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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.05.2026

Kurioses Beziehungsexperiment, größtenteils interessant beschrieben.

Das Girlfriend-Experiment
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Wieder einmal kann man dem Klappentext nicht trauen. Auch wenn er grundsätzlich kein Unwahrheiten offeriert, wenn er beschreibt, dass es im Roman um einen Schauspieler geht, der ein kurioses Beziehungsexperiment ...

Wieder einmal kann man dem Klappentext nicht trauen. Auch wenn er grundsätzlich kein Unwahrheiten offeriert, wenn er beschreibt, dass es im Roman um einen Schauspieler geht, der ein kurioses Beziehungsexperiment startet, so steckt vor allem zu Beginn viel mehr in diesem Roman von Catherine Lacey.

Das Buch wir in drei Abschnitte unterteilt. Im ersten und dritten wird nämlich in der Ich-Perspektive aus Sicht von Mary berichtet, welche im Experiment zu Kurts (der Schauspieler) "emotionaler Freundin" wird. Hier erfahren wir sehr viel zu deren lebensgeschichtlichen Erfahrungen. Die ersten 100 Seiten geht es also erst einmal gar nicht um Kurt sondern ausschließlich um Mary. Ein sehr tiefgründiger Blick in das Leben einer aus der Zeit gefallen scheinenden Frau von 30 Jahren. Im mittleren Teil wird aus der Perspektive verschiedener Protagonisten und Protagonistinnen erzählt. Das Experiment nimmt Form an. Man muss sich aber erst einmal während des Lesens umstellen und vermisst direkt die tiefgründige Erzählweise von Mary.

Der Plot insgesamt ist hochskurril und sicherlich nicht jedermanns/jederfraus Sache. Was er jedoch an verschiedenen Stellen aufzeigt, wie viel sich Männer herausnehmen, was sie einfach mit Frauen machen dürfen, was sie verlangen können, wie diese zu sein haben und wie nicht. Intelligent zum Beispiel dürfen sie nicht sein, aber gern mütterlich kümmernd. Was durch eine interessante Charakterstudie an Mary beginnt lässt leider über das Buch hinweg nach. Am Ende weiß ich leider nicht mehr so richtig, was die Autorin vermitteln möchte. Und die letzten zwei drei Seiten scheinen mir vollkommen wirr und redundant.

Insgesamt handelt es sich trotzdem um ein Buch, was mich gefesselt hat. Der deutsche Titel sowie das Cover wirken mir zu "girly-like", wenngleich mich die Illustration der Catherine Hepburn (oder zumindest einer Frau, die ihr bestechend ähnlich sieht) angesprochen und dazu geführt hat, dass ich mehr Interesse am Buch zeigte, als dies normalerweise der Fall bei solch einem Titel gewesen wäre.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Ein sehr gutes Buch, welches man gar nicht mehr weglegen möchte

Der Sprung
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In Simone Lapperts Roman bekommen wir in einem sehr definierten Zeitraum von drei Tagen die Seelenwelt von zehn verschiedenen Personen, die - mal direkter mal indirekter - mit dem drohenden Sprung einer ...

In Simone Lapperts Roman bekommen wir in einem sehr definierten Zeitraum von drei Tagen die Seelenwelt von zehn verschiedenen Personen, die - mal direkter mal indirekter - mit dem drohenden Sprung einer jungen Frau von einem Hausdach zu tun haben.

Da in jedem Kapitel aus Sicht der jeweiligen Person erzählt wird, bekommen wir langsam einen Einblick in das Netz, welches sich zwischen den Personen spannt. Dieses Netz und auch die Erzählung als solche baut Lappert hochspannend auf, sodass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Sie verwendet eine einfache Sprache, die trotzdem eine starke Doppelbödigkeit aufweißt und häufig in einfachen Beobachtungen eine Vielzahl ein Deutungen zulässt. Das empathische Mitschwingen mit den Akteuren fällt bei der Schreibkunst der Autorin nicht schwer.

Leider ist mir der dritte und damit letzte Teil des Buches etwas zu kurz geraten. Liebgewonnene Charaktere tauchen nicht mehr - oder lediglich als Randnotiz - wieder auf, Handlungsstränge werden fallen gelassen. Insgesamt hätte ich mir im letzten Abschnitt 30-50 Seiten mehr gewünscht. Es muss nicht jede Geschichte zuende erzählt werden, aber nachdem wir so sehr in die Psyche der Beteiligten geblickt haben, wurden sie mir dann doch zu schnell abgefertigt.

Schlussendlich finde ich das Buch trotzdem großartig und definitiv empfehlenswert. Ich war gebannt vom Geschehen und wollte das Buch gar nicht mehr weglegen.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Glaube keinem Klappentext

Die Altruisten
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Dieser Roman hielt einiges im Petto, was ich so nicht erwartet hätte. Aber auf Anfang: Dreh- und Angelpunkt der Erzählung ist nicht, wie vermutet das Familientreffen der drei hinterbliebenen Alters, nein ...

Dieser Roman hielt einiges im Petto, was ich so nicht erwartet hätte. Aber auf Anfang: Dreh- und Angelpunkt der Erzählung ist nicht, wie vermutet das Familientreffen der drei hinterbliebenen Alters, nein hauptsächlich nutzt der Autor den Roman, um mithilfe von Rückblenden die Befindlichkeiten und psychischen Probleme der einzelnen Protagonisten und ihre Beziehungen untereinander aufzudröseln.

Mir hat dieser Ansatz sehr gut gefallen. Der Autor scheint ein fundiertes psychologisches Fachwissen zu besitzen, da seine Herleitungen der verschiedenen Persönlichkeitsstile durchweg nachvollziehbar und korrekt aufgebaut sind. Was für manch einen leser überzogen wirken kann, gibt es mitunter tatsächlich in diesem Ausmaß in der Realität. Über die ersten Kapitel hinweg schafft es der Autor eine massive Antipathie gegenüber den Familienmitgliedern aufzubauen, was aus meiner Sicht eine literarische Glanzleistung darstellt. Stilistisch verwendet der Autor eine sehr bildhafte, adjektivgetragene Sprache, welche bei mir eine tolle Imagination hervorgerufen hat. Auch empfinde ich das Cover als sehr ansehnlich und äußerst passend zur Geschichte.

Ich ziehe dem Buch trotz meiner Begeisterung dafür einen Punkt ab, da der Übersetzer an einigen Stellen wirklich kurios gearbeitet hat. Besonders im Amerikanischen typische Eigennamen wurden übernommen, ohne eine Umschreibung zum Verständnis zu nutzen. Zum Beispiel ist die Rede davon, dass eine Person eine andere auf dem "Quad" gesehen hat. Erst später erschließt sich, dass nicht das im Deutschen bekannt Fahrzeug, sondern die quadratische Rasenfläche (quadrangle) im Inneren eines Collagecampus gemeint ist. Der Text strotzt vor solchen Begrifflichkeiten, die das Lesen leider zum Stocken bringen.

Insgesamt gefällt mir dieses Buch ausgesprochen gut. Ich würde es vor allem anderen Psychologen empfehlen. Sie würden sicherlich mit Interesse das Buch verschlingen.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Ausgeklügelt, weitreichend, spannend

In unseren Herzen die Welt
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In diesem ersten Roman von Virgil Kane verhandelt der Autor eine Vielzahl an Themen aus aktuellen Gesellschaftsdebatten, wobei das Hauptaugenmerk auf der Definition von Leben im Rahmen einer zunehmenden ...

In diesem ersten Roman von Virgil Kane verhandelt der Autor eine Vielzahl an Themen aus aktuellen Gesellschaftsdebatten, wobei das Hauptaugenmerk auf der Definition von Leben im Rahmen einer zunehmenden Vitualisierung liegt. Dabei erfahren wir Schritt für Schritt - oder besser "Protokoll um Protokoll" - mehr von einzelnen Akteuren, welche alle durch verschiedene, schicksalhafte Ereignisse miteinander verbunden sind. Besonders die ersten beiden Personen Phil und Katy begleiten wir im Buch besonders lang und ausführlich. Phil, der durch das Platzen eines Hirnaneurysmas mit einer stark veränderten Persönlichkeit erwacht, Katy die ihn später auch noch zusätzlich in einen Unfall verwickelt. Weitere Personen, die am Ende an der "Katastrophe" teilhaben, welche bereits im Klappentext benannt wird, treten ebenso auf und vervollständigen das Puzzle der Geschehnisse.

Die Erzählstimmen der unterschiedlichen Charaktere variiert angenehm zwischen den Personen, der Schreibstil des Autors ist sprachlich stets ansprechend. Leider ist aus meiner Sicht das erste Kapitel mit allein 252 Seiten zu umfangreich geraten. Der Ich-Erzähler schweift mitunter doch stark aus in seinen Schilderungen und Gedankengängen, sodass man kaummehr von einem "Protokoll" sprechen kann. Außerdem wird einem Erzählstrang um die Person Ahmed sehr viel Raum gegeben, der so nicht notwendig gewesen wäre. So wird das Lesen dieses ersten Drittels des Buches doch mitunter zäh. Dies verändert sich sofort mit dem Beginn des zweiten Kapitels um Katy. Dieses ist inhaltlich rasant erzählt und so spannend und mitreißend, dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Wobei man es manchmal regelrecht aus der Hand legen muss...bei fast 700 Seiten und einem Kampfgewicht von 1 kg! Aus meiner Sicht hätte im ersten Drittel ungefähr die Hälfte der Seiten eingespart werden können, um das Buch insgesamt etwas knackiger werden zu lassen.

Die letzten beiden Drittel des Buches lesen sich zügig weg, der Leser wird mitgerissen und es gibt viele Ideen, Hypothesen und philosophische Gedankengänge geboten, die den eigenen Neokortex anregen.
So interessant, wie die Buchunterschrift "Die van Pelt Protokolle" auch klingen mag; es handelt sich nicht um Protokolle, die wir hier lesen. Es wird gezielt die vierte Wand durchbrochen und der Leser demnach direkt angesprochen. Außerdem äußern die Protagonisten viele subjektive Gedankengänge oder Fantasiereisen, die zum eigentlich "Tathergang" nicht beitragen. Das macht das Lesen abwechslungsreicher und ist auch gut so; passt aber eben nicht zu klassischen Protokollen. Auch vermittelt der letzte Satz des Klappentextes ("Diese [Theorien über Hergang und Auslöser] schlussendlich zu beweisen, gelang den Ermittlungsbehörden jedoch bis heute nicht.") ein ungenaues Bild von der Art des Romans. Durch diesen Satz, könnte man schnell denken, es handle sich um eine Art Krimi. So ist es keinesfalls. Ich würde das Buch eher als Kontemplation über gesellschaftsrelevante Themen mit viel Spannung beschreiben. Klingt natürlich nicht so knackig. Das Cover erscheint meines Erachtens auch nicht vollends zu passen, da es recht romantisch wirkt.

Nichtsdestotrotz handelt es sich hier um ein gelungenes Erstlingswerk, welches ich definitiv grundsätzlich und im Speziellen Lesern empfehlen möchte, die z.B. Filme wie "Transcendence" oder "Der Mann mit zwei Gehirnen" mochten. Was nun Johnny Depp mit Steve Martin zu tun hat, müsst ihr euch schon selbst er-lesen :P

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Na toll... jetzt möchte ich auch einen Daemon haben.

His Dark Materials 1: Der Goldene Kompass
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Der erste Band dieser dreiteiligen Fantasy-Abenteuer-Saga spielt in einer Welt, welche zwar als "unserer sehr ähnlich" benannt wird, jedoch eher einem Steampunk-Universum um die Jahrhundertwende 1900 ähnelt. ...

Der erste Band dieser dreiteiligen Fantasy-Abenteuer-Saga spielt in einer Welt, welche zwar als "unserer sehr ähnlich" benannt wird, jedoch eher einem Steampunk-Universum um die Jahrhundertwende 1900 ähnelt. Lyra muss mit ihrem Daemon - einem tierischen Begleiter und Seelenfreund - viele Abenteuer bestehen und dafür weit in den Norden reisen. Die Freundschaft mit einem kräftigen Bären, lässt den geneigten leser sich nicht nur einen Daemon wünschen, sondern auch gleich noch einen tollen Eisbären mit dazu.

Pullman schreibt eindeutig nicht nur für Kinder und Jugendliche. Sein Schreibstil, die Figuren sowie die Inhalte können definitiv auch Erwachsene in ihren Bann ziehen. Dieses Buch wollte ich kaum aus der Hand legen. Es ist von Beginn an spannend geschrieben und entführt die Fantasie der Leser bis zum Schluss in eine interessante Welt.

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