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Veröffentlicht am 03.05.2026

Ich bin Busfahrer

Pina fällt aus
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Seit ihr Sohn Leo auf der Welt ist, setzt Pina sich für ihn ein. Bald nach der Geburt war zu merken, Leo funktioniert nicht so. Leo ist anders. Seit zwanzig Jahren gehört jeder Gedanke Pinas der Sorge ...

Seit ihr Sohn Leo auf der Welt ist, setzt Pina sich für ihn ein. Bald nach der Geburt war zu merken, Leo funktioniert nicht so. Leo ist anders. Seit zwanzig Jahren gehört jeder Gedanke Pinas der Sorge um Leo. In letzter Zeit allerdings fühlt sich Pina nicht so. Es geht ihr alles schwer von der Hand. Das Ignorieren funktioniert nicht so wie sonst. Und dann bricht sie mitten auf der Straße zusammen, kommt ins Krankenhaus und muss notoperiert werden. Pina fällt aus und sie kann sich nicht äußern. Wie soll Leo das überstehen? Die über achtzigjährige Inge, bei der Leo manchmal ein paar Stunden verbringt, merkt natürlich, dass Pina nicht kommt, um Leo abzuholen.

Und manchmal funktioniert Nachbarschaft doch, möchte man hoffen. Obwohl Inge in ihrem Alter nicht mehr so fit ist, kümmert sie sich erstmal. So einfach ist das nicht, denn Leo braucht seine Rituale, um einigermaßen zur Ruhe zu kommen. Zur Hilfe kommen Zola und Wojtek, die auch im Haus wohnen. Wojtek wirkt auch wie ein Eigenbrötler, der zum Glück einfacher kommunizieren kann als Leo. Zola dagegen ist eher aufbrausend. Sie ist erst Sechszehn und ihr Vater hat sie rausgeschmissen und sie eben in einer seiner Müllwohnungen untergebracht. Wenn Zola etwas hat ist es Zeit, um das Rätsel Leo zu entschlüsseln.

Hier wird aus einem Haus mit Wohnungen, deren Bewohner sich kaum kennen, beinahe eine Wohngemeinschaft. Als Pina zusammenbricht, befürchtet man, dass Leo untergeht. Wie soll er zum Bus kommen? Bekommt er was zu Essen? Wie soll man ihm erklären, dass die Mutsch nicht da ist? Wunderbar, wie sich die Nachbarn zusammenraufen. Sie ergänzen sich und versuchen Leos Alltag so zu organisieren, dass er möglichst wenig merkt, dass eigentlich nichts so ist wie es war. Inge ist froh, gebraucht zu werden. Zola ist froh, dass sie endlich mal was richtig macht. Wojtek muss ab und zu mal vor die Tür und das ist auch nicht verkehrt. Nicht nur Leo lernen sie besser kennen, auch untereinander wachsen sie mehr zusammen. Dieser Roman macht echt Hoffnung, dass noch nicht alles verloren ist. Auch wenn es mit Leo schwierig ist, keiner gibt auf und sie halten zusammen. Schön.

Man gönnt Pina die Ruhe, die sie auf dem Titelbild ausstrahlt.

Veröffentlicht am 13.04.2026

Ein anderer

Meine Berge bist du
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In einem Regen sieht der Erzähler einen alten Mann draußen herumlaufen. Er lädt den alten Herrn in sein Haus ein, damit dieser sich aufwärmen kann. Der alte Mann heißt Guido Conti und er bittet den Erzähler ...

In einem Regen sieht der Erzähler einen alten Mann draußen herumlaufen. Er lädt den alten Herrn in sein Haus ein, damit dieser sich aufwärmen kann. Der alte Mann heißt Guido Conti und er bittet den Erzähler in sein bescheidenes Heim, dass er mit seiner Katze Moglie bewohnt. Sein Wunsch ist es, die Briefe vorgelesen zu bekommen, die er schon immer aufbewahrt. In den Briefen entspinnt sich eine tragisch schöne Geschichte über die Berge und die Menschen, die dort leben. Es beginnt mit dem Jungen Onesto, der zu seiner Mutter zurück gebracht wird und den Bruder kennenlernt, der genauso aussieht wie er.

In diesem berührenden Werk verbindet sich die späte Freundschaft zwischen Guido Conti und dem Erzähler mit der, die in den Briefen erzählt wird. An die Berge hat Onesto geschrieben und den Briefträger damit in arge Schwierigkeiten gebracht. Irgendwie hat Guido Conti die Briefe in einer Mappe gesammelt und lässt sie sich nun vorlesen. Onestos karges und doch erfülltes Leben, seine Verbindung zu den Bergen und den Menschen, rührt etwas in dem Erzähler an, dem er sich nicht verschließen will. Zwischen dem Erzähler und dem alten Guido entwickelt sich eine besondere Freundschaft. Guido zeigt eine Zufriedenheit und Fröhlichkeit, die ansteckend wirkt.

