Profilbild von marcello

marcello

Lesejury Star
offline

marcello ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit marcello über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.05.2026

One Pot - vielfältige Ideen

One Pot
0

One Pot ist kein neues Konzept. Es gibt auch Foodketten, die sich darauf spezialisiert haben und trotzdem ist es ein Prinzip, der sich bei mir privat im Kochen nicht wirklich durchgesetzt hat, außer es ...

One Pot ist kein neues Konzept. Es gibt auch Foodketten, die sich darauf spezialisiert haben und trotzdem ist es ein Prinzip, der sich bei mir privat im Kochen nicht wirklich durchgesetzt hat, außer es sind einfache Pfannengerichte, weil dann auch alles früh zusammenkommt. Ansetzen setze ich aber eher auf viele Töpfe/Pfannen. Dementsprechend war ich bei dem Kochbuch, das sich komplett dem Thema widmet, durchaus neugierig. Schon der Blick ins Buch hat mir verraten, dass One Pot sehr breit gedacht wird und das hat mich erst recht gereizt.

Das Kochbuch ist thematisch klar gegliedert. Wir haben zunächst Basiswissen, wobei es auch um Tricks geht, um selbstständig aus Resten ein One Pot-Gericht kochen zu können. Da wird dann darauf hingewiesen, was man wie beachten muss, welches Gemüse länger braucht, wie es sich für Nudeln, Reis etc. unterscheidet. Ich koche selten ohne Rezept, weil ich das immer gerne im Rücken weiß, aber gerade für intuitive Köche wird da sicherlich einiges interessantes dabei gewesen sein. Danach sind die Rezepte dann in fünf Sektoren sortiert. Zunächst kommen die Rezepte, die Nudeln als Basis haben, dann folgen die mit Reis und Körner, dann wird nochmal zwischen Gemüse/Kartoffeln und Fleisch/Fisch unterschieden und auch die Süßmäuler (wie ich) kommen voll auf ihre Kosten. Stilistisch haben wir die typische Struktur für Dr. Oetker Bücher. Ein klares Rezeptdesign, was dann immer von einem Bild des Gerichts begleitet wird. Clean ist hier die Maßgabe und das ist mir genau recht.

Es gibt wirklich viel Rezepte zu entdecken und für mich persönlich wichtig, dass auch viele vegetarische Rezepte dabei sind. Manche Kochbücher sind da schon kleine Fallen, weil der Titel gar nicht sofort an Fleischrezepte denken lässt und dann hat man doch viel zu viel davon im Angebot. Das ist hier deutlich ausgewogener, auch jenseits von Gemüse und Fleisch/Fisch. In den Rezepten sind auch viele vegane Zutaten verwendet, was mir nicht wichtig ist, aber wenn man erfahren ist, kann man ja problemlos ersetzen, wie man es am liebsten hat. Ich war bei manchen Anleitungen etwas skeptisch, muss ich gestehen, weil mir die Art des Rezepts vertraut war, ich es aber noch nie als One Pot-Konzept umgesetzt habe. Bei manchen Sachen wird One Pot auch sehr frei gedacht, was okay ist, normaler Standard ist es deswegen dennoch nicht.

Ich habe einige Rezepte auch schon nachgekocht. Da wäre im Bereich Nudeln beispielsweise „Schinkennudeln mit Erbsen“. Ein gern gesehener Klassiker, aber wie gesagt bei mir eher separat hergestellt. Hier habe ich es aber im Topf alles auf einmal ausprobiert. Man muss schon beistehen, denn die zugegebene Flüssigkeit zieht aufgrund der ganzen Zutaten dann auch ein und dann muss man echt aufpassen, dass unten nichts anbrennt. Das sind dann so die Fallen, die One Pot bereit hält, aber da macht Übung den Meister. Letztlich hat das Rezept aber funktioniert und es ist auch sehr cremig gelungen. Auch die „Brokkoli-Pasta“ habe ich aus dem Bereich nachgeguckt. Hier muss man auch mit dem Anbrennen aufpassen und den Brokkoli wirklich klein schneiden, aber wieder ein schnelles Gericht, das auch mehr als nur Nudeln mit Tomatensauce beinhaltet. Ein kleines Highlight war dann für mich das Rezept „Ofen-Ravioli“. Auch hier wieder große Skepsis, weil die Ravioli aus dem Kühlregal einfach auf das Gemüse gelegt wird, ein bisschen stückige Tomaten und Béchamel-Sauce drum herum und sie sind tatsächlich wunderbar gar geworden. Mit den Zucchini unten drunter war das auch eine tolle Kombination. Das wird hier sicherlich öfters gekocht.

