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Veröffentlicht am 07.05.2026

Ein lebensnaher Roman

Pause
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Mit „Pause“ hat Lena Kupke einen Roman geschrieben, der sich sehr nach echtem Leben anfühlt. Im Mittelpunkt steht die 36-jährige Hanna, die merkt, dass ihr Körper nicht mehr mitmacht und sie deshalb ...

Mit „Pause“ hat Lena Kupke einen Roman geschrieben, der sich sehr nach echtem Leben anfühlt. Im Mittelpunkt steht die 36-jährige Hanna, die merkt, dass ihr Körper nicht mehr mitmacht und sie deshalb zurück in ihr altes Kinderzimmer bei ihren Eltern zieht. Gerade diese Ausgangssituation fand ich unglaublich authentisch, weil nicht nur Hanna überfordert ist, sondern auch ihre Eltern, die inzwischen längst ihren eigenen Alltag gefunden haben. Alle müssen sich erst wieder neu aufeinander einstellen. Genau daraus entstehen viele Reibereien, unausgesprochene Konflikte und dieses ständige Gefühl, dass es unter der Oberfläche brodelt.

Besonders gelungen fand ich die Familiendynamik. Die Kommunikation ist oft schwierig, vieles wird verschwiegen oder nur angedeutet. Auch in Hannas Beziehung zu Paul merkt man schnell, wie wenig offen eigentlich gesprochen wird. Gleichzeitig haben alle Figuren ihre Ecken und Kanten, zum Beispiel die Eltern mit ihren Eigenheiten, Schwester Sara mit ihren schrulligen Macken und Hanna selbst, die sich oft nicht gesehen oder gehört fühlt. Dadurch wirken die Figuren nie glatt oder konstruiert, sondern sehr echt.

Trotz der ernsten Themen gibt es viele humorvolle Szenen, bei denen ich lachen musste. Mein Highlight war definitiv die Szene, in der Hanna halbnackt versucht, eine Straßenlaterne auszutreten und ihr Date ein paar Tage später von einer „verrückten Frau“ erzählt, die genau das getan habe, ohne zu merken, dass es Hanna war. Solche Momente lockern die Geschichte wunderbar auf.

Besonders ins Herz geschlossen habe ich die Nachbarin Helen. Sie ist eigentlich die erste Person, die sich wirklich Zeit für Hannas Gedanken und Gefühle nimmt und ihr zuhört, ohne sie kleinzureden. Sehr berührt in diesem Zusammenhang hat mich auch dieses Zitat:
„Ich habe doch sowieso schon immer das Gefühl, dass meine Gefühle und Gedanken eine Zumutung sind, dass ich andere schonen muss, und jetzt mit meiner Geschichte erst recht.“ (S. 254)

An manchen Stellen bleibt die Autorin recht vage. Vor allem bei Themen wie Hannas Fehlgeburt oder der Frage, was letztendlich dazu geführt hat, dass sie im Krankenhaus landet, hätte ich mir etwas mehr Hintergrundinformationen gewünscht. Vieles wird nur angedeutet. Andererseits kann ich mir vorstellen, dass genau das eine bewusste Entscheidung war, weil es eben auch im echten Leben oft keine klaren Antworten gibt.

Insgesamt ist „Pause“ ein authentischer, emotionaler und gleichzeitig humorvoller Roman über Überforderung, Familie und das Gefühl, endlich gesehen werden zu wollen.

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Veröffentlicht am 03.05.2026

Von Müttern und Töchtern

Wir Töchter
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„Wir Töchter“ ist ein eindrucksvoller Roman über drei Frauen aus unterschiedlichen Generationen einer polnischstämmigen bäuerlichen Familie: Marianna, Róza und Waleria. Ihre Lebensgeschichten sind auf ...

„Wir Töchter“ ist ein eindrucksvoller Roman über drei Frauen aus unterschiedlichen Generationen einer polnischstämmigen bäuerlichen Familie: Marianna, Róza und Waleria. Ihre Lebensgeschichten sind auf bewegende Weise miteinander verwoben und spannen einen Bogen über Themen wie Migration, Identität und Herkunft. Besonders gelungen fand ich, wie der Roman das individuelle Schicksal mit der Zeitgeschichte verbindet und zeigt, wie sehr Menschen von ihrer jeweiligen Zeit und ihren Lebensumständen geprägt werden.

Am faszinierendsten war für mich Rózas Geschichte. Sie verlässt Ende der 80er Jahre das sozialistische Polen, um ihrer Tochter Waleria ein besseres Leben in Deutschland zu ermöglichen. Ihr Versuch, sich in Westdeutschland anzupassen, ist glaubwürdig beschrieben. Sie verleugnet beinahe ihre polnischen Wurzeln, weil sie dazugehören will, muss aber schmerzhaft erkennen, dass sie in Deutschland nie wirklich willkommen ist. Besonders die Zeit im Auffanglager Friedland und ihre zahlreichen Putzjobs wirken authentisch und nachvollziehbar. Dort merkt sie schnell, dass sie als Migrantin ein Niemand ist. Dennoch gibt sie nicht auf, vor allem für ihre Tochter. Auch die Enttäuschung durch den Vater ihres Kindes, der seine Versprechen nicht hält, macht ihren Kampf umso bewegender.

Aber auch Mariannas hartes bäuerliches Leben und Walerias Suche nach Identität und Zugehörigkeit haben einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. In Walerias Gedanken und Erfahrungen konnte ich mich in manchen Momenten sogar selbst wiedererkennen. Ihre Frage nach Herkunft und Zugehörigkeit zieht sich stark durch den Roman. Überhaupt steht das Erinnern und die Beziehung der Frauen untereinander im Mittelpunkt und die Frage , was Frauen vergangener Generationen hinterlassen. Es geht auch darum, welche Verantwortung Töchter gegenüber den Frauen vor ihnen empfinden.

Gefallen hat mir auch, dass die Frauen die treibende Kraft des Romans sind. Die Männer bleiben im Hintergrund. Die Frauen sind diejenigen, die weitermachen, Entscheidungen treffen und Generationen prägen. Das Buch zeigt eindrucksvoll wie prägend Herkunft und Generationen sein können.

Ein kleiner Kritikpunkt für mich waren die vielen eingestreuten polnischen Begriffe. Einerseits machen sie den Roman authentischer, andererseits haben sie für mich manchmal den Lesefluss erschwert, da ich kein Polnisch spreche.

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Veröffentlicht am 03.04.2026

Zwischen Anpassung und Selbstsein

Sie wollen uns erzählen
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„Sie wollen uns erzählen“ ist ein berührender Roman. Im Mittelpunkt steht der neunjährige Ozzy, der mit ADHS lebt und dessen letzter Schultag vor den Ferien in einem Desaster endet. Ein tragischer ...


„Sie wollen uns erzählen“ ist ein berührender Roman. Im Mittelpunkt steht der neunjährige Ozzy, der mit ADHS lebt und dessen letzter Schultag vor den Ferien in einem Desaster endet. Ein tragischer Unfall, bei dem der Schulhase stirbt, lastet schwer auf ihm. Mit einem Brief der Lehrerin in der Tasche kreisen seine Gedanken unaufhörlich darum, wie er seiner Mutter davon erzählen kann . Er möchte sie nicht enttäuschen. Dieses innere Ringen ist unglaublich feinfühlig und nachvollziehbar dargestellt.


Besonders gelungen ist die Figurenzeichnung. Ozzy ist ein kluger Junge, der genau weiß, dass er „anders“ ist. Er bemüht sich ständig, sich so zu verhalten, dass seine Mutter sich nicht aufregt, was gleichzeitig berührt und schmerzt. Seine Schwierigkeiten im Schulalltag und seine Konzentrationsprobleme wirken dabei sehr authentisch.


Auch Ann, seine Mutter, ist vielschichtig gezeichnet. Sie liebt ihren Sohn über alles, ist aber oft überfordert, schnell aufbrausend und ungeduldig. Gerade diese Mischung macht sie unglaublich menschlich und sogar sympathisch, weil man ihre Zerrissenheit zwischen Schutzinstinkt und Überforderung spürt.


Birnbacher schafft es eindrucksvoll, mich direkt in die Gefühls- und Gedankenwelt von Ozzy und Ann hineinzuziehen. Die besondere, teils sprunghafte Erzählweise mit Gedankenfetzen und Abschweifungen spiegelt die Neurodivergenz wider und macht das Erleben von ADHS greifbar. Dieser Stil ist zunächst ungewohnt, passt aber natürlich zur Thematik und verleiht dem Roman auch damit eine starke Authentizität.


Der Einstieg ist besonders gelungen. Es wird vor allem von Ozzys Gedankenkreisen rund um die „Beichte“ erzählt sowie Anns Bemühungen, ihn im Schulsystem zurechtkommen zu lassen, ohne dass er sich selbst verliert. Im weiteren Verlauf rücken jedoch zusätzliche Handlungsstränge in den Fokus, etwa rund um die aus dem Krankenhaus verschwundene Großmutter oder Anns Schwester Nelly. Diese Aspekte wirkten auf mich weniger packend und lenkten etwas von der zentralen Geschichte ab.


Trotzdem überzeugt der Roman insgesamt. Er eröffnet einen eindrucksvollen Einblick in das Erleben von ADHS und macht nachvollziehbar, vor welchen Herausforderungen Kinder in einem stark auf Anpassung ausgerichteten Schulsystem stehen. Gleichzeitig zeigt er sensibel den Balanceakt zwischen Erwartungen gerecht werden und die eigene Identität zu bewahren.

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Veröffentlicht am 27.03.2026

Für alle, die sich mit Frieden und Kriegen auseinandersetzen möchten

Let's talk about - Frieden und Kriege. Dein Eintragebuch
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„Let’s talk about Frieden und Kriege“ ist ein inhaltlich sehr starkes Buch für alle, die sich intensiver mit den Themen Krieg und Frieden auseinandersetzen möchten. Besonders gelungen ist der ...


