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Veröffentlicht am 08.05.2026

Der Meta-Roman

Der unsichtbare Roman
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Was kann ich über diesen Roman schreiben, ohne den Klappentext (dieser zur Abwechslung mal recht treffend) zu wiederholen aber auch nicht zu viel zur Geschichte preiszugeben?

Poschenrieder verknotet in ...

Was kann ich über diesen Roman schreiben, ohne den Klappentext (dieser zur Abwechslung mal recht treffend) zu wiederholen aber auch nicht zu viel zur Geschichte preiszugeben?

Poschenrieder verknotet in seinem Roman geschickt Fakten mit Fiktion. In den letzten beiden Kriegsjahren des ersten Weltkriegs spielt dieses Werk und auch nicht. Es gibt Einschübe aus Archiven und Werken, entstanden bis ins aktuelle Jahrtausend. Er schreibt über das Schreiben und rückt dabei immer wieder hinauf in die Meta-Ebene. Einem Leser, dem die Akteure des Romans nicht bekannt sind vor dem Lesen, wird bis zum auflösenden, erklärenden Schluss einen knoten im Kopf haben. Einen guten Knoten. Sich fragen, was ist Wahrheit, was Fiktion.

Die Lektüre habe ich sehr genossen. In zwei Zügen war das Buch gelesen, die Seiten flogen nur so dahin.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Ein Feuerwerk der Sprache

Herzklappen von Johnson & Johnson
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Dieses Buch ist bezogen auf seine Sprache so erlesen wie ein Feuerwerk. Ständig knallt es, bunte Funken sprühen und man kann nur staunen ob der schriftstellerischen Fähigkeiten von Valerie Fritsch. Nur ...

Dieses Buch ist bezogen auf seine Sprache so erlesen wie ein Feuerwerk. Ständig knallt es, bunte Funken sprühen und man kann nur staunen ob der schriftstellerischen Fähigkeiten von Valerie Fritsch. Nur handelt es sich bei "Herzklappen von Johnson & Johnson" weniger um ein Feuerwerk bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele als viel mehr um ein Silvesterfeuerwerk. Was ist der Unterschied? Während das eine zeitlich sehr begrenzt und punktuell für Freude an der Schönheit sorgt, ist das andere langgezogen und irgendwann auch zu viel des Guten. Die ersten fünf Minuten mit all den Raketen freut man sich und staunt, die folgende halbe Stunde seiht es immer noch schön aus, aber langsam hat man auch genug und danach wird es einem eigentlich schon kalt draußen und man will wieder rein in die warme Stube, die anhaltenden Raketenstarts lösen keine kindliche Freude mehr aus.

Fritsch wirft in ihrem Buch mit grandiosen Sprachbildern um sich. Gefühlt (oder vielleicht sogar tatsächlich) steckt in jedem Satz eine Metapher. Die sprachlichen Vergleiche sind hochkarätig, keine Frage, nur leider zu dicht, zu viel, selbst auf nur 175 Seiten Text. Auch inhaltlich erzählt Frtisch die Geschichte von Almas Großeltern mit Kriegstraumata, Almas Beziehung zu Emils Vater, Emils Gendefekt, welcher das Fehlen von Schmerzempfindungen zur Folge hat und einem Roadtrip durch den ehemaligen Ostblock so dicht, dass nirgendwo ein Aufatmen dazwischen passt.

Insgesamt ist dieser Roman gekennzeichnet von einer überbordenden Sprache. Von der ersten Seite an ist jeder Satz schwer an Bedeutung und all diese Sätze sind unglaublich klug geschrieben. Ein Meisterwerk, das gleichzeitig zu viel Meisterwerk ist.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Für die geschundenen Frauen

Das Haus der Frauen
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Laetitia Colombani zeichnet in ihrem neuen Roman ein Blind von Frauen, welche in verschiedensten prekären Situationen leben und trotzdem immer weiter machen. Diese Frauen finden sich im "Palast der Frau" ...

Laetitia Colombani zeichnet in ihrem neuen Roman ein Blind von Frauen, welche in verschiedensten prekären Situationen leben und trotzdem immer weiter machen. Diese Frauen finden sich im "Palast der Frau" in Paris wieder, um Starthilfe in ein neues Leben zu bekommen.

Colombani erzählt in zwei Strängen. Der eine beginnt im Paris "heute" der andere im Paris des Jahres 1925. Es wird nicht nur die Geschichte der Staranwältin Solène sondern auch der Heilsarmee-Soldatin Blanche. Bei letzterer handelt es sich um eine historische Figur, welche tatsächlich unter höchster Kraftanstrengung eines der ersten Frauenhäuser gründete. Die beiden Erzählstränge werden flott vorangetrieben, der Roman liest sich flüssig, Colombani hat einen schönen Schreibstil. Eine wichtige Hauptrolle spielen hier jedoch auch die Frauen, welche im heutigen Frauenhaus leben. Deren verschiedene Geschichten erzählen sie Solène und der Leser und die Leserin bekommen einen kurzen Einblick in deren geschundene Seelen. Dieser Einblick hätte durchaus von der Autorin tiefer gestaltet werden können. Außerdem erscheint die Geschichte um Solène recht vorhersehbar und am Ende mir etwas zu rund.

Festhalten möchte ich die sehr liebevolle und ansprechende Gestaltung des Buches. Hier wird nicht mit runtergekommenen Klischees gearbeitet sondern durch die hochwertige Gestaltung den Frauen aus dem untersten Milieu der Gesellschaft Respekt gezollt.

Insgesamt ein sehr gutes und inhaltlich wichtiges Buch, welchem etwas mehr Tiefe und mehr Brüche gutgetan hätten.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Reiche ich an meiner Seite aus?

Ich an meiner Seite
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Birgit Birnbacher entwirft in ihrem Roman eine Studie zu dem erstverurteilten Straftäter Arthur, welcher seine Kindheit und Jugend in Spanien verbrachte und zurückgekeht nach Österreich straffällig wird. ...

Birgit Birnbacher entwirft in ihrem Roman eine Studie zu dem erstverurteilten Straftäter Arthur, welcher seine Kindheit und Jugend in Spanien verbrachte und zurückgekeht nach Österreich straffällig wird. Seine Lebensgeschichte sowie sein Weg hin zur Straftat und darüber hinaus in der Resozialisierung erzählt die Autorin in zeitlich und örtlich springenden Episoden aus dem Leben Arthurs.

Meines Erachtens schafft die Autorin durch ihre lakonische, punktgenaue Sprache, dass wir als Leser zwar ein starkes Interesse an der Geschichte Arthurs und Empathie zu ihm entwickeln, jedoch niemals melodramatisch um unser Mitgefühl gekämpft wird. Aufgrund der sympathischen Hauptfigur entwickelt sich dieses ganz von allein. Auch interessante, verschrobene Nebenfiguren entwirft die Autorin, welche leider bis zum Schluss des Buches ein wenig zu schemenhaft bleiben. Durch diese wird das Buch auch immer wieder aufgelockert und verstockt in Kombination mit der starken Sprache der Autorin nie vollends in dem ernsten Thema der Resozialisierung nach Strafvollzug.

Insgesamt besonders durch die lakonische Sprache der Autorin ein sehr gutes, empfehlenswertes Buch.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Ganz anders als erwartet

Die Tanzenden
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In diesem Roman erwartet die Lesenden viel mehr, als der Klappentext verspricht. Merkwürdig, meist ist es andersherum: Es wird zu viel versprochen, was dann nicht gehalten werden kann.

Die Geschichte ...

In diesem Roman erwartet die Lesenden viel mehr, als der Klappentext verspricht. Merkwürdig, meist ist es andersherum: Es wird zu viel versprochen, was dann nicht gehalten werden kann.

Die Geschichte um die kluge, aufmüpfige Eugénie, welche im Paris des Fin de Ciécle Visionen von Geistern hat und daraufhin im Irrenhaus landet, sowie die dienstälteste Krankenschwester dort Geneviève, als Hauptfiguren ist klug und vor allem zügig erzählt. Interessante Wendungen in der Geschichte, lassen die Leserschaft ständig eigene Überzeugungen zu geistiger Gesundheit und Wahnsinn hinterfragen. Die Geschichte zeigt brutale, ungerechte Handlungen gegen Frauen, bleibt währenddessen jedoch stets kurzweilig. Das klingt im ersten Moment widersinnig, fasst den Schreibstil der Autorin jedoch am besten zusammen. Atemlos zieht man diesen Pageturner ein, dem man höchstens vorwerfen könnte, dass er etwas zu direkt, zu plakativ die gesellschaftlichen Missstände der damaligen Zeit ausformuliert, ohne den Lesern viel Interpretationsspielraum zu lassen.

Insgesamt hat mir die Lektüre dieses Romans von Victoria Mas sehr gut gefallen. Die Geschichte ist sowohl informativ als auch spannend erzählt.

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