Im Bereich Gemüse habe ich „Gerösteter Blumenkohl mit Süßkartoffelstampf“ ausprobiert. Das war eine Kombination, die ich so noch nicht hatte, aber auch ein Rezept, dass ich intuitiv nie als One Pot interpretiert hätte, weil es zunächst dem Konzept Ofengemüse entspricht. Aber egal, die Kombination war wirklich lecker und auch die Erdnüsse als Topping eine feine Idee, die Raffinesse reinbringt. Ein weiterer Geheimtipp ist dann die „Quesadilla mit Baked Beans“. Ich habe da schon immer mal wieder Varianten gemacht, mal im Waffeleisen oder schnöde alles rein und dann ab in die Pfanne. Aber die Falttechnik war hier sehr clever und so entstehen auch mehr Platz, um es in der Pfanne parallel zu braten. Es ist auch ein extrem schneller Rezept und das ist ja oft auch ein wichtiges Argument. „Smashed Potatoes“ ist seit einigen Jahren ein Trendrezept und auch ich habe es schon in einigen Varianten ausprobiert. Hier bietet das Buch eine Alternative mit Ziegenkäse an und da bin ich doch immer dabei. Smashed Potatoes mit Schinkenwürfel ist Standard, aber der Ziegenkäse hat es toll aufgepeppt.

Aus dem Bereich Fleisch/Fisch will ich noch die „Kartoffel-Hack-Pizza“ aufgreifen. Hier müssen die Kartoffeln zwar kurz vorgekocht werden, aber danach kommt alles zusammen in den Ofen. Auch hier wieder ein super einfach nachzumachendes Rezept, das sicherlich auch für Kinder super ist und das auch nicht langweilig daherkommt. Im Bereich Süß habe ich noch einige Rezepte, die ich ausprobieren möchte, weil da echt viel ist, was ich so in der Richtung noch nie gegessen habe. Aber man soll ja nicht so viel süß essen, deswegen kann ich hier nur „Milchreisauflauf mit Früchten“ anbieten. Das habe ich für mich abgewandelt und es klassisch mit Kirschen gemacht. Im Rezept selbst stand getrocknetes Obst, wie Aprikosen oder Cranberrys. Das war auch eins dieser Rezepte, wo ich skeptisch war und hier auch erstmals zurecht. Der Milchreis wollte zwar gar werden, aber die angegebene Menge Flüssigkeit wollte nicht aufgesogen werden. So war es sehr flüssig und das konnte kaum der Sinn der Sache sein. Hier habe ich dann Mondamin eingebunden und es war schnell im Griff. Das war aber das einzige Rezept, was nicht ideal funktioniert hat.

Fazit: „One Pot“ von Dr. Oetker hat mir wirklich sehr gut gefallen. Das Konzept macht zwar manchmal skeptisch und man muss mehr beachten, gerade im Nudelbereich, aber es gab viele tolle Rezepte, eine breite Mischung und auch meistens mit absoluter Gelinggarantie. Da werden doch einige Rezepte in den gewöhnlichen Gebrauch wandern.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 30.04.2026

Sog durch erzählerische Mischung

Masked by Nightfall
0

Ich habe von Kim Nina Ocker die „One of Six“-Reihe gelesen und auch in Romance hatte ich von ihr mal reingelesen. Meine Wahrnehmung war da immer sehr ambivalent und angesichts des Angebots des Markts gehen ...

Ich habe von Kim Nina Ocker die „One of Six“-Reihe gelesen und auch in Romance hatte ich von ihr mal reingelesen. Meine Wahrnehmung war da immer sehr ambivalent und angesichts des Angebots des Markts gehen manche dann auch einfach verloren. Als ich dann aber über die Reveal Week von Lyx die Ankündigung von Ocker für ihre erste Fantasy-Reihe mitbekommen habe, da hat sie mich so angesteckt, gerade weil die erste Vision so schnell geschrieben war von „Maskes by Nightfall“, da hat mich der Auftakt einfach nicht mehr losgelassen und jetzt konnte ich endlich reinlesen.