„Let’s talk about Frieden und Kriege“ ist ein inhaltlich sehr starkes Buch für alle, die sich intensiver mit den Themen Krieg und Frieden auseinandersetzen möchten. Besonders gelungen ist der Aufbau als Eintragebuch. Ich werde immer wieder dazu angeregt, eigene Gedanken festzuhalten und das Gelesene zu reflektieren.

Das Sachbuch ist in vier Bereiche gegliedert: Es geht zunächst um die Gründe von Kriegen. Weiter geht es mit Flucht und Asyl und anschließend darum, wie man sich im Alltag gewaltlos für Frieden einsetzen kann. Zum Schluss geht es um das eigene Konfliktverhalten (z. B. um Zivilcourage und friedliches Miteinander).

Das Kapitel zu den Kriegsursachen ist meiner Meinung nach besonders gelungen, weil verständlich erklärt wird, welche Rolle Macht, Rohstoffe oder ideologische Vorstellungen spielen.
Sehr hilfreich sind auch die vielen kurzen Infoboxen zu Begriffen wie dem Ottawa-Abkommen oder Blindgängern.
Spannend ist außerdem das Kapitel über Digitalisierung und Social Media. Der Selbsttest zu Fake- und echten Kriegsbildern sowie die dazugehörige Checkliste sind wirklich interessant gemacht und helfen dabei, KI-generierte Inhalte schnell zu erkennen.

Gut gefallen haben mir auch die Hinweise auf interaktive Webseiten mit zusätzlichen Infos, Interviews und Statistiken, z. B. zur Frage, welche Risiken es birgt, wenn Geflüchtete Smartphones bei sich tragen. Die gewonnenen Erkenntnisse lassen sich direkt im Buch festhalten. Insgesamt wird man immer wieder aktiv einbezogen, reflektiert eigenes Verhalten und setzt sich mit Fragen wie „Was ist Gewalt?“ oder verschiedenen Konfliktarten auseinander.

Das Buch ist anspruchsvoll und eher ab etwa 12 Jahren geeignet. Einen kleinen Punkt Abzug gibt es für die Gestaltung. Sie ist schlicht und zurückhaltend gehalten und funktional. Dadurch wirkt es zwar übersichtlich, aber auch etwas nüchtern. Mit etwas mehr visueller Abwechslung und Farbe hätte es noch ansprechender wirken können, gerade für jüngere Leserinnen und Leser.

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Veröffentlicht am 18.03.2026

Ein stark körperliches Buch über Identität, Herkunft und Zugehörigkeit

Melken
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Im Mittelpunkt des Romans „Melken“ von Sanna Samuelsson steht Ellen, die nach einer persönlichen Krise auf den Bauernhof ihrer Kindheit zurückkehrt. Dort wird sie nicht nur mit Erinnerungen konfrontiert, ...

Im Mittelpunkt des Romans „Melken“ von Sanna Samuelsson steht Ellen, die nach einer persönlichen Krise auf den Bauernhof ihrer Kindheit zurückkehrt. Dort wird sie nicht nur mit Erinnerungen konfrontiert, sondern auch mit der unmittelbaren, rohen Körperlichkeit des Landlebens. Der Roman wirkt dabei wie eine Hommage an das harte und entbehrungsreiche Leben und Arbeiten auf dem Bauernhof.

Inhaltlich ist die Handlung nicht allzu spektakulär. Der Einstieg in die Handlung fiel mir etwas schwer, da ich unter anderem erst mit der speziellen Erzählweise klarkommen musste.
Das Ende wirkt abrupt und lässt einige Fragen offen. Die Liebesgeschichten mit Max und Diana bleiben schemenhaft, lassen dabei aber Platz für eigene Interpretationen. Ellens Motivation, insbesondere im Hinblick auf Max bei ihrer Rückkehr, erschließt sich mir zum Beispiel nicht vollständig.

Mir gefällt aber, dass der Roman sprachlich dicht und sinnlich aufgeladen ist. Samuellson arbeitet mit vielen Adjektiven sowie starken Personifikationen. Die Sprache ist bildreich und zugleich schonungslos. Landschaften sind nicht einfach nur da. Sie flirren, drücken, atmen. Die Hitze klebt schwer auf der Haut, der Stallgeruch kriecht in jede Pore, die Felder scheinen zu lauschen. Die Natur wirkt beinahe lebendig und beobachtend.
Die vielen Adjektive verdichten die Wahrnehmung. Gerüche sind beißend, Farben stumpf oder glühend, Berührungen klebrig oder brennend.
Dinge werden vermenschlicht. Der Stall scheint zu stöhnen, die Erde wirkt hungrig, die Luft drückt wie eine unsichtbare Hand. Die Natur wirkt geradezu lebendig und beobachtend. Dadurch entsteht eine intensive und sinnliche Atmosphäre.

„Melken“ ist also eine stark körperliche Lektüre. Eine Geschichte, die Identität, Herkunft und Zugehörigkeit nicht nur gedanklich, sondern spürbar, schmutzig und lebendig erfahrbar macht.

Insgesamt ist der Roman ungewöhnlich und lebt vor allem von seiner intensiven, bildreichen Sprache und Atmosphäre. Trotz kleiner Schwächen in Handlung und Struktur überzeugt er mich durch seine sprachliche Kraft.

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