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Veröffentlicht am 10.10.2017

Eine Meisterdiebin und ein geheimnisvolles Medaillon

Das blaue Medaillon
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Venedig im Jahr 1667: Das Leben der 21-jährigen Alessa, Meisterdiebin und Waise, ändert sich mit einem Mal plötzlich. Nur kurze Zeit, nachdem sie ihr ein geheimnisvolles Medaillon anvertraut hat, stirbt ...

Venedig im Jahr 1667: Das Leben der 21-jährigen Alessa, Meisterdiebin und Waise, ändert sich mit einem Mal plötzlich. Nur kurze Zeit, nachdem sie ihr ein geheimnisvolles Medaillon anvertraut hat, stirbt ihre Tante. Noch am selben Tag wird ihr Großvater, bei dem sie aufgewachsen ist, das Opfer eines Mordes. Auch auf Alessa selbst haben es die Mörder abgesehen, doch sie kann knapp ihren Verfolgern entwischen und in Begleitung einer Schauspielertruppe aus der italienischen Lagunenstadt fliehen. Sie will nach Celle, wo ihr einziger verbliebener Verwandter, ein Cousin, lebt. Allerdings ist sie auch am Hof des Herzogs von Braunschweig-Lüneburg nicht sicher. Der gefährliche Mörder ihres Großvaters ist nach wie vor auf der Jagd nach ihr und nimmt ihre Spur auf.

„Das blaue Medaillon“ von Martha Sophie Marcus ist ein historischer Roman, der im Umfeld höfischen Adels im 17. Jahrhundert spielt. Die Geschichte vereint in einem interessanten Mix Abenteuer, Spannung und Liebe.

Meine Meinung:
In einem angenehmen Erzählstil verknüpft die Autorin in ihrem Roman unterschiedliche Perspektiven, die der Geschichte Tiefe geben. Dabei verwebt sie auf gelungene Weise historische Persönlichkeiten und fiktionale Elemente. Auch bei den Schilderungen wird deutlich, dass einiges an Recherche in das Buch geflossen ist.

Die tollen Beschreibungen konnten mich überzeugen. Die Szenerie kann man sich gut vorstellen. Mit Liebe zum Detail lässt die Autorin viele Bilder im Kopf entstehen Die eher gehobene, aber verständliche Ausdrucksweise passt zum Genre. Der Roman ließ sich flüssig lesen. Als angenehm habe ich auch die Länge der Kapitel empfunden, nur die Uneinheitlichkeit der Überschriften wirkte auf mich störend.

Mit Alessa wird eine interessante Figur in den Mittelpunkt der Erzählung gestellt. Sie ist eine mutige, emanzipierte Frau, die durchweg sympathisch rübergekommen ist. Auch die übrigen Charaktere sind authentisch dargestellt und gut herausgearbeitet. Deren Motive waren nachvollziehbar. Nur eine der weiteren Hauptpersonen, Arthur, bleibt leider etwas blass.

Die stimmige Handlung ist überwiegend spannend und konnte mich von Beginn an fesseln. Sie enthält etliche Wendungen und mehrere Überraschungen, sodass sie nur an wenigen Stellen vorhersehbar war. Auch lustige Momente sind in die Geschichte eingebaut, die ebenfalls für eine kurzweilige und unterhaltsame Lektüre sorgen.

Ein Pluspunkt sind für mich außerdem das Glossar und die Übersicht über die Figuren, die eine bessere Orientierung im Roman ermöglichen. Das Nachwort gefiel mir gut. Darüber hinaus passt das Cover meiner Meinung nach sehr gut zur Geschichte.

Am Ende blieben noch einige Fragen offen. Deshalb hoffe ich auf eine Fortsetzung.

Mein Fazit:
Die Autorin hat mit ihrem neuen Buch einen historischer Roman vorgelegt, der sich positiv von einigen anderen Werken des Genres hervorhebt. Er hat für schöne Lesestunden gesorgt. Ich kann „Das blaue Medaillon“ daher weiterempfehlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Figuren
  • Atmosphäre
  • Spannung
  • Thema
Veröffentlicht am 05.10.2017

Wenn die Welt den Atem anhält, bevor sie in die Dunkelheit stürzt

Luisa und die Stunde der Kraniche
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Luisa Mewelt (38) braucht Zeit zum Nachdenken. Nach etlichen Jahren Beziehung hat Richard, ihr Freund, ihr einen Heiratsantrag gemacht. Die Goldschmiedin und Schmuckdesignerin ist unentschlossen, was sie ...

