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Veröffentlicht am 11.05.2026

Ein Sachbuch wie ein Sprung ins kulturhistorische Wasser

Abtauchen und Treibenlassen. Die Geschichte des Badens und Schwimmens
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Wasser, Geschichte und ein Buch, das einen ziemlich charmant daran erinnert, dass Baden nie einfach nur Baden war. Klingt erstmal nach nassem Handtuch und Chlorgeruch, ist aber viel spannender, als man ...

Wasser, Geschichte und ein Buch, das einen ziemlich charmant daran erinnert, dass Baden nie einfach nur Baden war. Klingt erstmal nach nassem Handtuch und Chlorgeruch, ist aber viel spannender, als man denkt.

Bernd Brunner nimmt einen mit auf eine Reise durch Badekultur, Körperbilder, Hygiene, Moral und diese herrlich menschliche Sehnsucht, sich einfach mal treiben zu lassen. Antike Rituale, Seebäder, Schwimmbäder, Bademoden und sogar diese robusten Dippern tauchen auf. Allein bei dem Wort hatte mein Kopf kurz ein eigenes kleines Historienkino.

Besonders schön ist, dass das Buch nicht trocken wirkt, obwohl es ein Sachbuch ist. Eher so, als würde jemand mit Ahnung neben einem sitzen und erzählen: Pass auf, Wasser war schon immer viel mehr als nur nass. Und plötzlich denkt man über Schwimmbäder, Baderegeln und Badeanzüge nach, als hätte man nie etwas anderes getan.

Für mich ist das genau diese Sorte Buch, bei der man nicht hektisch Seiten verschlingt, sondern eher gemütlich eintaucht. Mal staunt man, mal schmunzelt man, mal denkt man: Ach guck, selbst beim Baden hatten die Menschen früher schon Meinungen, Vorschriften und ziemlich viele seltsame Ideen.

Die zahlreichen Abbildungen machen das Ganze zusätzlich lebendig. Das passt einfach, weil Geschichte hier nicht nur erklärt, sondern sichtbar gemacht wird.

Kein Buch für alle, die nur schnelle Unterhaltung suchen. Aber für alle, die kluge, besondere Sachbücher mögen und gerne mal abseits der üblichen Themen schwimmen, ist das hier ein richtig schöner Fang.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Wenn Mutterschaft keine einfache Antwort kennt

Es ist hell und draußen dreht sich die Welt
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Zwischen Meereslicht, Ferienhaus und flirrendem Urlaubsgefühl legt sich in diesem Roman von Anfang an etwas Unruhiges über die Seiten. Es ist diese Art von Helligkeit, die nicht wärmt, sondern alles gnadenlos ...

Zwischen Meereslicht, Ferienhaus und flirrendem Urlaubsgefühl legt sich in diesem Roman von Anfang an etwas Unruhiges über die Seiten. Es ist diese Art von Helligkeit, die nicht wärmt, sondern alles gnadenlos sichtbar macht. Linn reist mit dem Wunsch an, bald schwanger zu sein, und gleichzeitig mit einer Angst, die sich kaum greifen lässt. Der eigene Körper wird hier nicht romantisiert, sondern als Ort von Sehnsucht, Kontrolle, Zweifel und Erwartung gezeigt.

Mich hat besonders berührt, wie Dita Zipfel diese Spannung zwischen Linn und Eva erzählt. Da ist Neid, Abwehr, Faszination und irgendwann etwas, das weicher wird. Eva steht scheinbar auf der anderen Seite, als Mutter, als Frau mit Kind, mit Alltag, mit Geduld und müden Händen voller Sand. Doch je näher sich die beiden kommen, desto mehr bröckeln diese einfachen Bilder.

Der Roman fühlt sich stellenweise zart an und im nächsten Moment wieder scharfkantig. Genau das mochte ich. Es geht nicht nur um Kinderwunsch, sondern auch darum, wem Frauenkörper gehören, welche Rollen Frauen erfüllen sollen und wie still man manchmal gegen das eigene Leben ankämpft. Nicht alles ist bequem, manches ist schräg, manches verstört, aber gerade dadurch bleibt die Geschichte hängen.

Für mich ist Es ist hell und draußen dreht sich die Welt kein Roman zum gemütlichen Weglesen, sondern einer, der unter der Haut weiterarbeitet. Wütend, klug, seltsam schön und mit einer weiblichen Verbundenheit, die nicht laut sein muss, um kraftvoll zu sein.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Wenn Herz und Schicksal miteinander ringen

Legend of the White Snake
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Manchmal kommt ein Buch daher, sieht hübsch aus, flüstert „chinesische Legende, queere Fantasy, Slowburn“ und zack, sitzt man da mit Tee, Herzklopfen und der leisen Angst, dass gleich jemand emotional ...

Manchmal kommt ein Buch daher, sieht hübsch aus, flüstert „chinesische Legende, queere Fantasy, Slowburn“ und zack, sitzt man da mit Tee, Herzklopfen und der leisen Angst, dass gleich jemand emotional ruiniert wird. Legend of the White Snake hat genau diesen Zauber.

Prinz Xian sucht die weiße Schlange, um seine Mutter zu retten. Klingt erstmal nach klassischer Held zieht los, findet Heilmittel, alle klatschen höflich. Nur leider stellt sich das Herz mal wieder quer, dieses kleine Biest. Denn in Changle trifft Xian auf Zhen, geheimnisvoller Stallbursche, eindeutig zu interessant für den inneren Frieden und natürlich mit mehr Geheimnissen als gut für alle Beteiligten ist.

Die Geschichte lebt sehr von dieser zarten Spannung zwischen Pflicht und Gefühl. Xian will seine Mutter retten, aber je näher er Zhen kommt, desto mehr merkt man: Hier wird nicht nur eine Schlange gesucht, hier wird ordentlich am Herzen gezerrt. Und zwar nicht zimperlich.

Besonders schön ist die Atmosphäre. Das Buch fühlt sich märchenhaft, weich und gleichzeitig schicksalsschwer an. Diese Mischung aus Legende, Romantik und Fantasy hat etwas sehr Eigenes. Man spürt die asiatische Vorlage, ohne dass es trocken oder überladen wirkt.

Ganz perfekt war es für mich nicht. An manchen Stellen hätte ich mir noch mehr Tiefe gewünscht, mehr Raum zum Atmen, mehr Schmerz, mehr Nachhall. Gerade weil die Figuren so viel Potenzial haben, wollte mein innerer Drama-Goblin manchmal rufen: Komm schon, mach mich noch ein bisschen kaputter.

Trotzdem bleibt Legend of the White Snake ein wunderschönes, emotionales und sehr charmantes Fantasybuch über Liebe, Vertrauen, Opfer und die Frage, ob man sein Herz verraten kann, ohne sich selbst zu verlieren.

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Veröffentlicht am 07.05.2026

Wenn eine Kleinstadt ein ganzes Land erzählt

Sanditz
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Manche Bücher liest man nicht einfach weg, sie legen sich wie feiner Staub auf die Gedanken und bleiben dort erst einmal liegen.

Sanditz ist so ein Roman. Eine Kleinstadt am Rand, aber eigentlich mitten ...

Manche Bücher liest man nicht einfach weg, sie legen sich wie feiner Staub auf die Gedanken und bleiben dort erst einmal liegen.

Sanditz ist so ein Roman. Eine Kleinstadt am Rand, aber eigentlich mitten in allem, was dieses Land geprägt, zerrissen und verändert hat. Lukas Rietzschel erzählt nicht laut, nicht reißerisch, sondern mit einem genauen Blick für Menschen, die oft übersehen werden. Für Familien, die sich durch Umbrüche kämpfen. Für Hoffnungen, die groß beginnen und irgendwann müde in der Ecke sitzen. Für diese leisen Brüche, die niemand sieht, die aber ein ganzes Leben verschieben können.

Besonders berührt hat mich, wie viele Stimmen hier Platz bekommen. Alte Geschichten, neue Verletzungen, Wendezeit, Corona, Ukraine, Freundschaft, Familie, Zugehörigkeit und diese ständige Sehnsucht nach Freiheit. Das ist viel, manchmal fast zu viel, und genau deshalb braucht das Buch Aufmerksamkeit. Sanditz ist kein Roman zum Nebenbei-Lesen. Er fordert Geduld, aber er gibt auch viel zurück.

Die Sprache ist warm, beobachtend und oft schmerzhaft nah. Nicht jede Figur hat mich gleich stark erreicht, manche Wege wirken sperriger als andere, doch das Gesamtbild hat Kraft. Am Ende bleibt ein Roman, der nicht beschönigt, nicht erklärt wie ein Schulbuch, sondern fühlen lässt, wie Geschichte in Menschen weiterlebt.

Für mich ein eindrucksvolles, kluges und emotional nachhallendes Buch.

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Veröffentlicht am 07.05.2026

Wenn eine WG plötzlich nach Zuhause riecht

Laute Nächte
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Manchmal kommt ein Buch daher wie diese eine WG Küche um zwei Uhr nachts. Ein bisschen Chaos, ein bisschen Rotwein im Kopf, irgendwo klappert ein Herz und keiner weiß so richtig, wer jetzt eigentlich wen ...

Manchmal kommt ein Buch daher wie diese eine WG Küche um zwei Uhr nachts. Ein bisschen Chaos, ein bisschen Rotwein im Kopf, irgendwo klappert ein Herz und keiner weiß so richtig, wer jetzt eigentlich wen retten soll.

Laute Nächte von Anne Freytag ist kein Roman, der laut brüllt. Der schleicht sich eher an, setzt sich neben dich und fragt irgendwann ganz frech: Na, alles gut verdrängt? Kenni trägt seine Trauer nicht dramatisch vor sich her, sondern eher wie eine Jacke, die viel zu schwer geworden ist. Und genau das hat mich erwischt.

Diese WG in Wien fühlt sich herrlich echt an. Paul, Elif, Julia und Kenni sind keine glatten Romanfiguren, sondern Menschen mit Ecken, Macken und dieser leichten Überforderung, die man Leben nennt. Besonders Elif bringt eine Energie mit, bei der man gleichzeitig grinsen und die Augen verdrehen möchte. So jemand nervt, bis man merkt, dass genau dieses Nerven vielleicht gerade gebraucht wird.

Die Geschichte springt durch Zeiten, Erinnerungen und offene Fragen. Das ist ruhig erzählt, manchmal fast tastend, aber nie kalt. Es geht um Verlust, Freundschaft, Schuld, Liebe und darum, dass das Leben einfach weiterläuft, auch wenn man selbst noch irgendwo am Straßenrand steht und nicht mitkommt.

Ganz ehrlich, an manchen Stellen hätte ich mir etwas mehr Tempo gewünscht. Ein paar Figuren hätten für mich noch mehr Raum bekommen dürfen. Aber die Atmosphäre, die Sprache und diese leise Wucht machen sehr viel wieder gut.

Und dann war da noch die tolle Bloggerbox von Ehrlich & Anders, bereitgestellt zum Buch, inklusive geheimer Mission 🤫 Da fühlt man sich natürlich direkt ein bisschen wie Teil dieser lauten Nacht. Nur ohne Kater. Hoffentlich.

Ein emotionaler, kluger und sehr menschlicher Roman, der nicht alles erklärt, aber vieles spürbar macht.

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