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Veröffentlicht am 25.06.2026

Wenn die Welt zerbricht, bleibt die Freundschaft

Malacarne
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„Malacarne“ von Beatrice Salvioni ist am 23.04.2026 im Penguin Verlag erschienen, aus dem Italienischen übersetzt von Anja Nattefort. Auf 512 Seiten führt uns die Autorin (zurück) nach Monza und zu Francesca ...

„Malacarne“ von Beatrice Salvioni ist am 23.04.2026 im Penguin Verlag erschienen, aus dem Italienischen übersetzt von Anja Nattefort. Auf 512 Seiten führt uns die Autorin (zurück) nach Monza und zu Francesca und Maddalena, deren Geschichte viele bereits aus „Malnata“ kennen dürften.

Worum geht's?

Wir schreiben das Jahr 1940. Francesca hat seit Jahren nichts von ihrer besten Freundin Maddalena gehört, die einst aus ihrem Leben verschwand. Als Maddalena plötzlich zurückkehrt, ist nichts mehr wie früher. Während Italien immer tiefer in den Krieg und den Faschismus abrutscht, müssen die beiden jungen Frauen ihren Platz in einer Welt finden, die ihnen kaum Freiheiten zugesteht.

Meine Meinung

„Malnata“ hat mir bereits sehr gut gefallen, deshalb war ich unglaublich überrascht (hatte es so gar nich erwartet) & dann auch gespannt auf diese Fortsetzung. Und was soll ich sagen? Für mich ist „Malacarne“ ein wirklich gelungener Nachfolger geworden. Man spürt auf jeder Seite, dass die Figuren älter geworden sind und vor allem, dass sie viel zu früh erwachsen werden mussten. Die politischen Umstände, der Krieg und die gesellschaftlichen Erwartungen lassen ihnen kaum eine Wahl.

Wieder sehr beeindruckt hat mich (wie schon bei „Malnata“) die Art, wie Beatrice Salvioni ihre Figuren zeichnet. Francesca und Maddalena sind keine Heldinnen im klassischen Sinn. Sie machen Fehler, zweifeln, geraten an ihre Grenzen. Gerade dadurch wirken sie auf mich sehr lebendig und nahbar. Ihre Freundschaft steht weiterhin im Mittelpunkt der Geschichte, wird aber immer wieder auf die Probe gestellt durch äußere Ereignisse ebenso wie durch ihre unterschiedlichen Entwicklungen.

Eine weitere Besonderheit war für mich der historische Hintergrund. Während in Österreich im Geschichtsunterricht naturgemäß vor allem die österreichische Perspektive auf Nationalsozialismus und Widerstand behandelt wird, wusste ich über die italienische Resistenza bislang vergleichsweise wenig. Durch diesen Roman habe ich nicht nur eine spannende Geschichte gelesen, sondern auch viel über den italienischen Widerstand und die Auswirkungen des Faschismus gelernt.

Und Beatrice Salvioni etwas, das ich sehr schätze: Sie erzählt Geschichte nicht als trockene Faktenvermittlung, sondern macht sie über ihre Figuren emotional erfahrbar. Die Angst, die Unsicherheit, aber auch der Mut und die Solidarität untereinander werden greifbar. Ich hoffe, dass wir noch viel von ihr lesen dürfen.

Und worüber wir noch reden müssen ist das Nachwort. Erstens feiere ich es, dass es überhaupt ein Nachwort gegeben hat (nicht selbstverständlich!) und zweitens hat mich ein Nachwort selten so beschäftigt. Obwohl während des Lesens draußen fast 40 Grad waren, hatte ich beim Lesen wortwörtlich Gänsehaut. Das liegt für mich vor allem am persönlichen Bezug der Autorin mit ihrer Großmutter, aber auch an den (leider) waren Schilderungen der Malacarni.

„Malacarne“ ist alles andere als ein Wohlfühlbuch. Und mit über 500 Seiten nimmt sich die Geschichte Zeit für ihre Figuren und Entwicklungen. Für mich hat sich diese Zeit aber absolut gelohnt.

Fazit

„Malacarne“ ist eine eindrucksvolle Geschichte über Freundschaft, Selbstbestimmung, Krieg und Widerstand. Beatrice Salvioni zeigt erneut, wie stark historische Romane sein können, wenn sie gesellschaftliche Themen mit emotionalen Schicksalen verbinden. Für alle, die „Malnata“ schon geliebt haben, sich für italienische Zeitgeschichte interessieren und starke Frauenfiguren schätzen. Danke an den Penguin Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Veröffentlicht am 14.06.2026

Ein Schottland-Reiseführer, der es in sich hat

Reisehandbuch Schottland
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Mit dem "Reisehandbuch Schottland" legt Magda Lehnert bei Reisedepeschen einen Reiseführer vor, der weit mehr sein möchte als eine Sammlung von Sehenswürdigkeiten und Übernachtungstipps. Das Buch versteht ...

Mit dem "Reisehandbuch Schottland" legt Magda Lehnert bei Reisedepeschen einen Reiseführer vor, der weit mehr sein möchte als eine Sammlung von Sehenswürdigkeiten und Übernachtungstipps. Das Buch versteht Schottland als Erfahrungsraum: als Landschaft, die man langsam entdeckt, durchwandert und auf sich wirken lässt.

Diese Haltung überrascht nicht. Lehnert ist Journalistin, Fotografin und Gründerin des Online-Magazins Wanderfolk. Ihre besondere Nähe zur Natur prägt jede Seite dieses Reisehandbuchs. Statt Schottland als Abfolge touristischer Highlights zu präsentieren, nähert sie sich dem Land über Landschaften, Wanderungen, Literatur, Geschichte und persönliche Begeisterung.

Meine Meinung

Beim Durchblättern war ich sofort an meinen eigenen Schottland-Urlaub vor einigen Jahren zurückversetzt. Viele der Orte, die wir damals besucht haben, tauchen im Buch auf. Andere wiederum fehlten, was angesichts der schieren Vielfalt des Landes kaum vermeidbar ist.

Was mir aber sofort auffiel: Dieses Handbuch ist außergewöhnlich liebevoll gestaltet. Das beginnt bereits beim Aufbau. Das Inhaltsverzeichnis am Anfang ermöglicht einen schnellen Überblick, während der umfangreiche Index am Ende dabei hilft, gezielt einzelne Regionen oder Themen wiederzufinden. Man merkt, dass hier jemand sehr genau darüber nachgedacht hat, wie unterschiedliche Informationsbedürfnisse zusammengeführt werden können. Überhaupt ist Orientierung eine der großen Stärken des Buches. Trotz der Fülle an Informationen wirkt nichts überladen. Die Kapitel greifen sinnvoll ineinander, Karten, Tipps und Hintergrundinformationen ergänzen sich, statt miteinander zu konkurrieren.

Besonders begeistert haben mich auch die Fotografien. Die Bilder transportieren genau jene Mischung aus Wildheit, Melancholie und Schönheit, die viele Menschen mit Schottland verbinden. Gemeinsam mit den literarischen Empfehlungen, Festivaltipps, Wanderinformationen und zusätzlichen Angeboten wie der Spotify-Playlist entsteht das Gefühl, nicht bloß einen Reiseführer, sondern ein kuratiertes Reiseerlebnis in Händen zu halten.

Inhaltlich folgt das Buch einer klaren Idee: Schottland wird nicht primär als touristische Destination verstanden, sondern als Landschaft, die erlebt werden möchte. Das zeigt sich beispielsweise in der ausführlichen Würdigung der Schriftstellerin Nan Shepherd. Ihr Satz „To aim for the highest point is not the only way to climb a mountain." wird zum programmatischen Leitmotiv des gesamten Buches (S. 64). Nicht das Erreichen eines Ziels steht im Vordergrund, sondern die Art und Weise, wie man unterwegs ist.

Diese Haltung zieht sich durch viele Kapitel. Lehnert beschreibt Orte selten als Sehenswürdigkeiten, die man abhaken sollte. Stattdessen lädt sie dazu ein, langsamer zu reisen, genauer hinzusehen und Landschaften auf sich wirken zu lassen. Gerade dadurch unterscheidet sich das Buch von vielen klassischen Reiseführern, die oft einer Logik der Optimierung folgen: möglichst viel sehen, möglichst effizient reisen, möglichst viele Highlights mitnehmen. Hier geht es eher um das Gegenteil.

Gleichzeitig bleibt das Handbuch erfreulich praktisch. Neben Inspiration bietet es konkrete Hilfestellungen für die Reiseplanung, Wanderungen, Unterkünfte und regionale Besonderheiten. Das Buch erfüllt somit sowohl die Funktion eines Lesebuchs als auch die eines klassischen Reisehandbuchs.

Dennoch gibt es einige Punkte, die mir gefehlt haben. Besonders auffällig war für mich das Fehlen stärkerer lokaler Perspektiven. Während Landschaften und Orte ausführlich beschrieben werden, kommen Menschen vergleichsweise selten zu Wort. Gerade Reisedepeschen hat in anderen Handbüchern – etwa beim Reisehandbuch Inseln Thailand – gezeigt, wie bereichernd Geschichten von Einheimischen, Reisenden oder lokalen Initiativen sein können. Solche Perspektiven hätten das Bild Schottlands noch vielschichtiger gemacht und dem Land zusätzliche soziale Tiefe verliehen.

Ein weiterer Punkt betrifft die Thematisierung von Harry Potter und J.K. Rowling. Das Buch verweist mehrfach auf die literarischen und filmischen Bezüge der Reihe. Das ist grundsätzlich nachvollziehbar, schließlich gehört Harry Potter längst zur touristischen Identität vieler schottischer Orte. Gleichzeitig hätte ich mir zumindest eine kurze kritische Einordnung gewünscht. Angesichts der seit Jahren geführten Debatten um Rowlings transfeindliche Positionen wirkt die vollständige Ausblendung dieser Kontroversen auf mich sehr irritierend. Gerade weil das Buch an mehreren Stellen auf Harry Potter Bezug nimmt, wäre eine Kontextualisierung sinnvoll gewesen und hätte ich mir von dem Verlag erwartet, um die gesellschaftliche Realität abzubilden, die heute untrennbar mit dem Namen der Autorin verbunden ist.

Auch beim Thema Nachhaltigkeit bleibt das Buch etwas hinter meinen Erwartungen zurück. Reisedepeschen steht wie kaum ein anderer Reisebuchverlag für entschleunigtes und bewusstes Reisen. Umso mehr hätte ich mir zusätzliche Informationen zu klimafreundlichen Mobilitätsformen gewünscht. Wanderungen spielen erfreulicherweise eine große Rolle, doch Hinweise auf Zugreisen, Radreisen oder autofreie Routen hätten das Konzept sinnvoll ergänzt.
Ähnliches gilt für veganes Reisen. Zwar ist Schottland sicherlich kein Land, das sofort für seine vegane Küche bekannt ist. Gleichzeitig haben wir während unseres Aufenthalts überraschend viele vegane Angebote entdeckt. Darunter sogar vegane Varianten von Haggis. Solche Hinweise hätten insbesondere für vegane Reisende einen echten Mehrwert dargestellt.

Fazit

Wer eine Schottlandreise plant, erhält hier nicht nur praktische Orientierung, sondern auch Inspiration und Hintergrundwissen. Gleichzeitig bleibt Raum für Weiterentwicklungen: Mehr lokale Stimmen, eine kritischere Einordnung kultureller Referenzen sowie stärkere Hinweise auf nachhaltige und vegane Reisemöglichkeiten hätten das Buch noch zeitgemäßer gemacht. Dennoch bleibt das Handbuch eine klare Empfehlung für alle, die Schottland nicht einfach besuchen, sondern wirklich erleben möchten. Vielen Dank an Reisedepeschen für das Rezensionsexemplar.

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Veröffentlicht am 07.06.2026

Zwischen Macht, Manipulation und Morgengrauen

Im Morgengrauen (Art Mayer-Serie 4)
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Verschwörungsvorwürfe, virale Videos, ein verschwundener Bundeskanzler und eine Leiche tief unter dem Berliner Alexanderplatz. "Im Morgengrauen" von Marc Raabe ist der vierte Band der Art-Mayer-Reihe und ...

Verschwörungsvorwürfe, virale Videos, ein verschwundener Bundeskanzler und eine Leiche tief unter dem Berliner Alexanderplatz. "Im Morgengrauen" von Marc Raabe ist der vierte Band der Art-Mayer-Reihe und erschien im Mai 2026 als Hörbuch bei Hörbuch Hamburg. Gelesen wird die Geschichte von Peter Lontzek und Pia-Rhona Saxe, die den Thriller mit viel Dynamik und Gefühl zum Leben erwecken.

Obwohl ich nicht mehr genau sagen kann, welchen Band der Reihe ich bereits gelesen oder gehört habe, kamen mir die Figuren rund um Art Mayer und Nele Tschaikowski sofort vertraut vor. Grundsätzlich würde ich sagen kann man "Im Morgengrauen" auch ohne Vorkenntnisse hören. Allerdings würde ich persönlich empfehlen, die Reihe in der richtigen Reihenfolge zu lesen oder zu hören. Gerade in diesem Band gibt es viele Verweise auf frühere Ereignisse und Beziehungen, die glaub deutlich mehr Sinn ergeben, wenn man die Vorgeschichte kennt.

Politkrimis gehören zu meinen liebsten Spannungsgenres, und Marc Raabe versteht es, daraus ein temporeiches Kopfkino zu machen. So hat mich auch die Ausgangssituation des Buches sofort gepackt. Eine junge Frau geht mit brisanten Videos über ihre angebliche Affäre mit dem Bundeskanzler viral. Kurz darauf verschwindet der Kanzler spurlos. Gleichzeitig wird eine grausam zugerichtete Leiche gefunden.

Besonders gefallen hat mir, wie die verschiedenen Handlungsstränge miteinander verwoben werden. Dadurch bleibt die Spannung über weite Strecken konstant hoch. Auch die Hörbuchumsetzung hat mir ausgesprochen gut gefallen. Peter Lontzek und Pia-Rhona Saxe schaffen es, den unterschiedlichen Figuren eigene Stimmen und Charakter zu verleihen. Die Perspektivwechsel funktionieren dadurch hervorragend, und die Geschichte wirkt lebendig und abwechslungsreich erzählt.

Ganz überzeugt hat mich das Ende allerdings nicht. Während der Weg dorthin spannend und durchdacht wirkte, kam die Auflösung für mein Empfinden etwas plötzlich. Einige Entwicklungen erschienen mir überraschend kurzfristig eingeführt, sodass der Abschluss leicht konstruiert wirkte. Vielleicht ist das aber auch bewusst so angelegt und wird in einem weiteren Band noch stärker aufgegriffen.

Trotz dieses kleinen Kritikpunkts hatte ich durchgehend Spaß mit dem Hörbuch. Die Mischung aus Ermittlungsarbeit, politischen Verflechtungen und persönlichen Konflikten hat mich bestens unterhalten.

Fazit

"Im Morgengrauen" ist ein packender Politthriller mit hohem Erzähltempo, interessanten Figuren und einer starken Hörbuchumsetzung. Zwar konnte mich die Auflösung nicht vollständig überzeugen, die spannende Handlung und die gelungenen Sprecher:innen machen das aber mehr als wett. Für alle, die politische Thriller, komplexe Ermittlungen und temporeiche Spannung mögen und idealerweise bereits die vorherigen Art-Mayer-Bände kennen. Vielen Dank an netgalley.de und Hörbuch Hamburg für das Rezensionsexemplar!

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Veröffentlicht am 22.05.2026

Wie viel Mut passt in 144 Seiten?

Badjens. Roman
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Mit "Badjens" erzählt Delphine Minoui eine Geschichte über weibliche Selbstbestimmung, Wut und Widerstand im Iran der Gegenwart. Der Roman erschien im Orlanda Verlag GmbH, übersetzt von Astrid Bührle-Gallet, ...

Mit "Badjens" erzählt Delphine Minoui eine Geschichte über weibliche Selbstbestimmung, Wut und Widerstand im Iran der Gegenwart. Der Roman erschien im Orlanda Verlag GmbH, übersetzt von Astrid Bührle-Gallet, und begleitet die sechzehnjährige Zahra, genannt Badjens, während der Proteste rund um „Frau, Leben, Freiheit“ im Herbst 2022. Auf einem Müllcontainer stehend, kurz davor ihr Kopftuch öffentlich zu verbrennen, blickt sie auf ihr bisheriges Leben zurück. Auf Unterdrückung, familiäre Kontrolle, Sehnsucht nach Freiheit und den Wunsch, endlich selbst über den eigenen Körper und das eigene Leben bestimmen zu dürfen.

Meine Meinung

Ich habe dieses Buch aufgrund des Umfangs innerhalb eines Tages gelesen. Die Sprache ist poetisch und sehr schön zu lesen. Während Badjens auf einem Müllcontainer steht und ihr Kopftuch verbrennt, entfaltet sich in Rückblenden Stück für Stück ihre Geschichte und mit ihr die Geschichte vieler junger Frauen im Iran. Die innere Zerrissenheit zwischen Angst und Widerstand kommt dabei sehr gut heraus. Badjens erzählt rückblickend von ihrer Kindheit, von Verboten und Demütigungen, aber auch davon, wie Social Media, Musik und westliche Popkultur ihr ein anderes Leben zeigen. Genau darin liegt für mich eine der zentralen Aussagen des Buches: Diese junge Generation kennt die Welt außerhalb der Grenzen des Regimes und lässt sich deshalb nicht mehr so leicht kontrollieren.

Dass der Roman auf Social-Media-Beiträgen und Interviews mit jungen Iranerinnen basiert, spürt man deutlich. Badjens wirkt nah an der Realität und macht die Dringlichkeit dieser Protestbewegung emotional greifbar. Gerade die Perspektive einer Jugendlichen funktioniert stark, weil sie die alltägliche Unterdrückung nicht abstrakt beschreibt, sondern körperlich erfahrbar macht: das Kopftuch, die Kontrolle über den weiblichen Körper, die Angst vor Blicken und Bestrafung.

Gleichzeitig hatte ich beim Lesen aber auch einen kleinen inneren Widerstand gegen die Darstellung der Familie. Obwohl mir bewusst ist, dass der Roman auf realen Erfahrungen, Social-Media-Beiträgen und Interviews basiert, wirkten viele männliche Figuren auf mich fast ausschließlich eindimensional grausam: der kontrollierende Vater, der privilegierte Bruder, der übergriffige Cousin. Mir fehlten hier teilweise Zwischentöne und differenziertere Charakterzeichnungen.

Dennoch verliert das Buch dadurch nicht seine Wirkung. Im Gegenteil: Die emotionale Kraft bleibt enorm. Vor allem, weil Minoui nie vergisst, dass hinter jeder politischen Bewegung Menschen stehen. In diesem Fall junge Frauen mit Sehnsüchten, Humor, ersten Lieben und dem Wunsch, einfach FREI leben zu dürfen.

Fazit

"Badjens" ist ein kurzer, intensiver Roman über weiblichen Widerstand, gesellschaftliche Kontrolle und die Sehnsucht nach Freiheit. Besonders empfehlenswert für Leser:innen, die sich literarisch mit den Protesten im Iran und feministischen Themen auseinandersetzen möchten. Wer vielschichtige Familienzeichnungen erwartet, könnte sich an manchen Figurenkonstellationen stören. Trotzdem ist dieses Buch eines, das emotional trifft, politisch relevant bleibt und lange nachhallt. Vielen Dank an Orlanda Verlag GmbH und NetGalley für das Rezensionsexemplar.

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Veröffentlicht am 22.05.2026

Vom Wunsch zu glauben und der Sehnsucht frei zu sein

Monstergott
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Mit "Monstergott" legt Caroline Schmitt nach ihrem Debüt einen Roman vor, der sich mit Glauben, Macht und emotionaler Abhängigkeit innerhalb einer Freikirche beschäftigt. Erschienen ist das Buch bei park ...

Mit "Monstergott" legt Caroline Schmitt nach ihrem Debüt einen Roman vor, der sich mit Glauben, Macht und emotionaler Abhängigkeit innerhalb einer Freikirche beschäftigt. Erschienen ist das Buch bei park x ullstein als Hardcover. Im Mittelpunkt stehen die Geschwister Ben und Esther, die in einer religiösen Gemeinschaft aufgewachsen sind, deren Regeln ihr gesamtes Denken und Fühlen bestimmen. Während Ben verzweifelt gegen etwas ankämpft, das er als „Sünde“ empfindet, beginnt Esther langsam zu hinterfragen, ob Unterordnung wirklich Liebe bedeutet – oder einfach Kontrolle.

Meine Meinung

Mich hat dieses Buch sofort hineingezogen. Nicht, weil mir die dargestellte Welt vertraut wäre, eher im Gegenteil. Ich selbst habe keinerlei religiösen Bezug, und gerade deshalb war es gleichzeitig faszinierend und verstörend, in diese Lebensrealität einzutauchen. Caroline Schmitt gelingt es unglaublich gut, verständlich zu machen, warum Menschen in solchen Systemen bleiben, obwohl sie darunter leiden. Das fand ich vielleicht am stärksten an diesem Roman: Er urteilt nicht vorschnell.

Die Autorin zeigt keine eindimensional „bösen“ Figuren. Stattdessen entsteht ein komplexes Bild davon, wie Gruppendynamiken funktionieren und wie eng Geborgenheit und Kontrolle miteinander verknüpft sein können. Gerade Ben und Esther handeln emotional absolut nachvollziehbar. Die Gemeinde ist für sie Zuhause, Familie, Identität und moralischer Kompass zugleich. Sich davon zu lösen bedeutet nicht nur Zweifel am Glauben, sondern Zweifel an allem, was sie bisher waren.

Die Atmosphäre des Romans hat es in sich. Diese Mischung aus moderner Freikirchenästhetik und gleichzeitig extrem rigiden Rollenbildern empfand ich als sehr authentisch in der heutigen Zeit. Die Kirche erscheint hier nicht als verstaubte Institution, sondern als emotional hochprofessionelles System. Genau das macht vieles so unangenehm.

Gleichzeitig ist Monstergott aber auch kein lauter Skandalroman. Caroline Schmitt erzählt ruhig, beinahe zärtlich. Und gerade dadurch treffen viele Szenen umso härter. Mich hat das Buch traurig gemacht, wütend und stellenweise auch sprachlos. Vor allem, wenn sichtbar wird, wie junge Menschen lernen, ihre eigenen Gefühle permanent infrage zu stellen. Dieses „Welt da draußen = Gefahr“-Denken zieht sich subtil durch den gesamten Roman und entfaltet eine enorme Beklemmung.

Was ich ebenfalls mochte: Der Roman liefert keine einfachen Antworten. Die Autorin verzichtet bewusst auf eindeutige Wertungen und zwingt Leser:innen dadurch, selbst Position zu beziehen. Für mich funktioniert das sehr gut, auch wenn manche Entwicklungen etwas mehr Tiefe hätten vertragen können. Dennoch haben mich die Figuren emotional auf jeden Fall gecatcht.

Fazit

"Monstergott" ist ein intensiver, emotional kluger Roman über Glauben, Manipulation und den schwierigen Versuch, sich selbst außerhalb vorgegebener Systeme zu finden. Besonders empfehlenswert für Leser:innen, die sich für Machtstrukturen, Gruppendynamiken und psychologische Familiengeschichten interessieren. Mich hat das Buch vor allem deshalb überzeugt, weil es nicht belehrt, sondern verstehen will. Vielen Dank an netgalley.de & an park x ullstein für das digitale Rezensionsexemplar.

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