Hier wird ein wirklich berührendes Werk vorgelegt. Es erzählt von zwei Brüdern, die sich zunächst nicht kannten und schon beim ersten Treffen eine Verbindung hatten. Sie leben in den Dolomiten und die Mutter hat es schwer, sie zu versorgen. Bald lernen sie Celeste und ihre Brüder kennen. Dass sich sowohl Onesto als auch Santo in sie verlieben, hat eine große Tragik. Die Erzählung bekommt eine Note von Verzicht, von Hoffnung und großer Liebe. Angerührt liest man Seite um Seite. Die Rahmenhandlung um die späte Freundschaft des alten Mannes zu dem jüngeren Erzähler zaubert ein Lächeln herbei. Wie schön, diese Zufriedenheit, aber auch die Offenheit auf beiden Seiten. Diese Verbindung zwischen jung und alt, diese gegenseitige Offenheit, das Interesse, es ergibt einfach eine schöne Geschichte, die in ihrer Gesamtheit wunderbar komponiert ist.

Veröffentlicht am 12.04.2026

Die Krankenschwester

Lebensbande
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Sie hat jahrelang als Krankenschwester gearbeitet. In ihrem kleinen Häuschen in Kühlungsborn bekommt im Jahr 1991 einen Brief von der Rentenversicherung. Sie soll ihre Zeiten vor 1953 nachweisen. Dadurch ...

Sie hat jahrelang als Krankenschwester gearbeitet. In ihrem kleinen Häuschen in Kühlungsborn bekommt im Jahr 1991 einen Brief von der Rentenversicherung. Sie soll ihre Zeiten vor 1953 nachweisen. Dadurch werden Erinnerungen geweckt, denen sie sich eigentlich nicht mehr stellen wollte. Nun denkt sie zurück an die Zeit vor dem Krieg und die des Krieges. Ihre Freundin und Cousine Lene war damals schon verheiratet und leider nicht sehr glücklich. Und doch hatte sie bald drei Kinder und war noch vor Ausbruch des Krieges verwitwet. Ihre Freundin Lieselotte hat sie erst viel später kennengelernt als das Schicksal sie in ein Lazarett in Danzig verschlagen hatte.

Nora, Lene und Lotte sind kein Dreigestirn. Eher ist es Nora, die im Mittelpunkt steht. Sie durfte Krankenschwester werden und träumte davon, zu heiraten und eine Familie zu gründen. Allerdings war ihr dieses nicht vergönnt. Umso gewissenhafter ging sie ihrer Tätigkeit als Krankenschwester nach. Als Lenas ältester Sohn in große Gefahr gerät, geht Nora ein großes Risiko ein, um ihrer Freundin und ihrem Kind zu helfen. Ihre Versetzung nach Danzig bringt Nora in Kontakt zu Lotte. Die Beiden schaffen es nicht sich vor den Russen in Sicherheit zu bringen und kommen in ein Arbeitslager, wo ihr Schicksal lange ungewiss bleibt.

Mechtild Borrmann versteht es hervorragend ihren Lesern und Leserinnen geschichtliche Ereignisse nahezubringen. Die Zeit vor dem zweiten Weltkrieg, in der die Gehilfen des Nazi-Regimes ihre niedrige Gesinnung schon deutlich zeigten und sich erdreisteten über Wert und Unwert zu entscheiden.Die Zeit des Krieges, wo einige wohl schon erkannten, dass es mit diesem Regime nicht mehr allzu weit her ist, und doch nicht zu reden wagen. Die Zeit nach dem Krieg, wo noch viele Deutsche in russischen Lagern gefangen waren. Eine harte Zeit, die nicht jeder überstanden hat. Einige erklärende Worte der Autorin machen die handelnden Personen noch nahbarer. Wieder einmal zeigt die Autorin ihre Klasse mit einem ausgesprochen lesenswerten Roman.

Veröffentlicht am 11.04.2026

Der Lehrer

Jugend ohne Gott
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Die Eltern des Lehrers sind sehr stolz auf ihn, er hat einen sicheren Arbeitsplatz und Anspruch auf eine Pension. Allerdings leidet der Lehrer unter dem Unterricht. Er soll Erdkunde und Geschichte unterrichten. ...

Die Eltern des Lehrers sind sehr stolz auf ihn, er hat einen sicheren Arbeitsplatz und Anspruch auf eine Pension. Allerdings leidet der Lehrer unter dem Unterricht. Er soll Erdkunde und Geschichte unterrichten. Beinahe versehentlich spricht er während des Unterrichts gegenüber einem Schüler eine simple Wahrheit aus. Daraufhin beschweren sich die Eltern des betroffenen Schülers und für den Lehrer ist auf einmal Vorsicht geboten. Aber er will seine sichere Stellung behaupten und korrigiert gewissermaßen nur noch Rechtschreibfehler. Dann jedoch wird von oben beschlossen, dass die vierzehnjährigen Schüler an einem militärisch ausgerichteten Zeltlager teilnehmen müssen, muss der Lehrer seine Klasse begleiten.