Da bald der zweite Teil von „Silver Elite“ nach Dani Francis erscheint, worauf ich auch schon sehr hinfiebere, muss ich schon sagen, dass sich gewisse Parallelen ergeben haben, wobei man auch ohnehin betonen muss, wie hart es ist, ein Genre neu zu erfinden. Aber so Themen wie harte Ausbildung, entweder der Ausbilder oder ein Mitstreiter als Love Interest, das gibt es schon öfters zu lesen und trotzdem muss ich sagen, dass Ocker mich wahnsinnig schnell am Haken hatte. Denn auch wenn sich vieles vertraut anfühlte, so gab es immer Aspekte, die wieder neu waren und vor allem die mich unbedingt weiterlesen lassen wollte. Die Seitenzahl ist echt nicht gering und trotzdem bin ich hindurchgerast, weil ich immer nur wieder wissen wollte, was jetzt als Nächstes passiert. Was ich aber gleich als Kritikpunkt erwähnen möchte. Ocker erzählt den ersten Band extrem eng. Das ist mir im Fantasy-Bereich zuletzt öfters aufgefallen, birgt aber das Risiko, dass die weiteren Bände sich ganz anders lesen lassen, weil die Welt auf einmal geöffnet wird.

Hier wissen wir wirklich extrem wenig. Es gibt einen Bruch, für dort wird ausgebildet. Dazu wissen wir, dass es Erben gibt, die magische Fähigkeiten gibt, ob nun Elementarmagie, aber auch andere Aspekte sind möglich. Es ist aber kein Muss für die Ausbildung. Wie so meistens gibt es verschiedene Schichten in der Gesellschaft, aber das war es dann auch schon wieder. Jetzt haben wir nur die Perspektive von Protagonistin Elodie, das heißt, wir sind auf jeden Fall auf eine Art beschränkt und erkunden mit ihr live vieles. Trotzdem war auch ersichtlich, dass Elodie vieles auch als absurd abgetan und nicht näher hinterfragt hat. Die Welt der „Last Shadows“-Reihe ist nämlich voll von Mythen und Sagen, aber Elodie gibt sich mit einem ganz kleinen Rahmen zufrieden, dementsprechend ist sie nicht die neugierige Figur, die man gerne schon mal hat, um mit ihr alles entdecken zu können. So stellen sich für mich nach dem Auftakt extrem viele Fragen. Ich will Ocker nicht unterstellen, die nicht noch in den Folgebänden (offenbar sind gleich vier geplant) zu beantworten, aber ein bisschen mehr Antworten wären nicht schlecht gewesen. Das war dann nämlich so meine Reise mit dem ersten Band. Erst war ich richtig drin und ich wollte immer mehr und gerade im letzten Drittel schaltete sich mehr die Logik ein und die Erkenntnis, dass ich aber wahrlich nicht alles bekommen habe, woran ich zwischendurch gedacht habe.

Abseits des großen Kontextes muss ich aber echt sagen, dass der erzählerische Sog extrem stark von der Autorin war. Anfangs hat die Mysteriösität gezogen, weil wir so wenig wussten. Wer sind die ganzen Gestalten in der Auslese. Wer sind die Guten, wer die Schlechten? Zudem gab es extrem viele extrem brutale Szenen. Ich mochte das überraschend gerne, weil es den Eindruck erweckte, dass ständig alles passieren kann und dass der Preis für alles sehr hoch ist. In diese brutale Welt passte dann auch, dass Elodie genau recht zwischen erfahren, mutig und hingebungsvoll schwankte. Ihr hat vieles gefehlt, um sie sofort als geeignet für eine Schattensoldatin zu empfinden, aber sie hat Verstand. Sie hat nicht immer die richtigen Schlüsse gezogen, aber sie war keinesfalls kopflos und deswegen mochte ich sie alles in allem gerne. Gerade wenn man wirklich jede einzelne Szene mit einer Figur verbringt, kann es doch schnell passieren, dass es irgendwann zu viel ist, aber es hielt sich bei Elodie echt zurück.

