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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.05.2026

Wie viel bekommt sie mit?

Die Ehefrau – Was hat sie zu verbergen?
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Dank eines zufälligen Treffens bekommt Sylvia Robinson das Angebot als private Pflegekraft für Victoria Barnett zu arbeiten. Victoria ist seit ihrem Unfall ans Bett gefesselt und kann sich kaum artikulieren. ...

Dank eines zufälligen Treffens bekommt Sylvia Robinson das Angebot als private Pflegekraft für Victoria Barnett zu arbeiten. Victoria ist seit ihrem Unfall ans Bett gefesselt und kann sich kaum artikulieren. Doch Sylvia beschleicht ein komisches Gefühl, kann Victoria mehr als sie vorgibt? Sie findet Victorias Tagebuch und die düsteren Geheimnisse der Familie Barnett.

Die Ehefrau von Freida McFadden ist ein atmosphärischer (PsychThriller, der vor allem mit dem Innenleben der Charaktere überzeugen kann und auf der psychologischen Ebene wie so oft ganz großes Kino ist. Ich muss gestehen, dass McFaddens Schreibstil und der intensive Einblick in die Psyche ihrer dargestellten Perspektiven und Figuren mich jedesmal begeistern können, auch wenn der Plot selbst eher flach bleibt. Allein deswegen gehören ihre Bücher für mich zu den besseren.

Die Ehefrau hat im Gegensatz zu anderen ihrer Bücher bestimmt weniger Überraschungspotenzial und besondere Kniffe und doch schafft sie es mich von der ersten bis zur letzten Seite bestens zu unterhalten.

Veröffentlicht am 21.05.2026

Gefangen im eigenen Körper

Locked in
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In Heidelberg ist eine dritte Person auf mysteriöse Weise verschwunden. Nachdem eines der Opfer tot aufgefunden wurde, tickt die Zeit für das letzte Entführungsopfer und von Tag zu Tag schwindet die Hoffnung, ...

In Heidelberg ist eine dritte Person auf mysteriöse Weise verschwunden. Nachdem eines der Opfer tot aufgefunden wurde, tickt die Zeit für das letzte Entführungsopfer und von Tag zu Tag schwindet die Hoffnung, sie lebend wieder zu finden. Kommissar Pau Maertens hat endlich eine Spur aufgenommen, doch es kommt zu einem folgenschweren Unfall und der mutmaßliche Täter befindet sich im Wachkoma. Maertens letzte Hoffnung ist Dr. Theo Linde, der eine Methode entwickelt hat, mit der er mit Komapatienten kommuniziert. Kann Maertens auf diese Weise das Versteck finden und das Entführungsopfer lebend befreien?

Locked In von Henri Faber ist ein packender Thriller, der über mehrere Perspektiven eine einnehmenden Wirkung erzeugt und unheimlich spannungsgeladen ist. Durch kurze Kapitel und die verschiedenen Perspektiven erschafft Faber ein kurzweiliges Lesevergnügen. Der Plot ist interessant und auch in der Umsetzung sehr gut gelungen, bis zum Schluss konnte ich Miträtseln. Gegen Ende wurden mir die Wendungen etwas zu viel und waren dann zu knapp auserzählt, doch insgesamt konnte mich Locked In sehr gut unterhalten.

Veröffentlicht am 20.05.2026

Besondere Freundschaft

Der Schacherzähler
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„Oldman“ lebt in seinen Erinnerungen und hat seit dem Tod seiner Frau kaum noch Kontakt zu anderen. Bis ein 9-Jähriger ihn im Park anspricht und mehr über Schach wissen möchte. Janne lernt unglaublich ...

„Oldman“ lebt in seinen Erinnerungen und hat seit dem Tod seiner Frau kaum noch Kontakt zu anderen. Bis ein 9-Jähriger ihn im Park anspricht und mehr über Schach wissen möchte. Janne lernt unglaublich schnell und Oldman findet einen neuen Zweck in seinem Leben. Die beiden freunden sich an, bis Oldman eines Tages nicht mehr zuhause ist und Jannes Sorgen ihn auf die Suche nach seinem Freund schicken.

Der Schacherzähler von Judith Pinnow ist eine herzerwärmende Geschichte über Freundschaft, Alleinsein, falsche Entscheidungen und dem Sinn des Lebens. Wir erleben die Geschichte aus Jannes, Oldmans und Malus (Jannes Mutter) Perspektive, dabei werden unterschiedliche Sehnsüchte und Geheimnisse gezeichnet und doch Gemeinsamkeiten gefunden. Die weiteren Nebencharaktere bringen zusätzlich ihre eigenen kleinen Geschichten mit, die teilweise eine ordentliche Portion Humor beitragen, aber auch zum Nachdenken anregen.

Besonders gefallen hat mir die Perspektive auf das Leben, Dinge die bereut werden, aber auch dass manches vielleicht nicht so ist, wie es uns immer erscheint. Nur das Ende hat mich leider etwas ziemlich enttäuscht und mein Lesegefühl etwas abgemildert, weswegen es am Ende kein Highlight wurde.

Veröffentlicht am 18.05.2026

Geschichte einer Katastrophe

Die Geschichte der Baltimores
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Die Goldmans, das waren die Goldmans aus Montclair und die Goldmans aus Baltimore. Die Baltimores hatten alles, zwei begabte Söhne, Geld und Ansehen. Die Montclairs führten ein weniger glamouröses Leben ...

Die Goldmans, das waren die Goldmans aus Montclair und die Goldmans aus Baltimore. Die Baltimores hatten alles, zwei begabte Söhne, Geld und Ansehen. Die Montclairs führten ein weniger glamouröses Leben und Sohnemann Marcus Goldmann verbrachte jeden Sommer bei den Baltimores und seinen Cousins. Acht Jahre nach der großen Katastrophe möchte Marcus, der mittlerweile ein erfolgreicher Schriftsteller ist, die Geschichte der Baltimores aufschreiben und erkennt, was er damals nicht gesehen hat.

Die Geschichte der Baltimores von Joël Dicker ist ein packender Roman über die Familie Goldman. Ehrlicherweise habe ich jedoch drei Anläufe benötigt, um die Geschichte zu Ende zu bringen. Den ersten Anlauf habe ich nach einem etwas langsamen Beginn abgebrochen und erst später nochmal neu verfolgt, beim zweiten Anlauf konnte mich die Geschichte dann direkt einnehmen. Schnell habe ich mich gut in Marcus und seinen Cousins Hillel und Woody hineinversetzen können und empfand die Verbindung zwischen den Dreien als etwas besonders. Zum dritten Anlauf kam es dann, weil ich die Katastrophen nicht erleben wollte. Joël Dicker ist es demnach unfassbar gut gelungen, eine Umgebung zu erschaffen, die mir eine Art Wohlfühlfaktor gegeben hatte, den ich nicht verlassen wollte. Doch Geschichten sollten zu Ende gelesen werden, also habe ich das getan und entgegen meiner Annahme, konnte mich der weitere Verlauf der Geschichte weiterhin mitreißen.

Joël Dicker erschafft eine Geschichte, die unfassbar dicht geschrieben ist und bei der ich das Gefühl hatte, dass ich dabei war, dass ich die Goldmans aufwachsen sah und dass ich die Katastrophe miterlebt habe. Und obwohl das Tempo ab und an etwas abnahm und der Beginn sehr ruhig ist, konnte ich das Buch am Ende nicht mehr aus der Hand nehmen und hatte das Gefühl, dass die Charaktere mehr als fiktive Figuren waren. Dicker schafft es ihre Gefühle zu transportieren und sie realistisch wirken zu lassen.

Veröffentlicht am 29.04.2026

Düsternis über Hamburg

Im Nordlicht
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Hamburg, 1914. Alice’ Tochter Rosa ist verschwunden und Alice kann sie nicht finden. Lediglich ihr Ehemann Henk weiß, wo sie ist und nutzt dieses Wissen, um die Scheidung zu verhindern. Um vor Gericht ...

Hamburg, 1914. Alice’ Tochter Rosa ist verschwunden und Alice kann sie nicht finden. Lediglich ihr Ehemann Henk weiß, wo sie ist und nutzt dieses Wissen, um die Scheidung zu verhindern. Um vor Gericht einen guten Eindruck zu erwecken, nimmt Alice eine Stelle in der Villa John Reeves’ an.

John Reeves steht kurz vor der Hochzeit, doch er zweifelt und alles um ihn herum zerfällt. Kann er Evelyn wirklich das Ja-Wort geben, wenn sein Herz doch an Alice hängt? Und würde John Alice wirklich noch lieben, wenn er ihre Vergangenheit kennen würde?

Im Nordlicht ist der zweite Teil der Nordwind-Saga, welche das Schicksal von Alice Bloom und John Reeves erzählt. Wie gewohnt schafft es Miriam Georg eine Welt zu erschaffen, die authentisch wirkt, welche man aufgrund der Beschreibung aufnimmt, deren kalten Luftzüge man an den eigenen Armen spürt und deren Schicksale einen ans Herz gehen.

Die Charaktere wirken in ihrem Auftreten und ihren Gedanken authentisch und gleichzeitig sind wieder so vielfältige Charaktere dabei, dass man eine Menge Sympathieträger und Antipathen entdecken kann, vor allem in diesem Band sind unsympathische Gedankenzüge oder Handlungen wirklich stark ausgeprägt. Das in Band eins ausgelegte Spinnennetz, welches einige Fragen offen ließ, wurde in diesem Band vollumfänglich gelöst und lässt einen zufrieden die Dilogie beenden. Dennoch war Im Nordlicht für mich etwas schwächer als bisherige Bücher der Autorin, was vor allem an den düsteren Gedanken der Figuren lag, die sich zu einem gewissen Zeitpunkt komplett durch alle Figuren zog, weswegen das Lesen zeitweise wirklich niederschlagend war. Das hat zwar nichts an der Authentizität verändert, denn ich bin mir sicher, dass die Stimmung absolut nicht unrealistisch ist, dennoch war es für mich einfach etwas zu viel.

Dennoch bleibt meine grundlegende Stimmung gegenüber Bücher der Autorin weiterhin gleich. Wären alle historischen Romane so einnehmend, wie ihre, dann wäre es wohl mein liebstes Genre. Denn am Ende bleibt nicht nur das Gefühl, dass man unterhalten wurde, sondern dass man auch etwas vom damaligen Zeitgeist mitgenommen hat und man erkennt, welche Strukturen herrschten und wie sie sich verändert haben. Beeindruckend, wie sie den Geist der Zeit trifft, die Gedanken der damaligen Welt widerspiegelt, damit den Fortschritt aufzeigt, aber auch deutlich macht, woher gewisse Strukturen und Denkmuster auch noch heute kommen.

Im Nordlicht ist ein toller Abschluss der Nordwind-Saga, das trotz aller Düsternis Hoffnung übermittelt und auch seine hellen Momente hat.