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Veröffentlicht am 03.05.2026

Ein Stück Zeitgeschichte zwischen Münster und Istanbul

Ein Ort, der bleibt
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Im Mittelpunkt der Geschichte „Ein Ort, der bleibt“ von Sandra Lüpkes steht der erste botanische Garten in Istanbul und die Menschen, die ihn gegründet, entwickelt und erhalten haben.

Magdas Leben verändert ...

Im Mittelpunkt der Geschichte „Ein Ort, der bleibt“ von Sandra Lüpkes steht der erste botanische Garten in Istanbul und die Menschen, die ihn gegründet, entwickelt und erhalten haben.

Magdas Leben verändert sich mit einem Schlag: Ihr Mann Alfred, Botaniker in Münster, verliert 1933 seine Professorenstelle, weil er Jude ist. Als sich die Situation in Deutschland zuspitzt, packt die Familie Heilbronn ihre Koffer, denn im fernen Istanbul lockt ein überraschendes Angebot: Republikgründer Atatürk will die Universitäten des Landes modernisieren, und am Bosporus soll ein prächtiger Botanischer Garten mit Pflanzen aus aller Welt entstehen. Also verstaut Magda im Gepäck auch Samen aus der westfälischen Heimat.
Das die Türkei für viele Menschen damals zum Exil wurde, war mir bisher total unbekannt, doch der Autorin ist die Schilderung der Auswanderung und der einhergehenden Probleme, wie Heimatverlust und das Zurechtfinden in einem fremden Land, authentisch und nachvollziehbar, gelungen.

Die talentierte Botanikerin Mehpare wird Alfreds engste Assistentin und kümmert sich um Beete und Gewächshäuser. Für Gefühle bleibt ihr keine Zeit bis sich der neue Garteninspektor Mete in ihr Leben drängt. Doch lange währt ihr Glück nicht, denn bald verliert sie nach einem tragischen Unglück den Boden unter den Füßen.

Jahrzehnte später verschlägt es die fiktive junge Stadtplanerin Imke nach Istanbul. Sie soll eine Studie zur Zukunft des Botanischen Gartens erstellen – und damit über das Schicksal dieses besonderen Ortes mitentscheiden. Imkes Handlungsstrang entspringt reiner Fiktion, die diese Handlung nicht unbedingt gebraucht hätte.

Beinahe chronistisch und detailiiert erzählt die Autorin nach sorgfältiger Recherche über die historischen Personen: Alfred, Magda, Mehpare und Mete, während Imkes Geschichte nur eine reine Fiktion ist.

Fazit:
Mit ihren Protagonisten und aus deren Persepktiven, schildert die Autorin eine atmosphärisch dichte Zeitreise zwischen Istanbul 1926 – Münster 1978, die ich sehr gerne gelesen habe.
Der Anhang mit dem persönlichen Nachwort der Autorin und der ausführlichen Beschreibung der historischen Personen, runden diesen Generationenroman, für mich hervorragend ab.

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Bos letzter Sommer

Wenn die Kraniche nach Süden ziehen
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Bo ist 89 und ihm läuft die Zeit davon. Andererseits ist Zeit wenigstens etwas, das er noch zur Genüge hat. Denn seit seine Frau in einem Pflegeheim für Demenzkranke lebt, sind Bos Tage viel zu lang. Sein ...

Bo ist 89 und ihm läuft die Zeit davon. Andererseits ist Zeit wenigstens etwas, das er noch zur Genüge hat. Denn seit seine Frau in einem Pflegeheim für Demenzkranke lebt, sind Bos Tage viel zu lang. Sein Kontakt beschränkt sich auf seinen Hund Sixten und die täglichen Besuche vom Pflegedienst. Hans, sein Sohn, kommt dagegen nur selten vorbei und traut ihm vor allem gar nichts mehr zu. Jetzt will er ihm auch noch den Hund wegnehmen. Dabei braucht Bo seinen geliebten Vierbeiner so dringend wie noch nie. Warum versteht das niemand?

Der drohende Verlust seines Hundes zwingt Bo, innezuhalten. Erinnerungen steigen auf. Alte Verletzungen und unausgesprochene Erwartungen drängen an die Oberfläche. Es geht um Stolz und um Liebe, um Schuld und um Versöhnung. Vor allem aber geht es um die Würde eines Menschen, der trotz seines Alters noch immer selbst über sein Leben bestimmen möchte.

In ihrem Debüt „Wenn die Kraniche nach Süden ziehen“ erzählt die Autorin Lisa Ridzén, geschickt über Bos Leben in der Gegenwart und seinen immer wieder abschweifenden Rückblicke in seine Kindheit, in die Zeit als er seine Frau Fredrika kennenlernte und heiratete sowie seinen besten Freund Tures. Ausgerechnet Fredrika, die jetzt in einem Pflegeheim für Demenzkranke lebt, hält ihn heute für einen Fremden und das erschüttert ihn.

Das wechselnde Pflegepersonal und sein Sohn Hans führen vom Donnerstag, 18. Mai bis Freitag, 13. Oktober kurze Aufzeichnungen, wann sie da waren, über die tägliche Pflege, was Bo zu Essen bekommt und über seinen Gemütszustand. Bald wird aber klar, dass Bo immer schwächer wird …

Erst zum Ende des Buches findet der Titel seine Bedeutung.

Fazit:
"Wenn die Kraniche nach Süden ziehen" ist eine berührende und ehrliche Erzählung über einen Mann, der auf seine Vergangenheit besonders den Kindheitserinnerungen mit seinem Vater, Erfahrungen und Entscheidungen in seinem Leben, zurückblickt.
Mit dem flüssigen und leisen Schreibstil der Autorin, hatte ich viele schöne Lesestunden und empfehle diesen Debütroman, sehr gerne weiter.

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Eine berührende Geschichte über Zusammenhalt

Pina fällt aus
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In ihrem neuen Roman „Pina fällt aus“ erzählt die Autorin Vera Zischke, eine berührende Geschichte über eine pflegende Mutter und ihren autistischen Sohn.

Seit 20 Jahren kümmert sich Pina, allein um ihren ...

In ihrem neuen Roman „Pina fällt aus“ erzählt die Autorin Vera Zischke, eine berührende Geschichte über eine pflegende Mutter und ihren autistischen Sohn.

Seit 20 Jahren kümmert sich Pina, allein um ihren Sohn und die besonderen Herausforderungen, die das Leben mit ihm bedeuten, denn er lebt in seiner eigenen Welt. Sie sorgt dafür, dass genau die richtigen Frühstücksflocken vorrätig sind, genug Zeit für seinen Aufbruch ist, damit er die Treppe in seinem eigenen Rhythmus: immer zwei Schritte vor und einen Schritt zurück hinunterhüpfen kann und er es schafft, rechtzeitig in den Bus zu steigen, der ihn zu der Behindertenwerkstatt bringt, in der Leo tagsüber arbeitet.

Seit Monaten ignoriert Pina ihre Magenschmerzen und statt zum Arzt zu gehen, nimmt sie starke Schmerzmittel. Auf dem Weg nach Hause, mitten auf einer Straßenkreuzung passiert das Unglück, Pina bricht zusammen und fällt ins Koma.

Zur gleichen Zeit ist Leo bei der 86 jährigen Inge, die im Haus wohnt und regelmäßig auf ihn aufpasst, er bei ihr "Bares für Rares" gucken darf, bis seine Mutter normalerweise wiederkommt. Aber jetzt kommt sie nicht! Leo tobt und schreit, weil er nicht versteht, warum seine Mutsch nicht da ist.

Die Nachbarn sind alarmiert, doch sie verstehen den merkwürdigen Jungen nicht, da sie schon mit sich selbst genug zu tun haben.

Die 86 jährige Nachbarin Inge Russek, verlässt seit Jahren ihre Wohnung nicht mehr, fühlt sich vollkommen überfordert mit der Situation und da erscheint an ihrer Wohnungstür die 16 jährige Zola, die gerade die Schule abgebrochen hat, wütend auf ihren Vater und die ganze Welt ist, als reiner Glücksfall. Dann hat Inge die rettende Idee, Wojtek, Sohn von Einwanderern aus Polen, der im Home-Office arbeitet, mit ins Boot zu ziehen.

Die drei Nachbarn müssen handeln. Keiner will Verantwortung. Doch Leo braucht sie, bis Pina wiederkommt. Und während sie über ihren eigenen Schatten springen, um Leos Alltag zu meistern und seine Routine wieder herstellen, geschieht Unerwartetes, denn dieser besondere junge Mann verändert auch ihr Leben.

Fazit:
Mit „Pina fällt aus“ ist der Autorin eine bewegende Geschichte, mit einer emotionalen Tiefe und bewegender Atmosphäre gelungen, die mich berühren aber auch mit seinem feinen Humor zum Schmunzeln bringen konnte.
Besonders gut gefallen hat mir die schräge Art der drei Nachbarn, wie sie sich gemeinsam um Leo gekümmert und dabei zu einer verantwortungsvollen Hausgemeinschaft Stück für Stück, entwickelt haben.
Von mir 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Fesselnd erzählt

Solange ein Streichholz brennt
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„Solange ein Streichholz brennt“ ist mein erstes Buch von Christian Huber und ich bin total begeistert, über diese wunderbare Geschichte, die über Schuld und Vergebung, über Liebe und Flucht erzählt.

Das ...

„Solange ein Streichholz brennt“ ist mein erstes Buch von Christian Huber und ich bin total begeistert, über diese wunderbare Geschichte, die über Schuld und Vergebung, über Liebe und Flucht erzählt.

Das Cover mit den aufgereihten Streichhölzern und einem einzigen brennenden Streichholz, dazu der Titel, der sich plötzlich wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht bis der Sinn dahinter deutlich wird, ist ausgesprochen gut gelungen.

Bohm lebt seit fünf Jahren auf der Straße. Wie er aus seinem früheren Leben gerutscht ist, darüber schweigt er. Er besitzt so gut wie nichts. Einen alten Rucksack. Geschnitzte Holzmäuse. Einen Brief, den er nicht öffnen will und plötzlich läuft ihm da noch ein Hund hinterher, der sich nicht abschütteln lässt. Bohm kämpft sich nun mit seinem Hund durch die Tage und Nächte.

Dann ist da noch die junge, einst aufstrebende Fernsehjournalistin Alina, deren vielversprechende Karriere ins Stocken geraten ist. Besonders die Termineinladung zu einem Feedbackgespräch wegen Neustruktuierung der Redaktion macht ihr Sorgen, denn sie befürchtet im Rahmen von Sparmaßnahmen, entlassen zu werden. Dann passiert das Gegenteil, denn Ihre letzte Chance auf eine TV-Karriere scheint ausgerechnet eine Reportage über das Leben auf der Straße zu sein. Ob ihr das gelingen wird? Und dann findet Alina Bohm ...

Bohm soll sich eine Woche lang tagsüber von Alina begleiten lassen, doch er lehnt vorerst ab bis zu dem Tag, als sein Hund schwerverletzt in die Tierklinik muss. Er braucht dafür dringend die angebotenen 1000 Euro und ruft Alina an.

Aus abwechselnden Perspektiven erzählt Bohm von seinem Leben auf der Straße und Alina, über ihren stressigen Alltag in der Medienbranche. Zwei Welten, wie sie nicht unterschiedlicher sein könnten und doch ist da plötzlich etwas zwischen ihnen. Etwas, das nicht sein kann.

Die zarte und behutsame Annäherung der beiden, löst gerade durch die sozialen Unterschiede, tiefe Emotionen aus. Erst am Ende wird klar, wovor Bohm letztendlich, davongelaufen ist.

Fazit:
Der Autor hat eine wunderbare Gabe, Geschichte mit einer emotionalen Tiefe und bewegender Atmosphäre, zu erzählen. Gerne habe ich die Protagonisten und ihre Entwicklung, in dieser berührenden Geschichte, begleitet.
Von mir 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 12.04.2026

Ein lesenswerter Auftakt

Schwesternland
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In „Schwesternland“ dem Auftakt der großen Schwesternreihe erzählt Katharina Fuchs, auf zwei Zeitebenen eine wunderbare Familiengeschichte über Herkunft, Verlust und die Frage, wie stark die Vergangenheit ...

In „Schwesternland“ dem Auftakt der großen Schwesternreihe erzählt Katharina Fuchs, auf zwei Zeitebenen eine wunderbare Familiengeschichte über Herkunft, Verlust und die Frage, wie stark die Vergangenheit unser Leben prägt.

Antonia und ihre drei Schwestern reisen zum 100. Geburtstag zu ihrer Großmutter Henriette ins alte Ferienhaus im Havelland, in ihr „Schwesternland“, ein Ort voller schöner aber auch trauriger Erinnerungen. Der frühe Tod des Vaters ist immer noch greifbar, denn eine merkwürdige Sprachlosigkeit liegt über der Familie, begleitet von Schuldgefühlen und unausgesprochenen Fragen. Das Verhältnis untereinander lässt tiefe Risse spürbar werden.

Unter den Geschenken ihrer Großmutter entdeckt Antonia ein Ahnengutachten, das weit in die Vergangenheit der Familie zurückreicht. Da sie Geschichte studiert, interessiert sie sich besonders für Jeanne Beauvais, Tochter eines Seidenhändlers im Lyon des 17. Jahrhunderts, eine junge Hugenottin, die auf der Flucht alles verlor außer ihrem Glauben und die in Berlin-Brandenburg ganz von vorne anfangen musste. Ermuntert von der Verwandten, die das Ahnengutachten erstellt hat, folgt Antonia der Spur ihrer Urahnin nach Lyon - bis ein Schicksalsschlag sie zurückruft, ins Schwesternland.

Im Wechsel auf zwei Zeitebenen gelingt es der Autorin geschickt die historische Vergangenheit lebendig und berührend entfalten zu lassen, während die Gegenwart sich im ersten Band überwiegend mit Antonias Lebenweg, beschäftigt.

Besonders gelungen fand ich zum Ende Antonias Zusammenfassung, wie sie Stück für Stück alle Puzzleteile zusammengetragen hat, bis Jeanne Beauvais Lebensweg, sichtbar geworden ist. Ein gelungener Abschluß der Vergangenheit.

Fazit:
Der Autorin ist es hervorragend gelungen, die beiden Zeitebenen mit spannenden und berührenden Handlungen zu verknüpfen. Die Protagonisten, sind vielschichtig und glaubwürdig im Handlungsverlauf eingebunden. Selbst die Einteilung der Kapitel, die mit Monat, Jahreszahl und dem Namen aus der Perspektive von Jeanne oder Antonia überschrieben sind, konnte mich voll begeistern.
Mit dem flüssigen Schreibstil der Autorin, hatte ich viele schöne Lesestunden und empfehle „Schwesternland“ sehr gerne weiter.


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