Mir hat auch sehr gefallen, dass die Liebesgeschichte zwar ein präsenter Teil war, aber keinen abrupten Aufbau hatte. Stattdessen war das Hin und Her anfangs frei von intimeren Gedanken. Es hat sich so immer mehr aufbauen können und das hat der Chemie gut getan. Jax gibt auch ein ähnlich ambivalentes Bild wie Elodie ab. Einerseits ist er manchmal einfach süß und unterstützend, dann wiederum spielt er regelrecht mit seiner Macht, weil er jeden Moment alles sein kann. Weil wir ihm nicht in den Kopf gucken können, bleibt er ein ungeschriebeneres Blatt, aber das macht ganz klar neugierig. Auch die zwischengeschalteten Lyrik-Passagen, Handbücher-Auszüge oder Schriftwechsel geben uns einen Blick in die Zukunft. Hier schafft es Ocker als auch, über den Cliffhanger hinaus Neugier zu erzeugen. Generell ist der Handlungsaufbau vorbildlich. Ja, es hätte hinten noch mehr World Building geben dürfen, aber ansonsten ist die Mischung aus ruhigen und aufregenden Szenen genau richtig.

Fazit: „Masked by Nightfall“ ist eine neue Möglichkeit, mich der Autorin Kim Nina Ocker zu nähern und ich finde, dass ihr dieser Fantasy-Ausflug gut steht. Wobei Fantasy schränken wir etwas ein, weil viel World Building war noch nicht drin, aber die Mischung aus Spannung, Action und Ruhigem, die saß ideal. Interessante Figuren und einige Hoffnungen für die Fortsetzungen runden das deutlich positiv überwiegende Bild ab.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.04.2026

Überraschend viel Tiefgang hinten raus

The Unhoneymooners – Sie können sich nicht ausstehen und fliegen gemeinsam in die Flitterwochen
0

Christina Lauren ist eine der Autorinnen (korrekt: Autorenduo natürlich), von der ich immer mal wieder was gelesen habe, richtig treu bin ich aber nicht gewesen. Inzwischen ist Christina Lauren aber einem ...

Christina Lauren ist eine der Autorinnen (korrekt: Autorenduo natürlich), von der ich immer mal wieder was gelesen habe, richtig treu bin ich aber nicht gewesen. Inzwischen ist Christina Lauren aber einem Hype unterlegen, da kommt man nicht dran vorbei und so werden einige Bücher wieder neu aufgelegt oder endlich übersetzt. Also Christina Lauren weit und breit und ich werde immer treuer. Deswegen habe ich jetzt auch endlich „The Unhoneymooners“ aufgeholt.

Ich habe mich in der Hauptsache von Sandra Voss als Stimme von Olive durch die Geschichte gleiten lassen, da Jesse Grimm als Ethan nur den Epilog hat. Ich hatte dir Stimme gerade bei einem Hörbuch von Kyra Groh und hatte dort bemängelt, dass mir die Stimme etwas zu ‚reif‘ klang. Ohne jetzt zu wissen, wie alt jeweils die beiden Protagonistinnen aus den Büchern sind, kann ich aber sagen, dass die Stimme hier viel mehr passte. Christina Lauren setzen zwar auch auf Humor und trotzdem ist der Stil anders und da war Voss als Hörbuchsprecherin die viel bessere Wahl. Zumal die Hörbuchschauspielerin mit „The Unhoneymooners“ auch echt viel hat, um sich da auszuleben, weil wir Olive als vermeintlichen Unglücksraben vorgestellt bekommen, sodass es einige Fettnäpfchensituationen gibt, in denen die Erzählweise extrem wichtig ist, um das für uns alle aus so absurd-komisch rüberzubringen.

Insgesamt ist der Stil von Christina Lauren sehr gut zu erkennen. Das Autorinnenduo erzeugt gerne erzwungen-absurde Situation, hier haben wir eben Flitterwochen, bei denen mit Olive und Ethan zwei Figuren zusammenkommen, die sich vermeintlich nicht ausstehen können. Dementsprechend gab es auf Hawaii doch einige Szenen, die sehr typisch sind, die mich aber dennoch in den Bann des Paares gezogen haben. Mir hat in dem Kontext auch sehr gefallen, dass das Thema Glück/Pech so offensiv angegangen wurde und mir hat die Familienkonstellation rund um Olive sehr gefallen. Auch wenn die beiden alleine auf Hawaii sind, aber die engen Latinx-Strukturen in Olives Familie wurde durchgängig rübergebracht, sodass viele davon gefühlt mit auf der Reise waren. Anderes vor Ort mit Chef und Ex kam aus dem Nichts, hat aber für sehr amüsante Situationen gesorgt.

