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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.05.2026

Entscheidungen und ihre Einflüsse

Die Namen
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Das Romandebüt ‘Die Namen‘ von Florence Knapp erzählt davon, welchen Einfluss die Namensgebung auf die persönliche Entwicklung eines Menschen nehmen kann. Hochspannend können wir den Lebensweg des Protagonisten ...

Das Romandebüt ‘Die Namen‘ von Florence Knapp erzählt davon, welchen Einfluss die Namensgebung auf die persönliche Entwicklung eines Menschen nehmen kann. Hochspannend können wir den Lebensweg des Protagonisten und seiner Familie, seiner Mitmenschen über einen Zeitraum von fünfunddreißig Jahre hinweg in zeitlichen Sprüngen von sieben Jahren verfolgen und das Ganze in drei sich grundsätzlich voneinander unterscheidenden Erzählsträngen.
Ausgangspunkt der Geschichte sind die Überlegungen der Mutter Cora, die sich mit ihrer neunjährigen Tochter Maia zur amtlichen Stelle begibt, um den Namen des Sohnes festzulegen und eintragen zu lassen. Für den Vater Gordon steht fest, dass entsprechend der Familientradition sein Name und der seiner Väter und Großväter weitergegeben wird. Cora hingegen wünscht sich einen Julian und Maia schwärmt von einem Bear. Was nun im Folgenden passiert, als Gordon davon erfährt, wie seinem Wunsch in zwei von drei Fällen nicht entsprochen wurde, ist eine äußerst spannende Reise in die Darstellung von Persönlichkeitsentwicklungen in Abhängigkeit von getroffenen Entscheidungen zur Namensgebung. Der gewaltbereite Ehemann wird zur unausstehlichen Bestie.
Emotional bewegend mit einer intensiven Auseinandersetzung menschlicher Verhaltensweisen gestaltet die Schriftstellerin ihren Roman. Zwischen den zeitlichen Verläufen braucht es ein konzentriertes Lesen, um die Zuordnung gedanklich richtig einzuordnen. Lebensnahe, lebendige Charaktere und ein moderner Sprachstil begeistern, erzeugen ein anregendes Lesevergnügen mit nachdenklichen Momenten.

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Veröffentlicht am 03.05.2026

Schöpferische Einsamkeit

Lass den Tag nicht vorübergehen
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Theodor ist anders. Seine Erfüllung sieht er in der Malerei, die ihm sogleich Heimat und ein Gefühl der Geborgenheit vermittelt. Zunächst muss er allerdings seinen Lebensunterhalt mit anderweitiger Arbeit ...

Theodor ist anders. Seine Erfüllung sieht er in der Malerei, die ihm sogleich Heimat und ein Gefühl der Geborgenheit vermittelt. Zunächst muss er allerdings seinen Lebensunterhalt mit anderweitiger Arbeit verdienen. Dabei lernt er einen überaus begüterten Mann kennen, der durch seine Kontakte und seinem Wohlwollen gegenüber der Kunst, die Theodor in steigender Perfektion schafft, ihm einem Weg in die Bekanntheit und damit finanziellen Erfolg ebnet. Doch Theodor bleibt bescheiden, kümmert sich aufopferungsvoll um einen alten, einsamen Mann und lebt für seine Kunst, scheu gegenüber fremden Kontaktversuchen.
Frank Wilmes stellt in seinem Roman ‘Lass den Tag nicht vorübergehen‘ einen weltfremden, dem Leben eher abgewandten Menschen in den Mittelpunkt seiner Geschichte. Seine Werke entstehen nach einer inneren Inspiration und werden in ekstatischem Wirken geschaffen, fernab von Zeit und Raum. So habe ich auch den Schreibstil empfunden, eher distanziert, reduziert, sachlich. Der Mensch als Künstler, der in seiner Fantasie lebt und sich genügt, durch seine Bilder die notwendige Lebensenergie schöpft.


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Veröffentlicht am 22.04.2026

Verschlungene Agentenwege

Monique und die Venezianische Vesper
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Monique bekommt den Auftrag, die Nummer Eins eines geheimnisvollen Syndikats unschädlich zu machen. Also reist sie in das winterliche Venedig, wo ein Treffen mit eben jener noch unbekannten Nummer Eins ...

Monique bekommt den Auftrag, die Nummer Eins eines geheimnisvollen Syndikats unschädlich zu machen. Also reist sie in das winterliche Venedig, wo ein Treffen mit eben jener noch unbekannten Nummer Eins stattfinden soll. Auf dem Weg zu ihren Verbindungsleuten gerät sie in so manche unheilvolle Situation, die sie als ausgebildete, topfitte Agentin natürlich blitzschnell erkennt und meistert. Dabei entsteht der ein oder andere Lateralschaden. Nun – ein bisschen Schwund ist immer. Die Wege zum erstrebten Ziel gestalten sich verworren und nicht immer bleibt für Monique klar ersichtlich wer Feind oder Freund ist.
D.G. Ambronn liefert mit ‘Monique und die ganze Wahrheit über die Venezianische Vesper‘ ein Kabinettstück skurriler Slapstick. Seine durchaus sympathische Protagonistin zeichnet sich durch eine gewisse Unbekümmertheit aus, die sie durch Raffinesse und Geschick ausgleicht. Sie führt uns durch die engen Gassen Venedigs und in witzige Trattorien mit einem besonderen kulinarischen Konzept. Man muss schon auch zwischen den Zeilen lesen, um dem Humor des Schriftstellers zu folgen.

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Veröffentlicht am 22.04.2026

Mutiger Erfindergeist trifft auf Reiselust

Wer hat unsere Lok geklaut?
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Harald Braun stellt in seinem Buch ‘Wer hat unsere Lok geklaut?‘ ein eher ungewöhnliches Konzept für Sprachreisende vor, das Hans Engberding Mitte der achtziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts mit ‘Lernidee‘ ...

Harald Braun stellt in seinem Buch ‘Wer hat unsere Lok geklaut?‘ ein eher ungewöhnliches Konzept für Sprachreisende vor, das Hans Engberding Mitte der achtziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts mit ‘Lernidee‘ ins Leben gerufen hat. Anstatt langweiliges Vokabelpauken, eignet man sich die Sprachkenntnisse im direkten Kontakt mit Land und Leuten an. Etwas Abenteuerlust muss man schon mitbringen, um auf den sehr ungewöhnlichen Pfaden zu wandeln und die Welt aus einer ungeahnt neuen Perspektive kennenzulernen. Die fantasievoll ausgedachten und ambitioniert umgesetzten Reisemöglichkeiten führen zum Beispiel über Fahrradreisen in der Sahara, Zugreisen mit der Transsibirischen Eisenbahn oder Flussfahrten auf dem Mekong rund um die Welt. Kleine und große Pannen werden mit viel Improvisation ausgeglichen und bleiben schließlich als einzigartige Erlebnisse im Gedächtnis haften.
Mit viel Witz und einer großen Portion Humor macht uns der Autor mit dem unternehmerischen Konzept von ‘Lernidee‘ bekannt, zeigt den Einfallreichtum und das menschliche Geschick auf, das schließlich all die liebenswerten Anekdoten der Reisehungrigen gepaart mit einem einzigartigen Konzept des Erlernens von Sprachen hat entstehen lassen.

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Veröffentlicht am 14.04.2026

Dämonen aus der Vergangenheit

Die Stimmen der Nacht
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In ihrem Romandebüt ‘Die Stimmen der Nacht‘ erzählt Tochi Eze die Geschichte von Margaret, die in dem kleinen, nigerianischen Dorf Umumilo aufwächst. Sie besitzt einerseits eine enge Verbundenheit zu den ...

In ihrem Romandebüt ‘Die Stimmen der Nacht‘ erzählt Tochi Eze die Geschichte von Margaret, die in dem kleinen, nigerianischen Dorf Umumilo aufwächst. Sie besitzt einerseits eine enge Verbundenheit zu den Riten und zur dörflichen Gemeinschaft, lebt in Respekt und Ehrfurcht mit ihnen, zeigt sich jedoch andererseits offen für die Lebensweise der englischen Besatzer. Das allein schon birgt genügend Konfliktpotenzial für eine junge Frau, die sich den herausfordernden Traditionen ihrer Kultur verpflichtet fühlt und den westlichen Lebensstil, der ihr neue weltoffene Perspektiven eröffnet, interessiert begegnet.
Erst langsam entwickelt sich eine komplexe Geschichte, die in den Zeiten und Örtlichkeiten zwischen Logos und London springt, Einsichten in die Gedanken und Gefühle der Protagonisten preisgibt. Verworrene Lebensumstände, die sich aus Zugehörigkeit oder Ausschluss aus einer tiefverwurzelten Kultur menschlicher Abhängigkeiten und Fürsorge füreinander entwickelt hat, geben Hinweise auf die Entstehung einer überforderten Psyche. Die in sich verstrickten familiären Verhältnisse wiederum möchten in ihrer Struktur erkannt und verarbeitet werden. Bei aller Dramatik bleibt es dem Leser überlassen, sich mit rätselhaft anmutenden Vorgängen kontrovers auseinanderzusetzen. Zwischen den Zeilen zu lesen, könnte hilfreich dabei sein.

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