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Veröffentlicht am 23.04.2024

Originelle Geschichte für Erstleser

Nikki King: Verfuchst noch mal!
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Erstlesebücher können ja manchmal etwas dröge sein aufgrund einer oft simplen Storyline. Dieses Buch ist erfrischend anders. Hier geht es um Nikki, ein 2.Klässlerin die erfährt, dass sie eine Tierwandlerin ...

Erstlesebücher können ja manchmal etwas dröge sein aufgrund einer oft simplen Storyline. Dieses Buch ist erfrischend anders. Hier geht es um Nikki, ein 2.Klässlerin die erfährt, dass sie eine Tierwandlerin ist. Plötzlich kann sie sich in einen Fuchs verwandeln und Tierstimmen verstehen. Anfangs noch etwas unbeholfen, klappt es mit dem Verwandeln zunehmend besser. Auch weil ihr ein Freund dabei hilft, aber es soll nicht zuviel verraten werden. Die Illustrationen machen einen großen Reiz des Buches aus, da sie immer wieder den einen oder anderen Schmunzler hervorrufen. Der kleine Hamster Gurke ist dabei der humoristische Sidekick und während der ganzen Geschichte dabei. Die Lesestufe ist mit 2.Klasse angegeben, was ich sehr passend finde. Die Schrift ist groß, die Illustrationen dominieren noch das Buch und unterstützen das Leseverständnis. Meinem Erstklässler hat das Buch ebenfalls viel Freude gemacht, wenngleich wir uns hier beim Lesen noch abgewechselt haben.

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Veröffentlicht am 07.11.2025

Trotz seiner nüchternen Sprache bewegender Roman

Schwebende Lasten
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An den Roman musste ich im Anschluss immer wieder denken, so hat er bei mir doch viele Bilder im Kopf hinterlassen - Magdeburg im 2.Weltkrieg, die erste Waschmaschine zu DDR-Zeiten, die Arbeit im Kran, ...

An den Roman musste ich im Anschluss immer wieder denken, so hat er bei mir doch viele Bilder im Kopf hinterlassen - Magdeburg im 2.Weltkrieg, die erste Waschmaschine zu DDR-Zeiten, die Arbeit im Kran, die umstrukturierte Plattenbausiedlung nach der Wende. Als Leser begleitet man Hanna, eine Blumenverkäuferin aus Magdeburg, durch das 20.Jahrhundert. Der zeitliche Bogen spannt sich beginnend in den 20er Jahren bis nach der Wende.
Es ist unglaublich, mit welcher Detailgenauigkeit Annette Gröscher die geschichtlichen Fakten zusammengetragen hat. Dabei ist der Roman nie trockener Geschichtsstoff, sondern lebendig und bisweilen auch erschütternd und intensiv. Zu der Hauptfigur bleibt eine gewisse Distanz. Vielleicht weil Pragmatismus und Nüchternheit wichtig für das Überleben und den Aufrechterhalt der "kleinbürgerlichen Wohlanständigkeit" (S.135) waren und wenig Raum für eine tiefe emotionale Innenschau zulässt. Vielmehr hatte ich beim Lesen das Gefühl, mit Hannas Augen durch die deutsche Geschichte zu reisen und das was ich "sah" hat mich manchmal schmunzeln lassen, mich manchmal aber auch sehr bewegt und mich gleichzeitig fast etwas demütig werden lassen, wenn ich lese, was diese Frauen erlebt und geleistet haben. Der Roman hat seine nachdenklichen ("Im Kapitalismus stirbt die Individualität, weil alle individuell sein wollen." (S.217)), aber auch seine leisen, poetischen Alltagsmomente.
Trotz seiner teilweise nüchternen Darstellung konnte mich das Buch sehr begeistern. Ein wunderbarer Roman über Widerstandskraft und innere Stärke, der sich zu lesen lohnt.

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Veröffentlicht am 08.06.2026

Glanz und Leere – über den Hunger nach Anerkennung in der französischen Elite

Die Liebeshungrigen
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Was man gleich zu Beginn sagen muss: „Die Liebeshungrigen" ist eher Futter für den Intellekt als für die Seele. Es geht um männlichen Machtverlust und -missbrauch, den Bedeutungsverlust von Frauen mit ...

Was man gleich zu Beginn sagen muss: „Die Liebeshungrigen" ist eher Futter für den Intellekt als für die Seele. Es geht um männlichen Machtverlust und -missbrauch, den Bedeutungsverlust von Frauen mit zunehmendem Alter, den Weg weiblicher Emanzipation.
Der Roman startet sehr langsam mit der Reflexion des abgewählten französischen Ex-Präsidenten Dan Lehmann, der über seine Karriere philosophiert und seine innere Leere mit viel zu viel Alkohol zu betäuben versucht. Karine Tuil nimmt sich Zeit, bis alle Figuren platziert und in Beziehung zueinander ausgerichtet sind. Sind die Frauen zunächst eher ohnmächtig und stellen ihr eigenes Leben den Bedürfnissen der Männer unter, kommt es zunehmend zu einer Weiterentwicklung – und die Frauen ziehen an Lehmann vorbei.
Der Roman spielt in der Elite der französischen Politik und Kunst. Die Figuren sind überwiegend orientierungslos und eitel, was seinen Höhepunkt bei den Filmfestspielen in Cannes im letzten Drittel des Buches findet. Emotional konnten mich die Figuren wenig berühren – allein die Ex-Frau des Präsidenten war für mich etwas nahbarer und erlebbarer.
Es ist ein Roman, der intellektuell anregt und gesellschaftlich hochrelevant ist. Die Mechanismen in Politik und Filmbranche werden mit ihrer Doppelbödigkeit – insbesondere im Hinblick auf Frauen – wunderbar herausgearbeitet und bieten einiges an Diskussionsstoff. Wer Nahrung für den Kopf sucht, wird hier fündig. Wer jedoch ein emotional bewegendes Leseerlebnis erwartet, könnte enttäuscht werden.

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Veröffentlicht am 23.05.2026

inspirierend

Was dein Leben leichter macht
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In zwanzig Kapiteln erzählt der Psychotherapeut Sina Haghiri Geschichten aus dem Alltag – über Gesellschaft, Gesundheit und das, was uns als Menschen psychisch bewegt. Die eingeflochtenen persönlichen ...

In zwanzig Kapiteln erzählt der Psychotherapeut Sina Haghiri Geschichten aus dem Alltag – über Gesellschaft, Gesundheit und das, was uns als Menschen psychisch bewegt. Die eingeflochtenen persönlichen Geschichten und Begegnungen machen die Kapitel sehr nahbar, und gleichzeitig sind sie mit Fachwissen gespickt, sodass ich als Leserin viele Kapitel mit einem kleinen Aha-Moment abgeschlossen habe.

Besonders mochte ich tatsächlich das Kapitel zum Thema Sterben – mit seinen Fragen rund um Würdezentriertheit hat es mich wirklich zum Nachdenken gebracht. Es ist selten, dass ein Sachbuch dieses Thema so einfühlsam und gleichzeitig klar behandelt.

Positiv hervorzuheben ist auch, dass das Buch zu keiner Zeit belehrend wirkt – es verhilft vielmehr zu eigenen Einsichten, was ich als sehr angenehm empfunden habe. Man kann es von vorne bis hinten durchlesen oder sich gezielt einzelne Kapitel heraussuchen, die einen gerade interessieren – beides funktioniert gut.

Natürlich zündet nicht jedes Kapitel gleichermaßen: Manche haben mir neue Erkenntnisse für Herz und Verstand geschenkt, andere haben mich weniger berührt. Insgesamt habe ich das Buch als inspirierend und anregend erlebt – allerdings war es für mich kein Buch, das man in einem Zug liest. Ich konnte es immer nur in kleinen Portionen zu mir nehmen, um die Inhalte wirklich verdauen zu können.

Was die äußere Aufmachung betrifft, hat mich das Buch etwas weniger überzeugt. Das Design ist sehr schlicht gehalten, das Papier wirkt eher „pappig" und hätte gerne hochwertiger sein dürfen. Bei einem Buch, das man naturgemäß mit vielen kleinen Pausen liest, hat mir ein Leseband tatsächlich gefehlt.

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Veröffentlicht am 23.05.2026

Unterhaltsam

Yesteryear
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Wer auf der Suche nach gepflegter Langeweile ist, Hände weg von diesem Buch! Allen anderen sei das Buch empfohlen – innerhalb von 2 Tagen hatte ich das Buch gelesen und mich dabei bestens unterhalten gefühlt.
Äußerlich ...

Wer auf der Suche nach gepflegter Langeweile ist, Hände weg von diesem Buch! Allen anderen sei das Buch empfohlen – innerhalb von 2 Tagen hatte ich das Buch gelesen und mich dabei bestens unterhalten gefühlt.
Äußerlich macht das Buch ebenfalls eine gute Figur: Der halbtransparente Umschlag mit "doppeltem Boden" und das graue Leseband passen sehr gut zu dem Thema des Romans.
Im Mittelpunkt steht Natalie, die als klassische Trade Wife mit ihrer Familie auf einer Farm lebt und dieses vermeintlich idyllische Landleben für ihre Follower inszeniert – und damit ordentlich Geld verdient. Was die Kamera nicht zeigt: Nannys, Produzenten, Farmarbeiter, die das ganze Konstrukt am Laufen halten, aber auch die Familienspannungen und -konflikte. Als Natalie sich plötzlich ohne jede Unterstützung in eben jener Welt wiederfindet, die sie bislang nur vermarktet hat, nimmt der Roman Fahrt auf.
Besonders interessant ist dabei die Figur der Natalie selbst: Das Buch zeigt, wie jemand aus einer tief empfundenen Sehnsucht nach Sicherheit und Struktur allmählich in die Rolle einer Trade Wife hineinwächst – und wie sie damit zugleich eine Sehnsucht bedient, die viele Menschen in einer chaotischen Welt nach der guten alten Zeit mit ihren traditionellen Werten verspüren. Natalie ist als Figur mit ihrer vermeintlichen Überlegenheit und sarkastischem Ton ausgesprochen unsympathisch gezeichnet – und dennoch folgt man ihr gerade deswegen gebannt. Es gibt sogar Momente, in denen ich ihr innerlich zustimmend genickt habe, etwa wenn sie die Zerrissenheit von Frauen zwischen beruflichen Anforderungen und familiären Bindungen und Verpflichtungen beim Namen nennt.
Das Buch öffnet viele Themen: Social Media und Authentizität, Geschlechterrollen, den Preis des perfekten Lebens. Allerdings werden die wenigsten davon in der Tiefe weiter ausgeleuchtet. Ob das ein Manko ist, ist vermutlich Geschmackssache. Einzelne Bilder oder Zitate, die mich noch lange nach dem Lesen begleiten, habe ich zwar nicht mitgenommen – aber als kurzweilige, kluge Unterhaltung ist Yesteryear auf jeden Fall eine Empfehlung wert.

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