Platzhalter für Profilbild

Newspaper

Lesejury Star
online

Newspaper ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Newspaper über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.05.2026

Schmerz, Klicks und Chili-Challenges

Just Watch Me
0

Schon nach den ersten Seiten zieht die Geschichte mitten hinein in das Chaos von Dell Danvers. Ihre Schwester liegt im Koma, die Rechnungen stapeln sich und aus purer Verzweiflung startet Dell einen Livestream, ...

Schon nach den ersten Seiten zieht die Geschichte mitten hinein in das Chaos von Dell Danvers. Ihre Schwester liegt im Koma, die Rechnungen stapeln sich und aus purer Verzweiflung startet Dell einen Livestream, der eigentlich nur Geld bringen soll. Doch aus spontanen Aktionen werden immer extremere Challenges, aus Aufmerksamkeit wird Abhängigkeit und aus einem Hilferuf plötzlich eine öffentliche Selbstentblößung. Zwischen scharfem Humor, emotionalen Abstürzen und völlig absurden Internetmomenten verfolgt man gebannt, wie Dell immer weiter die Kontrolle verliert und trotzdem nicht aufhören kann.

Das Buch war definitiv mal etwas anderes. Diese Mischung aus Social-Media-Wahnsinn, emotionalem Drama und schwarzem Humor funktioniert überraschend gut. Dell ist laut, impulsiv, verletzlich, manchmal anstrengend und gleichzeitig faszinierend. Man fragt sich ständig, was sie als Nächstes tun wird, welche Grenze diesmal überschritten wird und wie viel von sich selbst sie noch preisgeben kann, bevor nichts mehr übrig bleibt. Genau dieser Wechsel zwischen Mitgefühl, Fremdscham und Spannung macht die Geschichte so fesselnd. Aber leider waren teilweise manche Entwicklungen allerdings ziemlich überzogen oder schwer nachvollziehbar. Einige Aktionen wirkten fast schon absurd und nicht immer realistisch, gerade wenn es um Dells Entscheidungen ging.

Was bei mir aber trotzdem hängen geblieben ist, war die Atmosphäre rund um die Livestreams und den Druck permanenter Sichtbarkeit. Gerade die Dynamik im Netz wurde unglaublich greifbar dargestellt. Wie schnell Menschen jemanden feiern, verurteilen oder immer extremere Aktionen verlangen. Das Buch zeigt eindringlich, wie Aufmerksamkeit zur Sucht werden kann und wie verschwommen die Grenze zwischen echtem Schmerz und Inszenierung plötzlich ist. Trotz kleiner Schwächen bleibt die Geschichte emotional, ungewöhnlich und erstaunlich intensiv.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.05.2026

Diese Kleinstadt fühlt sich falsch an

Komm spielen
0

Castle Creek klingt nach genau dem Ort, an dem man nach einem schweren Jahr endlich durchatmen kann. Kleine Straßen, freundliche Menschen, Ruhe statt Großstadtchaos. Aber schon nach kurzer Zeit kippt dieses ...

Castle Creek klingt nach genau dem Ort, an dem man nach einem schweren Jahr endlich durchatmen kann. Kleine Straßen, freundliche Menschen, Ruhe statt Großstadtchaos. Aber schon nach kurzer Zeit kippt dieses Gefühl. Nicht plötzlich, sondern ganz langsam. Gespräche wirken merkwürdig, Vorfälle werden seltsam schnell abgetan und ständig bleibt dieses diffuse Unbehagen zurück, dass hier alle etwas wissen, nur Annie nicht.

Gerade diese Entwicklung macht die Geschichte spannend. Die Gefahr steht nicht von Anfang an mit voller Wucht im Raum, sondern schiebt sich Stück für Stück näher. Erst denkt man noch an Zufälle, dann an Pech und irgendwann merkt man, dass hinter der perfekten Kleinstadtfassade etwas ziemlich Dunkles steckt. Die Geschichte verlässt sich nicht dauernd auf Schockmomente. Oft reicht schon ein Blick, eine seltsame Reaktion oder dieses Gefühl, dass Annie mit ihren Sorgen allein dasteht. Dadurch entsteht eine unangenehme Spannung, die fast die ganze Zeit unterschwellig mitschwingt. Besonders stark fand ich, wie schnell man selbst anfängt, jedem zu misstrauen.

Auch Charlie sorgt dafür, dass vieles emotionaler wirkt. Sobald ein Kind in Gefahr geraten könnte, bekommt die Handlung automatisch mehr Druck. Genau dadurch fiebert man deutlich stärker mit, weil es plötzlich nicht mehr nur um merkwürdige Ereignisse geht, sondern um echte Angst. Der Thriller steigert die Spannung mit jedem Kapitel spürbar, ohne dabei ständig auf übertriebene Action setzen zu müssen. Stattdessen wächst dieses unangenehme Gefühl immer weiter, dass die Situation jederzeit außer Kontrolle geraten kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.05.2026

Geheimnisse, die nicht ruhen

Home Before Dark
1

Hier geht es um die junge Marsi, die das Verschwinden ihrer Schwester Stina aufklären will. Alles beginnt mit einem folgenschweren Ereignis in den späten 1960er-Jahren: Marsi gibt sich gegenüber einem ...

Hier geht es um die junge Marsi, die das Verschwinden ihrer Schwester Stina aufklären will. Alles beginnt mit einem folgenschweren Ereignis in den späten 1960er-Jahren: Marsi gibt sich gegenüber einem Brieffreund als ihre ältere Schwester aus. Als es schließlich zu einem Treffen kommen soll, taucht sie nicht auf, stattdessen verschwindet Stina spurlos, zurück bleibt nur ihre blutverschmierte Jacke. Jahre später ist der Fall noch immer ungeklärt. Von Schuldgefühlen geplagt beginnt Marsi, selbst nach Antworten zu suchen, doch je tiefer sie gräbt, desto unsicherer wird sie sich, über die Menschen um sie herum und über ihre eigenen Erinnerungen. Realität und Wahrnehmung beginnen zunehmend zu verschwimmen.

Das Hörbuch lebt vor allem von seiner ruhigen, aber stetig anziehenden Spannung. Die wechselnden Zeitebenen mit ihren Rückblicken sind gut eingebaut und sorgen dafür, dass sich die Geschichte nach und nach entfaltet, ohne zu viel vorwegzunehmen. Gerade diese Struktur hat mir gut gefallen, weil sie das Geschehen Stück für Stück dichter macht. Auch die Sprecherin überzeugt: angenehm, klar und sehr passend zur eher düsteren Grundstimmung. Sie schafft es, die innere Zerrissenheit der Hauptfigur gut zu transportieren und macht das Zuhören durchgehend angenehm. Besonders stark fand ich den Aspekt der verschleierten Wahrnehmung. Dieses Gefühl, sich selbst nicht mehr ganz trauen zu können, wird glaubwürdig dargestellt und zieht sich konstant durch die Handlung. Weniger überzeugend war für mich allerdings die zeitliche Einordnung. Obwohl Teile der Geschichte in den 60er- und 70er-Jahren spielen, habe ich davon kaum etwas gespürt. Die Atmosphäre dieser Zeit blieb für mich eher blass und hätte genauso gut in einer anderen Epoche angesiedelt sein können.

Insgesamt ein gut gesprochenes Hörbuch mit spannender Grundidee und gelungenen Rückblicken. Vor allem die psychologische Komponente bleibt im Kopf, auch wenn die zeittypische Atmosphäre für mich etwas zu kurz kam.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.05.2026

Zwischen Humor und Selbstfindung

Mit anderen Augen
1

Im Mittelpunkt steht Tilda, eine Frau mitten im Leben, deren Alltag plötzlich aus den Fugen gerät: Nach und nach verschwinden Teile ihres Körpers, erst ein Finger, dann weitere. Eine Ärztin stellt die ...

Im Mittelpunkt steht Tilda, eine Frau mitten im Leben, deren Alltag plötzlich aus den Fugen gerät: Nach und nach verschwinden Teile ihres Körpers, erst ein Finger, dann weitere. Eine Ärztin stellt die rätselhafte Diagnose „Unsichtbarkeit“. Doch statt sich ihrem Schicksal zu ergeben, beginnt Tilda, ihr Leben zu hinterfragen. Zwischen Familie, Beruf und Freundschaften stellt sie sich der Frage, warum sie sich selbst aus dem Blick verloren hat und wie sie wieder sichtbar werden kann.

