Profilbild von krokussine

krokussine

Lesejury Star
offline

krokussine ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit krokussine über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.06.2026

Schöne Geschichte

Mai Juni Juli
0

Kann Linnea am Ort, das ihr aus einem Familienurlaub in ihrer Kindheit in Erinnerung geblieben ist, aus ihrer Erschöpfung und ihrer Trauer herausfinden?

Undercover macht sie sich auf den Weg in den hohen ...

Kann Linnea am Ort, das ihr aus einem Familienurlaub in ihrer Kindheit in Erinnerung geblieben ist, aus ihrer Erschöpfung und ihrer Trauer herausfinden?

Undercover macht sie sich auf den Weg in den hohen Norden Schwedens. Die Insel ihrer Kindheitserinnerung lässt sich so leicht nicht wiederfinden, dennoch merkt Linnea mehr und mehr, wie gut ihr die Natur und die freie Zeit tut. In ihrer Unterkunft in Arjeplog findet sie ein zu Hause für die nächste Zeit und je länger sie dort ist, Menschen die ihr ans Herz wachsen. In den Weiten der schwedischen Wälder sammelt sie Kräuter und Beeren und kreiert ohne Zeitdruck neue Rezepte. Mit Kindern möchte Linnea so wenig wie möglich zu tun haben, sie erinnern sie zu sehr an ihren endlosen Schmerz und doch ist es Oskar, ein zehnjähriger Junge, der ihr verschlossenes Herz ein wenig zu öffnen vermag. Der Sommer in Arjeplog verändert Linnea und vielleicht sogar ihr ganzes zukünftiges Leben.

Hiltrud Baiers Romane sind stets eine ganz große Liebeserklärung an Skandinavien und an Lappland, so auch dieses Buch. Eine Geschichte wie aus dem Leben geschnitten, ohne große Aufregungen und doch so vielsagend und wunderschön. Wenn die Seele leidet, nützt jeder Reichtum, jede Anerkennung und jedes Lob wenig, dann braucht es Zeit um zu heilen. Die nordische Natur wird wunderschön beschrieben, mir hat besonders gefallen, wie die Protagonistin diese in ihre Rezepte eingebunden hat. Die Charaktere sind nicht perfekt, dafür aber wundervoll echt und authentisch, Leute wie du und ich, mit Ecken und Kanten, was ich immer sehr mag. Das Buch liest sich angenehm und flüssig, es ist ruhig und stimmungsvoll. Das Ende konnte mich aber leider nicht ganz überzeugen, es war für meinen Geschmack zu überfüllt und zu hastig abgehandelt. Eine leise, ruhige, feinfühlige und herzerwärmende Geschichte über Verlust, Vertrauen, Neubeginn und die große Liebe zur Natur und zu Lappland, die ich sehr gerne weiterempfehle.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.05.2026

Traumatisiert in der Ferne

Moosland
0

Zuerst, muss ich gestehen, war ich von der Erzählform in der dritten Person und die vielen «sie» anstatt den Namen etwas verwirrt. Sie schafft eine gewisse Distanz zu der Protagonistin. Je mehr ich aber ...

Zuerst, muss ich gestehen, war ich von der Erzählform in der dritten Person und die vielen «sie» anstatt den Namen etwas verwirrt. Sie schafft eine gewisse Distanz zu der Protagonistin. Je mehr ich aber in die Geschichte eingetaucht bin, je mehr gewann diese Erzählform an Kraft.

Denn Elsa hat aufgehört zu sprechen. Zu viel hat sie gesehen im Krieg, zu traumatisiert ist sie und zu viele von ihren Lieben sind nicht mehr. Auch in Island schweigt sie. Inmitten dieser rauen Natur wo im Sommer die Tage nie enden und im Winter eine immerwährende Nacht herrscht findet Elsa aber mit der Zeit eine guttuende Routine. Allmählich findet sie sich im einfachen Leben ihrer Bauernfamilie zurecht und entdeckt, dass auch diese Familie einen Verlust verarbeiten musste.
Die gesprochenen Worte aber bleiben selten und doch findet Elsa nach und nach die Sprache wieder – nicht nur in Deutsch.

In dieser Geschichte beleuchtet die Autorin die Esja-Frauen. Deutsche Frauen die nach dem zweiten Weltkrieg einem Aufruf gefolgt sind und ein Jahr in Island als Landarbeiterinnen verbracht haben. Viele haben sich dort verheiratet und sind geblieben.

Das Buch ist sehr ruhig, wunderschön atmosphärisch, einfühlsam und sehr bildnerisch geschrieben. Obwohl oder gerade weil im Buch wenig gesprochen wird, geht das Buch, gehen die Gedanken und Gefühle von Elsa und auch der Bauernfamilie tief. Die Isländische Sprache wird wohldosiert in die Geschichte eingebunden, was ich sehr mochte. Die Protagonistin, Elsa, hat mein volles Mitgefühl geweckt, ich konnte ihren Schmerz tief in ihrer Seele spüren und litt mit dieser jungen Frau mit. Ich mag mir gar nicht ausdenken, wie sich all diese Frauen gefühlt haben müssen damals. Wer in eine tiefgehende und wundervoll empathische Geschichte über diesen Teil der Deutschen Geschichte eintauchen will, dem kann ich dieses Buch von Herzen empfehlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.04.2026

Realistische Dystopie

EDEN - Wenn das Sterben beginnt
0

Sind wir bereit zu verzichten, wenn die Dystopie plötzlich Realität wird?

Wenn Klimakipppunkte einer nach dem anderen überschritten werden, bricht das Chaos über die Menschheit her. Sauerstoffmangel in ...

Sind wir bereit zu verzichten, wenn die Dystopie plötzlich Realität wird?

Wenn Klimakipppunkte einer nach dem anderen überschritten werden, bricht das Chaos über die Menschheit her. Sauerstoffmangel in den Meeren, Algenwachstum, ausbleibende Phytoplanktonblüten, Abermillionen toter Fische, zu warmes Wasser, illegale Abholzungen, Bodendegradierung, Ernteeinbussen, Riesenkalmarangriffe, Waldbrände, Wasserknappheit, Ernährungs- und Energieversorgungsengpässe und das alles beinahe zeitgleich und global – eine Megakrise im Dominoeffekt. Vysyon, die KI von Piero Manzano sagt diese Katastrophen präzise vorher, warnt. Influencer und Sunnyboy Linus wird zusammen mit der Meeresbiologin Sarah nach dem Kalmarangriff zum Umweltinfluencer. Mit seinen Hippo Videos auf Social Media verbreitet er Klimawissen witzig, präzise und auf den Punkt gebracht an ein Millionenpublikum und gewinnt damit nicht nur Freunde – im Gegenteil. Der Kapitalismus, die Gier, der Geldwahn vor allem von Investor:innen und Politiker:innen endet auch dann noch lange nicht, wenn die Natur und somit auch die Menschheit vor dem Kollaps steht, mitten in der größten Krise wird weiter spekuliert und damit noch mehr Leid an Umwelt, Natur und Menschen herbeigeführt.

Dieses Buch ist ein wilder Ritt durch alle möglichen Klimaszenarien, die leider alles andere als dystopisch, sondern realistisch sind. Die Kapitel sehr kurzgehalten, katapultierte mich der Thriller von einem Schauplatz zum nächsten, rasant und schonungslos. Dabei werden die Möglichkeiten, aber auch die Risiken von KI und Social Media ins Zentrum gestellt. Die Charaktere sind sehr breit aufgestellt und reichen von Influencer Linus, Meeresbiologin Sarah und KI Visionär Piero über Politiker:innen, Investor:innen, Bauern, Fischer, Klimaaktivist:innen bis hin zu Sarahs Oma, Klimaaktivistin erster Stunde. Um den Überblick über all die Progatonist:innen nicht zu verlieren, gibt es am Ende des Buches ein hilfreiches Personenregister. Das Buch ist ein sehr intensives Leseerlebnis bei dem ich mich mehrmals fragte, passiert das jetzt echt? Nein zum Glück ist es (noch größtenteils) Fiktion. Schonungslos, echt, angsteinflößend, schwer verdaulich, zum Nachdenken anregend und leider auch sehr realistisch. Große Leseempfehlung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.04.2026

Familiengeheimnisse und Mystik

Das Sturmhaus
0

Cornwalls mystische Geschichte reicht weit in die Vergangenheit zurück und wurde vom Christentum nie gänzlich verdrängt. Dies erfahren auch Magda, ihre Tochter Mila und deren Tochter Janey seit ihrer Ankunft ...

Cornwalls mystische Geschichte reicht weit in die Vergangenheit zurück und wurde vom Christentum nie gänzlich verdrängt. Dies erfahren auch Magda, ihre Tochter Mila und deren Tochter Janey seit ihrer Ankunft in Cornwall immer wieder. Janey scheint über ihren Plüschhasen eine Verbindung zu einer unsichtbaren Kraft zu haben und auch Mila spürt diese übernatürliche Kraft in der Natur rund um White Cove. Auch das verlassene und heruntergekommene Herrenhaus sowie Jack – ein Mann ohne Vergangenheit – den Janey von Beginn weg und Mila mehr und mehr ins Herz schließt, scheinen Geheimnisse in sich zu tragen. Kann ein Neubeginn in einer solch mystischen Umgebung gelingen, vor allem auch dann, wenn unausgesprochene Geheimnisse immer wieder zu Konflikten führen?

Das Buch ist kein eitel Sonnenschein-Roman mitten in den Kulissen Cornwalls, es ist eine Geschichte voller Mystik, Geheimnissen, Verlusten, aber auch Neuanfängen und schlussendlich Vergebungen. Mir hat der Aufbau der Geschichte gut gefallen, vor allem der Einbezug der Dorfbevölkerung und die daraus entstehende Freundschaften und Bindungen. Die toxische Beziehung Mutter-Tochter Beziehung von Magda und Mila geben der Geschichte tiefe. Neben der Mystik rund um Cornwall sind auch polnische Traditionen eingeflochten, was die Geschichte vielfältig, lehrreich und spannend macht. Die kleine Janey – ein Mädchen von fünf Jahren – war für meinen Geschmack teilweise zu erwachsen dargestellt. Zum Schluss hin wird das Buch beinahe erstickt von aneinanderreihenden Handlungen, alle Geheimnisse werden innerhalb kürzester Zeit aufgedeckt, was es für mich dann auf den letzten Seiten doch etwas mühsam zum Lesen machte. Alles in allem ein gelungener Familienroman voller Geheimnisse in der mystischen Landschaft Cornwalls.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.03.2026

Über die Abgründe menschlicher Psyche

Emily Brontë, Sturmhöhe
0

Heathcliff ist der dramatische Charakter dieser Geschichte – ein Findelkind. Obwohl vom gutmütigen Mr. Earnshaw Senior aus den Gassen Liverpools gerettet wird Heathcliff zur tragischen Figur, auf der Suche ...

Heathcliff ist der dramatische Charakter dieser Geschichte – ein Findelkind. Obwohl vom gutmütigen Mr. Earnshaw Senior aus den Gassen Liverpools gerettet wird Heathcliff zur tragischen Figur, auf der Suche nach Zugehörigkeit, ja sogar Liebe erfährt er neben seinem Retter und Catherine, Earnshaws Tochter, nur Ablehnung, Verachtung und Gewalt. In Catherine findet Heathcliff nicht nur eine Verbündete und eine Seelenverwandte, er verliebt sich krankhaft in sie – und sie in ihn. Aus Standesgründen verzichtet sie auf das Leben an der Seite Heathcliffs und heiratet Mr. Linton. Obwohl so nah ist Catherine ab da für Heathcliff unerreichbar, was ihn zu lebenslangen, brutalen und berechnenden Rachezügen an Catherines Umfeld veranlasst.

Dieses Buch ist kein Liebesroman, es ist eine düstere, intensive und teils auch verstörende Geschichte über Liebe, Sehnsucht, Hoffnungslosigkeit, Anerkennung, Zugehörigkeit und den Abgründen menschlicher Psyche. Meisterhaft, bildgewaltig und eindringlich geschrieben. Zu Beginn brauchte ich einen Moment um zu verstehen, wo die Geschichte zu spielen beginnt, dies wurde aber schon nach wenigen Seiten klar. Die Geschichte ist aus der Erzählperspektive von Ellen Dean, Hausangestellte im Haus Earnshaw und Linton, geschrieben, was der Geschichte einen speziellen Touch gab, da die Haushälterin nicht nur einmal ihre Finger bei wegweisenden Entscheidungen im Spiel hatte. Das Ende war für mich völlig unvorhersehbar und überraschend, ja auch traurig. Eine Geschichte die mich tief beeindruckt hat, die von Antipathie bis Mitleid für ein und dieselbe Person lebt und die mit den bildgewaltigen Beschreibungen in der rauen Landschaft Yorkshires mir lange im Gedächtnis bleiben wird.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere