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Veröffentlicht am 23.05.2026

Ein Dinodrama im Neubaugebiet

Hilfe, zu viele Saurier!
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Viertklässler Sören hat einen Wunsch: Er will sich mit seinem beliebten, coolen Mitschüler Tommy Herrlich anfreunden. Auf dem Flohmarkt findet der Neunjährige ein „Giganten der Urzeit“-Set, mit dem er ...

Viertklässler Sören hat einen Wunsch: Er will sich mit seinem beliebten, coolen Mitschüler Tommy Herrlich anfreunden. Auf dem Flohmarkt findet der Neunjährige ein „Giganten der Urzeit“-Set, mit dem er den Klassenkameraden beeindrucken will. Für Tommy ist die Aussicht auf Urzeitwasserflöhe allerdings nicht verlockend. Doch nur einen Tag später taucht in dem Neubaugebiet, in dem Tommy und Sören wohnen, nicht ein kleiner Urzeitkrebs, sondern ein großer Dinosaurier auf. Und dabei soll es nicht bleiben…

„Hilfe, zu viele Saurier!“ ist der zweite Band der neuen Fantasyreihe von Mars-Leo Frei, empfohlen für Kinder ab acht Jahren.

Das Buch besteht aus 13 Kapiteln, denen ein allgemeiner Prolog vorangestellt wird, um die Reihe zu erklären. Daher ist die Geschichte auch unabhängig von den sonstigen Bänden lesbar. Zudem endet das Buch mit einer Art Epilog. Erzählt wird aus der Perspektive von Sören.

Zum Konzept der Reihe gehört es, jeden Band einem anderen Schüler beziehungsweise einer anderen Schülerin der Klasse 4b der Henriette-Haumichnich-Schule zu widmen. Diesmal steht Sören im Fokus, ein etwas schüchterner und sympathischer Protagonist.

Auf den knapp 150 Seiten hat die Fantasygeschichte einen hohen Unterhaltungswert. Die Verknüpfung der realen Welt mit den wieder zum Leben erweckten, plötzlich auftauchenden Dinos sorgt für eine interessante Mischung. Die Umsetzung ist kreativ und fesselnd. Es gibt immer wieder spannende und abenteuerliche Momente, aber auch witzige Szenen.

Zugleich behandelt das Buch auf einfühlsame Weise wichtige Themen, die Kinder dieser Altersgruppe beschäftigen können: das Schließen von Freundschaften, der Umgang mit Geschwistern und das Lösen von Problemen.

Der Text von Mars-Leo Frei ist auf den Wortschatz von Grundschülern abgestimmt und für die Zielgruppe gut verständlich. Ein besonderes Vergnügen sind die lustigen Sprachspielereien.

Die liebevollen Schwarz-Weiß-Illustrationen von Daniela Kohl haben mir ebenfalls gut gefallen. Sie sind sehr ansprechend gestaltet und ergänzen den Text wunderbar.

Mein Fazit:
„Hilfe, zu viele Saurier!“ ist eine rasante, witzige und spannende Fortsetzung der neuen Reihe von Mars-Leo Frei. Gerne mehr davon! Wir sind bereits gespannt auf den dritten Band.

Veröffentlicht am 19.05.2026

In der Praxis ist viel los

Willkommen beim Kinderarzt
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In der Praxis vom Kids.Doc, dem Kinderarzt, ist eine Menge los. Das Wartezimmer ist voll. Ein Mädchen hat Husten, eine Junge eine Verletzung. Und es stehen heute Impfungen und Vorsorgetermine an.

„Willkommen ...

In der Praxis vom Kids.Doc, dem Kinderarzt, ist eine Menge los. Das Wartezimmer ist voll. Ein Mädchen hat Husten, eine Junge eine Verletzung. Und es stehen heute Impfungen und Vorsorgetermine an.

„Willkommen beim Kinderarzt“ ist ein Pappbilderbuch für Kleinkinder ab zwei Jahren.

Das Buch bereitet auf den Gang zum Kinderarzt vor und ist als begleitende Lektüre für den Termin in der Praxis gedacht. Dabei geht es darum, Ängste zu nehmen und Mut zu machen. Das erklärt der Facharzt für Kindermedizin in seinem Vor- und Nachwort.

Das Buch besteht aus 22 Seiten mit Text- und Bildelementen. Dargestellt werden verschiedene Szenen in einer Kinderarztpraxis.

Das Bilderbuch erzählt davon, wie sich Co-Autor Dr. Vitor Gatinho, genannt Kids.Doc, um seine kleinen Patienten kümmert und ein Besuch dort abläuft. Neben dem dargestellten Mediziner, der auf einer wahren Person basiert, tauchen in der Geschichte etliche fiktive Figuren auf, die die Diversität in der Gesellschaft erfreulicherweise gut aufgreifen.

Abgedeckt werden die häufigsten Gründe für den Arztbesuch: Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen, Verletzungen und die typischen Kinderkrankheiten.

Spielerisch werden die Kleinen an eine Praxis herangeführt. Es sind sieben Gegenstände auf den Seiten abgebildet, die wie bei einem Wimmelbuch gesucht werden können.

Der Text von Sandra Grimm ist altersgerecht und liebevoll formuliert. Er ist leicht verständlich und ausführlich genug, aber nicht überfordernd. Sehr hilfreich sind vor allem die separaten Tipps in den Sprechblasen.

Die hübschen, kindgerechten Illustrationen von Iris Hardt haben mich ebenfalls überzeugt. Sie wirken modern und warmherzig.

Mein Fazit:
„Willkommen beim Kinderarzt“ ist ein empfehlenswertes Bilderbuch aus stabiler Pappe, das besonders kleine Kinder auf liebevolle Art auf Termine in der Praxis vorbereitet und sich gut als erster Einstieg in das Thema eignet. Sehr anschaulich und durchdacht!

Veröffentlicht am 19.05.2026

Das Leben im Zeitraffer

Die Mitternachtsreise
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Mit Maggie, seiner großen Liebe, hatte Wilbur Budd die Zeit seines Lebens. Ihre Flitterwochen in Venedig im August 1974 krönten ihr Glück. Damals ahnte der Buchhändler noch nicht, dass sie ihn verlassen ...

Mit Maggie, seiner großen Liebe, hatte Wilbur Budd die Zeit seines Lebens. Ihre Flitterwochen in Venedig im August 1974 krönten ihr Glück. Damals ahnte der Buchhändler noch nicht, dass sie ihn verlassen wird. 52 Jahre später, im Alter von mehr als 80 Jahren und im Moment seines Todes, erwartet ihn der Mitternachtszug, um mit Wilbur eine unglaubliche Reise in die Vergangenheit zu unternehmen…

„Die Mitternachtsreise“ ist ein Roman von Matt Haig. Er ist keine Fortsetzung von „Die Mitternachtsbibliothek“ im eigentlichen Sinne, ist aber im Kosmos des Bestsellers verortet.

Erzählt wird die Geschichte in knapp 100 kurzen Kapiteln. Sie beginnt mit einer Art Prolog. Dabei umspannt die Handlung viele Jahrzehnte. Immer wieder gibt es Zeitsprünge.

Auf der inhaltlichen Ebene widmet sich der Roman erneut den existenziellen Fragen. Wie in „Die Mitternachtsbibliothek“ stellt sich insbesondere eine: Wie hätte das Leben anders verlaufen können? Diesmal geht es aber vor allem um zweite Chancen, falsche Prioritäten und das, was man im Alter bereut. Zwar sind Botschaften wie die, dass Erfolg alleine nicht glücklich macht, nicht neu. Dennoch schafft es der Autor zum wiederholten Mal, zum Nachdenken anzuregen.

Auf den etwas mehr als 300 Seiten ist die Geschichte zugleich kurzweilig und unterhaltsam. Dabei enthält sie auch immer wieder bewegende Szenen.

Wie bei den früheren Romanen des Autors, beinhaltet die Geschichte fantastische Elemente, dystopische Anteile und magischen Realismus. Der Mitternachtszug kann sowohl wörtlich als auch als sinnige Metapher verstanden werden.

Die Sprache ist zwar nicht spektakulär, aber angenehm unaufgeregt und wunderbar anschaulich. Die eingestreuten Briefe lockern den Text auf. Gut gefallen haben mir auch die unaufdringlichen Referenzen auf Literatur, Musik und Film.

Das hübsche, deutsche Hardcover ist aufwendig und mit Liebe gestaltet, zum Beispiel mit im Dunklen leuchtenden Details. Der Titel ist ans englischsprachige Original („The Midnight Train“) angelehnt, aber nicht wortwörtlich übersetzt.

Mein Fazit:
Mit „Die Mitternachtsreise“ ist Matt Haig wieder einmal ein tiefgründiger, warmherziger und berührender Roman gelungen, der meinen Erwartungen in Gänze gerecht geworden ist. Ein Lesehighlight 2026!

Veröffentlicht am 08.05.2026

Immer an die Übungen denken

Die Routinen
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Amik ist nur ihr Spitzname, benannt nach einem Olympia-Maskottchen. Ihre Individualität ist allerdings sowieso nicht wichtig. Als ehrgeizige und talentierte Kunstturnerin soll sie nur ihre sportlichen ...

Amik ist nur ihr Spitzname, benannt nach einem Olympia-Maskottchen. Ihre Individualität ist allerdings sowieso nicht wichtig. Als ehrgeizige und talentierte Kunstturnerin soll sie nur ihre sportlichen Erfolge im Blick behalten. Schon seit ihrer Kindheit dominiert das Wettkampfdenken alles. Den sportlichen Leistungen ist jeglicher Aspekt ihres Alters untergeordnet. Und die Medaillen geben den unerbittlichen Trainingsmethoden recht. Doch nun ist sie 32 Jahre alt, von den jüngeren Konkurrentinnen abgehängt und muss den dramatischen Unfall ihrer Zimmergefährtin Izzy mitansehen…

„Die Routinen“ ist der Debütroman von Son Lewandowski.

Erzählt wird die Geschichte in fünf Teilen vorwiegend, aber nicht nur in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Amik. Dabei wechseln sich ein Gegenwarts- und ein Vergangenheitsstrang ab. Zudem sind in das Erzählmosaik mehrere Kapitel eingeflochten, die sich mit historischen Turnpersönlichkeiten beschäftigen. Auf diese Weise umspannt die Handlung die Jahre 1968 bis 2023 und spielt an verschiedenen Orten wie beispielsweise Berlin und Antalya.

Die fiktive Protagonistin mit dem Spitznamen Amik erscheint austauschbar, nur eine von vielen und daher ohne hervorstechenden Charakterzüge. Ihre Gedanken und Gefühle sind sowohl repräsentativ als auch sehr gut nachzuvollziehen.

Nadia Comăneci, Věra Čáslavská, Olga Korbut, Dominique Moceanu und Simone Biles: All‘ diesen jungen Turnerinnen gelangen in ihrem Sport erstaunliche Kunststücke. Jede von ihnen lieferte eine neue Bestmarke im Kunstturnen und wurde zum Vorbild für nachfolgende Generationen. Ihre realen Autobiografien, die die Autorin sorgfältig recherchiert hat, werden gekonnt mit der fiktiven Geschichte um Amik verknüpft.

Der Roman verdeutlicht nicht nur, zu welchen sportlichen Leistungen die realen Sportlerinnen fähig waren,sondern er deckt vor allem auch ein bedenkliches System im Profisport auf: permanenter Trainingsdrill ohne Rücksicht auf Verluste, beinahe unmenschlicher Leistungsdruck, Ausbeutung noch heranwachsender und abhängiger Schülerinnen, (politische) Instrumentalisierung und Sexismus. Mehr noch: Die Geschichte zeigt umfassenden Missbrauch und Gewalt im professionellen, internationalen Leistungssport auf. So ist der Roman gleichermaßen eine Anklage des Systems als auch ein Plädoyer für mehr Feminismus im Sport.

Auf nur wenig mehr als 260 Seiten hat mich die Geschichte gleichermaßen schockiert und berührt. Obwohl ich durchaus bereits Einblicke bezüglich der Schattenseiten des Leistungssports hatte, habe ich die Lektüre als augenöffnend und aufrüttelnd empfunden.

Auch in sprachlicher Hinsicht ist der Roman überragend. Der Text ist wortgewandt, atmosphärisch und eindringlich. Unterlegt mit einer poetischen Note, findet die Autorin immer wieder ungewöhnliche Sprachspiele und -bilder.

Der Titel „Die Routinen“ ist aufgrund der doppelten Bedeutung sehr passend. Er ist einerseits angelehnt an das englische Wort für Turnübungen und verweist andererseits auf die ständig zu wiederholenden Bewegungsabläufe. Auch das Covermotiv mit der unkenntlichen Turnerin auf dem Schwebebalken ist eine vorzügliche Wahl.

Mein Fazit:
Mit ihrem beeindruckenden Debüt hat mich Son Lewandowski begeistert. „Die Routinen“ ist ein inhaltlich wie sprachlich äußerst gelungener Roman mit Nachhall. Ein Highlight im Lesejahr 2026!

Veröffentlicht am 08.05.2026

Unterm Regenbogenband

Pina fällt aus
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Für Pina Luxen, Mitte 40, fängt der Tag in ihrem Zuhause in der Hansastraße in Wuppertal ganz gewöhnlich an. Sie bringt ihren autistischen Sohn Leo (20), mit dem sie zusammenlebt, zum Bus und macht sich ...

Für Pina Luxen, Mitte 40, fängt der Tag in ihrem Zuhause in der Hansastraße in Wuppertal ganz gewöhnlich an. Sie bringt ihren autistischen Sohn Leo (20), mit dem sie zusammenlebt, zum Bus und macht sich mit der Schwebebahn auf den Weg zu ihrem Job in einem Callcenter. Doch am Nachmittag, nach dem Einkauf, wird klar, dass es kein normaler Dienstag ist. Mitten auf einer Kreuzung verliert Pina ihr Bewusstsein - Magendurchbruch. Eine Not-OP muss ihr Leben retten. Nur was soll jetzt bloß aus Leo werden, wenn sie sich nicht um den jungen Mann mit Behinderung kümmern kann?

„Pina fällt aus“ ist ein Roman von Vera Zischke.

Die Geschichte hat zwei zentrale Themen: Einerseits geht es um die Inklusion von Menschen mit Behinderungen, andererseits um gesellschaftlichen und nachbarschaftlichen Zusammenhalt. Sie zeigt auf, was Empathie und Solidarität im besten Fall bewirken können, und liefert damit einen interessanten Denkanstoß.

Die Geschichte erstreckt sich über 26 Kapitel, die mit einem Epilog („Outro“) enden.
Erzählt wird im Präsens aus personaler Perspektive, allerdings aus der Sicht verschiedener Figuren.

Das Personal des Romans ist umfangreicher und vielschichtiger als erwartet, aber noch gut überschaubar: eine Hausgemeinschaft. Die Charaktere wirken teilweise skurril, vielleicht sogar ein wenig überzeichnet. Dennoch hat mir die Mischung der Figuren sehr gefallen. Sie sind mehr oder weniger sympathisch, haben aber das Herz am rechten Fleck.

Protagonist Leo wird detailliert und mit psychologischer Tiefe dargestellt. Er erscheint sehr lebensnah. Auch Protagonistin Pina ist ein nahbarer und authentisch anmutender Charakter.

Dass die Autorin selbst pflegende Mutter ist und aus eigener Erfahrung alltägliche Probleme schildern kann, ist dem Roman immer wieder anzumerken. Auf den weniger als 300 Seiten konnte mich die Geschichte mehrfach emotional erreichen und berühren.

Zwar könnte beim Lesen der Eindruck entstehen, dass hier eine sehr positive Utopie beschrieben wird. Dabei sollte man sich jedoch vor Augen halten, dass der Roman auf einer wahren Begebenheit basiert, wie die Autorin verrät.

Der neue Roman bleibt bei Cover und Titel nahe am Debüt. Das funktioniert für den Buchtitel sehr gut. Diesmal empfinde ich das Motiv allerdings als nicht ganz so passend.

Mein Fazit:
Mit „Pina fällt aus“ ist Vera Zischke ein berührender, inspirierender und unterhaltsamer Roman gelungen. Ein Highlight im Lesefrühling 2026, das Lust auf weitere Bücher der Autorin macht.