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Veröffentlicht am 27.08.2018

Hochoptimierte neue Welt

Die Hochhausspringerin
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Wie könnte sich unsere Welt irgendwann einmal entwickeln? Autorin Julia von Lucadou gibt auf diese Frage eine ziemlich düstere Antwort. Dabei leben die, die es geschafft haben, in ihrer Dystopie „Die Hochhausspringerin“ ...

Wie könnte sich unsere Welt irgendwann einmal entwickeln? Autorin Julia von Lucadou gibt auf diese Frage eine ziemlich düstere Antwort. Dabei leben die, die es geschafft haben, in ihrer Dystopie „Die Hochhausspringerin“ in einer funkelnden Stadt voller strahlender Wolkenkratzer. Ihr Leben ist perfekt durchorganisiert und hocheffizient geregelt. Die Erfolgreichen gehen den Jobs nach, für die sie am besten geeignet sind, treffen die potentiellen Beziehungspartner, die ein Algorithmus für sie auswählt und betreiben zur Entspannung ein eigens auf den Einzelnen zugeschnittenes Fitness- und Meditationsprogramm. Das Leben in der Stadt könnte leicht sein – wenn man sich nach den Wünschen des Systems optimiert steuern lässt. Gerade das aber verweigert Riva, eine seit ihrer Kindheit höchst erfolgreiche Hochhausspringerin, von einem Tag auf den anderen. Sie will ihrem Hochleistungssport – Sprünge von Wolkenkratzern im Flysuit, Performances von akrobatischen Figuren im freien Fall und Wiederaufschwingen in der letzten Millisekunde vor dem Aufprall – nicht weiter nachgehen und lässt sich auch von dem drohenden Verlust ihrer Privilegien nicht umstimmen. Die Wirtschaftspsychologin Hitomi wird auf Riva angesetzt und versucht, unter anderem durch lückenlose Videoüberwachung – die in dieser schönen neuen Welt quasi zum Standard gehört – die Motive der Sportlerin zu ergründen. Sie gerät dabei mehr und mehr unter Druck, denn was Riva in ihrer Lethargie nicht zu schrecken scheint – eine Ausweisung aus der Stadt und ein Leben in den Peripherien mit all denjenigen, die es (noch) nicht geschafft haben – ist für Hitomi ein absoluter Alptraum, der jedoch wahr zu werden droht, wenn sie ihren Auftrag, Riva wieder auf Spur zu setzen, nicht erfüllt.

„Die Hochhausspringerin“ handelt von diesen beiden unterschiedlichen Frauen. Ihre geschilderte, in allen Bereichen durchoptimierte Realität ist quasi Beiwerk, sie wird nicht groß vorgestellt, sondern eröffnet sich dem Leser nur nach und nach durch Randbemerkungen. Gerade das fand ich extrem gelungen; zwar ist das System dadurch nicht komplett durchschaubar, aber als Leser erfährt man genug, um die Geschichte nachzuvollziehen – und sich bei dem Gedanken, dass es wirklich mal so kommen könnte, gehörig zu gruseln. Braucht Hitomi ein paar freundliche Worte, ruft sie einen „Mutterbot“ an – eine Hotline, bei der eine Computerstimme auf Wunsch die liebevollen Reaktionen einer besorgten Mutter imitiert. Trifft sie einen potentiellen Partner, folgt danach die gegenseitige Bewertung im Internet. Kommt sie übermüdet zur Arbeit, ist ihr Chef schon über die Dauer und Erholsamkeit ihres Schlafes informiert. Lucadou hat einen absoluten Überwachungsstaat entworfen – zum Wohle der Gesellschaft und zum Besten des jeweiligen optimierten Individuums. Oder?

Die Dystopie bringt zum Nachdenken: Bringt Perfektion Glück? Wie wichtig ist die Freiheit des Einzelnen? Was macht ein gelungenes Leben aus? Ich fand dieses Gedankenexperiment hochspannend und habe die Entwicklung der Protagonisten gebannt verfolgt. Es bleibt die Frage, wie gut man selbst darin wäre, sich an ein derartig lückenlos optimiertes Leben und ein rein leistungsorientiertes System anzupassen. Und die Erkenntnis, dass das gar nicht in allen Bereichen so weit weg ist, wie man hoffen würde.

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Veröffentlicht am 19.02.2018

Auf den Hund gekommen

Hilde
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Ich habe bereits einige Bücher von Ildikó von Kürthy gelesen, war aber dennoch skeptisch, als mir eine Freundin „Hilde“ in die Hand drückte. Statt eines Hundes habe ich eine Tierhaarallergie und hatte ...

Ich habe bereits einige Bücher von Ildikó von Kürthy gelesen, war aber dennoch skeptisch, als mir eine Freundin „Hilde“ in die Hand drückte. Statt eines Hundes habe ich eine Tierhaarallergie und hatte daher den Eindruck, nicht zur Zielgruppe zu gehören. Doch als ich das Buch dann mal zur Hand nahm, habe ich es ratzfatz ausgelesen – und war zu meinem eigenen Erstaunen sehr amüsiert! Frau von Kürthy schafft sich nicht einfach einen Hund an, sondern sie lässt den Leser in bewährter Manier an ihrem Seelenleben teilhaben: Hoffnungen, Wünsche, Ängste … Bereits beim Kauf von „Hilde“ ist man als Leser dabei und bekommt schnell ungeschönte Einsichten in das Leben einer Neu-Welpenmutter: Kleine Hunde sind auch nur Babys, die einen an den Rande eines Nervenzusammenbruchs bringen können, andere Hundebesitzer neigen zum Besserwissen und eigentlich gibt es kaum Menschen, die die Tiere komplett kalt lassen. Frau von Kürthy begegnet in jedem Fall ständig Hundefreunden und Hundehassern, da kann man als Leser kaum anders, als mitzufühlen. Ihre Erlebnisse in den Kursen, die sie mit und ohne Hilde aufsucht, haben mich dagegen von Zeit zu Zeit laut auflachen lassen: Von verschiedenen Hundegruppen bis hin zur Tier-Telepathie probiert sie alles Mögliche aus, auch Hundecoach Martin Rütter kommt zu Wort. Ildikó von Kürthy hat in ihrem ersten Jahr mit Hilde jede Menger unterschiedlichster Erfahrungen gesammelt und es hat mir Spaß gemacht, sie dabei zu begleiten. Auch den ein oder anderen mir bekannten Hundebesitzer sehe ich jetzt mit ganz neuen Augen. Sollte ich je mit der Anschaffung eines Hundes liebäugeln, weiß ich nun auf jeden Fall besser, was auf mich zukommt … und stellenweise auch, was ich lieber lassen sollte. Ildikó von Kürthy hat (fast) alles ausprobiert, ohne sich und Hilde zu schonen. Und ist dabei doch immer bemüht, Hilde einen Hund sein zu lassen und sie nicht zu vermenschlichen. Mich hat ihr erstes Jahr mit Hilde überraschend gefesselt!

Veröffentlicht am 25.07.2026

Was wäre wenn …

Die Namen
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Ein Baby ist geboren und die Mutter mit ihm und der großen Schwester auf dem Weg zum Amt, um die Geburtsurkunde zu beantragen. Für den Vater war schon immer klar, dass er seinem Stammhalter seinen eigenen ...

Ein Baby ist geboren und die Mutter mit ihm und der großen Schwester auf dem Weg zum Amt, um die Geburtsurkunde zu beantragen. Für den Vater war schon immer klar, dass er seinem Stammhalter seinen eigenen Namen Gordon weitervererben wird. Die Mutter präferiert insgeheim Julian. Die neunjährige Maia fände „Bear“ am passendsten für ihr kleines Brüderchen. Im Folgenden wechseln sich Kapitel ab, die das weitere Leben des Jungen und seiner Familie erzählen: Erst Bear, dann Julian, dann Gordon; ein Zeitsprung von sieben Jahren und erneut erst Bear, dann Julian und Gordon … vom Geburtsjahr 1987 bis 2022. Wie unterschiedlich kann sich ein Leben aufgrund des gewählten Vornamens entwickeln? Der Buchumschlag erweckt den Eindruck, dass das die Kernfrage dieses Romans ist. Allerdings wird der Lebensweg von Bear/Julian/Gordon vor allem von häuslicher Gewalt beeinflusst. Der Titelseite ist eine kleine „Content Note“ vorangestellt, die ich vollkommen überlesen hatte. Dementsprechend hat mich das Thema kalt erwischt. Und ich fühlte mich auch etwas getäuscht, denn die Namensgebung hätte vermutlich einen weitaus geringeren Einfluss gehabt, wenn der Vater des Jungen kein sadistischer Choleriker gewesen wäre.

Abgesehen davon ist der der Roman durchaus fesselnd. Die drei Lebens-Varianten der Hauptfigur entwickeln sich sehr unterschiedlich; sowohl sein Leben als auch das seiner Familienmitglieder verläuft zum Teil gänzlich anders. Die Beziehungen zueinander variieren, manche Randfiguren spielen in einer Version plötzlich Hauptrollen. Der Gedanke, dass sich die Wege von einigen Menschen auf jeden Fall kreuzen und das Ganze mal so und mal ganz anders ausgeht, ist charmant; das komplette Gedankenexperiment fand ich spannend. Dadurch, dass der Roman dreigeteilt ist, bin ich allerdings nicht ganz so tief eingestiegen wie es sonst der Fall gewesen wäre. Vieles wurde notgedrungen im Schnelldurchlauf erzählt, vielen Charakteren hätte ich mehr Raum gewünscht. Trotzdem ist „Die Namen“ ein lesenswerter Roman, der mich immer noch beschäftigt.

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Veröffentlicht am 10.05.2026

Die Berserkerin

Das letzte Buch von Marceau Miller
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Ein unter dem Pseudonym Marceau Miller geschriebener Roman, der gleichzeitig „Das letzte Buch von Marceau Miller“ heißt (und es definitiv auch ist, denn Protagonist Marceau Miller stürzt bereits im Prolog ...

Ein unter dem Pseudonym Marceau Miller geschriebener Roman, der gleichzeitig „Das letzte Buch von Marceau Miller“ heißt (und es definitiv auch ist, denn Protagonist Marceau Miller stürzt bereits im Prolog in den Tod): Schon diese Ausgangskonstellation hat mich neugierig gemacht. Wer ist Marceau Miller?
Welcher, nach eigenen Angaben, „Schriftsteller und Drehbuchautor“ das Pseudonym benutzt, weiß ich auch nach der Lektüre nicht. Was zu Marceau Millers Tod geführt hat, wird gegen Ende des Romans aber schließlich enthüllt – in einem furiosen Finale, nachdem die Frau des Bestsellerautors wie eine Berserkerin durch die Kapitel gewütet ist. Sarah Miller ist die eigentliche Hauptfigur, eine Frau voller Schmerz, Wut und Unverständnis (Marceau ist während einer Free-Solo-Tour abgestürzt, obwohl er versprochen hatte, nicht mehr ungesichert zu klettern). Zu Beginn des Buches fühlte sich ihr Fühlen und Denken für mich irgendwie unstimmig an, doch das legte sich. Nachdem Marceaus Tod feststeht, ist Sarahs Welt komplett aus den Fugen und sie versucht, ohne Rücksicht auf Verluste, die Geheimnisse ihres verstorbenen Mannes aufzudecken. Und ohne Rücksicht auf ihre 10- und 12-jährigen Kinder, die nur eine Nebenrolle spielen. Für ihr Umfeld ist das äußerst anstrengend und für mich als Leserin war es mitunter auch strapaziös, wie Sarah sich immer wieder in Gefahrensituationen stürzt, ohne nachzudenken, vor Gesprächen davonläuft und das meiste mit sich selbst ausmacht. Sarah wütet und rast durch die beschauliche Landschaft rund um den Genfersee und ich war ganz froh, dass es ab und zu etwas Entspannung durch eine andere Perspektive und Kapitel des letzten Romans von Marceau Miller gab. Dass die Auflösung des Buches mich dann so überzeugt, hatte ich nicht mehr erwartet – sie wirkt nicht weit hergeholt, doch ich wäre nie im Leben von alleine darauf gekommen. Deswegen doch vier Sterne für Marceau Miller.

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Veröffentlicht am 03.05.2026

Spaßiger Sammelband mit toller Ausstattung

Der kleine Rabe Socke: Noch eine Geschichte, bitte-danke!
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Wer kann diesem Schelm schon etwas übelnehmen? Verschmitzt schaut der kleine Rabe Socke vom Cover dieser dicken Geschichtensammlung; der Hintergrund ist so rot-weiß gekringelt wie seine Socke. Im Inhaltsverzeichnis ...

Wer kann diesem Schelm schon etwas übelnehmen? Verschmitzt schaut der kleine Rabe Socke vom Cover dieser dicken Geschichtensammlung; der Hintergrund ist so rot-weiß gekringelt wie seine Socke. Im Inhaltsverzeichnis sind dann 30 Geschichten im typischen Rabe-Socke-Stil aufgelistet, von „Alles in Ordnung!“ bis „Alles getauscht!“ Bei der Orientierung helfen die kleinen Bildchen neben jedem Titel, anhand derer meine Kinder schnell ihre Lieblingsgeschichten identifizieren. Toll finden sie außerdem den Farbschnitt (hellblau mit Ringelsocken) und das Lesebändchen – beides kennen sie sonst höchstens von Erwachsenenromanen und finden es super, dass eins ihrer Bücher auch mal so ein stylisches Beiwerk hat.
Die Geschichten kannten wir zum Teil bereits aus Pixis oder anderen Rabe-Socke-Bilderbüchern – das ist aber nicht erstaunlich, schließlich sind hier laut Titel keine brandneuen, sondern die 30 „allerbesten“ Geschichten zusammengetragen. Themen-Evergreens wie Geburtstag, Winter und Schule finden sich; vor allem letzteres kam bei meinen Kindern sehr gut an. Aber eigentlich gefallen uns alle Geschichten super. Am Ende des Buches gibt es noch fünf Fragen zu jeder Geschichte, die allerdings bei uns bislang nicht zum Einsatz kamen – es kommt mir so unterrichtsmäßig vor, nach dem Vorlesen einer Geschichte vorformulierte Verständnisfragen zu stellen.
Unser Mini-Kritikpunkt: Manchmal hätten wir uns mehr bzw. andere Illustrationen zu den Geschichten gewünscht. So spielt gleich in der ersten Geschichte ein kunterbuntes Blumenbeet eine Rolle, das meine Kinder zu gern gesehen hätten, aber es gibt leider kein Bild dazu. Die vorhandenen Illustrationen sind in gewohnter Rabe-Socke-Manier sehr schön und gelungen. Ein toller Geschichtenschatz, von dem man lange etwas hat.

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