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Veröffentlicht am 30.05.2026

Dämonen, Hexerei und großartiges Worldbuilding

The Red Winter
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Fantasy ist so sehr meins! Schön dunkel muss sie sein. Actionreich und voller Spannung. Schaurig, gruselig, und gerne dürfen auch mal Magen und Nerven strapaziert werden. Und vor allem muss ich mich in ...

Fantasy ist so sehr meins! Schön dunkel muss sie sein. Actionreich und voller Spannung. Schaurig, gruselig, und gerne dürfen auch mal Magen und Nerven strapaziert werden. Und vor allem muss ich mich in der Welt mit ihren Charakteren so richtig verlieren können, geschaffen mit viel Einfallsreichtum und überbordender Fantasie. All dies finde ich in „The Red Winter“. Und noch mehr.
Denn spicy ist die Geschichte auch. Und mit einer Liebe, die Grenzen und Welten überschreitet. Und gegen Widerstand und Gefahren bestehen muss, welche sich allem Bekannten entziehen. Und das Blut in den Adern gefrieren lassen. Denn es ist die Bestie, die im Gévaudan rumgeht. Die Menschen, Tiere und ganze Landschaften in Angst und Schrecken versetzt. Und Opfer um Opfer um Opfer fordert und in einem schrecklichem Zustand zurücklässt.
Monsterjäger Sebastian Grave heftet sich an die Spuren des Ungetüms. In Symbiose mit dem Dämon Sarmodel und ein Meister des Okkulten und der dunklen Künste vermag er sich dem zu stellen, was die Vorstellungskraft der weiteren Jäger überschreitet. Und auch seinen Begleiter, den jungen Adeligen Antoine, ebenso fasziniert wie überwältigt und zugleich zu seinem wichtigsten Gefährten werden lässt. Doch die Bestie ist mächtig und grausam, und ihr Fluch wirkt über Jahre und Generationen hinweg. Und wird schließlich auch zu Sebastians persönlichem Schicksal. Tragisch, blutig und zugleich wunderschön.
Auch mich hat die Bestie in ihren Bann gezogen. Und mit ihr eine Geschichte, die ebenso raffiniert konstruiert ist wie Dunkles und Unerwartetes, Hexerei und Zauberei, Dämonen, Gottheiten und magische Wesen zwischen ihren vielen Seiten beherbergt. Und dabei einen Sog entwickelt, der durch die dunklen Wälder des Gévaudans treibt und zugleich auf weitere Geschichten von dem Monsterjäger und seinen düsteren Gefährten hoffen lässt.

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Veröffentlicht am 01.05.2026

Stark und eindringlich in Sprache und Thema

Die Routinen
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Wer von Euch kann ein Rad? Was mit einer so harmlos wirkenden Frage beginnt, ist ein Anfang. Und der Einstieg in die Welt des Leistungssports. In eine Kindheit und Jugend des Trainings, der Siege, des ...

Wer von Euch kann ein Rad? Was mit einer so harmlos wirkenden Frage beginnt, ist ein Anfang. Und der Einstieg in die Welt des Leistungssports. In eine Kindheit und Jugend des Trainings, der Siege, des Erfolgs. Und ebenso der Entbehrungen und des Leids. Und in diesem Fall: des Missbrauchs.
Son Lewandowski richtet ihren klaren, unverstellten Blick auf das, was hinter dem Rampenlicht, dem Applaus und dem Lächeln der Gewinnerinnen liegt. Auf ein System, welches junge Mädchen auf ihren Körper und die Leistungen reduziert, welche dieser zu erbringen vermag. Auf die Psyche, die für einen Platz auf dem Siegertreppchen gebrochen wird. Auf die Grenzüberschreitungen, welche diesen Weg durchziehen. Schmerzhaft und traumatisierend für die Betroffenen. In der jeweiligen Situation selbst. Und oftmals noch viele Jahre und Jahrzehnte später.
Was sie aus Quellen zusammentragen und in Beziehung setzen kann und schließlich in Form eines fiktionalen Textes aufarbeitet, ist erschreckend. Voll unterschwelliger Grausamkeiten und offensichtlichem Leid. Und von einer hohen literarischen Qualität. Mit einer überzeugenden, eindringlichen Figurenzeichnung, welche nach und nach Systematik und Struktur der Ausbeutung mit ihren desaströsen Konsequenzen ans Tageslicht befördert. Mit einer Sprache, die präzise, pointiert und zugleich von einer tiefen Schönheit und mit starken Bildern ist. Und einen Rhythmus und Erzählfluss erzeugt, der durch die Kapitel und von Trainingseinheit zu Wettkampf zu Tränen und durchwachten Nächten am Krankenbett trägt. Und von ihrer ganz eigenen Meisterschaft ist.
Für mich ist „Die Routinen“ das Überraschungsbuch meines bisherigen Lesejahres. Dass ich einen besonderen Text in meinen Händen halte, ließ die Buchvorstellung bereits erkennen. Dass dieser von einer solchen Reife, sprach- und wortgewaltig ist und ein schweres, verstörendes Thema sensibel wie eindringlich zu vermitteln vermag, hat sich mir von Zeile zu Zeile, von Seite zu Seite erschlossen. Und mich sehr für den Roman begeistert.

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Veröffentlicht am 23.04.2026

Drei Frauen und ein Dorf in den Wäldern und Bergen

Die Riesinnen
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Drei Generationen, drei außergewöhnliche Frauen, ein Dorf – das sind die Riesinnen. Liese, Cora und Eva. Von der Großmutter zur Tochter, zur Enkelin. Und das ist Wittenmoos. Ein kleines Dorf im Schwarzwald. ...

Drei Generationen, drei außergewöhnliche Frauen, ein Dorf – das sind die Riesinnen. Liese, Cora und Eva. Von der Großmutter zur Tochter, zur Enkelin. Und das ist Wittenmoos. Ein kleines Dorf im Schwarzwald. Ihre Heimat.
Doch vor allem ist „Die Riesinnen“ ein Roman, der fasziniert und begeistert und von einer großen Sogkraft und Schönheit ist, wie auch der dunkle, dichte Wald für die drei Frauen- Der sie umgibt und umfängt, ihnen Zuflucht und der Ort ist, an dem sie sich geliebt und geborgen fühlen. Denn ihr Leben in der engen, verschworenen Dorfgemeinschaft ist von Ausgrenzung, Anfeindung und übler Nachrede geprägt und wird so zu einem Lebens- und Überlebenskampf. Zumindest bei Liese und später bei ihrer Tochter Cora ist dies so. Und so stark ausgeprägt. Liese, die unter der Dominanz und Vorherrschaft ihres Mannes leidet, der sie klein und gefügig hält. Und dessen Tod es ihr erst erlaubt, zu Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit zu finden. Ganz anders Cora mit ihrem Freiheitsdrang und unangepassten Verhalten, die es sehr schnell sehr in die Ferne zieht. Und dann noch Eva. Bei Eva ist alles anders.
Und dass Evas Leben und ihre Akzeptanz in Wittenmoos sich so sehr von dem ihrer Großmutter und auch Mutter unterscheiden, ist Zeichen und Folge der Entwicklung, welche die Familie von Generation zu Generation durchläuft. Und ebenso das Dorf mit seinen Bewohnern, die nur auf den ersten, oberflächlichen Blick der Zeit und den äußeren Einwirkungen zu trotzen scheinen. Doch ist es auch Ergebnis der Stärke und des Muts der drei Frauen. Ihrer unbeugsamen Charaktere. Und ihres Willens, trotz der Erwartungen anderer ihren eigenen Weg zu finden. Und diesen auch zu gehen.
Ich selbst bin ganz ohne Erwartungen auf diesen Roman getroffen. Und hatte ein Leseerlebnis, das mögliche Erwartungen noch übertroffen hätte. Denn die Sprache ist präzise, treffend und in Worten und Bildern, die mich haben innehalten lassen. Und die Geschichte ist schön und traurig zugleich, ließ mich durch die Seiten fliegen und doch wünschen, dass sie nicht enden mag.

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Veröffentlicht am 29.03.2026

Ein Herzensbuch voll Schönheit und tiefer Traurigkeit

Stunden wie Tage
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Dieses Buch ist ein richtiges Herzensbuch! Auch, wenn dieses beim Lesen mehrfach bricht. Über das Schicksal, welches die Figuren erleiden müssen. Und über den Umstand, dass so vieles gar keine reine Fiktion ...

Dieses Buch ist ein richtiges Herzensbuch! Auch, wenn dieses beim Lesen mehrfach bricht. Über das Schicksal, welches die Figuren erleiden müssen. Und über den Umstand, dass so vieles gar keine reine Fiktion ist, sondern Zeit, Zeitgeschichte und Figurenkonstellationen auf Historischem und realen Vorbildern beruhen.
Und gerade das macht die ganz besondere Sogkraft der Geschichte aus. Und die Empathie und Zuneigung, die ich den Figuren entgegenbringe. Ebenso wie deren ganz besondere, detaillierte Zeichnung, ihre Charakterschärfe und die Entwicklung, die sie über die Jahre und Jahrzehnte durchlaufen. Und die Erkenntnis, dass die Figuren, über deren Lebensweg, Schicksal und auch Tod wir mitfiebern, stellvertretend für unzählige Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus stehen. In der Zeit der Pogrome, Verfolgung, Menschenhass und Mord. Die Einzelnen lassen das Leid von Generationen erahnen. Und dessen Auswirkungen bis in unsere heutige Zeit.
Martha ist die Figur, die Zentrum und Herz der Geschichte ist. Durch ihren Pragmatismus, ihre Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit und die Tiefe ihrer Gefühle. Als Hausbesorgerin für die Brüder Berkowitz verwaltet sie im Berlin der 1940er-Jahre ein Mietshaus und deren Bewohner mit ihren Anliegen, Sorgen und Ängsten. Und gerade Letztere nehmen stetig zu, nach der Machtergreifung Hitlers, mit Kriegsausbruch. Und auch Marthas eigenes wohlgeordnetes Leben gerät zunehmend ins Wanken. Gemeinsam mit ihrem Mann Willy hat sie eine enge Beziehung zu Liane, der Tochter von Henry und Katharina Berkowitz, aufgebaut. Und begleitet Liane über die Jahre hinweg auf ihrem Weg zu einer selbstbewussten jungen Frau. Die sich mit großem Mut und Widerstandskraft gegen das Unrecht und die Verbrechen ihrer Zeit und deren Menschen auflehnt. Mit verheerenden Folgen.
So schmerzhaft die Geschichte mit ihren Entwicklungen ist, so wichtig ist es, dass sie erzählt wird. In diesen kraftvollen Worten, der literarischen Sprache und der tiefen Recherche der Autorin in Archiven und Dokumenten. Das Ergebnis ist fasziniert und betörend zugleich. Von tiefer Traurigkeit und dem Glück, Zeit und Figuren in dieser Form zum Leben erweckt zu wissen. Und sich zusätzlich von der Fiktion hinwegtragen zu lassen.

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Eine literarische Spurensuche

Grüne Welle
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Eine Frau auf der Flucht zu sich selbst. Und dabei begann der Abend für die Frau gewohnt. Für diesen einen Abend im Monat zumindest. Denn an diesem besucht sie gemeinsam mit ihrer ehemals engsten, innigsten ...

Eine Frau auf der Flucht zu sich selbst. Und dabei begann der Abend für die Frau gewohnt. Für diesen einen Abend im Monat zumindest. Denn an diesem besucht sie gemeinsam mit ihrer ehemals engsten, innigsten Freundin das örtliche Kino. An diesem einem Abend, an dem ihr Mann es ihr gestattet. Oder es ihr zumindest nicht verwehrt. Wie doch so vieles.
Auf dem Rückweg dann erst die Umleitung, die nächtliche Fahrt durch die einst vertrauten Straßen, in denen sie glücklich war. Dann die Ausfahrt und zwar die eine Ausfahrt zu spät auf die Allee. Und damit die Fahrt heraus aus dem Bekannten, der häuslichen Enge, hinein in die Dunkelheit. Und hinein in die „grüne Welle“. Denn die eine rote Ampel, welche die Frau zum Halten, zum Orientieren, zum Umkehren bestimmt hat, sie will einfach nicht kommen. Und immer weiter, immer tiefer geht so die Fahrt. Tiefer in die Nacht und tiefer in die Abgründe ihrer Erinnerungen, ihrer Gefühle. Und auch ihrer Ängste und ihrer Verzweiflung. Und nach und nach erscheint beides als das, was es bereits seit vielen Jahren für die Frau ist: bodenlos.
Und aus eben diesem scheint auch das Reh gewachsen zu sein, welches der Frau unvermittelt den Weg versperrt. Und dann tot auf diesem liegt. Und Assoziationen bei der Frau zu ihrem längst vergangenen jüngeren Selbst auslöst. Mit dem Reh im Kofferraum geht es dann weiter ins Unbekannte. Den grünen Ampeln und ihren Gedanken folgend. Und immer tiefer, tiefer hinein.
Und eben diesem Sog, diesem Drang weiter-, weiter- und weiterzufahren, erliege auch ich. Also dem Lesen. Seite um Seite. Ich konnte nicht mehr stoppen! Fasziniert vom Aufbau, der literarischen Sprache, der Tiefgründigkeit, Komplexität der Zeichnung und Ausgestaltung der Figuren. Und davon, so einen großartigen Roman in den Händen zu halten.

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