Luisa Mewelt (38) braucht Zeit zum Nachdenken. Nach etlichen Jahren Beziehung hat Richard, ihr Freund, ihr einen Heiratsantrag gemacht. Die Goldschmiedin und Schmuckdesignerin ist unentschlossen, was sie antworten soll, und nimmt sich eine Auszeit im Ferienhaus Zugvogel in Zingst an der Ostsee, der Heimat ihrer verstorbenen Großeltern. Doch am Ende beschäftigen sich ihre Gedanken nicht nur mit Richard, sondern auch mit einem frechen Kranichexperten namens Jan, der alten Mary, ihrer Familie und den faszinierenden Zugvögeln, die nicht nur in der blauen Stunde einen Zauber versprühen.

Meine Meinung:
Mit "Luisa und die Stunde der Kraniche" hat Tania Krätschmar einen unterhaltsamen und stimmungsvollen Wohlfühlroman mit mystischen Elementen veröffentlicht. Durch den flüssigen, angenehmen Erzählstil bin ich sofort gut in die Geschichte eingetaucht. Wundervolle Landschaftsbeschreibungen und sonstige detailreiche Schilderungen haben eine besondere Stimmung geschaffen. Vor meinem inneren Auge sind schnell viele Bilder entstanden. Zudem hat es die Autorin geschafft, Fernweh bei mir zu erzeugen. Dazu trägt auch das ansprechende Cover bei.

Die Darstellung der Charaktere empfand ich als authentisch. Interessant und reizvoll fand ich dabei besonders die Hauptprotagonistin Luisa, die nicht als perfekte oder stereotypische Romanheldin gezeichnet ist, sondern als wankelmütiger Mensch mit Schwächen und Fehlern. Auch in anderen Aspekten hebt sich das Buch auf erfrischende Art von anderen Liebesromanen ab. Beispielsweise erfährt der Leser viel über die Kraniche und die Krankheit Diabetes - und das nicht auf langweilige, sondern interessante Weise. Dadurch ist das Buch keine seichte Unterhaltung, sondern eine lehrreiche Lektüre.

Insgesamt haben mich nur wenige Kleinigkeiten gestört. Sprachlich fand ich einige wenige Formulierungen nicht ganz passend. Etwas schade war auch, dass die mystische Komponente für mich schon sehr früh zu durchschauen war.

Mein Fazit:
"Luisa und die Stunde der Kraniche" ist ein stimmungsvoller Ostseeroman, der für angenehme Lesestunden und gelungene Unterhaltung sorgt. Ich vergebe 4,5 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 31.08.2017

Komplexer Roman, der mich fesseln konnte

Into the Water - Traue keinem. Auch nicht dir selbst.
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Zum Inhalt:
Die Kleinstadt Beckford in England ist seit Jahrhunderten der Schauplatz mysteriöser Todesfälle: Im Drowning Pool, einer äußerst tiefen Stelle am Fluss, sterben "unbequeme Frauen": Hexen, Ehebrecherinnen ...

Zum Inhalt:
Die Kleinstadt Beckford in England ist seit Jahrhunderten der Schauplatz mysteriöser Todesfälle: Im Drowning Pool, einer äußerst tiefen Stelle am Fluss, sterben "unbequeme Frauen": Hexen, Ehebrecherinnen und aufsässige Teenager. Die Fotografin Nel Abbott ist fasziniert von dem Ort und geradezu besessen, die Geschichten zu recherchieren und in einem Buch zu sammeln. Damit macht sie sich bei den Einwohnern aber keine Freunde. Der Unmut wächst, als plötzlich ein beliebtes junges Mädchen an genau dieser Stelle ins Wasser geht. Kurz darauf stirbt Nel selbst im Drowning Pool. Die Frage ist nun: War es Suizid, ein Unglück oder Mord?

Um Nels Tochter im Teenageralter soll sich nun ihre Tante Julia kümmern. Aber diese schleppt selbst schwere Lasten aus der Vergangenheit mit sich herum. Das Verhältnis beider Schwester war seit Längerem zerrüttet. Doch dann beginnt auch Jules, sich mit den Geschichten der toten Frauen zu beschäftigen.

Meine Meinung:
Der Aufbau des Romans ist komplex. Erzählt wird die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven. Gut gefallen hat mir, dass so verschiedenen Familien, ihre Vergangenheit und Verflechtungen beleuchtet wurden. Dabei wurden unterschiedliche Themen aufgegriffen, was die Handlung für mich interessant machte. Der Wechsel zwischen den verschiedenen Personen erfordert Aufmerksamkeit. Ich konnte der Handlung jedoch jederzeit gut folgen. Zudem kommt es durch diese Struktur zu einigen Wiederholungen, die ich aber nicht als langweilig oder störend empfand. Das lag sicherlich auch am Erzählstil, den ich sehr mochte.

Insgesamt hatte die Geschichte für mich keine Längen. Schnell hatte sie mich gepackt. Obwohl das Ganze nicht als klassischer Thriller bezeichnet wird, fand ich es sehr spannend.

Ich habe die gekürzte Lesung als Hörbuch erhalten, das mich überzeugen konnte. Die drei Sprecher haben die unterschiedlichen Perspektiven gekonnt vorgetragen, sodass sich die Wechsel gut nachvollziehen ließen.

Fazit:
Für mich ist "Into the water" ein unterhaltsamer Spannungsroman, den ich genossen habe. Es machte Spaß zu verfolgen, wie sich die unterschiedlichen Stränge allmählich zusammenfügten. Von mir gibt es eine klare Empfehlung!

Veröffentlicht am 31.05.2026

Eine Antiheldin sinnt auf Rache

Ein unheimlich guter Mensch
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Seit circa vier Monaten hat sie eine unverbindliche Sache mit Henry Davis laufen. Nun wäre Lillian (29) für eine feste Beziehung bereit. Die Angestellte mit einem mittelmäßigen Job macht sich Hoffnungen, ...

Seit circa vier Monaten hat sie eine unverbindliche Sache mit Henry Davis laufen. Nun wäre Lillian (29) für eine feste Beziehung bereit. Die Angestellte mit einem mittelmäßigen Job macht sich Hoffnungen, doch der Auserwählte geht stattdessen auf Distanz und möchte sie nicht mehr treffen. Aus Wut und Enttäuschung sinnt Lillian auf Rache und belegt Henry mit einem Fluch, der über das Ziel hinausschießt…

„Ein unheimlich guter Mensch“ ist der Debütroman von Kirsten King.

Der Roman setzt sich aus 33 Kapiteln zusammen, die mit einem Prolog eingeleitet werden. Erzählt wird in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Lillian.

Die Protagonistin ist eine Antiheldin mit einer problematischen Selbstwahrnehmung: Sie ist launisch, zickig, selbstbezogen, narzisstisch und durchweg unsympathisch. Ihre Gedanken und Gefühle sind klar ersichtlich, wenn auch für mich nicht immer nachvollziehbar.

Das Zwischenmenschliche nimmt viel Raum im Roman an. Auf der inhaltlichen Ebene spielen komplexe und komplizierte Beziehungen eine Rolle: queere und heterosexuelle Verbindungen, die Suche nach echter Nähe, Einsamkeit und Situationships, aber auch Freundschaften. Es geht dabei unter anderem um emotionale Verletzungen, Rachegelüste und psychische Probleme. Thematisiert werden zudem Süchte und Abhängigkeiten unterschiedlicher Art. Damit bildet die Geschichte einiges davon ab, was viele Endzwanziger bewegt.

Auf den mehr als 300 Seiten ist die Handlung unterhaltsam, witzig und durchaus spannend. Jedoch streift sie auch den magischen Realismus und enthält ein paar Szenen, die ich als etwas übertrieben empfinde.

Die Sprache ist flapsig, zum Teil etwas vulgär, aber sehr anschaulich und dem Alter der Protagonistin nicht unangemessen. Die Dialoge wirken lebhaft und authentisch.

Der deutsche Titel orientiert sich am englischsprachigen Original („A Good Person“). Das Covermotiv steht der Ungewöhnlichkeit der Geschichte in nichts nach, ist aber Geschmacksache.

Mein Fazit:
Mit ihrem unkonventionellen Debüt „Ein unheimlich guter Mensch“ hat mich Kirsten King sehr gut unterhalten. Den skurrilen und etwas provokanten Roman kann ich - trotz kleinerer Schwächen - empfehlen.

Veröffentlicht am 22.05.2026

Die Wirklichkeit ist ein Spiegel der Gedanken

Mit anderen Augen
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Nach der Scheidung von Tom vor fünf Jahren lebt Tilda Finch (52) allein, nur in Gesellschaft ihres Katers Pirat und ihres Hundes Buddy. Ihre erwachsenen Zwillingstöchter Holly und Tabitha (20) sind bereits ...

Nach der Scheidung von Tom vor fünf Jahren lebt Tilda Finch (52) allein, nur in Gesellschaft ihres Katers Pirat und ihres Hundes Buddy. Ihre erwachsenen Zwillingstöchter Holly und Tabitha (20) sind bereits ausgezogen. Dennoch hätte sich Tilda nicht für unglücklich gehalten, denn sie hat eine erfolgreiche Firma, tolle Freundinnen und ein schönes Haus in Middle Bay, einem Vorort am Meer in der Nähe von Sydney. Doch eines Tages stellt sie plötzlich fest, dass ihr rechter, kleiner Finger nicht mehr zu sehen ist. Kurz darauf scheint auch ein Ohr verschwunden zu sein. Ihre Ärztin diagnostiziert bei ihr „Morbus invisibilis“: eine Unsichtbarkeitserkrankung. Tilda ist geschockt und verwirrt. Wie soll ihr Leben nun weitergehen?

„Mit anderen Augen“ ist ein Roman von Jane Tara.

Die Geschichte greift ein tatsächlich existierendes Problem auf und nimmt die Metapher dabei sehr wörtlich: die Unsichtbarkeit von Frauen jenseits der 50 im gesellschaftlichen Alltag. Dass ältere Frauen nur noch seltenst befördert werden, ihre Engagements und Aufträge einbrechen, ihnen aufgrund ihres Alters Bedeutung und Kompetenz abgesprochen werden und sie zunehmend in den Hintergrund gedrängt werden, ist ein reales Phänomen. Im Roman wird dies auf die Spitze getrieben: Bei einigen Frauen in der Geschichte werden Körperteile unsichtbar oder sie sind irgendwann gar nicht mehr zu sehen. Das heißt, der Roman beinhaltet magischen Realismus. Dabei wird diese Krankheit zunächst schlüssig erklärt. Erst im weiteren Verlauf entstehen Inkonsistenzen und es bleiben offene Fragen zu dem Thema.

Besonders gut hat mir gefallen, dass der Roman dieses Problem auf eine weitere Ebene hebt: Wie nehmen wir die Welt wahr? Und wie beeinflussen unser Denken, unsere Prägungen und unsere Erfahrungen das, was wir sehen? Auch dazu liefert die Geschichte interessante und bereichernde Impulse.

Über die Altersdiskrimierung von Frauen hinaus bringt der Roman weitere feministische Aspekte auf angenehm unaufgeregte Weise zur Sprache: zum Beispiel die unzureichende Forschung zur Frauengesundheit (Gender Health Gap).

Erzählt wird die Geschichte in 66 Kapiteln in personaler Perspektive aus der Sicht von Tilda. Wir begleiten sie über einen Zeitraum von mehreren Monaten, in denen die Protagonistin, die mit viel psychologischer Tiefe ausgestattet ist, eine deutliche Entwicklung erlebt.

Jedes Kapitel wird mit je einem Zitat einer realer oder fiktiven Person eingeleitet. Auch darüber hinaus sind in den Text immer wieder Referenzen auf Literatur, Philosophie, Psychologie, Spiritualität und andere Bereiche eingestreut. Diese Häufung von teils inspirierenden und augenöffnenden Sätzen, teils banalen Kalendersprüchen war für mich ein wenig zu viel.

Nach einem starken Beginn hat mich die knapp 500 Seiten umfassende Geschichte zunehmend verloren. Erwartet hatte ich eine bewegende Handlung rund um Freundinnenschaft, weibliche Selbstermächtigung und die Solidarität zwischen Frauen. Dieser Erwartung wird der Roman zwar in Ansätzen gerecht, doch er setzt diesbezüglich keinen klaren Fokus. Die penetrante Überbetonung der Kraft der Meditation sorgt zudem für etliche Redundanzen und langatmige Passagen.

Bedauerlich finde ich es, dass der Roman einer unglaubwürdigen Liebesgeschichte unnötig viel Raum gibt. So entsteht der Eindruck, dass Frauen nur in einer Beziehung oder in der Liebe zu einem Mann vollste Erfüllung finden. Nicht nur in diesem Punkt driftet die Geschichte zunehmend ins Klischee- und Märchenhafte ab.

Erfreulich und sinnvoll ist hingegen die Entscheidung des Diogenes Verlags, sich zugunsten von „Mit anderen Augen“ vom englischsprachigen Originaltitel („Tilda is visible“) komplett zu lösen. Auch die zum Covermotiv auserkorene Illustration von Paul Thurlby („A New Day“) ist mit ihrer Mehrdeutigkeit eine hervorragende Wahl.

Mein Fazit:
In ihrem Roman „Mit anderen Augen“ greift Jane Tara ein wichtiges Problem auf kreative und unterhaltsame Weise auf. Leider kann die Geschichte jedoch nicht ihr gesamtes Potenzial ausschöpfen und bleibt hinter meinen Erwartungen zurück.