Für mich sehr überraschend war auf jeden Fall der Konflikt, der sich letztlich immer deutlicher aufgebaut hat, nachdem Olive und Ethan ihren Groove gefunden hatten. Angesichts des Beginns der Buchs habe ich das nicht erwartet, vielleicht habe ich auch einfach Red Flags übersehen. Bei Hörbüchern muss ich immer erst reinkommen, sodass mir dort vielleicht also was entgangen ist, aber vielleicht haben Christina Lauren es auch einfach geschafft, dass es aus dem Nichts kommt. Lob dafür. Ich fand es sogar durch Olives Perspektive belastend nach und nach einiges über eine Nebenfigur herauszufinden, weil es so viele verletzte Gefühle bedeuten. Drama in RomComs gehört zwar dazu, aber es ist oft einfach etwas, was erfüllt werden muss, aber nichts, was mich tief berührt. Da war der Konflikt zwischen Olive und ihrem Zwilling Amy sowie Ethan echt herzzerbrechend. Lange trainierte Beziehungen haben einfach das Potenzial und ich hätte gerne weggeschaut, konnte aber nicht.

Fazit: „The Unhoneymooners“ hat die typischen Christina Lauren-Zutaten. Für mich war das Buch durchgängig unterhaltsam, aber es war doch deutlich zu merken, dass es immer besser wurde. Erst gab es nu viel Humor, aber irgendwann wurde es richtig intensiv und tiefgründig. Da konnte ich keine Pause mehr einlegen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.04.2026

Komplexe Verwicklungen von fünf Fremden

Fünf Fremde
0

Romy Fölck ist eine Autorin, an der man eigentlich nicht vorbeikommt, gerade weil sie in ihrem Schreiben sehr flexibel ist, siehe verschiedene Genres, und doch habe ich es geschafft, bislang noch gar nichts ...

Romy Fölck ist eine Autorin, an der man eigentlich nicht vorbeikommt, gerade weil sie in ihrem Schreiben sehr flexibel ist, siehe verschiedene Genres, und doch habe ich es geschafft, bislang noch gar nichts von ihr gelesen zu haben. „Fünf Fremde“ ist nun ihr erster Thriller und ich musste doch bei dem Klappentext sehr an Lucy Clarke denken. Ich mag es in dem Genre doch echt gerne, viele verschiedene Perspektiven zu haben und deswegen dachte ich, dass der Zeitpunkt ideal ist, Fölcks Erzählstimme nun endlich mal kennenzulernen.

Ich habe „Fünf Fremde“ als Hörbuch gehabt und wie ein wenig erhofft, gibt es gleich sechs Erzählstimmen. Die fünf Fremden, aber auch eine Vergangenheitsperspektive musste noch vertont werden, sodass wir dann eben auf sechs Beteiligte kommen. Es war mir gleich fünf Frauenstimmen schon herausfordernd, gerade weil die ‚älteren‘ und die ‚jüngeren‘ Stimmen sich dann auch ähnelten, aber da immer fix klar wird, von wem gerade erzählt wird, war es nicht schlimm. Zumal ich viele Erzählstimmen eh immer gegenüber nur einer Stimme bevorzugen würde, weil es sich dann mehr wie ein Schauspiel anfühlt und dafür greife ich gerne zu einem Hörbuch. Jetzt ist noch der Hinweis entscheidend, dass ich die gekürzte Version des Hörbuchs hatte. Da bin ich eigentlich kein Fan von, weil ich auch nie abschätzen kann, was gekürzt wird. Ich gehe anhand meiner Eindrücke von Fölcks Schreibstil davon aus, dass es vor allem beschreibende Elemente und Momente, die der Atmosphäre dienen, sind, das ist für mich dann auch zu verkraften. Zumal ich am Ende auch sagen kann, dass ich alles verstanden und keine Lücken entdeckt habe.