Mitte der 1930er ist die Welt nicht mehr wie sie einmal war. Wenn ein Lehrer einfach seiner Arbeit nachgeht, kann das unerwartete Folgen haben. Und er muss sich dann überlegen, ob er sich in das System fügt oder ob er bei der Wahrheit bleibt. Er hat halt eine sichere Stellung und seine Eltern sind so stolz auf ihn. Vielleicht hätte er sich durchgewurschtelt, doch die Klasse verweigert ihm die Zusammenarbeit. Was kann er tun? Eine neue Klasse würde wohl nichts nützen, eine neue Schule. Gerüchte sind manchmal schneller als jeder Umzug. Der Lehrer bleibt an seinem Platz. Dann jedoch kommt dieses Zeltlager.

Dieser kurze Roman wurde Anfang des Jahres 1937 erstmals veröffentlicht. Die Handlung ist in der damaligen Gegenwart angesiedelt. Etliche Textzeilen könnten aber auch in die heutige Zeit passen. Die „Jugend von heute“ ist die damalige Jugend, an der der Lehrer beinahe verzweifelt. Wie können die nur so roh und manchmal erbarmungslos sein. Doch ist der Lehrer besser? Man könnte daran zweifeln. Bekommt er eine Chance besser zu sein? Nimmt er sie an? Um nachzuvollziehen, welche Rolle Gott in seinen Gedanken spielt, könnte möglicherweise von Vorteil sein, wenn man einen Bezug zum Glauben hat. Ansonsten ist dieser Roman einfach krass, beklemmend und es wird empfohlen, ihn zu lesen. Nebenbei hat er auch eine packende Story, mit der der Autor vielleicht auch einer gewissen Hoffnung Ausdruck geben möchte.



Veröffentlicht am 31.03.2026

Fröhliches Seniorenheim

Betreutes Morden
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Nur finanziell steht es nicht ganz so gut um das Seniorenheim Sheldon Oaks. Eine der Wohnungen zu verkaufen, ist daher eine gute Gelegenheit. Dass dafür eine verurteilte Serienmörderin einzieht, die nach ...

Nur finanziell steht es nicht ganz so gut um das Seniorenheim Sheldon Oaks. Eine der Wohnungen zu verkaufen, ist daher eine gute Gelegenheit. Dass dafür eine verurteilte Serienmörderin einzieht, die nach fünfunddreißig Jahren endlich wieder in Freiheit ist, muss man ja nicht an die große Glocke hängen. Das ist Carol Quinn ganz recht so, denn sie will ihre Vergangenheit hinter sich lassen und endlich ein paar Freunde finden. Störend ist da schon, dass direkt vor ihrem Balkon ein Bewohner vom Dach fällt. Natürlich ist es Carol, die sofort unter Verdacht steht. Wenn sie in Sheldon Oaks ankommen will, muss sie herausfinden, wer der wahre Täter ist.

Schnell bildet sich ein Ermittlerteam denn in dem Heim für wohlsituierte Senioren leben ein ehemaliger Kripobeamter, eine Gerichtsmedizinerin, eine ehemalige Politikerin und nun auch eine ehemalige Mörderin. Zwar denken die anderen zunächst, es kann nur Carol gewesen sein. Deshalb stellen sie Nachforschungen an, um zu beweisen, dass Carol es getan hat. Jedoch kommen leise Zweifel auf. Carol ist schließlich gerade erst eingezogen und heißt es nicht. „Im Zweifel für den Angeklagten“? So wird aus dem anfänglichen Gegeneinander schließlich doch ein Miteinander, mit Anlaufschwierigkeiten. Allerdings hat auch die noch aktiv tätige Polizei ihr Augenmerk auf Carol gelegt.

Ein britischer Kriminalroman, der sehr vergnüglich zu lesen ist. Es geht ein wenig um die Eigenheiten der Bewohner des Seniorenheims, die Eigenheiten der Polizei und natürlich auch um Carols Eigenheiten. Denn Carol will nicht mehr die mordende Außenseiterin sein. Endlich will sie dazugehören und richtige Freundschaften finden. Schafft sie das? Und schafft sie es die Tat aufzuklären? Nachher kommt ihr noch die Polizei zuvor. Obwohl es um Mord und Totschlag geht, bekommt man beim Lesen/Hören gute Laune. Manchmal lacht man, häufig schmunzelt man.

Bei der Sprecherin des Hörbuchs handelt es sich um die Schauspielerin Manon Straché, die die Handlung so lebendig vorträgt, dass man beinahe glaubt, man ist mitten drin.