Die Grundidee ist ungewöhnlich und sofort fesselnd: Unsichtbarkeit nicht als Fantasy-Element, sondern als greifbare Metapher für das Gefühl, im Alltag übersehen zu werden. Genau hier setzt die Geschichte ihre stärksten Impulse. Sie schafft es, ein ernstes Thema – Selbstwahrnehmung, Älterwerden und gesellschaftliche Erwartungen – zugänglich und stellenweise sogar leicht zu erzählen, ohne an Tiefe zu verlieren.

Was hier wirklich trägt, ist die Hauptfigur. Tilda wirkt nahbar, widersprüchlich und angenehm unperfekt. Ihre Entwicklung fühlt sich glaubwürdig an, weil sie nicht plötzlich „alles im Griff“ hat, sondern sich Schritt für Schritt wieder näherkommt. Auch die Nebenfiguren fügen sich stimmig ein und sorgen dafür, dass die Geschichte emotional verankert bleibt. Der Schreibstil ist modern, flüssig und von einem feinen Humor durchzogen. Gerade dieser Ton verhindert, dass die Geschichte zu schwer wird. Stattdessen entsteht eine gute Balance aus Nachdenklichkeit und Leichtigkeit, und die Botschaft bleibt präsent, ohne belehrend zu wirken.

Ein kleiner Kritikpunkt liegt für mich im Schluss: Der wirkt insgesamt sehr rund und fast schon ein wenig zu glatt. Ohne zu viel vorwegzunehmen, hätte ich mir hier etwas mehr Reibung oder Zwischentöne gewünscht, statt einer Lösung, die stellenweise etwas idealisiert und leicht kitschig daherkommt. Am Ende bleibt ein kluger, emotionaler und zugleich angenehm lesbarer Roman, der zum Nachdenken anregt, ohne zu beschweren.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.04.2026

Zwischen Lüge und Liebe (Hörbuch)

Alle lieben Dandelion, aber sie ist tot
0

Sieben Monate nach dem Tod ihrer Schwester Dandelion ist Poppys Leben noch immer aus den Fugen geraten. Als sie auf dem Handy ihrer Schwester eine Nachricht von Jake entdeckt, trifft sie eine impulsive ...

Sieben Monate nach dem Tod ihrer Schwester Dandelion ist Poppys Leben noch immer aus den Fugen geraten. Als sie auf dem Handy ihrer Schwester eine Nachricht von Jake entdeckt, trifft sie eine impulsive Entscheidung: Sie gibt sich als Dandelion aus und verabredet sich mit ihm. Was als einmaliger Versuch beginnt, ihrer Schwester näher zu sein, entwickelt sich schnell zu etwas Echtem. Zwischen Trauer, Schuldgefühlen und neu entstehender Liebe muss Poppy entscheiden, ob sie die Lüge weiterlebt oder den Mut findet, ihr eigenes Glück zu wählen.

Das Hörbuch hat mich vor allem durch seine emotionale Vielschichtigkeit überzeugt. Die Geschichte balanciert gekonnt zwischen Humor und Ernsthaftigkeit. Immer wieder gibt es witzige, leichte Momente, die jedoch von einer tiefen, nachdenklichen Grundstimmung getragen werden. Gerade diese Mischung macht die Figuren greifbar und lebendig. Besonders hervorzuheben ist die Sprecherleistung: lebendig, einfühlsam und mit genau dem richtigen Gespür für Timing. Die Figuren wirken dadurch authentisch und nahbar, was die emotionale Wirkung deutlich verstärkt.

Inhaltlich fand ich die Grundidee stark und berührend, auch wenn ich mir stellenweise einen etwas anderen Weg gewünscht hätte. Manche Passagen wirkten für mich etwas ausschweifend oder „drumherum erzählt“, wodurch die Handlung gelegentlich an Tempo verliert.
Dennoch: Die emotionale Entwicklung und die zentralen Fragen nach Identität, Verlust und Wahrheit tragen die Geschichte zuverlässig.
Am Ende bleibt ein Hörbuch, das trotz kleiner Längen gut unterhält, zum Nachdenken anregt und vor allem durch seine Mischung aus Humor und Tiefe überzeugt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere