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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.05.2026

Gesellschaftsstudie

Lauter kleine Lügen
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Der Roman spielt in den 1970er Jahren in einem australischen Vorort und liest sich wie eine Gesellschaftsstudie. Nachdem ein brutaler Mord in der Nachbarschaft verübt worden ist und nach und nach die einzelnen ...

Der Roman spielt in den 1970er Jahren in einem australischen Vorort und liest sich wie eine Gesellschaftsstudie. Nachdem ein brutaler Mord in der Nachbarschaft verübt worden ist und nach und nach die einzelnen Leichenteile auftauchen, beginnen auch die Nachbarn sich gegenseitig genauer zu beobachten und misstrauisch zu werden. Wem würde man so einen brutalten Mord zutrauen und welche Motive könnten dahinterstecken? Interessanterweise verbirgt sich in jedem Haus ein kleines oder größeres Geheimnis, das es vor den Nachbarn zu verheimlichen gilt und auch wenn man sich nach außen hin gesellig und zuvorkommend gibt, wird hinter dem Rücken getuschelt. Mitten im Chaos findet sich auch die 12jährige Tammy wieder, die gerade Schulferien hat und somit viel Zeit, um ihre Mitmenschen genauer unter die Lupe zu nehmen, vor allem, da man als Kind anders wahrgenommen wird und sich auch besser heimlich anschleichen und verstecken kann. Mir gefällt die Leseatmosphäre sehr gut, die Stimmung wird mit der Zeit immer angespannter und die einzelnen Familien werden angespannt und misstrauisch, dies ist sehr gut spürbar. Wenn man die Nachbarn besser kennenlernt, kann man auch ihre Hintergründe verstehen, warum sie in gewissen Situationen handeln oder reagieren, wie sie es tun. Viele Vorurteile beherrschen noch immer das Zusammenleben, rassistische Vorurteile, Gewalt und Unterdrückung gegenüber Frauen, gleichgeschlechtliche Partnerschaften, Affären, alles wird verurteilt und gemaßregelt. Die Dorfgemeinschaft bekommt immer mehr Risse und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sich nicht nur das Gewitter entlädt, sondern auch die angestauten Konflikte. Als Ergänzung dazu werden immer wieder kurze Vergleich zum Zusammenleben von Ameisen gezogen.

Veröffentlicht am 20.05.2026

gewaltig

Unter Wasser
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Der Roman ist gewaltig – und das in mehrfacher Hinsicht: Das Cover finde ich ästhetisch und gewaltig schön, die Ausdrucksweise ist naturverbunden, detailliert und sprachgewaltig und zudem untermauert durch ...

Der Roman ist gewaltig – und das in mehrfacher Hinsicht: Das Cover finde ich ästhetisch und gewaltig schön, die Ausdrucksweise ist naturverbunden, detailliert und sprachgewaltig und zudem untermauert durch Metaphern und einer starken Symbolik. Die Grundstimmung ist geprägt durch Trauer und Verlust, zwischenzeitlich kommen aber auch kleine Lichtblicke durch die Beschreibung der wunderschönen Naturphänomene durch. Als Leser*in sollte man sich für den Roman Zeit nehmen, denn man kann nicht schnell durch die Seiten rauschen, man muss sich emotional auf den Zustand und die jeweilige Situation einlassen und hat dann ein äußerst intensives Leseerlebnis, auch wenn es an manchen Stellen emotional schwierig wird. Marissa vermisst Arielle immer noch gleich stark wie am ersten Tag, manchmal schwelgt sie in schönen Erinnerungen, manchmal überwiegt die Trauer und manchmal ist sie einfach nur wütend. Sie wird auch damit konfrontiert, wie lange Trauer „üblicherweise“ dauern darf, vor allem, wenn es sich nicht um Familienangehörige, sondern um Freunde handelt, diesen Aspekt finde ich spannend aufgegriffen. Marissa versucht weiterhin zu überleben, betäubt ihren Kummer und ihren Schmerz mit extrascharfer Chillie und lässt niemanden mehr nahe an sich heran, aus Verlustangst, daher hat sie hauptsächlich nur One-Night-Stands. Auch nach all den Jahren spürt und sieht sie Arielle immer noch an ihrer Seite und macht sich Gedanken, was sie in der jeweiligen Situation sagen oder machen würde. Echte Trauer hört niemals auf und es ist auch immer wichtig, dass man sich an die schönen und glücklichen Zeiten zusammen erinnert. Der Roman ist emotional herausfordernd und ich kann ihn empfehlen, wenn man sich selbst in einer psychisch stabilen Lebensphase befindet.

Veröffentlicht am 20.05.2026

tolles Setting, klischeehafte Charaktere

Bachelorette Party
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Der Thriller spielt auf zwei Ebenen, zum einen dreht sich alles um die Bachelorette-Party von Anneliese auf der abgelegenen Schäreninsel, bei der nach und nach alles aus dem Ufer läuft und im Hintergrund ...

Der Thriller spielt auf zwei Ebenen, zum einen dreht sich alles um die Bachelorette-Party von Anneliese auf der abgelegenen Schäreninsel, bei der nach und nach alles aus dem Ufer läuft und im Hintergrund wirkt auch noch die Tragödie der damaligen Freundesgruppe mit, die sich ziemlich genau an der gleichen Stelle abgespielt hat. Allein diese Situation im Hinterkopf verursacht bei mir schon Gruselfaktor und eine angespannte Atmosphäre.
Spannend finde ich das isolierte Setting, sodass man von der Gefahrensituation nicht wegkann und die begrenzte Anzahl an Verdächtigen sowie die unterschwellige Angst und Bedrohung, die deutlich spürbar ist und sich zum Ende hin noch steigert. Weniger gut gefallen mir die Charaktere, da sie allesamt sehr klischeehaft und einfältig dargestellt werden, mir Ausnahme von Tessa, die noch am authentischsten wirkt. Hier hätte ich mir eine realistischere Freundinnengruppe gewünscht.
Am besten gefällt mir, dass der ältere Fall auch mit der aktuellen Geschichte verwoben ist und die häppchenweise Aufklärung darüber, was damals passiert ist.

Veröffentlicht am 28.04.2026

Chaos hoch drei

Mama kommt gleich
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Der Roman handelt vom chaotischen, turbulenten Leben der Sexualtherapeutin Toni, die sich nebenbei um ihren demenzkranken Vater kümmert und Josch, der sich als Autor durchs Leben schlägt, als alleinerziehender ...

Der Roman handelt vom chaotischen, turbulenten Leben der Sexualtherapeutin Toni, die sich nebenbei um ihren demenzkranken Vater kümmert und Josch, der sich als Autor durchs Leben schlägt, als alleinerziehender Vater und nebenbei als Hundesitter etwas dazuverdienen muss, um den Alltag zu meistern. Als ein Paket von Toni unabsichtlich bei Josch landet, beginnen sich ihre zwei Welten miteinander zu vermischen. Aus einem Missverständnis entsteht das nächste und das Chaos nimmt überhand. Die Autorin schafft es, auch in peinlichen oder ernsten Situationen, diese mit Satire und Humor die Spitze zu nehmen. Generell überwiegen lustige, chaotische Szenen, eine Liebesgeschichte bahnt sich an und eskaliert. Die Charaktere wirken authentisch und liebenswert, vor allem Horst, der aufgrund seiner Demenzerkrankung sich selbst und die Worte für viele Dinge wiederfinden wird, aber auch Josch, der ihn ohne zu überlegen in seiner Männer-WG aufnimmt, aber allen voran Frankie, der zu allen sehr liebenswürdig ist und sich toll an die jeweiligen Situationen und das vorprogrammierte Chaos anpassen kann. Im Vordergrund stehen Humor und lustige Szenen, aber auch ernste Themen wie Demenz oder Alleinerzieher oder berufliche Flauten finden Platz. Die Entwicklung ist etwas vorhersehbar, kam für mich nicht überraschend, dafür gibt es einen kleinen Abzug, aber ansonsten habe ich mich sehr gut unterhalten gefühlt.

Veröffentlicht am 22.04.2026

Verletzung und Versöhnung

Junikinder
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Der Roman erzählt die Lebensgeschichten von drei Frauen, die mit ihren aktuellen Situationen kämpfen und völlig unterschiedlich damit umgehen. Julia ist Krankenschwester auf einer Säuglingsstation und ...

Der Roman erzählt die Lebensgeschichten von drei Frauen, die mit ihren aktuellen Situationen kämpfen und völlig unterschiedlich damit umgehen. Julia ist Krankenschwester auf einer Säuglingsstation und hat einen kleinen Jungen, der nach einer unschönen Trennung abwechselnd bei ihr und bei seinem Vater lebt und diese Situation belastet sie stark, denn am liebsten hätte sie Truls immer bei sich. Zu ihrer Schwester Liv hat sie teilweise eine gute schwesterliche Beziehung, dann wiederum beherrschen ungelöste Konflikte und Vorwürfe ihre Beziehung, aber für die Kinder reißen sich alle zusammen, so gut es möglich ist. Nachdem eines Tages Livs Ehemann Henrik mit einer anderen schwangeren Frau auf Julias Säuglingsstation auftaucht, befindet sich Julia in einem moralischen und emotionalen Konflikt. Darf sie ihrer Schwester vom Doppelleben ihres Mannes erzählen? Was passiert, wenn sie gegen die Schweigepflicht verstößt? Verliert sie dann ihren Job und vielleicht sogar auch noch das Sorgerecht für ihren Sohn? Ein wahres Dilemma, das Julia stark beschäftigt und das auch beim Lesen deutlich spürbar ist. Die gesamte Atmosphäre wirkt bedrückend, schwer, kaum auszuhalten. Auch wenn ich mich noch nie in einer ähnlichen Situation befunden habe, so ist es deutlich nachvollziehbar und spürbar, wie es den einzelnen Charakteren geht und wie sie unter der jeweiligen Situation leiden. Die Geschichte entwickelt sich ruhig, erzählend und ist stark an Julias Leben orientiert, beginnend von der aktuellen Situation ausgehend, aber es werden auch viele Rückblenden in die Jugendzeit gegeben und wie es zum Zerwürfnis der beiden Schwestern damals kam. Auch wenn Julia, Liv und Hannah zeitweise unterwürfig und blass erscheinen, so entwickeln sie sich im Laufe der Erzählung und zeigen auch ihre starken Seiten, ihre Muttergefühle bewirken wahre Superkräfte und der Zusammenhalt und die persönlichen Weiterentwicklungen sind schön zu lesen.