Wenn die Welt zerbricht, bleibt die Freundschaft
Malacarne„Malacarne“ von Beatrice Salvioni ist am 23.04.2026 im Penguin Verlag erschienen, aus dem Italienischen übersetzt von Anja Nattefort. Auf 512 Seiten führt uns die Autorin (zurück) nach Monza und zu Francesca ...
„Malacarne“ von Beatrice Salvioni ist am 23.04.2026 im Penguin Verlag erschienen, aus dem Italienischen übersetzt von Anja Nattefort. Auf 512 Seiten führt uns die Autorin (zurück) nach Monza und zu Francesca und Maddalena, deren Geschichte viele bereits aus „Malnata“ kennen dürften.
Worum geht's?
Wir schreiben das Jahr 1940. Francesca hat seit Jahren nichts von ihrer besten Freundin Maddalena gehört, die einst aus ihrem Leben verschwand. Als Maddalena plötzlich zurückkehrt, ist nichts mehr wie früher. Während Italien immer tiefer in den Krieg und den Faschismus abrutscht, müssen die beiden jungen Frauen ihren Platz in einer Welt finden, die ihnen kaum Freiheiten zugesteht.
Meine Meinung
„Malnata“ hat mir bereits sehr gut gefallen, deshalb war ich unglaublich überrascht (hatte es so gar nich erwartet) & dann auch gespannt auf diese Fortsetzung. Und was soll ich sagen? Für mich ist „Malacarne“ ein wirklich gelungener Nachfolger geworden. Man spürt auf jeder Seite, dass die Figuren älter geworden sind und vor allem, dass sie viel zu früh erwachsen werden mussten. Die politischen Umstände, der Krieg und die gesellschaftlichen Erwartungen lassen ihnen kaum eine Wahl.
Wieder sehr beeindruckt hat mich (wie schon bei „Malnata“) die Art, wie Beatrice Salvioni ihre Figuren zeichnet. Francesca und Maddalena sind keine Heldinnen im klassischen Sinn. Sie machen Fehler, zweifeln, geraten an ihre Grenzen. Gerade dadurch wirken sie auf mich sehr lebendig und nahbar. Ihre Freundschaft steht weiterhin im Mittelpunkt der Geschichte, wird aber immer wieder auf die Probe gestellt durch äußere Ereignisse ebenso wie durch ihre unterschiedlichen Entwicklungen.
Eine weitere Besonderheit war für mich der historische Hintergrund. Während in Österreich im Geschichtsunterricht naturgemäß vor allem die österreichische Perspektive auf Nationalsozialismus und Widerstand behandelt wird, wusste ich über die italienische Resistenza bislang vergleichsweise wenig. Durch diesen Roman habe ich nicht nur eine spannende Geschichte gelesen, sondern auch viel über den italienischen Widerstand und die Auswirkungen des Faschismus gelernt.
Und Beatrice Salvioni etwas, das ich sehr schätze: Sie erzählt Geschichte nicht als trockene Faktenvermittlung, sondern macht sie über ihre Figuren emotional erfahrbar. Die Angst, die Unsicherheit, aber auch der Mut und die Solidarität untereinander werden greifbar. Ich hoffe, dass wir noch viel von ihr lesen dürfen.
Und worüber wir noch reden müssen ist das Nachwort. Erstens feiere ich es, dass es überhaupt ein Nachwort gegeben hat (nicht selbstverständlich!) und zweitens hat mich ein Nachwort selten so beschäftigt. Obwohl während des Lesens draußen fast 40 Grad waren, hatte ich beim Lesen wortwörtlich Gänsehaut. Das liegt für mich vor allem am persönlichen Bezug der Autorin mit ihrer Großmutter, aber auch an den (leider) waren Schilderungen der Malacarni.
„Malacarne“ ist alles andere als ein Wohlfühlbuch. Und mit über 500 Seiten nimmt sich die Geschichte Zeit für ihre Figuren und Entwicklungen. Für mich hat sich diese Zeit aber absolut gelohnt.
Fazit
„Malacarne“ ist eine eindrucksvolle Geschichte über Freundschaft, Selbstbestimmung, Krieg und Widerstand. Beatrice Salvioni zeigt erneut, wie stark historische Romane sein können, wenn sie gesellschaftliche Themen mit emotionalen Schicksalen verbinden. Für alle, die „Malnata“ schon geliebt haben, sich für italienische Zeitgeschichte interessieren und starke Frauenfiguren schätzen. Danke an den Penguin Verlag für das Rezensionsexemplar!