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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.05.2026

In einem anderen Leben

Fast ein Leben
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Dieses Buch war wirklich eine Überraschung für mich!
1978 befinden wir uns zusammen mit Erica und Laure in Paris, der Stadt der Liebe. Während Erica eigentlich nur Urlaub vor dem anstehenden Studium machen ...

Dieses Buch war wirklich eine Überraschung für mich!
1978 befinden wir uns zusammen mit Erica und Laure in Paris, der Stadt der Liebe. Während Erica eigentlich nur Urlaub vor dem anstehenden Studium machen wollte (und vielleicht eine Sommerromanze mit einem Franzosen anfangen), begegnet sie durch Zufall der Doktorandin Laure, die zahlreiche Affären mit anderen Frauen hat.
Die Gefühle, die sich daraus entwickeln werden, sind für beide Frauen neu, stark, und doch finden sie einfach nicht wirklich zueinander. Über Jahrzehnte hinweg begleiten wir sie, immer begleitet von der Frage, ob es in einem anderen Leben ganz anders hätte verlaufen können.

Die Sprache sowie der Schreibstil haben mich sehr schnell begeistert: Die Atmosphäre der jeweiligen Zeit und des Handlungsortes wird gekonnt eingefangen in schönen Formulierungen, gleichzeitig lässt sich die Geschichte echt flüssig lesen und man fliegt quasi durch die Seiten, wie in einem Rausch, passend zu den Gefühlen der Protagonistinnen.
Die Beschreibungen fand ich gut gelungen, ohne viele Worte kann man sich jede Szene lebhaft vorstellen und reale Orte auch wiedererkennen.
Das Highlight war jedoch die Beziehung zwischen Erica und Laure, die wahnsinnig authentisch und bewegend erzählt wird.
Die Perspektiven wechseln, die Jahre vergehen, und immer ist man als Leser dabei.
In ganz verschiedenen Lebenssituationen wird die Liebe zwischen den beiden Frauen erkundet und nicht immer konnte ich die Entscheidungen nachvollziehen, nicht immer waren die Frauen mir sympathisch, aber immer konnte ich doch irgendwie mitfühlen.
Es war nie kitschig, dafür geprägt von Verletzlichkeit und anderen Problemen, die ihre Handlungen und Lebenswege beeinflussen.
Besonders gefallen haben mir auch die ruhigen Töne, statt dramatischer Situationen und übertriebenen Momenten lebt das Buch vielmehr von eher "normalen" Geschehnissen, nichts wird irgendwie beschönigt, alles wird recht authentisch dargestellt.
Eine ganz besondere Liebesgeschichte über Homosexualität und das ewige "Was wäre wenn"!

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Veröffentlicht am 20.05.2026

Tagebuch der Zerissenheit

Zugwind
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Jeder kennt die Nachrichtenbilder des Ukrainekriegs, doch wenige werden die Menschen dahinter wirklich kennen, die Geflüchteten, aber auch die zuvor schon Ausgewanderten.
Was fühlen sie, welche Gedanken ...

Jeder kennt die Nachrichtenbilder des Ukrainekriegs, doch wenige werden die Menschen dahinter wirklich kennen, die Geflüchteten, aber auch die zuvor schon Ausgewanderten.
Was fühlen sie, welche Gedanken schwirren ihnen im Kopf rum, was lässt ihnen keine Ruhe, wie kommen sie in diesem neuen Leben klar?
Die Autorin erkundet diese Fragen in einer Geschichte, die sich sehr persönlich anfühlt und liest.
Die Gedanken der Protagonistin Mira, einer jungen Ärztin, die schon einige Jahre vor dem Krieg nach Deutschland gezogen ist, wirken so wie die Gefühle der Autorin selbst und sind dadurch besonders authentisch und bewegend.

Der Schreibstil ist dabei sehr poetisch, auf fast jeder Seite kann man schöne Zitate finden, die einen tief treffen und die man auch öfters lesen möchte.
Es wirkt teilweise ein wenig wie ein Tagebuch, als ob man all den Gefühlen im Kopf einen weiteren Raum geben möchte indem man sie auf Papier bannt.
Dabei lernt man natürlich Miras Sicht sehr eindrücklich kennen und kann gut nachvollziehen, wie es ihr mit der Situation und all den schlimmen Dingen geht.
Darf man noch glücklich sein, wenn in der Heimat Menschen sterben? Oder muss man es sogar? Wie soll man so seine Rolle als Mutter, Ehefrau oder Ärztin erfüllen?
Dazu erzählt sie zusätzlich noch von all den Menschen, die geflüchtet sind, von ihren kleinen und großen Problemen im neuen Alltag und der Kriegssituation.
Man fühlt sich den Ukrainer*innen mit jeder Seite näher, das was bisher in der Distanz war wird einem hier berührend nähergebracht.
Dies ist kein Buch, das man schnell nebenbei zur Unterhaltung liest, stattdessen ein wunderschön geschriebenes Werk voller Emotionen und Wortschätzen.

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Veröffentlicht am 10.05.2026

Wunderschöne Bilder mit tiefgründigen Gedanken

Die Verwandlungen der Füchsin
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Zwei Fuchsgeister begeben sich zusammen auf den Weg, ein Neunschwänziger Fuchs zu werden, wobei die weiße ältere Füchsin als Mentorin der jungen roten Füchsin agiert.
Sie treffen beide ganz unterschiedliche ...

Zwei Fuchsgeister begeben sich zusammen auf den Weg, ein Neunschwänziger Fuchs zu werden, wobei die weiße ältere Füchsin als Mentorin der jungen roten Füchsin agiert.
Sie treffen beide ganz unterschiedliche Menschen auf ihrem Weg und ihre verschiedenen Erfahrungen werden sie nachhaltig prägen.
Der Manhua ist komplett in Farbe gehalten mit wunderschönen Bildern, die es toll vermögen, die Gefühle der Füchsinnen durch Farben, Gesichtsausdrücke und Bildaufbau zu vermitteln.
Viele Seiten sind richtige kleine Kunstwerke, die man sich lange und immer wieder anschauen kann.
Dazu werden mehrere kurze Episoden erzählt, sodass man einen vielfältigen Einblick in die chinesische Kultur und die damalige Welt bekommt.
Jede dieser Geschichten fand ich wirklich interessant und oft auch sehr berührend, teilweise wurde es richtig emotional.
Gleichzeitig wurden auch sehr bedrückende Themen behandelt und immer wieder wurde die Erzählung richtig düster.
Von daher würde ich den Manhua trotz des süßen Covers eher für Erwachsene empfehlen und nicht für Kinder.
Viele Themen lassen sich herauslesen und regen zum Nachdenken an, besonders gefallen haben mir hierbei die feministischen und gesellschaftskritischen Aspekte.
Auch die Charakterisierung der beiden Füchsinnen ist sehr gelungen, ihre Gemeinsamkeiten aber vor allem ihre Unterschiede entwickeln sich immer weiter und werden schön porträtiert.
Eine großartige Geschichte, in wundervollen Bildern erzählt!

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Veröffentlicht am 09.05.2026

Wolliges Wohlfühlbuch

Widdersehen
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Schäferin Rebecca ist plötzlich verschwunden - Grund genug für die Herde, sich auf eine abenteuerliche Suche zu begeben und dabei auch noch einen Ersatzschäfer zu suchen.
Was für ein schönes Widdersehen ...

Schäferin Rebecca ist plötzlich verschwunden - Grund genug für die Herde, sich auf eine abenteuerliche Suche zu begeben und dabei auch noch einen Ersatzschäfer zu suchen.
Was für ein schönes Widdersehen das war! All die "wollbekannten" Schafe sind wieder mit dabei, dazu aber auch einige neue Schafe und Menschen, sodass sowohl für Neueinsteiger als auch Fans der Vorgängerbücher viel geboten wird und man schnell in der Geschichte drin ist.
Die Schafe werden hierbei toll charakterisiert, jedes hat seine ganz eigenen Stärken und Macken und es dauert nicht lange, bis man sie alle in sein Herz geschlossen hat.
Aber auch die Menschen bekommen ein paar schöne Momente, insbesondere die Interaktionen mit den Schafen haben mir hier sehr gut gefallen.

Der Krimianteil ist auch vorhanden, bleibt aber doch hinter der ganzen Wolle zurück, was aber überhaupt nicht stört - er sorgt für Spannung, lenkt aber nicht von den Schafen ab.
Stattdessen stehen der großartige Humor, die Schafsperspektive sowie die lustigen Wortspiele im Vordergrund und können auch total überzeugen. Die Gedanken und Reaktionen der Schafe sind unglaublich süß und ich habe Wortneuschöpfungen wie "Wollidarität" geliebt.
Ich bin durch die Seiten geflogen und war richtig traurig, als das Buch schon wieder ausgelesen war - ein Krimi, der in Wirklichkeit auch ein absolutes Wohlfühlbuch ist. Wo kriege ich jetzt meine eigene Schafsherde her?

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Veröffentlicht am 03.05.2026

Die Fehler der Vergangenheit und ihre Wiederholungsgefahr

Der Fährmann
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Ende des 19. Jahrhunderts werden vier Kinder geboren, deren Leben in den nächsten Jahren untrennbar miteinander verknüpft werden sollten, auf gute und auch schlechte Weise.
Das Buch ist anders als erwartet, ...

Ende des 19. Jahrhunderts werden vier Kinder geboren, deren Leben in den nächsten Jahren untrennbar miteinander verknüpft werden sollten, auf gute und auch schlechte Weise.
Das Buch ist anders als erwartet, aber hat mich dadurch sehr positiv überrascht. Statt nur über den Fährmann zu berichten, wird die Geschichte aus allen vier Perspektiven erzählt, über die Jahre hinweg. Dies hat den großen Vorteil, dass die Charaktere mehr Tiefe bekommen, man verschiedene Blickwinkel erhält und sich die Handlung auf die wichtigsten Ereignisse fokussiert.
Während ich sonst bei diesem Stilelement immer eine favorisierte Perspektive habe, hatte ich dieses Gefühl hier gar nicht, jeder Charakter hatte seinen eigenen Reiz, auch die inhaltlich schweren Kapitel waren doch irgendwie auch wichtig.
Dies soll auch vorweg gesagt werden, das Buch ist keine leichte Kost, Themen wie häusliche Gewalt, Missbrauch und Krieg sind allgegenwärtig und werden auch nicht beschönigt.
Gerade deswegen rüttelt es den Leser aber umso mehr wach, man ist emotional voll dabei und zieht unweigerlich auch öfters Parallelen und Vergleiche zu unserer heutigen Zeit.

Durch die Geschichte zieht sich so auch der Fluss, der schön und einladend aussieht, aber unter seiner Oberfläche Gefahren und Tod verbirgt, ähnlich wie das Buch selbst und einige der Charaktere.
Wir bekommen einen authentischen Einblick in das Leben der damaligen Zeit, in die Bauernhöfe, das Wirtshaus und in das Fährgeschäft. Der Schreibstil passt dabei super zu der Zeit und auch dem Handlungsort, was sich auch im Dialekt der Dialoge widerspiegelt.
Die Charaktere sind nicht eindimensional, sondern wir erleben Stück für Stück mit, warum ihr Leben so verläuft, welche Erlebnisse dazu geführt und ihre Persönlichkeit geprägt haben.
Lediglich manchmal erschienen mir manche von ihnen jedoch ein wenig Schwarz-Weiß, Gut und Böse waren teils sehr deutlich dargestellt.

Sehr gut dargestellt ist jedoch die Rolle der Frau zu der damaligen Zeit: Die Beziehungen der Mütter zu ihren Kindern, die Erwartungen an eine Ehefrau, die ständigen Vorurteile und Diskriminierungen wenn man aus der Rolle fällt, die Machtlosigkeit, die Freundschaften und (fehlende) weibliche Solidarität... das alles war sehr emotional zu lesen und hat auch heute noch Relevanz, genau wie das Plädoyer gegen den Krieg.
Manche Kleinigkeiten waren vielleicht ein wenig unrealistisch, aber überwiegend war dies nicht der Fall, sodass mich diese Ausnahmen auch nicht gestört haben.
Das Buch nimmt einen gefangen wie der Fluss, man gerät in einen Lesesog und kommt am Ende lebend heraus, aber emotional aufgewühlt und mit vielen Gedanken im Kopf.

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