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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.04.2026

Kochen wie eine Einladung zum Bleiben

Martha. Das Kochbuch
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Zwischen glänzenden Tafeln, warmem Ofenduft und diesem ganz besonderen Gefühl von „Heute machen wir es uns schön“ entfaltet Martha. Das Kochbuch seinen Charme. Schon beim Durchblättern hatte ich das Gefühl, ...

Zwischen glänzenden Tafeln, warmem Ofenduft und diesem ganz besonderen Gefühl von „Heute machen wir es uns schön“ entfaltet Martha. Das Kochbuch seinen Charme. Schon beim Durchblättern hatte ich das Gefühl, nicht einfach nur Rezepte vor mir zu haben, sondern kleine Erinnerungsstücke aus einem Leben, das Kulinarik, Stil und Gastfreundschaft miteinander verbindet.

Besonders gefallen hat mir, dass dieses Buch mehr ist als eine reine Rezeptsammlung. Die persönlichen Fotos, Anekdoten und Geschichten geben dem Ganzen eine warme, fast private Note. Man merkt auf jeder Seite, dass hier nicht nur gekocht, sondern gefeiert, eingeladen, erinnert und weitergegeben wird.

Die Rezepte wirken elegant, teilweise opulent und sehr bewusst ausgewählt. Das ist kein Buch, das ich mal eben hektisch zwischen Einkaufstüte und Feierabend aufschlage. Es ist eher eines für besondere Momente, für lange Wochenenden, Gäste, Familientafeln oder diesen inneren Wunsch, aus einem Essen ein kleines Ereignis zu machen.

Manche Gerichte brauchen sicher Zeit, gute Zutaten und Lust auf ein bisschen Inszenierung. Genau deshalb fühlt es sich aber auch so besonders an. Für mich ist es ein stilvolles, liebevoll gestaltetes Kochbuch mit Seele, Geschichte und einer großen Portion Gastgeberglanz.

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Veröffentlicht am 30.04.2026

Wenn Eis Geschichten erzählt

Unterwegs zu den Gletschern der Welt
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Manchmal liegt die größte Wucht nicht im lauten Knall, sondern in einem Stück Eis, das langsam verschwindet. Dieses Buch hat genau so eine Wirkung. Es drängt sich nicht brüllend auf den Schoß, sondern ...

Manchmal liegt die größte Wucht nicht im lauten Knall, sondern in einem Stück Eis, das langsam verschwindet. Dieses Buch hat genau so eine Wirkung. Es drängt sich nicht brüllend auf den Schoß, sondern setzt sich daneben, schaut dich an und sagt: Guck mal genauer hin, Freundchen.

Daniel Schwartz nimmt einen mit zu Gletschern auf der ganzen Welt und macht daraus viel mehr als nur einen Reisebericht mit kalten Füßen. Da geht es um Klima, Geschichte, Krieg, Erinnerung, um alte Expeditionen, verschwundene Spuren und um diese eigenartige Melancholie, wenn Natur plötzlich wie ein Archiv wirkt, das jemand heimlich anzündet.

Besonders stark fand ich, wie persönlich das Ganze wird. Der fast 90-jährige Vater auf seiner letzten Wanderung, der Birchgletscher kurz vor dem Absturz, Fundstücke im tauenden Eis. Das sind Momente, bei denen man kurz innehält und denkt: Uff. Das ist jetzt nicht nur schön beschrieben, das kratzt auch irgendwo innen an der Wand.

Klar, wer hier ein schnelles Abenteuerbuch mit Daueraction erwartet, wird vielleicht etwas ungeduldig auf dem Sofa herumrutschen. Das hier ist eher ein Buch zum langsamen Lesen, zum Nachdenken, zum Zwischendurch-aus-dem-Fenster-Starren. Aber genau darin liegt seine Kraft.

Unterwegs zu den Gletschern der Welt ist klug, bildstark, melancholisch und erstaunlich menschlich. Ein Buch über Eis, das am Ende ziemlich warm ums Herz wird. Und ja, danach schaut man auf schmelzende Gletscher definitiv nicht mehr wie auf irgendeine Nachricht aus der Wetter-App.

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Veröffentlicht am 30.04.2026

Wenn Hufe plötzlich Geschichten erzählen

Hufen helfen
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Zwischen Stallgeruch, Putzkiste und diesem kleinen Ziehen im Bauch, wenn am Huf irgendetwas nicht so aussieht wie sonst, hat dieses Buch bei mir genau den richtigen Nerv getroffen.

Hufen helfen ist kein ...

Zwischen Stallgeruch, Putzkiste und diesem kleinen Ziehen im Bauch, wenn am Huf irgendetwas nicht so aussieht wie sonst, hat dieses Buch bei mir genau den richtigen Nerv getroffen.

Hufen helfen ist kein trockenes Fachbuch, bei dem man nach drei Seiten innerlich absattelt. Es nimmt einen angenehm verständlich an die Hand und zeigt, wie viel man am Huf erkennen kann, wenn man genauer hinschaut. Risse, Strahl, Hufwand, Pflege, Hygiene und Schutz werden so erklärt, dass ich nicht das Gefühl hatte, überfordert zu werden, sondern eher sicherer und wacher im Umgang mit meinen Pferden.

Besonders schön fand ich, dass die Inhalte praktisch bleiben. Es geht nicht darum, plötzlich selbst alles besser wissen zu wollen, sondern darum, Probleme früher zu bemerken, Fragen stellen zu können und den eigenen Blick zu schulen. Genau das macht das Buch für mich so wertvoll.

Meine beiden Pferdekinder fanden es super und hilfreich, und ja, ich auch. Dieses Buch steht nicht nur hübsch im Regal, es wird mit in den Stall gedacht. Für alle, die Hufe nicht nur sauber kratzen, sondern wirklich besser verstehen möchten, ist es eine richtig starke Empfehlung.

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Veröffentlicht am 29.04.2026

Wenn Kunst plötzlich zurückblickt

Letzter Akt
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Manche Bücher kommen nicht mit Pauken und Trompeten um die Ecke, sondern setzen sich leise neben einen, bestellen einen Kaffee und sagen irgendwann so einen Satz, der plötzlich sitzt. Letzter Akt ist genau ...

Manche Bücher kommen nicht mit Pauken und Trompeten um die Ecke, sondern setzen sich leise neben einen, bestellen einen Kaffee und sagen irgendwann so einen Satz, der plötzlich sitzt. Letzter Akt ist genau so ein Roman. Ruhig, fein, ein bisschen melancholisch und trotzdem mit einer Wucht, die man erst merkt, wenn man schon längst mitten drinsteckt.

Dora hat eigentlich alles, was nach Erfolg aussieht. Filmkarriere, Bühne, Applaus, dieses ganze glänzende Zeug. Aber unter der Oberfläche knirscht es ordentlich. Ihre Mutter nervt am Telefon, die Agentin will mehr aus ihr machen, der Kollege überschreitet Grenzen und Dora selbst wirkt manchmal, als würde sie ihr eigenes Leben nur noch spielen. Ganz ehrlich, das hat mich mehr gepackt, als ich erwartet hätte.

Dann taucht Victor auf, dieser Maler, der sie nicht sofort als berühmte Schauspielerin einsortiert. Herrlich irritierend. Für Dora ist das fast wie Urlaub von sich selbst. Doch als er sie malt, wird aus Kunst plötzlich kein hübscher Spiegel, sondern eher ein Vorschlaghammer mit Rahmen. Da dachte ich nur: Na super, einmal kurz entspannen wollen und zack, Trauma mit Tiefgang.

Andreas Schäfer schreibt das nicht laut, nicht dramatisch auf Knopfdruck, sondern sehr feinfühlig. Man muss sich auf das Tempo einlassen, sonst wartet man vielleicht auf den großen Knall und übersieht die kleinen Risse. Genau da liegt aber die Stärke des Romans.

Letzter Akt ist ein stilles, kluges und emotionales Buch über Kunst, Erinnerung und die Frage, wie lange man vor sich selbst weglaufen kann. Kein schneller Snack, eher ein gutes Glas Rotwein mit Nachhall.

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Veröffentlicht am 28.04.2026

Wenn das Meer ruft und die Füße einfach loswollen

LONELY PLANET Bildband Legendäre Küstenwanderungen in Europa
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Salzige Luft, raue Klippen und dieses Gefühl, einfach loszulaufen und alles hinter sich zu lassen – genau das trifft dieses Buch mitten ins Herz. Schon nach den ersten Seiten kribbelt es in den Beinen, ...

Salzige Luft, raue Klippen und dieses Gefühl, einfach loszulaufen und alles hinter sich zu lassen – genau das trifft dieses Buch mitten ins Herz. Schon nach den ersten Seiten kribbelt es in den Beinen, als würde der nächste Küstenpfad direkt vor der Haustür starten.

Die Bilder hauen ordentlich rein. Nicht so geschniegelt wie in Hochglanzkatalogen, sondern ehrlich schön. Mal stürmisch, mal ruhig, mal einfach nur weit. Und plötzlich sitzt man da, blättert und denkt sich: Warum bin ich eigentlich nicht längst unterwegs?

Besonders stark sind die persönlichen Geschichten. Keine trockenen Wegbeschreibungen, sondern echte Erlebnisse. Man merkt schnell, da waren Leute unterwegs, die das Meer genauso lieben wie man selbst. Und genau das macht süchtig.

Klar, wer einen klassischen Wanderführer mit minutiösen Karten sucht, wird hier nicht komplett glücklich. Aber darum geht es auch gar nicht. Dieses Buch ist ein Tritt in den Hintern. Ein verdammt schöner noch dazu.

Am Ende bleibt dieses leise Fernweh im Kopf. Und die ziemlich konkrete Idee, einfach mal den Rucksack zu packen und loszugehen. Meerblick inklusive.

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