Für mich wäre der Kritikpunkt an „Fünf Fremde“ die Charakterarbeit. Das ist immer ein schmaler Grat, wenn man so viele Perspektiven hat, dass man ihnen allesamt gerecht wird. Ganz ideal ist es nicht gelungen, aber ich hänge das nicht zu hoch, denn ich habe genau das bekommen, was ich mir von so einer Art von Erzählung erhofft habe. Die vielen Perspektiven verwirren ordentlich, man bekommt aber auch genug Hinweise, um selbst zu rätseln, es ist durchgängig spannend und es wird durchaus auch einiges Psychologisches angeboten. Gerade am Ende, wenn sich alle Motiven offenbaren, dann wird es nochmal herausfordernd für die Autoren. Da die Hintergründe stellenweise extrem sein können, ist es für mich gerade dann hilfreich, wenn ich wirklich verstehe, was los ist. Das war jetzt gerade bei „Bachelorette Party“ von Camilla Sten sehr extrem und auch hier hatte ich gewisse Fragezeichen. Dafür hatte ich bei den anderen Figuren aber ein recht gutes Bild, aber letztlich ist es einfach ein Lebensausschnitt und kein ganzes Leben.

Die Insel als Setting ist gut gewählt. Man kommt nur auf bestimmte Art und Weise hin und je nach Wetterbedingungen ist man auch nicht mal eben wieder weg. Durch die Jahreszeit kommt auch kein Urlaubsfeeling auf, stattdessen erzeugt Fölck eine düstere Stimmung, die dann mit dem Inhalt gut zusammenpasst. Wir bekommen dann nach und nach die fünf Fremden vorgestellt und wir bekommen durch die Rückblenden einen Kontext, mit dem immer mehr zu erahnen, was auf der Insel einst passiert ist und warum es so entscheidend ist, dass nun einige Figuren zusammenkommen. Ich fand das Buch gut aufgebaut, weil wir immer in guten, regelmäßigen Abständen neue Infos bekommen haben. Entweder es waren echte Durchbrüche oder es war uns etwas gereicht, womit wir dann arbeiten konnten. Ich muss auch sagen, dass mich das Hörbuch mit einem gewissen Grad an Komplexität auch abgelenkt hat, denn gerade im Nachhinein würde ich sagen, dass die Fährten gut ausgelegt worden sind. Nicht total auffällig, aber mein Hirn hätte an einiges kommen können. So war es für mich bis zum Ende überraschend.

Fazit: Während Camilla Sten jetzt gerade erst scheiterte, das Warten auf einen neuen Lucy Clarke-Thriller zu überbrücken, hat Romy Fölck das für mich geschafft. Es war durch die ganzen Perspektiven nämlich genau das, was ich im Thriller-Bereich gerne lese: Komplex, verwirrend, spannend und mit Tiefgang. Es hätte im Charakterbereich noch einen Ticken mehr sein können, aber ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.04.2026

Fantasiereiches Spiel mit der griechischen Mythologie

Villains Are Made (1). Der Fluch der Medusa
0

Nachdem Julia Holz, die man bei Social Media als julezreads kennt, ihre erste Buchreihe bei arena angekündigt hat, musste ich doch sehr an einige Jahre davor denken, als Anabelle Stehl offiziell zur Autorin ...

Nachdem Julia Holz, die man bei Social Media als julezreads kennt, ihre erste Buchreihe bei arena angekündigt hat, musste ich doch sehr an einige Jahre davor denken, als Anabelle Stehl offiziell zur Autorin wurde. Da war es auch schon echt cool, dass eine Bloggerin, die ich länger verfolgt habe, ihren Traum erfüllen konnte und das ist jetzt hier schon wieder der Fall.

Was zusätzlich wunderbar gepasst hat, „Villains Are Made“ und generell die gesamte Reihe beschäftigt sich mit der griechischen Mythologie. Für die habe ich schon mehr als die Hälfte meines Lebens einen besonderen Platz in meinem Herzen, weil ich zunächst ganz alte Bücher meines Vaters über die griechen Sagen gelesen habe und dann immer mehr Filme/Bücher dazu konsumiert habe. Besonders natürlich auch die „Göttlich“-Reihe von Josephine Angelini, die wohl hier auch eine Rolle für Julia gespielt hat. Dementsprechend war für mich schnell klar, dass ich die Reihe ausprobieren möchte. Ich habe mir das Hörbuch genommen, das von Martha Kindermann eingesprochen wurde. Ich war über die Laufzeit doch erst etwas erstaunt, weil ich es normalerweise am liebsten zwischen zehn bis zwölf Stunden habe. Die gewählte Stimme für Isla war auf jeden Fall wunderbar, zumal ich den Eindruck hatte, dass sie auch sehr variabel mit ihrer Stimme war, um anderen Figuren etwas Einzigartiges mitzugeben. Das Highlight war natürlich Silas, ganz klar, aber auch so hat sie es geschafft, die doch umfangreiche Handlung zu rahmen.

