Mein Jahreshighlight
Fourth Wing – FlammengeküsstDie Geschichte hält Spannung bis zum Finale bereit und entfaltet gegen Ende tatsächlich dramatische Momente. Die reich beschriebene Fantasy-Welt mit Magie, komplexen Verstrickungen und vielen Geheimnissen ...
Die Geschichte hält Spannung bis zum Finale bereit und entfaltet gegen Ende tatsächlich dramatische Momente. Die reich beschriebene Fantasy-Welt mit Magie, komplexen Verstrickungen und vielen Geheimnissen zieht einen sofort hinein. Und ja, Drachen und Reiter-Themen gehen immer – doch hier bleibt die Erzählweise hinter dem Potenzial zurück.
Kern der Handlung ist die harte Ausbildung von Violet zur Drachenreiterin, die ihre Mutter ihr aus unergründlichen Gründen aufzwingt. Ihr Körper ist dafür ungeeignet – zerbrechliche Knochen, instabile Gelenke – doch ihre Stärke liegt in Intelligenz und Bildung. Neben der Ausbildung kämpft Violet am College mit Rivalen, die ihr das Leben schwer machen oder ihr schaden wollen. Freundschaften zu interessanten Nebencharakteren entstehen glücklicherweise ebenfalls.
Zunächst scheint Xaden, der momentan stärkste Kadett der Akademie, gegen Violet zu arbeiten: Sie ist die Tochter der Generälin, die Xadens Vater, einen Rebellenführer, zum Tod verurteilt hat. Überraschenderweise unterstützt er sie gelegentlich, ohne sie zu verwöhnen. Dagegen steht ihr Sandkastenfreund, der sie auf sehr übergriffige Weise schützen will. Das führt zu einer spannenden Dreiecks-Konstellation. Xadens Skrupellosigkeit und direkte Art wirken gnadenlos – oft grumpy. Eine Liebesgeschichte bleibt zunächst dezent im Hintergrund und entfaltet sich erst im letzten Drittel – dann wird es auch heiß.
Die Drachen wirken furchterregend, stolz und arrogant. Es bleibt spannend, ob Violet einen Drachen für sich gewinnen kann und welche magischen Kräfte ihr durch ihn zuteilwerden.
Geschildert wird die Handlung in der Ich-P Perspektive von Violet. Emotionalität bleibt zugunsten der Handlung oft etwas außen vor, Violet wirkt nüchtern und pragmatisch, mutig im Umgang mit den Herausforderungen. Dadurch fokussiert sich der Band stärker auf Handlung statt auf innere Reflexionen, was dem Ton ein leichteres Lesen ermöglicht.
Positiv: Diversität und Pansexualität werden selbstverständlich gezeigt. Und die Akzeptanz von Frauen und Männern in gleicher Weise kommt klar rüber.
Kritikpunkte: An vielen Stellen werden komplexe Weltenregeln zu Beginn durch schwere Infodrops vermittelt, was ermüdend wirken kann. Protagonistinnen und Protagonisten wirken nicht immer durchgehend konsistent, und es gibt Logik- oder Plausibilitätsbrüche sowie Wiederholungen von Informationen, die das Leseerlebnis zögern lassen. Zudem vermisst man gelegentlich emotionale Tiefe, da klar der Fokus auf Handlung liegt.
Fazit: Wer eine spannende, magische Drachenwelt sucht und mit einem intensiven Aufbau für Band 2 einverstanden ist, erhält hier eine unterhaltsame Lektüre. Wer jedoch eine intensivere emotionale Tiefe bevorzugt, sollte sich auf Band 2 freuen oder andere Titel bevorzugen.