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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.07.2020

Ein psychologisch düsteres Familiendrama

Ich will dein Leben
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Ich war sofort begeistert von dem flüssigen, atmosphärischen Schreibstil, den eindringlichen, feinfühligen Schilderungen der Gefühlswelt der Figuren sowie von der sich langsam, aber dramatisch entfaltenden ...

Ich war sofort begeistert von dem flüssigen, atmosphärischen Schreibstil, den eindringlichen, feinfühligen Schilderungen der Gefühlswelt der Figuren sowie von der sich langsam, aber dramatisch entfaltenden Handlung.

Auch die Tatsache, dass die Geschehnisse in den 1980er Jahren stattfinden ist für mich ein Highlight: es ist interessant zu erleben, wie die Charaktere sich Briefe schreiben, Walkmans und Telefonzellen nuzten!

Die begrenzten Kommunikationsmöglichkeiten bzw. die Isolation weil man nicht ständig über alles informiert ist und nicht überall mit anderen in Kontakt treten kann, tragen für mich sehr zu der beklemmenden Stimmung - der Einsamkeit sowie der Verzweiflung bei.

Die Autorin führt geschickt duch das Leben der Charaktere der zwei Familien und lässt die Leserschaft nach und nach erkennen wie sie wirklich sind; ihre Widersprüchliche, ihre Kränkungen, ihre guten Absichten, ihr Egoismus, ihre Trauer und ihre Enttäuschungen - hinter all dem steckt viel mehr, als es auf den ersten Blick erscheint...

Zum Ende hin eskaliert die Unglücksseeligkeit der beiden unterschiedlichen Familien; alle scheinen genug zu haben! Sie halten es nicht mehr aus - in ihrem Leben immer wieder an die selben Grenzen zu stoßen...

Zwei Figuren wagen dann, verzweifelt oder mutig?, einen Neustart und lösen einen verheerenden Dominoeffekt aus...

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Veröffentlicht am 20.05.2026

Ein toller Jugendthriller!

Dead Girls Don't Dance
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Die 18‑jährige Addie bereut jene Nacht letzten Sommer zutiefst: Nachdem sie ihrer Schwester Fiona verletzende Worte an den Kopf geworfen hatte, lief diese davon und wurde kurz darauf tot am Grund einer ...

Die 18‑jährige Addie bereut jene Nacht letzten Sommer zutiefst: Nachdem sie ihrer Schwester Fiona verletzende Worte an den Kopf geworfen hatte, lief diese davon und wurde kurz darauf tot am Grund einer Schlucht gefunden. Und es gab noch diese Sache mit Seth, ihrem Sommerfreund seit Kindertagen, die weitreichende Folgen hatte.

Die Polizei stuft Fionas Tod als Unfall ein, doch Addie ist überzeugt, dass Thatcher, Seths Cousin, etwas damit zu tun hatte. Er war unglücklich in Fiona verliebt, und kurz vor ihrem Tod kam es zu einem heftigen Streit. Ein Jahr später wird Thatcher tot aufgefunden – von Addie und Seth, am Grund derselben Schlucht. Die beiden geraten unter Verdacht und beschließen, selbst zu ermitteln. Dabei kommen sie sich näher, ihre problembelastete Vergangenheit, der Klassenunterschied sowie das ständige Schwanken zwischen Vertrauen und Misstrauen kommen ihnen allerdings ständig in die Quere. Addies Ex und ihre ehemalige beste Freundin sorgen für zusätzliches Gefühlschaos.

Die greifbare Cruel‑Summer-Kleinstadtatmosphäre und die düstere, vertrackte Dynamik zwischen den Jugendlichen, die bis vor einem Jahr noch befreundet waren, haben mich sofort gepackt. Die Ereignisse des letzten Sommers lasten spürbar auf allen, und Addies schwierige Familiensituation verstärkt die emotionale Intensität – ich habe durchgehend mitgefiebert.

Addie ist fürsorglich und meint es insgesamt gut mit allen, aber sie hat echte Fehler und Schwächen, die in ihrem geringen Selbstwertgefühl wurzeln. Die Beziehung zwischen ihr und Seth ist fesselnd gestaltet, zudem kommen die beiden zahlreichen Geheimnissen sowie Lügen auf die Spur.

Die Nachforschungen sind wirklich interessant: ereignisreich, voller Erkenntnisse und neuer Verdächtiger, doch diese Hinweise werfen zunächst mehr Fragen auf. Addie und Seth wissen aber, dass sie der Wahrheit näherkommen, denn jemand behindert und bedroht sie immer wieder.

“Dead Girls Don’t Dance” hat mir insgesamt richtig gut gefallen: die bedrückende Sommerstimmung, die Ermittlungen und die Dynamik zwischen den beiden Hauptfiguren empfand ich als sehr gelungen. Mit der Protagonistin selbst bin ich allerdings nicht ganz warm geworden, und die Auflösung konnte mich persönlich nicht vollständig überzeugen.

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Veröffentlicht am 11.05.2026

Atmosphärisch und rätselhaft

DIE TOCHTER. Du dachtest, niemand würde es je erfahren
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Hazel, die Tochter eines einflussreichen Kleinstadtpolizisten, erbt völlig unerwartet sein Haus. Sie hat ihrem kleinen Heimatort schon lange den Rücken gekehrt und in der Großstadt Karriere gemacht. Ihre ...

Hazel, die Tochter eines einflussreichen Kleinstadtpolizisten, erbt völlig unerwartet sein Haus. Sie hat ihrem kleinen Heimatort schon lange den Rücken gekehrt und in der Großstadt Karriere gemacht. Ihre beiden Brüder, die sich in der Kleinstadt ein Leben aufgebaut haben, gehen hingegen leer aus. Was hat sich der Vater dabei gedacht?

Dann häufen sich verstörende Vorfälle: Im See wird ein versenktes Auto gefunden und plötzlich gibt es eine Spur zu Hazels verschollener Mutter. Zudem gibt es Vermisstenfälle und weitere rätselhafte Begebenheiten, die Hazels alarmieren. Schließlich verdichten sich Hinweise, dass in der Kleinstadt bzw. in Hazels Familie dubiose Dinge vor sich gehen. Doch die Ortsansässigen sind eine eingeschworene Gemeinschaft: niemand will in Betracht ziehen, dass jemand von ihnen zu furchtbaren Taten fähig sein könnte, weshalb Hazel gegen eine Mauer des Schweigens rennt und davor gewarnt wird, weiter nachzuforschen!

Hazel ist klug, tough und sympathisch: Sie hat ein gutes Gespür für ihre Mitmenschen, seit dem Tod des Vaters hat sich die Dynamik innerhalb der Familie allerdings verändert – viele sind verschlossen, grenzen sie aus, nennen sie eine Erbschleicherin oder eine Unruhestifterin, die unnötig Staub aufwirbelt. Doch nichts (Familienloyalität, Angst) halten sie davon ab, ihre Suche nach Antworten konsequent zu verfolgen!

Die Handlung wird sehr atmosphärisch erzählt und obwohl sie mMn nach eher langsam voranschreitet, ist sie auch spannend gestaltet. Die detailreichen, eindrücklichen Schilderungen von Situationen, Gedanken, Personen sowie der Umgebung tragen zur Stimmung bei, sodass man völlig in Hazels Erfahrungen eintauchen kann.

Für Hazel hat es nie Sinn ergeben, dass ihre Mutter sie verlassen hat, denn sie war nie egoistisch oder kalt. Kann sie nun, aufgrund der aufgetauchten Hinweise noch herausfinden was damals geschah? Wem kann sie vertrauen? Ihren Brüdern eher nicht, aber vielleicht ihrer Jugendliebe? Nico, ihr Exfreund, scheint für Hazel da sein zu wollen. Dann sind da noch andere Angehörige, die sie nicht auszuschließen.

“Die Tochter” ist ein atmosphärischer, intensiver Spannungsroman: Die Handlung ist ungemein vielschichtig, stimmig ausgearbeitet sowie wendungsreich. Die Figuren sind absolut lebensecht, die Dynamik zwischen ihnen ist faszinierend verstörend und die Auflösung ist nervenaufreibend!

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Veröffentlicht am 09.05.2026

Die Anatomie eines Vermisstenfalls

Happiness Falls
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Ich würde diesen Roman über das Verschwinden eines Ehemanns und Vaters von drei Kindern als außergewöhnlich bezeichnen. Für mich fühlte es sich an, als würde ich ein Tagebuch lesen. Erzählt wird aus der ...

Ich würde diesen Roman über das Verschwinden eines Ehemanns und Vaters von drei Kindern als außergewöhnlich bezeichnen. Für mich fühlte es sich an, als würde ich ein Tagebuch lesen. Erzählt wird aus der Sicht der jugendlichen Tochter, die meiner Meinung nach eine bemerkenswerte Erzählerin ist: reif, reflektiert, selbstkritisch, verkopft und gleichzeitig emotional. Ihre Gedanken wirken oft akademisch und philosophisch, ergänzt durch viele gesellschaftskritische Beobachtungen – das fand ich spannend und anregend.

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Veröffentlicht am 04.05.2026

Gefangen in einem 20 Jahre währenden Albtraum

DARKROOMS
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Die Irin Caitlin lebt inzwischen in England, doch nach dem Tod ihrer Mutter kehrt sie in ihre Heimat zurück. Der Verlust ist aber nicht das Einzige, was sie belastet: In dem kleinen Ort ereignete sich ...

Die Irin Caitlin lebt inzwischen in England, doch nach dem Tod ihrer Mutter kehrt sie in ihre Heimat zurück. Der Verlust ist aber nicht das Einzige, was sie belastet: In dem kleinen Ort ereignete sich vor zwanzig Jahren etwas Entsetzliches, etwas, das im Verschwinden der 9‑jährigen Roisin gipfelte. Das hat alles verändert, nicht nur für Caitlin, die Roisin vermutlich als Letzte gesehen hat, sondern auch für die Polizistin Deedee, die bis heute versucht herauszufinden, was ihrer Schwester Roisin zugestoßen ist. Verschiedene Ereignisse lassen die beiden erkennen, dass die Vergangenheit noch eine Rechnung mit ihnen offen hat. Dass sie sich den vielen schmerzhaften Wahrheiten stellen müssen, wenn sie den Albträumen entkommen wollen, zu denen ihre Leben geworden sind.

Der atmosphärische, tiefschürfende Erzählstil hat mich direkt gepackt! Auf mich wirkten die wiederkehrenden “abstrakten Darstellungen” von Wahrnehmungen und die vagen Andeutungen wie Fragmente eines Albtraums. Mir hat das sehr gut gefallen, ich fand es originell, intensiv und psychologisch düster!

Die Protagonistinnen sind keine Sympathieträgerinnen: Einerseits sind sie passiv, lassen sich treiben, andererseits machen sie oft andere zur Zielscheibe ihres Frusts, manipulieren und stiften Unruhe. Zudem neigen sie zu selbstzerstörerischem Verhalten.

Die Handlung ist vielschichtig: Caitlin und Deedee hatten, aus unterschiedlichen Gründen, eine traumatische Kindheit. Sie hatten bzw. haben eine kompliziere Beziehung zu der einflussreichsten Familie des Ortes. Der Wald, in dem Roisin zuletzt gesehen wurde, soll nun gerodet werden. Dann sind da noch die bösen wie die guten Geister der Vergangenheit …

“Darkrooms” ist ein außergewöhnlicher Thriller, der mich vor allem mit seinem eindringlichen Erzählstil und seinen faszinierend verstörenden Figuren beeindruckt hat. Auch die Handlung fand ich packend: ereignisreich, geprägt von Erkenntnissen, die zunächst mehr Fragen als Antworten mit sich bringen, und damit für anhaltende Spannung sorgen.

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