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Veröffentlicht am 13.05.2026

Die Feinde deiner Feinde

Tief
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»An manchen Tagen hasste er seinen Job, und ab morgen würde er auch diesen Strand hassen. Er war vergiftet mit einer Erinnerung an tote kleine Kinderaugen, die den Himmel anstarrten.« (Seite 20)

Ein kleiner ...

»An manchen Tagen hasste er seinen Job, und ab morgen würde er auch diesen Strand hassen. Er war vergiftet mit einer Erinnerung an tote kleine Kinderaugen, die den Himmel anstarrten.« (Seite 20)

Ein kleiner Junge wird am Ufer des Bodensees entdeckt, eine Botschaft wurde auf seinem Körper hinterlassen. Kommissar Heinzle fängt an zu ermitteln und gerät unter Zeitdruck, als das nächste Opfer auftaucht. Da ist es nicht hilfreich, dass sich der Verfassungsschutz einschaltet, der Informationen zurückhält und ziemlich mauert. Gegen alle Widerstände ermittelt Heinzle weiter und stößt bald auf eine Spur, die in ferne Länder führt.

Seit ich vor Jahren das erste Buch von Rebekka Moser gelesen habe, fiebere ich einem weiteren Werk der sympathischen Autorin entgegen. Nun war es endlich soweit und zu meiner großen Freude beinhaltet dies auch ein Wiedersehen mit dem großartigen Kommissar Heinzle aus dem ersten Buch mit dem Titel »UNTEN«, auf das nun »TIEF« folgt. Man muss das vorherige Buch nicht gelesen haben, um dieser Geschichte folgen zu können, allerdings würde man sich dann um einen Thriller bringen, der mich damals vor lauter Begeisterung ausflippen und extra Sternchen vergeben ließ. Ich meine ja nur.

Ziemlich schnell war ich mitten im Geschehen drin, erlebte Unbegreifliches, spürte Trauer und Schmerz, war entsetzt und erschüttert, kochte vor Wut und verzweifelte wegen mancher Situation. Dies hatte ich mit Heinzle gemeinsam, der gegen Windmühlen zu kämpfen schien, wie einst Don Quijote. Der Fall war hart, zimperlich darf man nicht sein, wenn es um ein totes Kind geht, das versprach bereits der Klappentext. Insgesamt war dies ein kluger, vielschichtiger, voller Überraschungen steckender Thriller, der für mich keine Wünsche offen ließ. Trotz der schweren Thematik gab es einige amüsante Momente, die die tragische Geschichte etwas leichter ertragen ließen. Das Ende war perfekt und ich hoffe sehr, dass eine Fortsetzung nicht wieder Jahre auf sich warten lässt. Fünf Sterne mit Sternchen, das hatten wir schon, deswegen sind es an extra Sternchen nun doch lieber zwei. Danke für die wunderbare Unterhaltung!

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Veröffentlicht am 07.05.2026

Großartige Unterhaltung!

Das Antiquariat am alten Friedhof
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In der Bücherstadt Leipzig schwänzen die vier Freunde Felix, Vadim, Julius und Eddie, alle Söhne aus gutem Hause, ihr Studium, und gründen lieber den »Club Casaubon«, um ihrer Leidenschaft für Literatur ...

In der Bücherstadt Leipzig schwänzen die vier Freunde Felix, Vadim, Julius und Eddie, alle Söhne aus gutem Hause, ihr Studium, und gründen lieber den »Club Casaubon«, um ihrer Leidenschaft für Literatur nachzugehen. Hierzu gehören auch Diebestouren, bei denen sie okkulte Bücher stehlen, um diese zu verkaufen. Als die rätselhafte Eva zu ihnen stößt, bekommen sie ein Angebot, das sie nicht ausschlagen können. Diesmal aber geht alles schief und kurz darauf sind die Freunde auf der Flucht. Fünfzehn Jahre später, im Jahr 1945, arbeitet Felix als Bibliothekar für die Amerikaner. Diese Arbeit führt ihn nun auch nach Leipzig, wo er einen geheimnisvollen Mann verhören soll, der nur mit ihm sprechen will. Bald findet sich Felix mitten in einem Machtkampf, der seinen Ursprung in den Geschehnissen vor fünfzehn Jahren hat.

Der vierte Teil der Buchreihe über die Geheimnisse des Graphischen Viertels in Leipzig lässt mich begeistert zurück. Auf zwei Zeitebenen erzählt Kai Meyer, was geschehen ist, dabei verflechtet er Wirklichkeit und Fiktion, erschafft vor meinen Augen ganze Welten, wie dies sonst nur ein Film zu tun vermag. Das Wiedersehen mit einigen Figuren aus den vorherigen Bänden tut ihr übriges, um mein Entzücken zu steigern. Mein dritter Ausflug ins Leipzig der Vor- und Nachkriegsjahre hat damit meine Erwartungen weit übertroffen. Die Geschichte der Bücherdiebe nebst der einer großen, aber unerfüllten Liebe konnte mich von der ersten Seite an fesseln, mir spannende Lesestunden schenken und die Vorfreude auf den nächsten Teil der unterhaltsamen Reihe mehr als steigern. Dies ist eine Form der Erzählkunst, die einfach meisterlich ist. Ich liebe es!

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Veröffentlicht am 05.05.2026

Rasante Fortsetzung

Die Farm der Mädchen
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Zwei Frauen auf der Flucht, beide sind hochschwanger, sie laufen durch den Wald, um ihren Verfolgern zu entkommen. Kurz darauf wird ein totes Baby entdeckt, von der Mutter aber fehlt jede Spur. Die Polizistin ...

Zwei Frauen auf der Flucht, beide sind hochschwanger, sie laufen durch den Wald, um ihren Verfolgern zu entkommen. Kurz darauf wird ein totes Baby entdeckt, von der Mutter aber fehlt jede Spur. Die Polizistin Hannah Wester, die nach einer einjährigen Abwesenheit zurück im Dienst ist, stürzt sich in die Ermittlungen. Bald gibt es Parallelen zu einem zurückliegenden Fall, die einen ungeheuerlichen Verdacht aufkommen lassen.

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um den zweiten Teil der Buchreihe mit der Polizistin Hannah Wester, den ersten Band mit dem Titel »Wolfssommer« fand ich phänomenal gut. Obwohl ein Jahr vergangen ist, schließt dieses Buch fast nahtlos an die zurückliegenden Ereignisse an, sodass ich empfehlen würde, die Reihenfolge einzuhalten. Wer dies nicht möchte, profitiert von den beiläufig erwähnten Erklärungen, ein vollständiges Bild aber bekommt nur, wer den Reihenauftakt gelesen hat. Es lohnt sich!

Endlich durfte ich die Fortsetzung lesen, endlich gab es ein Wiedersehen mit Haparanda in Schweden, Hannah und ihren Kollegen sowie auch zwielichtigen Personen, allen voran die Auftragskillerin, die bereits im ersten Teil eindrucksvoll bewiesen hat, wie eiskalt und empathielos sie agiert. Viel zu schnell war ich mit dem Buch durch, gefühlt in wenigen Stunden war es zu Ende, und ich bin begeistert, wie spannend, komplex und wendungsreich auch dieser Thriller gewesen ist. Der Fall wurde abgeschlossen, geht aber weiter, und wer wissen möchte, wie das gemeint ist, macht sich am besten selbst ein eigenes Bild. Ich genieße noch ein wenig den Rausch der letzten Stunden und koste die Vorfreude aus darauf, was da noch kommen wird. Dies ist ein unbeschreibliches Gefühl!

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Veröffentlicht am 02.05.2026

Großartig!

Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten
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»Wenn man Pflanzen gießt und düngt, Schädlinge fernhält und einen guten Standort aussucht, werden sie die Mühe mit Blüten und Früchten belohnen. Menschen kennen diese Dankbarkeit nicht. Du kannst sie lieben, ...

»Wenn man Pflanzen gießt und düngt, Schädlinge fernhält und einen guten Standort aussucht, werden sie die Mühe mit Blüten und Früchten belohnen. Menschen kennen diese Dankbarkeit nicht. Du kannst sie lieben, so viel du willst, und weißt dennoch nie, was du bekommst.« (Seite 176)

Mit der Urgroßmutter fängt es an, Henrike macht den Anfang bei dieser Erzählung, die sich durch vier Generationen zieht. Auf einem Bauernhof an der Nordsee zu Kaiserzeit hat es begonnen und viele Kilometer davon entfernt läutet ein umgebauter Hof den Abschluss ein, die Enkelin realisiert, dies wird das Ende des Stammbaums sein. In einer wunderschönen Sprache, die sie spielend benutzt, erzählt Anna Maschik die Geschichte einer Familie, konzentriert sich dabei auf die Frauen, lässt die Männer aber nicht außen vor, sondern bezieht sie mit ein. Dies liest sich so spannend und unterhaltsam, dass es eine Freude ist für mich, dabeigewesen zu sein. Großartig!

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Veröffentlicht am 28.04.2026

Elma in Höchstform

Verschworen
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In einem Ferienhaus wird ein Mann brutal erstochen, die Täterperson hinterlässt auf einer Wand über dem Toten einen biblischen Vers. Kommissarin Elma nimmt zusammen mit ihrem Team die Ermittlungen auf, ...

In einem Ferienhaus wird ein Mann brutal erstochen, die Täterperson hinterlässt auf einer Wand über dem Toten einen biblischen Vers. Kommissarin Elma nimmt zusammen mit ihrem Team die Ermittlungen auf, die zu einem tragischen Unfall von vor über fünfundzwanzig Jahren führen. Keine der damals beteiligten Personen ist jedoch bereit, mit der Wahrheit herauszurücken.

»Die Welt ist nicht wie ein Film, wo am Ende das Gute siegt. Es gibt keine verdiente Strafe. Sogar die Vorstellung von Gerechtigkeit ist relativ.« (Seite 295)

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um den fünften Teil der großartigen Island-Reihe der Autorin und den vierten Band mit der Kommissarin Elma, nachdem der vorherige Teil in der Zeit vor ihrer Rückkehr nach Akranes spielte, weswegen ich persönlich diesen etwas schwächer fand. Wie für diese Reihe typisch, springt auch die aktuelle Geschichte zwischen zwei Zeitebenen hin und her, wechselt permanent die Perspektive und verrät erst kurz vor Schluss das Motiv für die Tat. Die persönlichen Umstände der ermittelnden und sonstigen Personen vervollständigen das Bild, nehmen aber nicht überhand.

Auch wenn das Verbrechen selbst ziemlich brutal ist, geht es ansonsten überwiegend unblutig zu, sodass auch sensible Leserinnen und Leser bei dieser Buchreihe auf ihre Kosten kommen. Die zwischenmenschlichen Beziehungen stehen hier meistens im Vordergrund, offenbaren Schwächen und Verfehlungen, woraus dann etwas entsteht, das die Fratze des Bösen offenlegt. Der Fall selbst wird abgeschlossen, aber bereits jetzt der Fokus auf ein neues Geheimnis gerichtet. Es bleibt spannend und ich freue mich auf das nächste Abenteuer in Akranes, und zwar sehr!

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