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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.04.2018

Anderer Blick auf Japan

Die Ladenhüterin
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Die Ich-Erzählerin Keiko arbeitet seit 18 Jahren in einem Konbini - einem kleinen japanischen Supermarkt. Im Buch wird geschildert, wie sehr dieser Job und auch ihre spezielle Persönlichkeit sie zur Aussenseiterin ...

Die Ich-Erzählerin Keiko arbeitet seit 18 Jahren in einem Konbini - einem kleinen japanischen Supermarkt. Im Buch wird geschildert, wie sehr dieser Job und auch ihre spezielle Persönlichkeit sie zur Aussenseiterin in der perfektionistischen japanischen Gesellschaft machen. Dabei schafft es die Autorin Sayaka Murata, dass es nie traurig wird, sondern manchmal auch witzige Momente im Text eingeflochten sind. Manches im Buch mag auf den europäischen Leser aber überspitzter wirken, als es wirklich ist - die japanischen Normen werden hier durchaus realistisch dargestellt.
Ein Buch, das mich nachdenklich, aber nicht traurig zurück lässt, und einen ungewöhnlichen Blickwinkel auf die japanische Gesellschaft wirft.

Veröffentlicht am 26.02.2018

Ganz anders als zu erwarten (im positiven Sinne)

Das Fundbüro der Wünsche
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Wer den Klappentext liest, könnte vom Buch enttäuscht sein. Das Buch enthält mehr Magie und wird recht langsam erzählt. Hier gilt außerdem mal wieder: don't judge a book by its cover. Das Cover lässt mich ...

Wer den Klappentext liest, könnte vom Buch enttäuscht sein. Das Buch enthält mehr Magie und wird recht langsam erzählt. Hier gilt außerdem mal wieder: don't judge a book by its cover. Das Cover lässt mich eine sehr viel kitschigere Geschichte erwarten, als tatsächlich enthalten ist.Wer sich auf die ungewöhnliche Geschichte rund um die ebenfalls ungewöhnliche Martha Lost einlässt, wird meiner Meinung nach aber sehr gut und warmherzig unterhalten.
Ein bisschen erinnerte mich die magisch angehauchte Welt und die vielen einsamen Menschen an den Film "Die fabelhafte Welt der Amélie".
Überrascht wurde ich von Mutters Kälte und Brutalität - die hätte ich in diesem Buch nicht so erwartet.
Ein schönes Buch, das gut lesbar aber nicht gewöhnlich ist!

Veröffentlicht am 14.02.2018

Bewegendes literarisches Zeitdokument

Der Reisende
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Die vorliegende Ausgabe von "Der Reisende" ist die deutsche Erstausgabe des 1938 von Ulrich Alexander Boschwitz geschriebenen Romans. Eine Zusammenarbeit zwischen Lektor und Verlag war hier nie möglich: ...

Die vorliegende Ausgabe von "Der Reisende" ist die deutsche Erstausgabe des 1938 von Ulrich Alexander Boschwitz geschriebenen Romans. Eine Zusammenarbeit zwischen Lektor und Verlag war hier nie möglich: der Autor verstarb bereits 1942, also bevor an eine Veröffentlichung auf Deutsch überhaupt zu denken war. Dadurch ist es ein authentisches, nahezu unverändertes Zeitdokument, was es in meinen Augen zu einer interessanten und wichtigen Lektüre macht.
Der Leser erlebt die rastlosen Gedankengänge, die Unsicherheit, die Sorgen um sich und seine Familie, aber auch um seine Firma und sein Vermögen mit. Otto Silbermann befindet sich im Zwiespalt: es fällt ihm auch nach fünf Jahren Nazi-Herrschaft schwer, die neue Realität mit dem Deutschland in Einklang zu bringen, das ihm seit seiner Geburt Heimat war. Man kann durch die Person Otto Silbermann nachvollziehen, warum es auch in der Realität leider so viele Juden gab, die Deutschland trotz aller Warnungen nicht verlassen haben. Während seiner Odysee trifft Otto Silbermann eine Vielzahl von Mitbürgern, die sich alle unterscheiden und so wohl ein gutes Abbild der Deutschen 1938 geben.
Sprachlich ist es in seiner Zeit verhaftet und manchmal vielleicht nicht ganz ausgereift, was sich hin und wieder etwas ungewohnt liest.
Insgesamt aber ein interessantes und wichtiges Zeitzeugnis!

Veröffentlicht am 29.01.2018

Liebenswert und lesenswert

Zusammen ist man weniger allein
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Ich habe den Bestseller von Anna Gavalda schon vor ca zehn Jahren gelesen und hatte "Zusammen ist man weniger allein" als gutes Buch in Erinnerung. Jetzt lese ich es nochmals und stelle (wieder) fest, ...

Ich habe den Bestseller von Anna Gavalda schon vor ca zehn Jahren gelesen und hatte "Zusammen ist man weniger allein" als gutes Buch in Erinnerung. Jetzt lese ich es nochmals und stelle (wieder) fest, was für ein liebenswertes, teilweise witziges Buch es doch ist, das vier schrullige, einsame Menschen sehr einfühlsam beschreibt. Erst nach und nach lernen die zwei Frauen und zwei Männer sich kennen, ziehen zusammen und bauen Beziehungen zueinander auf. Die 550 Seiten werden dabei lange Zeit nicht langweilig - nur im letzten Viertel schwächelt es in meinen Augen manchmal ein wenig(!) und hat dann doch ein paar Längen. Ganz kleine Abzüge auch für die extravagante Setzung der Absätze (durch Autorin oder deutschen Verlag?). Sprachlich ist es (im positiven Sinne) besonders und passend. Nur hin und wieder grenzen einige Sätze für mich ans Schwer- bis Unverständliche (durch Autorin oder Übersetzerin?).
Insgesamt ein tolles Buch, das man durchaus mehrmals lesen kann.

Veröffentlicht am 22.01.2018

Die Niederschlagung eines Aufstandes und die Folgen

Menschenwerk
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Han Kan schreibt in "Menschenwerk" über den Aufstand von Gwangju in Südkorea 1980, bei dem für mehr Demokratie demonstriert wurde, und das anschließende Massaker durch das Militär.

Eindringlich wird die ...

Han Kan schreibt in "Menschenwerk" über den Aufstand von Gwangju in Südkorea 1980, bei dem für mehr Demokratie demonstriert wurde, und das anschließende Massaker durch das Militär.

Eindringlich wird die Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt. Obwohl sie alle Opfer sind, haben die verschiedenen Ich-Erzähler den Aufstand, das Massaker und die Zeit danach ganz unterschiedlich erlebt. Somit bekommt man tiefe Einblicke in die komplexen Auswirkungen eines solchen Ereignisses. Die Perspektive der Täter hat mir hierbei nicht gefehlt - ich denke, sie hätte das Buch überfrachtet.

Keine leichte Lektüre, aber durchaus gut lesbar und definitiv lohnend!