Lasst uns lernen, Essen nicht zu bewerten, sondern zu genießen
Essen und essen lassenInhaltsangabe Verlag:
Food Noise, What I Eat in a Day-Videos und Selbstoptimierungskult: Mehr denn je sitzen bei uns heute falsche Glaubensätze über Ernährung mit am Tisch, die wir von Kindesbeinen an ...
Inhaltsangabe Verlag:
Food Noise, What I Eat in a Day-Videos und Selbstoptimierungskult: Mehr denn je sitzen bei uns heute falsche Glaubensätze über Ernährung mit am Tisch, die wir von Kindesbeinen an eingetrichtert bekommen. Essen ist für viele längst mehr als eine Notwendigkeit oder reiner Genuss.
Dabei haben das undurchsichtige Geflecht aus irreführenden Werbebotschaften sowie das ständige Nachdenken und Urteilen über Essen, in der Regel wenig mit wirklichem Wohlbefinden zu tun. Essen und essen lassen ist damit sowohl eine überfällige Wutschrift gegen die allgegenwärtige Bedeutungsüberfrachtung von Ernährung in unserer Gesellschaft als auch wohltuendes Comfort Food in Buchform. Es ist an der Zeit, dass wir endlich ein druck- und ideologiefreies Verhältnis zu Ernährung finden.
Meine Inhaltsanagabe:
In folgenden acht Kapiteln nehmen sich die Autorinnen wichtigen Themen rund um Ernährung an:
• Es ist ein Problem, wie wir über Essen reden
• Was uns die Geschichte der Diät über den Kapitalismus erzählt
• Wenn Ernährung mit dem Charakter verknüpft wird
• Von Sätzen, die schon unsere Eltern prägten
• Zwischen Fürsorge und Moral: Wenn Ernährung zur Frage von guter Elternschaft wird
• Ernährungstrends und Ideologien: Und plötzlich folgen wir den Regeln und Maßstäben anderer
• Wenn Essen krank macht und Bewertung gefährlich wird
• Warum wir dieses Buch geschrieben haben – Zehn Hacks, die du sofort anwenden kannst
Erster Satz: »Warum das hier kein Ernährungsratgeber ist – und wir trotzdem über Essen schreiben!«
Mein Eindruck:
Zweifellos eins der wichtigsten Sachbücher unserer heutigen Zeit. Auf Social Media stellen sich Hinz und Kunz als Ernährungsprofis dar und verbreiten meistens unfundiertes, schlimmstenfalls gefährliches Halbwissen. Leider haben viele Menschen heutzutage das selbst Denken eingestellt und folgen blindlings. Was das sowie viele weitere Seiten unseres Umgangs mit Ernährung zur Folge hat, zeigen die Autorinnen hier eindrucksvoll auf. Ich habe mich so oft wiedererkannt, habe die eine oder andere Situation selbst erlebt und konnte irgendwie nur ständig mit dem Kopf nicken. Super interessant auch die Kapitel, die sich mit der Geschichte der Diät befassen und wie das alles heute noch immer tief in den Köpfen der allermeisten Menschen verwurzelt ist. Aufgrund der Kapitel über das Bewerten von Essen bzw. die Verknüpfung der Ernährung mit dem Charakter halte ich es für wichtig, das Buch in Schulen als Pflichtlektüre aufzunehmen. Es ist nämlich mehr als erschreckend, welche Kommentare in Social Media permanent abgegeben werden (Stichwort: Bodyshaming, Bodypositivity,…) und dass sich offenbar keiner Gedanken macht, was diese auslösen können. Wer am sog. Food Noise leidet (also dem Zustand, dass sich die Gedanken nahezu permanent rund um die Uhr um Essen und Ernährung drehen), dem sei das Buch ans Herz gelegt. Allen anderen auch! Jeder kann hier noch was lernen, sich vielleicht an die eigene Nase packen, was (vielleicht oft auch unbewusstes) Bewerten von Essen betrifft und generell die Welt vielleicht ein bisschen freundlicher machen. Gestört hat mich das laufende Gendern (auch wenn mir klar ist, warum das gemacht wird), weil das meinen Lesefluss enorm stört (allein der Begriff Gäst*innen ist SO gruselig) sowie die vielen englischen Sätze, die oft nicht übersetzt wurden. Sonst top! 4/5 Sterne.