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tinten_fischchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.04.2026

Vielschichtiges Porträt einer jungen Frau und Künstlerin

Fünf Tage im Licht
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"Fünf Tage im Licht" ist eines der Bücher die zu überraschen vermögen. Aufgrund des Covers und der Inhaltsbeschreibung rechnete ich mit einem leichten Sommerroman. Bekommen haben ich ambivalente ...

"Fünf Tage im Licht" ist eines der Bücher die zu überraschen vermögen. Aufgrund des Covers und der Inhaltsbeschreibung rechnete ich mit einem leichten Sommerroman. Bekommen haben ich ambivalente Figuren und eine bittere Abrechnung mit unserer Gesellschaft und Zeit. Die Themen Unterdrückung und Ungleichheit und das daraus entstandene Machtgefälle schwingen im Hintergrund immer mit.

Vor allem der erste Teil, die ersten fünf Tage der Geschichte gehen unter die Haut. Langsam, Stück für Stück werden die Figuren und ihre Beziehungen enthüllt. Neben Feministischen und Sozialen Themen kreisen die Gedanken der Hauptfigur um die Themen Mutterschaft und Kunst. Lassen sich beide Pole vereinbaren und wenn ja wie? Kurz angeschnitten wird noch so viel mehr. Und nichts davon arg mit dem Holzhammer, wie es leider bei "Die Wut, die bleibt" von Mareike Fallwickl der Fall ist.

Rhiannon Lucy Cosslett wirkt noch sehr jung. Sie hat sich mit dem Buch viel vorgenommen und nicht alles geht auf. Der Mittelteil, nachdem die Männer gekommen sind, ist etwas langatmig und gefühlt bewegt sich da alles nur im Kreis. Aber auch eine passende Metapher für die Langeweile und Dröge des Sommers auf einer Touristeninsel ist.

Original-Titel und Cover finde ich übrigens um Welten besser und passender.

Mein Fazit: Klare Empfehlung!

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Veröffentlicht am 18.04.2026

Strategien gegen Angst

Wenn kleine Igel mutig sind
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Angst ist normal. Vor der Dunkelheit, vor lauten Geräuschen, vor fremden Situationen. Auch in "Wenn kleine Igel mutig sind" ist Angst ein normales Gefühl. Nicht nur der kleine Igel kennt sie, ...

Angst ist normal. Vor der Dunkelheit, vor lauten Geräuschen, vor fremden Situationen. Auch in "Wenn kleine Igel mutig sind" ist Angst ein normales Gefühl. Nicht nur der kleine Igel kennt sie, selbst der Hund und der Leuchtkäfer kennen sie. Wobei es schön gewesen wäre, wenn der kleine Igel auf seiner Reise auch ein richtig großes, starkes Tier getroffen hätte.

Die Geschichte ist recht simpel und kann auch von kleineren Kindern nachvollzogen werden. Im Laufe der Geschichte lernt der Igel die unterschiedlichsten Bewältigungsstrategien kennen und probiert sie auch aus. Nicht jede passt für ihn, nicht alles kann er umsetzen. Erzählt wird dies mit einem Augenzwinkern und Humor.

Die hübschen Bilder zeigen freundliche Tiere. Bei uns waren die Katze und die Glühwürmchen der Hit. Die Bilder sind schlicht und übersichtlich gehalten. Witzige Details findet man kaum. Dadurch eignet es sich sowohl für kleinere Kinder als auch perfekt zum Anschauen vor dem Schlafengehen.

Hilfreich ist auch die Zusammenfassung des "Gelernten" auf den letzten beiden Seiten.

Die hochwertige Verarbeitung, sei es in der Haptik oder in der Gestaltung und den Zeichnungen hat mein Herz als Elternteil höher schlagen lassen. Die gewohnte Ravensburger Qualität, aber trotzdem erwähnenswert. Der einzige Schnitzer: Auf manchen Seiten ist ein schwarzer Text über einen dunklen Hintergrund auf manchen Seiten bei gedimmten Licht etwas schwer zu lesen.

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Veröffentlicht am 14.03.2026

Wunderschöne Geschichte über die, die man sonst nicht sieht

Ein Hund namens Katze
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Vor Jahrzehnten durfte ich einen Vortrag des “Armenpfarrers” Wolfang Pucher beiwohnen. In Erinnerung blieb mir sein Vergleich zwischen “schöner” und “hässlicher” Armut. Während Erstere beispielsweise in ...

Vor Jahrzehnten durfte ich einen Vortrag des “Armenpfarrers” Wolfang Pucher beiwohnen. In Erinnerung blieb mir sein Vergleich zwischen “schöner” und “hässlicher” Armut. Während Erstere beispielsweise in Form einer Familie die nach dem plötzlichen Tod eines Elternteiles vor dem finanziellen Ruin steht, uns rührt und zu helfen animiert, verschließen wir uns nur zu gerne vor letztere.

Dichter und Autor Tomi Kontio macht das nicht und schreibt einfach ein Kinderbuch über die, die man sonst gerne aus dem Stadtbild vertreiben möchte. Diesen Mut muss man erst mal haben.

