In einem anderen Leben
Fast ein LebenDieses Buch war wirklich eine Überraschung für mich!
1978 befinden wir uns zusammen mit Erica und Laure in Paris, der Stadt der Liebe. Während Erica eigentlich nur Urlaub vor dem anstehenden Studium machen ...
Dieses Buch war wirklich eine Überraschung für mich!
1978 befinden wir uns zusammen mit Erica und Laure in Paris, der Stadt der Liebe. Während Erica eigentlich nur Urlaub vor dem anstehenden Studium machen wollte (und vielleicht eine Sommerromanze mit einem Franzosen anfangen), begegnet sie durch Zufall der Doktorandin Laure, die zahlreiche Affären mit anderen Frauen hat.
Die Gefühle, die sich daraus entwickeln werden, sind für beide Frauen neu, stark, und doch finden sie einfach nicht wirklich zueinander. Über Jahrzehnte hinweg begleiten wir sie, immer begleitet von der Frage, ob es in einem anderen Leben ganz anders hätte verlaufen können.
Die Sprache sowie der Schreibstil haben mich sehr schnell begeistert: Die Atmosphäre der jeweiligen Zeit und des Handlungsortes wird gekonnt eingefangen in schönen Formulierungen, gleichzeitig lässt sich die Geschichte echt flüssig lesen und man fliegt quasi durch die Seiten, wie in einem Rausch, passend zu den Gefühlen der Protagonistinnen.
Die Beschreibungen fand ich gut gelungen, ohne viele Worte kann man sich jede Szene lebhaft vorstellen und reale Orte auch wiedererkennen.
Das Highlight war jedoch die Beziehung zwischen Erica und Laure, die wahnsinnig authentisch und bewegend erzählt wird.
Die Perspektiven wechseln, die Jahre vergehen, und immer ist man als Leser dabei.
In ganz verschiedenen Lebenssituationen wird die Liebe zwischen den beiden Frauen erkundet und nicht immer konnte ich die Entscheidungen nachvollziehen, nicht immer waren die Frauen mir sympathisch, aber immer konnte ich doch irgendwie mitfühlen.
Es war nie kitschig, dafür geprägt von Verletzlichkeit und anderen Problemen, die ihre Handlungen und Lebenswege beeinflussen.
Besonders gefallen haben mir auch die ruhigen Töne, statt dramatischer Situationen und übertriebenen Momenten lebt das Buch vielmehr von eher "normalen" Geschehnissen, nichts wird irgendwie beschönigt, alles wird recht authentisch dargestellt.
Eine ganz besondere Liebesgeschichte über Homosexualität und das ewige "Was wäre wenn"!