbares.

Besonders stark ist, dass hier nicht dieses typische Du kannst alles schaffen Geschrei kommt. Zum Glück. Davon bekommt man ja mittlerweile Muskelkater im Gesicht vom Augenrollen. Stattdessen geht es darum, dranzubleiben, ehrlich mit sich selbst zu sein und nicht jedes Hindernis sofort als Zeichen des Universums zu nehmen, wieder aufzugeben.

Die Shaolin Gedanken passen überraschend gut in den modernen Alltag. Zwischen Handy, Stress, Ausreden und diesem ewigen Ich müsste mal Gefühl wirkt das Buch wie ein ruhiger Tritt gegen das eigene Chaos. Nicht brutal, eher heilsam. So ein kleiner innerer Meister, der sagt: Junge, steh auf, mach weiter, aber bleib dabei anständig.

Natürlich erfindet Shaolin Life das Rad nicht neu. Disziplin, Fokus und Geduld kennt man. Aber hier bekommen diese Begriffe wieder Gewicht. Sie fühlen sich nicht nach Kalenderweisheit an, sondern nach Training. Nach Schweiß. Nach Haltung.

Für alle, die sich selbst nicht nur besser organisieren, sondern wirklich stärker von innen heraus werden wollen, ist dieses Buch ein ziemlich guter Begleiter. Kein Zaubertrick. Kein Motivationszirkus. Eher ein klarer Wegweiser mit Herz, Ruhe und ordentlich innerer Kraft.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.04.2026

Mehr als nur ein Trainerleben

Svetislav Pešić
0

Da sitzt man und denkt sich erst mal: Trainerbiografie, wird schon trocken werden. Und dann kommt da so ein Typ um die Ecke, der Basketball nicht erklärt, sondern lebt. Svetislav Pešić wirkt nicht wie ...

Da sitzt man und denkt sich erst mal: Trainerbiografie, wird schon trocken werden. Und dann kommt da so ein Typ um die Ecke, der Basketball nicht erklärt, sondern lebt. Svetislav Pešić wirkt nicht wie jemand, der Geschichten erzählen will, sondern wie jemand, der sie einfach erlebt hat und jetzt nebenbei rauslässt.

Besonders hängen bleiben diese kleinen Momente. Entscheidungen, die auf den ersten Blick unscheinbar wirken und später ganze Karrieren verändern. Genau da merkt man, wie viel Gefühl und Instinkt in diesem Sport steckt. Das ist kein Lehrbuch, das ist Leben auf Parkett.

Zwischendurch schleicht sich immer wieder diese leise Melancholie rein. Der Verlust der alten Heimat, die Veränderungen im Sport, die Entwicklung von Spielern. Das hat mehr Tiefe, als man anfangs erwartet. Kein großes Drama, aber spürbar echt.

Und dann diese Trainerperspektive. Klar, es geht um Taktik und Disziplin, aber viel mehr um Menschen. Wie man sie formt, wie man sie manchmal auch einfach machen lassen muss. Da nickt man öfter, als man gedacht hätte.

Am Ende bleibt das Gefühl, einen ziemlich direkten, manchmal kantigen, aber absolut leidenschaftlichen Menschen kennengelernt zu haben. Kein glattgebügelter Held, sondern einer mit Ecken, Kanten und einer Menge Geschichten im Gepäck.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere