„Pipeline“ kommt nicht in den Fluss
Pipeline„Pipeline“, ein Thriller von Lucas Fassnacht, erschienen 2026 bei Ars Vivendi und vom Verlag angepriesen als Umweltkrimi der Extraklasse, verfolgt ein spannendes Thema, ist jedoch in der Ausgestaltung ...
„Pipeline“, ein Thriller von Lucas Fassnacht, erschienen 2026 bei Ars Vivendi und vom Verlag angepriesen als Umweltkrimi der Extraklasse, verfolgt ein spannendes Thema, ist jedoch in der Ausgestaltung leider viel zu verwirrend konstruiert, so dass zu keinem Zeitpunkt wirklicher Lesefluss aufkommen kann.
Hinter dem wirklich gut gelungen Cover liegt auf knapp 350 Seiten eine Handlung verborgen, der Vereinfachung insbesondere im Figurenpersonal gutgetan hätte.
Die Firma Vogt baut in Frankreich eine Pipeline, um dortige Atomkraftwerke mit Kühlwasser zu versorgen – notwendig wurde dies durch den Klimawandel, durch den die Flüsse nicht mehr genug Wasser führen, als das dieses genutzt werden könnte. So weit, so übersichtlich, kämen nicht Großkonzerne und ihre Machenschaften hinzu, was einen Anschlag auf die Pipeline zur Folge hat, was eine Bauverzögerung zur Folge hat, was einen ganzen Roman zur Folge hat, dessen Handlung allerdings in keinem glaubhaften Verhältnis zu Anlass steht.
Schnell wird beispielsweise klar, dass der ökologisch-energetische Konflikt wahrscheinlich nur die Oberfläche des Thrillers darstellt und dass darunter noch eine menschliche Tragödie liegt, die wahrscheinlich viel weiter greift. Nur verliert der Autor diese zum Ende hin dann auch wieder komplett aus dem Auge. Die Protagonistin Cecilia Thoma stolpert bis zum Ende unglaubwürdig erst in die Handlung, dann durch sie hindurch und wieder hinaus. Dabei verhält sie sich weitestgehend nicht nachvollziehbar und lernt auch nicht hinzu. Umgeben ist sie von einem wirklich riesigen Personal – und das ein Teil davon auch noch Alias-Namen trägt, macht die Sache nicht besser. Die Kapitel sind sehr kurz, eigentlich gut, nur wechselt mit jedem Kapitel Personal und Ort. Es kann nicht meine Aufgabe als lesende Person sein, mir das alles mitschreiben zu müssen, um noch irgendwas zu verstehen. Dann muss auch noch Rechtsradikalismus und Gangmentalität rein, schnell noch ein paar Leichen, Klimawandel, Uran im Grundwasser, ich war einfach draußen. Leider nicht mein Buch. Hier hätte eine Konzentration auf deutlich weniger wahrscheinlich einen guten Thriller entstehen lassen können, so blieben die Figuren alle hölzern, oberflächlich und irgendwie motivationslos. Die Auflösung erfolgt eher mit dem Holzhammer.
Dabei kann Lucas Fassnacht schreiben, immer wieder blitzt sogar großartiger Sprachwitz auf. Leider konzentriert er sich zu sehr auf eine thematische Konstruktion, anstatt seine Figuren wirklich lebendig werden zu lassen und mit Tiefe auszustatten. Daran zerbricht der eigentlich gut gedachte Thriller, weil die Figuren austauschbar sind und nicht im Gedächtnis bleiben und ganze Stränge verzichtbar wären. Schade, hier wäre mehr drin gewesen.