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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.05.2026

Ein wichtiges Thema mit der Holzhammermethode erzählt

Weil für unsere Hunde jeder Tag zählt
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Sandra Dombrovsky ist eigentlich Hundefotografin, deshalb und weil sie selbst Hunde hat, ist ihr ein Thema besonders wichtig: Welche Bedürfnisse haben unsere Hunde und wie kommen wir diesen im besten Falle ...

Sandra Dombrovsky ist eigentlich Hundefotografin, deshalb und weil sie selbst Hunde hat, ist ihr ein Thema besonders wichtig: Welche Bedürfnisse haben unsere Hunde und wie kommen wir diesen im besten Falle nach. Dabei ist die Novelle in kleine Kapitel, welche an sich Mini-Kurzgeschichten sein könnten, eingeteilt, welche den Protagonisten in verschiedene Hundelebensumstände schlüpfen lassen.

Besonders zu Beginn fand ich die Geschichten literarisch/erzählerisch sehr einfach gestrickt und leider mit viel zu wenig Anspruch an den Leser. Alles wird benannt, nichts ist der Imagination des Lesers überlassen. Die ersten Geschichten über dachte ich häufig gequält, dass das alles doch zu sehr plakativ erzählt ist. Der Leser wird quasi mit dem Zaunpfahl erschlagen. Nämlich, dass wir Menschen häufig die Bedürfnisse des hundes übersehen und ihn damit in seinem Potential vernachlässigen. Ab der Geschichte "Unter den Sternen" (ein Wohnungsloser, der sich rührend um seinen vierbeinigen Begleiter kümmert) wirds dann kreativ und interessant. Diese Blickwinkel z.B. aus Sicht eines Blindenführhundes fand ich dann sehr interessant.

Insgesamt handelt es sich im Gesamtpaket mit Hundefotos und der wichtigen Grundaussage doch ein gutes Büchlein, was durchaus an die Unbelehrbaren, die das Plakative benötigen, um auf einen artgerechten Weg der hundehaltung geführt zu werden, weiterzuempfehlen.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Gutes Buch über die Irakische Gesellschaft, jedoch ausbaufähig

Palast der Miserablen
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In diesem Roman schildert der Autor (sicherlich stark autobiografisch angehaucht) die Geschichte eines jungen Irakers, der in einem Kellerverlies vor sich hinvegetiert. Parallel dazu wird abwechselnd zu ...

In diesem Roman schildert der Autor (sicherlich stark autobiografisch angehaucht) die Geschichte eines jungen Irakers, der in einem Kellerverlies vor sich hinvegetiert. Parallel dazu wird abwechselnd zu den Sequenzen aus dem Verlies die Lebensgeschichte des Mannes, der aus dem Südirak stammt und mit der Familie nach Bagdad in ein Armenviertel auf einer Müllhalde zieht, erzählt. Erzähler ist in beiden Strängen in der Ich-Form Shams.

Von der ersten Szene des Buches, direkt im Arrest beginnend, war ich sofort gefangen. Diese fand ich sprachlich sehr gut und sie weckte mein Interesse am Buch. Für Wissbegierige sind jedoch im weiteren Verlauf weniger die biografischen Deteils von Shams Leben interessant, sondern vielmehr die Hinweise auf das Leben im Irak unter Saddam Hussein. Davon erfuhr man in den Medien wenig und wird hier ein wenig mehr aufgeklärt. Leider wird aber die Lebensgeschichte aus aneinandergereihten Anekdoten eher langweilig und fad erzählt. Das Buch hat einige Längen, die obsolet erscheinen. Erst ganz zum Ende hin wir der Erzählstil und die Plotentwicklung wieder etwas aufregender und ideenreicher.

Insgesamt handelt es sich hier um einen guten Roman, der jedoch sowohl sprachlich als auch im Spannungsbogen noch Luft noach oben gehabt hätte. Nach der Lektüre ist man nicht dümmer geworden und hat eventuell die Anregung bekommen, andere, detailiertere Bücher über die Zeitgeschichte des Irak zu lesen.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Sehr guter Einstieg, dann aber nur lauwarm umgesetzt

Ein wenig Glaube
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Nickolas Butler zeichnet in seinem Buch eine Welt, die - zumindest für uns Deutsche - ur-amerikanisch erscheint. Der 65jährige Lyle lebt in einer Kleinstadt in Wisconsin, arbeitet auf einer Apfelfarm, ...

Nickolas Butler zeichnet in seinem Buch eine Welt, die - zumindest für uns Deutsche - ur-amerikanisch erscheint. Der 65jährige Lyle lebt in einer Kleinstadt in Wisconsin, arbeitet auf einer Apfelfarm, trifft sich mit seinen Kumpels und trinkt dazu ein Bierchen. Sonntags geht er mit seiner Frau in die Kirche. Nun kommt in diesers Lebensmodell die Mitte 20jährige Tochter mit ihrem 5jährigen Sohn Isaac. Die Tochter gehört einer extremen Glaubensgemeinschaft an, die im Klappentext und auch einmal im Buch "Sekte" genannt wird, eigentlich aber kaum unterscheidbar wirkt von Evangelikalen Christen in den USA.


So dreht sich der Roman durchgängig um das Leben von Lyle und hauptsächlich seine Einstellung zum Thema Glaube und Religion. Der Spannungsbogen wird dabei leider nicht sehr straff gespannt. Die Geschichte dümpelt eher lauwarm vor sich hin, nachdem ein feinfühliger Einstieg zur Opa-Enkel-Beziehung mehr verspricht. Man wartet die ganze Zeit darauf, dass etwas passiert, aber es passiert nur wenig. Die Figuren kommen nur selten und dann recht schleppend in Aktion. Dabei gewinnt der Plot nur an wenig Tiefe, man bindet sich nicht sonderlich an die Figuren.


Ab und an musste ich an Kent Harufs "Unsere Seelen bei Nacht" aufgrund der Figurenkonstellation und dem sozialen Milieu denken. Nur schafft dieser auf nur 200 Seiten eine starke emotionale Dichte herzustellen, was Butler so leider nicht gelingt. Bezüglich der Glaubensthematik musste ich wiederum an den kürzlich gelesenen James Baldwin mit seinem Meisterwerk "Von dieser Welt" denken. Hier schafft dieser dem antheistischen Leser eine extreme Glaubensgemeinschaft nahezubringen, was Butler auch nur mäßig gelingt.


So bleibt dieser Roman leider insgesamt nur mittelmäßig und hinter anderen Autoren weit zurück.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Leider zu kurz geraten und damit emotionale Tiefe eingebüßt

Wie die Freiheit schmeckt
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Tamika Campbell hat so einiges in ihrem Leben erlebt, leider zum größten Teil psychische und physische Gewalt, Missbrauch und die Abwesenheit von bedingungsloser Liebe. Umso unglaublicher, wie diese Person ...

Tamika Campbell hat so einiges in ihrem Leben erlebt, leider zum größten Teil psychische und physische Gewalt, Missbrauch und die Abwesenheit von bedingungsloser Liebe. Umso unglaublicher, wie diese Person trotzdem so erfolgreich ihren eigenen Weg gehen konnte.

Leider wird dieser Weg - sowohl innerhalb der Sekte, als auch heraus und danach - nur im Zeitraffer erzählt. Ganz selten verweilen wir in einer einzelnen Lebensituation und erfahren mehr über die Gefühls- und Gedankenwelt der Autorin. So kommt dem Buch leider die emotionale Tiefe abhanden, die diese Lebensgeschichte eigentlich für den Leser haben könnte. Auch fehlen detailierte Beschreibungen, sodass das innere Bild vom Leben in der Sekte etc. nicht so recht entstehen kann.

Sprachlich störten zu Beginn des Buches noch die zu häufig verwendeten umgangssprachlichen Formulierungen. Diese erscheinen im Zusammenhang mit der schrecklichen Geschichte irgendwie unpassend. Da stockte der Lesefluss, kam jedoch mit Fortschreiten des Textes - und Reduktion der Umgangssprache - wieder in Gang. Zuletzt, wenn es um den Weg in die Comedy-Szene geht, passen dann witzige Kommentare wieder gut inhaltlich in den Text.

Insgesamt eine bewegende Lebensgeschichte, wenn auch leider kein bewegendes Buch. Dafür fehlten die emotionale Tiefe. Aus meiner Sicht hätte das Buch auch gut doppelt so dick sein können und damit weniger abrupte Sprünge in der Biografie stattfinden müssen. Hier macht es als aktuelles Beispiel Deborah Feldman mit ihrem "Unorthodox" und "Überbitten" dem Leser leichter, mit ihr mitzufühlen und -fiebern.

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Veröffentlicht am 13.04.2026

Ausschnitt eines (potentiell) interessanten Autorinnenlebens

Ein Engel an meiner Tafel
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In der vorliegenden Autobiografie schreibt Janet Frame, neuseeländische Autorin (1924 bis 2004), über eine Zeit in ihrem Leben zwischen den Lebensjahren 20 und 35. Hauptsächlich geht es um ihre "Schizophrenie" ...

In der vorliegenden Autobiografie schreibt Janet Frame, neuseeländische Autorin (1924 bis 2004), über eine Zeit in ihrem Leben zwischen den Lebensjahren 20 und 35. Hauptsächlich geht es um ihre "Schizophrenie" sowie ihre Anfänge als Autorin.

Wer also eine vollständige Autobiografie erwartet, wird hier leider enttäuscht. Über die Kinderheit erfährt der Leser nur andeutungsweise ein paar wenige Einzelheiten, die früher Zwanziger werden sehr verworren geschildert, erst zum Ende hin bekommt das Buch eine Struktur. Sprachlich zeigt sich die Autorin durchaus poetisch, ihr Faible für Lyrik scheint durch. Inhaltlich war für mich vor allem der Aspekt der falsch diagnostizierten Schizophrenie und die darauffolgenden Klinikaufenthalte interessant. Und zwar nicht im Sinne der bereits zuhauf existierenden Psychiatrie-Horrorgeschichten von vor mehreren Jahrzehnten, sondern vielmehr weil die Autorin ehrlich zugibt, die Diagnose aktive genutzt zu haben und nicht vorhandene schizophrenietypische Symptome simuliert zu haben, um Aufmerksamkeit zunächst von Ärzten und später von Mitgliedern der Literaturbranche zu bekommen. Leider betont sie, abgesehen von dieser Offenbarung, ihre Opferrolle im Psychiatriesystem.

Schade, dass nicht ein größerer Zeitraum dieses interessanten Autorinnenlebens abgedeckt wird mit dem Buch. Hier muss man leider seine Neugier bei Wikipedia stillen.

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