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Maria_12

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.05.2026

Die Fahrt der inneren Befreiung

Grüne Welle
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„Grüne Welle“ von Esther Schüttpelz erzählt auf poetische und mitreißende Weise davon, dass wir uns im Leben immer wieder neu entscheiden müssen – und auch neu entscheiden können: für einen anderen Weg, ...

„Grüne Welle“ von Esther Schüttpelz erzählt auf poetische und mitreißende Weise davon, dass wir uns im Leben immer wieder neu entscheiden müssen – und auch neu entscheiden können: für einen anderen Weg, ein anderes Leben und mit anderen Menschen an unserer Seite.

Im Mittelpunkt steht die Mitte vierzigjährige namenlose Ich-Erzählerin, die nach dem monatlichen Kinobesuch mit ihrer besten und einzigen Freundin, in ihr Auto steigt und nach Hause fahren will, bis eine Umleitung sie von ihrem Weg abbringt.
Einen Augenblick unaufmerksam und sie verpasst die Ausfahrt. Sie entfernt sich immer mehr von zu Hause und ihre Gedanken kreisen um ihren Mann, der sich sicher Sorgen machen wird und sie nimmt sich vor, an der nächsten roten Ampel ruft sie ihn an. Doch weit und breit ist keine Ampel in Sicht und wenn, fährt sie auf einer „grünen Welle“ über Autobahnen und Landstraßen durch die ganze Nacht und den folgenden Tag.

Während ihrer Fahrt fängt sie an ihre Situation zu reflektieren, wie und warum ihr Leben sich so verändert hat. Die namenlose Ich-Erzählerin zeigt sich in ihren unterschiedlichen Facetten und Emotionen. Ihre innere Auseinandersetzung kombiniert mit der äußeren erzeugt die Spannung und treibt die Geschichte voran, bis ihr immer klarer wird, dass es vielleicht besser wäre, nie wieder zurückzukehren, den die wahre Gefahr lauert dort auf sie.

Die namenlose Ich-Erzählerin leidet sehr unter der massiven Gewalt ihres Mannes, der alles zu kontrollieren scheint und ihr keinerlei Freiheit gestattet. Durch ihren Gedankenfluss während der Autofahrt setzen sich Stück für Stück die Puzzleteile zusammen. Den inneren Aufruhr der einst so begabten Künstlerin zu erfassen und gleichzeitig zu erkennen, wie extrem sich das Ausmaß ihrer verlorenen Identität auf die Gegenwart auswirkt, macht mich schon betroffen.

Fazit:
Der Schreibstil war für mich anfangs zwar etwas gewöhnungsbedürftig aber schnell konnte ich der Ich-Erzählerin, folgen. Ich fühlte mich der Protagonistin sehr nahe, obwohl sie häufig eher distanziert wirkt und auch sicher nicht gerne Nähe zulässt. Zwischen den Zeilen schwingen viel Melancholie, Schmerz und Verlust mit. Für mich eine ganz besondere aber auch außergewöhnliche Geschichte, die ich gerne weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 24.05.2026

Das Drei-Generationen-Porträt

Die Riesinnen
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Die Riesinnen, das sind die Riessberger Frauen, Liese, Cora und Eva mit den Kupferwollehaaren, drei Generationen einer Familie. Groß und dünn überragen sie alle anderen und wollen so gar nicht in die Dorfgemeinschaft ...

Die Riesinnen, das sind die Riessberger Frauen, Liese, Cora und Eva mit den Kupferwollehaaren, drei Generationen einer Familie. Groß und dünn überragen sie alle anderen und wollen so gar nicht in die Dorfgemeinschaft passen. Und doch sind sie hier verwurzelt und müssen ihren eigenen Weg in den engen Grenzen des Dorfes finden. Eigenwillig, stark und unbequem stellen sie sich gegen Erwartungen von außen. Das macht sie zu Außenseiterinnen in dem kleinen fiktiven Schwarzwalddorf Wittenmoos.

In den 60-er Jahren heiratet Liese den Metzgersohn Bernhard, der sehnsüchtig auf einen Erben wartet. Währenddessen spart Liese jeden Pfennig, den sie abzweigen kann, denn sie will fort. Erst als sie schwanger wird und ihre Tochter Cora auf die Welt kommt, kennt sie ihren Platz. Sie liebt ihr Kind über alles aber Bernhard ist enttäuscht über den fehlenden Stammhalter und lässt seine Wut, Cora spüren. Für Bernhards plötzlichen Unfalltod, kann Liese keine Trauer empfinden.

Jetzt sitzt Liese mit den Schulden für das Haus da und weiß nicht, wie sie sich und ihr Kind, ernähren soll. Sie fordert von ihren Schwiegereltern die Metzgerei, obwohl sie nicht mal weiß, ob sie das kann. Unerbittlich und mit starker Willenskraft, erobert sie sich ihre Metzgerei und schuftet bis zum Umfallen. Für Liebe und Freundschaften hat sie keine Zeit, sie kennt nur ihre Pflichten und die Fürsorge für ihre Tochter Cora.

Je älter Cora wird, rebelliert sie gegen die Enge im Dorf. Sie will die weite Welt sehen und etwas erleben. Ihre Mutter Liese legt ihr keine Steine in den Weg und lässt sie ziehen. Schwanger kehrt sie in ihr Heimatdorf zurück und muss lernen, dass Heimkehr keine Niederlage ist.

Und Coras Tochter, Eva, zieht in die Ferne zum Studieren, doch ihren richtigen Platz hat sie noch nicht gefunden bis es ihr wie Schuppen von den Augen fällt, dass es ja der Wald ist, denn sie so sehr liebt. Sie kehrt zurück in ihre Heimat und ihrem geliebten Wald.

Das Ende hat mich ein wenig überrascht, denn plötzlich redet Liese ganz nebenbei über lange verschwiegene Geheimnisse, die Eva aus ihrer Sicht ins rechte Licht rückt es aber vorzieht, die Vergangenheit ruhen zu lassen.

Fazit:
Mit „Die Riesinnen“ erzählt Hannah Häffner die Geschichte dreier Frauen, die sich von den 60-er Jahren bis in unsere Zeit spannt. Der Schreibstil ist flüssig aber leise und erzählt über die Sehnsucht nach Freiheit und Wurzeln, über Mütter und Töchter und über die Kraft der Natur. Einige Entwicklungen waren für mich nachvollziehbar, andere eher weniger. Was mir besonders gefehlt hat, war die Tiefe der einzelnen Figuren, denn ich wäre ihnen gerne noch nähergekommen.

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Veröffentlicht am 17.05.2026

Eine ungelebte Liebe

Fast ein Leben
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„Fast ein Leben" von Kiran Millwood Hargrave ist ein leiser und eindringlicher Roman, der die Geschichte über die Leben, die wir fast gelebt hätten, erzählt.

Inhalt:
Laure ist Doktorandin an der Sorbonne ...

„Fast ein Leben" von Kiran Millwood Hargrave ist ein leiser und eindringlicher Roman, der die Geschichte über die Leben, die wir fast gelebt hätten, erzählt.

Inhalt:
Laure ist Doktorandin an der Sorbonne in Paris – selbstbewusst, charmant und rebellisch. Erica, die noch versucht herauszufinden, wer sie ist, entscheidet sich für einen Auslandsaufenthalt in Frankreich. Schon bei der ersten Begegnung vor Sacré-Cœur springt der Funke über, und die beiden beginnen eine Affäre, geprägt von Eifersucht und Anziehung. Der Sommer vergeht, Erica und Laure verlieren sich aus den Augen, doch die Erinnerung an die gemeinsame Zeit bleibt und führt die beiden über vier Jahrzehnte hinweg immer wieder zueinander. Erica geht zurück nach England, heiratet, wird Mutter und ringt mit einer Schreibblockade, während Laure mit politischen Umbrüchen und persönlichen Herausforderungen zu kämpfen hat. Mit jeder erneuten Begegnung müssen sich die beiden Frauen die Frage stellen, ob sie sich damals richtig entschieden haben.

Im Jahr 1978 lernen sich Erica und Laure in Paris kennen und eine Sommerliebe zwischen den beiden beginnt, die Spuren hinterlässt. Erica geht wieder zurück nach England und heiratet. Ich hatte den Eindruck, dass sie mit Ant eine glückliche Ehe führt aber Erica kann ihre Liebe in Paris einfach nicht vergessen. Es gibt zwar immer wieder prickelnde Begegnungen zwischen Erica und Laure aber letztendlich bleibt sie doch bei ihrem Ehemann. Obwohl Erica mittlerweile zwei Töchter hat, bleibt sie trotzdem zwiegespalten, denn die Liebe zu Laure kann sie nie ganz loslassen.

Erzählt wird die Geschichte, die sich über vier Jahrzehnte hinweg zieht, aus Sicht der beiden Frauen und aus deren Perspektive. Das Ende dieser Liebesgeschichte fand ich jedoch schon ziemlich ernüchternd und traurig zugleich.

Die Handlung ist nicht nur von Liebeskummer, Eifersucht unter Lesben und Verlustängsten sondern auch von Alkoholmissbrauch, homosexuellen Männern und das Thema ADS, geprägt.

Fazit:
Den Schreibstil fand ich fließend und passend zu den Charakteren, doch wer hier einen klassischen Liebesroman sucht, ist hier fehl am Platz. Aufgrund des Covers hatte ich einen eher leichten und heiteren Roman erwartet doch wer sich gerne mit dem Thema der gleichgeschlechtlichen Liebe auseinandersetzen möchte, dem kann ich das Buch sehr gerne empfehlen!

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Veröffentlicht am 11.05.2026

Sichtbarkeit zurückgewinnen

Mit anderen Augen
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Im Mittelpunkt der Geschichte „Mit anderen Augen“ von Jane Tara steht Tilda Finch, die eine erfolgreiche Geschäftsfrau, geschieden und Mutter zweier erwachsener Töchter ist.

Tilda lebt in einem schönen ...

Im Mittelpunkt der Geschichte „Mit anderen Augen“ von Jane Tara steht Tilda Finch, die eine erfolgreiche Geschäftsfrau, geschieden und Mutter zweier erwachsener Töchter ist.

Tilda lebt in einem schönen Haus mit Hund und Katze und hat die beiden besten Freundinnen der Welt, die ihr immer zur Seite stehen. Als sie eines morgens bemerkt, dass ihr kleiner Finger verschwunden ist, glaubt sie erst an eine Sinnestäuschung, denn sie kann ihn fühlen, aber nicht mehr sehen. Kurze Zeit später ist ein Ohr nicht mehr zu sehen, danach ihre Nase. Sie geht zu ihrer Ärztin und bekommt die Diagnose Unsichtbarkeit, eine unheilbare Krankheit, die bei Frauen jenseits der 50 weit verbreitet ist und sogar bis zum völligen Verschwinden führen kann. Tilda fühlt sich verloren!

Auf drängen ihrer Ärztin, geht Tilda zu einer Selbsthilfegruppe, die ihr aber nicht wirklich hilft, außer dass sie zwei neue Freundinnen findet. Erst bei der Therapeutin Selma findet sie Hilfe, die ihr wertvolle Ratschläge erteilt wie: in sich hineinhören, sich selbst wahrnehmen und Zeit mit meditieren zu verbringen.

Während ihr Umfeld zunächst ratlos reagiert, beginnt sie selbst, ihr Leben, ihren Körper und ihre Rolle in der Gesellschaft zu hinterfragen. Sie entscheidet sich jedoch dagegen, sich dieser Entwicklung einfach zu ergeben, und versucht, ihre „Sichtbarkeit“ zurückzugewinnen und begibt sich auf eine Reise zu sich selbst.

Ein Ende welches ein bisschen vorhersehbar war, denn Tilda wird zur Heldin, die im Gegensatz zu den anderen Frauen und Therapeuthinnen, den „Schlüssel zur Erkenntnis“ findet.

Fazit:
Die Autorin erzählt Tildas Geschichte flüssig und mit leisem Humor aber mit wenig Tiefe während die therapeutischen Züge sich wie ein roter Faden durch die gesamte Handlung, ziehen. „Mit anderen Augen“ ist trotz einiger Schwächen durchaus unterhaltsam zu lesen.

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Veröffentlicht am 18.03.2026

Interessante Darstellung „Was wäre gewesen, wenn ...“

Die Iden von Rom
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Mit seiner neuen Reihe (Game of History) wagt der Autor Michael Peinkofer, ein Gedankenexperiment: Was wäre, wenn eine einzelne Entscheidung in der Geschichte der Menschheit anders getroffen worden wäre?

Mit ...

Mit seiner neuen Reihe (Game of History) wagt der Autor Michael Peinkofer, ein Gedankenexperiment: Was wäre, wenn eine einzelne Entscheidung in der Geschichte der Menschheit anders getroffen worden wäre?

Mit „Die Iden von Rom“ der über die Verschwörung gegen Julius Caesar erzählt, startet der Autor seine alternativ-historische Romanreihe.

Rom, im Jahr 44 v. Chr.: Der Bürgerkrieg ist zu Ende, Gaius Iulius Caesar hat auf ganzer Linie gesiegt und befindet sich auf dem Höhepunkt seiner Macht. Nicht wenige fürchten, dass er die Römische Republik beenden und sich zum König krönen könnte. Doch wie lässt sich ein Caesar aufhalten? Widerstand formiert sich, unter den Senatoren finden sich Verschwörer zusammen, um Caesar zu ermorden, unter ihnen Marcus Iunius Brutus. Doch an den Iden des März, als Caesar sterben soll, trifft Brutus eine Entscheidung, die nicht nur sein Leben verändert, sondern auch den Lauf der Geschichte, wie wir sie kennen ...

Nach Brutus Entscheidung überschlagen sich die Ereignisse in Rom und die Verfolgung der Verschwörrer, nimmt seinen Lauf.

Die politischen Intrigen der überlebenden Senatoren und die weiteren Machtkämpfe sind fiktiv sorgsam und glaubwürdig dargestellt. Während ich, die große Rolle, die die Frauen in Rom aktiv in Politik und Gesellschaft einnahmen, sehr interessant fand. Selbst Caesar akzeptiert die Frauen als Gegenüber auf Augenhöhe.

Das Ende der Geschichte konnte mich durchaus total überraschen.

Besonders lesenswert finde ich das Nachwort des Autors, worin er ausführlich erklärt – Warum alternative Geschichte -.

Fazit:
Das alternativ-historisch geschriebene Buch entfaltet rasch mit seinem flüssigen Schreibstil eine enorme Sogwirkung. Vorkenntnisse zur römischen Geschichte rund um Caesar wären schon von Vorteil, um diese Alternative interessant zu finden. Der Roman „Die Iden von Rom“ ist eine erfrischende Zeitreise in das alte Rom für alle Interessierten an Geschichte und der Antike.
Von mir 4 von 5 Sternen!

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