Meine Sorge bezüglich der Laufzeit hat sich in Teilen bewahrheitet. Ich würde schon sagen, dass Julia sich etwas zu sehr ausgetobt hat. Es geht auch gar nicht um viel, weil sie keinesfalls repetitiv erzählt hat, aber wenn ich mir vor Augen führe, was letztlich an aktiver Handlung passiert ist, dann hätte man es durchaus etwas knapper halten können. Manche Medusa-Einblicke hätte man vielleicht kürzen können und auch in der Gegenwart gab es verzichtbare Szenen, aber zum Glück war es in der Gesamtsumme nichts, was mich in die Gefahr gebracht hätte, das Buch abbrechen zu wollen (was ich nie tue, aber schon drüber nachzudenken ist kein gutes Zeichen).

Abgesehen davon habe ich eigentlich von der angekündigten Handlung genau das bekommen, was ich wollte. Ich mochte das Retelling der griechischen Mythologie wirklich sehr. Medusa in der Vergangenheit und Isla in der Gegenwart haben mich als zwei Personen mit einer Geschichte doch sehr berührt. Medusa war zwar für mich nie eine der faszinierenderen Persönlichkeiten, aber sie wird gerne gewählt, um andere Sichtweisen auf ihre Geschichte zu ermöglichen. Das habe ich bislang aber nicht verfolgt, sodass Julias Perspektive darauf sich für mich sehr neu anfühlte und es war interessant, richtig tief in die alten Sagen-Fakten einzutauchen, mehr zu erfahren und dann eben das gesponnen zu bekommen, was ganz alleine Julias Fantasie ist. Medusas Geschichte kann da nur tragisch sein und es tat mir in der Gegenwart weh, so eine eingeschüchterte und belastete junge Frau kennenzulernen, die die Welt für sich noch einmal ganz neu erkunden muss.

Genauso spannend war es aber auch, die ganzen Figuren um sie herum kennenzulernen. Thea und Silas als enge Gefährten, die werden in ihrer Identität nicht verschleiert und es war schön, die Beziehungen zu ergründen. Wendungsreicher waren da dann andere Charaktere wie Grace, Quinn und natürlich Adrian und wen sie wohl darstellen. Es war schon völlig klar, dass Adrian kein menschlicher Love Interest war, aber die Spekulationen hätten echt überall hinführen können, zumal ich auch eher immer bei den oberflächlicheren Basics zur griechischen Mythologie geblieben bin, sodass Julia mich hier gut hätte austricksen können. Die Wendungen und die Enthüllungen der Identitäten haben für mich sehr gut gepasst und es waren echte Richtungswechsel, sodass sich die Handlung dadurch immer mehr von einer vermeintlichen typischen College-Geschichte zu einer Fantasy-Geschichte entwickelt. Natürlich haben auch schon Medusas Kapitel eine andere Tonart, aber Islas Geschichte ist länger eher harmlos, bis dann eben auch dort das Tempo angezogen wird.

Da sich Julia ab da auch alle Freiheiten der Welt erlauben konnte, war für mich die Handlung in keiner Weise vorhersehbar. Ich war schon sehr gespannt, wie Isla ihren Fluch in den Griff bekommen kann, wie sie dann einen richtig sozialen Kreis aufbaut und wie der Plan der Gruppe umgesetzt wird, sich endlich vom Schicksal zu befreien. Ich finde vor allem auch, dass die Autorin schon einen guten Umriss gibt, wie die ganze Reihe funktionieren wird. Die Ankündigungen zu Pandora und Cassandra klingen da echt vielversprechend, zumal es ebenfalls nicht die allerbekanntesten Figuren der griechischen Mythologie sind. Da wird Julia ihre Ideen dann weiter sprudeln lassen können.

Fazit: Ich mochte „Villains Are Made” echt gerne und das Wichtigste ist: Es war gut, dass Julia Holz ihren Traum verfolgt hat, denn sie kann definitiv schreiben und überzeugt gleich mit einer komplexen Geschichte, die viele Facetten hat. Ja, es gab Längen, in der Kürze liegt manchmal die Würze und ich habe den Band auch lieber für seine Vielfalt anstatt für die Liebesgeschichte gelesen, aber das passt für so ein Erstlingswerk, denn es gab so viel zu entdecken und dabei auch noch so viel Gutes. Weiter so!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere