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Veröffentlicht am 08.05.2026

Prädikat: "Vom Psychoonkologen empfohlen"

Als ich dem Tod in die Eier trat
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Ich beginne diese Rezension mal ganz persönlich: Als mehrjährige Psychoonkologin auf einer urologischen Station kann ich dieses Buch uneingeschränkt Betroffenen, Angehörigen und Interessierten empfehlen!

Alexander ...

Ich beginne diese Rezension mal ganz persönlich: Als mehrjährige Psychoonkologin auf einer urologischen Station kann ich dieses Buch uneingeschränkt Betroffenen, Angehörigen und Interessierten empfehlen!

Alexander Greiner schildert in seinem Buch sehr authentisch seine eigenen Erfahrungen mit dem Hodenkrebs im Alter von 35 Jahren und dem zwei Jahre später aufgetauchten Rezidiv im Oberarmknochen. So bewegt sich seine Geschichte nicht nur zwischen Krankenhausstationen, Ärzten und Behandlungen hin und her, sondern zeigt auch seine persönliche Entwicklung trotz und wegen der Krebserkrankung auf. Dabei verweist der Autor stets auf ein fundiertes Wissen zu medizinischen, psychoonkologischen und anderen adjuvanten Behandlungen und Sachverhalten. Begriffe werden nicht wie in einem Lehrbuch trocken definiert, sondern geschickt in die Erzählung mit ein bis zwei Sätzen eingeflochten. Für den Laien verständlich nimmt er den Leser mit auf seine Reise zunächst zum Arzt und später zu sich selbst. Bei allen Aussagen zu Behandlungsformen etc. habe ich ausschließlich sachliche Richtigkeit und ausgewogene Einschätzungen lesen können. Eine von vielen Stärken dieses Buches.

Insgesamt kann ich dieses Buch sowohl als Leserin als auch Psychoonkologin uneingeschränkt empfehlen. Eine Lektüre lohnt sich!

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Adam und Eva - Reversed

Götter
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Ich bin mal wieder überaus positiv überrascht von diesem Roman von Will Hofmann. Nach Lektüre des Klappentextes war ich von einer Dystopie, welche mindestens 200 Jahre in der Zukunft spielt, ausgegangen. ...

Ich bin mal wieder überaus positiv überrascht von diesem Roman von Will Hofmann. Nach Lektüre des Klappentextes war ich von einer Dystopie, welche mindestens 200 Jahre in der Zukunft spielt, ausgegangen. Aber nein, Hofmann entwirft eine Schreckensherrschaft in unserer Gegenwart. Wie dies mitten in Deutschland möglich sein könnte, leitet er plausibel her und macht damit das Undenkbare gar nicht mehr so undenkbar.

Agnes und Günter entkommen unabhängig voneinander zwei Reservaten, in denen Männlein und Weiblein getrennt von einander "gehalten" werden. Das Leben ist rückständig, ein Glaube an die "Götter" herrscht vor, dem allen untergeordnet wird. Dabei dreht sich der Roman gar nicht durchweg um diese Reservate, sondern auch sehr ausführlich um ein Leben in der Freiheit, und damit für die beiden in der freien Natur. Die Geschichte der beiden mutet dabei an wie die von Adam und Eva. Nur umgekeht, da diese das Paradies durch Erkenntnis verlassen mussten. Hier verlassen die beiden die Hölle und landen im Paradies der Erkrenntnis.

Der Plot ist durchgängig zügig, zackig, süffig erzählt. Es gibt nie Längen, vielmehr mausert sich der Roman als echter Pageturner. Ich bin wieder einmal vollends begeistert und würde das Buch jederzeit weiterempfehlen. Dabei sollen sich durchaus nicht nur Personen angesprochen fühlen, die sich für Sekten (wie Colonia Dignidad, von deren Gründer und einer bekannten Betroffenen Zitate dem Buch vorangestellt sind), Verschwörungstheorien über "die Mächtigen" oder die Auswirkungen von strikter Geschlechtertrennung auf die Persönlichkeitsentwicklung interessieren, sondern auch diese, welche ein Interesse an (Über-)Leben in der Wildnis bzw. in einer völlig fremden Umgebung haben.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Hat verdient den Man Booker Prize gewonnen

Milchmann
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Der vorliegende Roman von Anna Burns ist eine hochinteressante und literarisch sehr anspruchsvolle Geschichte um eine 18jährige, welche namenlos in einer nicht näher benannten Stadt lebt, die sich in einem ...

Der vorliegende Roman von Anna Burns ist eine hochinteressante und literarisch sehr anspruchsvolle Geschichte um eine 18jährige, welche namenlos in einer nicht näher benannten Stadt lebt, die sich in einem Bürgerkrieg befindet. Aus den biografischen Angaben der Autorin und den gegebenen Hinweisen wird schnell klar: Hier handelt es sich um den Nordirischen Konflikt Ende der 1970er Jahre. Diese Rahmenbedingungen sind zwar nicht unabdingbar wichtig zu wissen für die Rezeption des Romans, gibt jedoch eine bessere Vorstellung davon, um was es in diesem Roman geht. Im Klappentext wird allein auf die Entstehung eines Gerüchts und der Umgang der jungen Frau damit eingegangen. Dieses Buch bietet jedoch sehr viel mehr als das. Die Geschichte um den "Milchmann" stellt hier nur die Rahmenhandlung dar, viel wichtiger sind die ausführlichen Gedankengänge und Erinnerungen der Protagonistin. Diese zeichnen ein ausführliches Bild des Lebens als Frau in einer im Bürgerkrieg befindlichen Gesellschaft in den ausklingenden 70er Jahren in Nordirland. Die vermittelten Einstellungen, Eindrücke und Erlebnisse können jedoch global extrapoliert werden und bleiben zum Teil im Rahmen der weiterhin anhlatenden #metoo-Debatte auch heute noch allgemeingültig. Und dies ist eine der größten Stärken dieses Buches. Eine weitere stellt die ausgefeilte, ausufernde Sprache der Autorin und die Meisterleistung der Übersetzerin dar. Dieser Roman ist nicht mal eben nebenher runtergelesen. Nein, er fordert seine Leser und Leserinnen und diese werden mit einem literarischen Meisterwerk belohnt, welches noch lange nachwirkt.

Von mir gibt es eine eindeutige Leseempfehlung für diesen großartigen Roman.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Feinfühliger Roadtrip

Marianengraben
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Jasmin Schreiber gelingt mit ihrem ersten Roman eine Melange aus verschiedenen Genres, die man so elegant verwoben selten findet. Paula, Anfang 20, hat vor zwei Jahren durch einen Unfall ihren 10jährigen, ...

Jasmin Schreiber gelingt mit ihrem ersten Roman eine Melange aus verschiedenen Genres, die man so elegant verwoben selten findet. Paula, Anfang 20, hat vor zwei Jahren durch einen Unfall ihren 10jährigen, geliebten Bruder verloren. Nach einer Nacht-und-Nebel-Aktion wird sie quasi ungeplant in einen Roadtrip mit Helmut, um die 80 Jahre alt, dessen Ex-Frau ebenso vor Kurzem verstorben ist, hineingezogen. Dabei erzählt Schreiber mit viel Feingefühl aber auch genauso viel Humor nicht nur von den Erlebnissen der beiden auf ihrem Trip, sondern auch von einer Freundschaft durch widere Umstände. Dabei rutscht die Autorin nie in Kitsch ab und sorgt gerade deswegen das ein oder andere Mal für Tränen beim Lesen. Sie geht ungeschönt und ehrlich auf die Trauer ein, die nicht immer einfach verläuft, geradlinig und vorhersehbar, die zu verzweifelten Taten führen kann.

Ich hatte einen Tiefsee-Abenteuer-Roman erwartet und viel mehr als angenommen emotionale Tiefe bekommen. Dies ist kein Feel-Good-Roman und trotzdem fühlt man sich nach der Lektüre, nach Trauer und auch Spaß, gut. Sehr empfehlenswert.

Vom Inhaltlichen abgesehen, ist das Buch auch im Ganzen inklusive Umschlag- und Buchdeckelgestaltung äußerst gelungen. Besonders toll finde ich die Prägung von Krakenarmen auf Vorder- und Rückseite sowie die Entscheidung auf eine Platikpackung zu verzichten zugunsten eines eingeklappten Schutzumschlages.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Jeder hat seine eigene Wahrheit

Miracle Creek
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Dieses Debüt von Angie Kim schlüsselt nicht nur detailiert den juristischen Prozess nach einer Explosion in einem kleinen Nest an der Ostküste Amerikas auf, sondern wendet den Blick hin zu den Schicksalen ...

Dieses Debüt von Angie Kim schlüsselt nicht nur detailiert den juristischen Prozess nach einer Explosion in einem kleinen Nest an der Ostküste Amerikas auf, sondern wendet den Blick hin zu den Schicksalen vieler Personen, die damit zu tun hatten und davon betroffen sind. Hier dreht es sich um starke, aufopfernde, verzweifelte, übermenschliche und manchmal auch schwachwerdende Mütter, die sich um ihre behinderten Kinder kümmern, genauso wie um koreanische Einwanderer in den USA, die ihren Platz dort noch finden müssen.

All diese Themen bearbeitet Kim leidenschaftlich und empathisch, sodass der Leser sofort hineingezogen wird in den Pfuhl dieser Kleinstadt. Jeder Prozessteilnehmer scheint seinen eigenen Teil der Wahrheit zu kennen und nur Stück für Stück zu Tage zu fördern. So bleibt das Buch bis zur letzten Seite hochspannend. Die 500 Seiten fliegen nur so dahin. Stilistisch baut die Autorin ihren Roman sehr geschickt auf. Das Buch ist in größere Teile - die einzelnen Prozesstage - eingeteilt. Innerhalb dieser springt die Erzählperspektive von einer Person zur nächsten. Der Leser erfährt nur nach und nach, wie das Gesamtbild der Wahrheit tatsächlich aussieht. Und man lernt bei der Lektüre: Anwälte können aus jedem "Fakt" durch Auslegung und Argumentation Wahrheiten diametral unterschiedlich aussehen lassen. Geschickt fügt Kim außerdem im Buch kleine Darstellungen ein, welche während der Verhandlung zur Anschuung dienen. Dadurch wird man selbst zum Geschworenen, merkt wie stark solche Darstellungen die eigene Meinung verändern und nach kleinen Abänderungen durch den anderen Antwalt wieder umschwappen können. Klasse!

Insgesamt bin ich restlos begeistert von diesem spannenden Roman, welcher sehr authenthisch und empathisch erzählt ist, den ich jedoch aufgrund des recht unauffälligen Covers im Buchladen glatt übersehen hätte.

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