Der titelgebende Hund wurde bereits als Außenseiter in eine dysfunktionale Familie geboren. Schon früh ist er auf sich selbst gestellt. Erst als er auf den stinkenden, schmutzigen Obdachlosen Marder trifft, beginnt er zu begreifen, dass die Welt auch schön sein kann. Dass es so etwas wie Liebe, Freundschaft und einfach nur Akzeptanz gibt.

Das Buch beschönigt nichts. Vor allem die Szene, in der Katze und Marder sich gegenseitig mit den abwertenden Bezeichnungen, die sie von der Gesellschaft immer wieder an den Kopf geworfen bekommen, beschreiben, hat mich mal schlucken lassen.

“Ein Hund namens Katze” ist ein unglaublich mutiges Kinderbuch. Es zeigt, dass die Würde eines Menschen nicht von seiner Herkunft oder seiner Stellung innerhalb der Gesellschaft abhängt. Ein Thema, das man seinen Kindern auch schon zumuten kann.

Andere Rezensenten bekritteln die teils recht harte Sprache, die auch Bezeichnungen wie “Alki” enthält. Aber früher oder später werden Kinder noch weit schlimmeres zu hören bekommen. Wobei die Altersgrenze mit 6 bei manchen Kindern schon etwas optimistisch ist. Mein Älterer hätte es in diesem Alter noch nicht verstanden. Aber das macht nichts, das Buch ist ein Gewinn bis ins Erwachsenenalter.

Natürlich muss ich auch noch die wunderschönen Illustrationen von Elina Warsta erwähnen. Diese machen das Buch zu einem wahren Kunstwerk und Schatz. Warsta schafft es den titelgebenden Katze gleichzeitig verlottert und süß darzustellen. Fast schon zärtlich wird die harte Geschichte dargestellt. Auch feiner Humor blitzt immer wieder durch.

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Veröffentlicht am 06.02.2026

Kafka im Kreisverkehr

Schleifen
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Eine kurze Liste der Dinge die ich während des Lesens über den Autor und das Buch recherchiert habe:

Punkt 1: Elias Hirschl ist ein ehemaliger Mathematik-Student
Punkt 2: Elias Hirschl hat Philosophie ...

Eine kurze Liste der Dinge die ich während des Lesens über den Autor und das Buch recherchiert habe:

Punkt 1: Elias Hirschl ist ein ehemaliger Mathematik-Student
Punkt 2: Elias Hirschl hat Philosophie studiert. Eventuell im Wien. Das würde das Vorkommen des Wiener Kreises im Buch erklären
Punkt 3: Das Buch entstand aus einer Fülle an Kurzgeschichten die erst später mit einer Rahmenhandlung verknüpft wurden

„Schleifen“ liest sich so, wie es die oben genannten Punkten vermuten lassen würden. Das Buch ist speziell, im besten Sinne. Absurd, kreativ, humorvoll aber auch voll brutaler, roher Schönheit. Ein wilder mix aus Sprachtheorie, Wissenschaft, Philosophie, Geschichte, Kunst. Ein wenig Mathematik ist auch dabei. Selbstreflexiv. Teilweise auch kindisch, fast schon dumm. Einmal Lesen reicht vermutlich nicht, um alle Feinheiten entdecken zu können. Reale Figuren werden mit fiktiven vermischt. Biblische Geschichten neu gedeutet. Raum und Zeit neu vermessen.

Kein einfaches Buch für nebenbei. Aber ein Buch, das Spaß macht, wenn man sich darauf und die verrückten Ideen, die darin durchgekaut werden, einlassen kann. Ich habe es geliebt, weiß aber, dass das Buch alles andere als Mainstream ist.

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Veröffentlicht am 06.02.2026

Zwischen Poesie und Schrecken

Der letzte Sommer der Tauben
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Bei der letzten Seite hatte ich Gänsehaut. Wahnsinn, was für ein Ende. Was für ein Buch.

Obwohl der Stil und Aufbau relativ einfach ist, ist die Leseerfahrung dem Thema entsprechend alles andere als ...

Bei der letzten Seite hatte ich Gänsehaut. Wahnsinn, was für ein Ende. Was für ein Buch.

Obwohl der Stil und Aufbau relativ einfach ist, ist die Leseerfahrung dem Thema entsprechend alles andere als einfach.

In etwas mehr als 200 Seiten wird eindrücklich geschildert wie der Alltag mehr und mehr verschwindet. Immer wieder neue Verbote, Ausgangssperren aber auch Gehirnwäsche. Nicht nur der Alltag sondern auch Familie und Freunde verändern sich im Laufe der Zeit. Verschwinden.

Umso schwieriger ist es das alles aus Sicht eines Heranwachsenden zu erleben. Noah, der immer noch sehr naiv ist und sich wieder und wieder vorstellt, das alles wieder gut und normal wird. Ganz nebenbei erfährt man vieles über Tauben und ihre Zucht.

„Die Tauben sind mir wie immer ein Trost. Ohne sie, denke ich, wäre ich verloren. Sie sind das einzige Beständige in einer Welt, die sich um mich herum gerade so rasant wandelt.“ lässt Abbas Khider Noah einmal erklären. Besser kann man es gar nicht beschreiben.

Ein kurzes, bedrückendes Buch mit Nachhall.

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