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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.11.2025

Dichte Sprache, faszinierende Form

Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten
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Wieso heimlich? Und wieso müssen die armen Schafe dranglauben? - Der Titel des Buches ist sperrig und lang, doch das Außergewöhnlichste daran ist: der Text im Inneren zeichnet sich genau dadurch aus, NICHT ...

Wieso heimlich? Und wieso müssen die armen Schafe dranglauben? - Der Titel des Buches ist sperrig und lang, doch das Außergewöhnlichste daran ist: der Text im Inneren zeichnet sich genau dadurch aus, NICHT sperrig und lang zu sein. Im Gegenteil, die Prosa ist äußerst prägnant und weiß mit wenigen Worten viel auszudrücken. Manchmal sind es nur Aufzählungen, die ganze Geschichten erzählen. Manchmal ist es sogar die Leere, die alles sagt.
In dieser faszinierenden Form ist dieser Roman nicht einfach eine Familiengeschichte über vier Generationen, sondern ein literarisch sehr ausgeklügeltes Werk, in dem die Beziehungen und Dynamiken zwischen Eltern, Kindern und Geschwistern nachvollziehbar aufgezeigt werden.
Ein weiterer außergewöhnlicher Punkt: Wie eng sich die Beschreibungen an den banalen Alltag und historische Begebenheiten halten (als wäre man selber dabei, wenn geboren, gestorben, und ja, geschlachtet wird), um dann mit einer Portion magischem Realismus überhöht und verstärkt zu werden. Das scheint widersprüchlich zu sein, und ist doch so geschickt verwoben, dass man es widerspruchslos hinnimmt.
Im ersten Teil zumindest. Ich freute mich unheimlich über die Dichte und Originalität der vielen kurzen Kapitel und der Weg zu einem Highlight schien gebahnt.
Wieso heimlich, und wieso die Schafe, dieses Geheimnis wird gelüftet… Wären nur noch die Zitronen…
Allerdings verlor mich das Buch im zweiten Teil etwas. Die Figuren wirken hier zunehmend statisch in ihren Rollen, die nüchterne Sprache vermochte mir kaum mehr Emotionen zu wecken. Am Ende… sind es die Zitronen… Auch diese Frage wird beantwortet, andere Entwicklungen jedoch nicht, und die Balance zwischen „magisch“ und „Realismus“ stimmte in meinen Augen nicht mehr.
Meckern auf hohem Niveau - denn dieser Roman ist sicherlich ein eindrückliches Leseerlebnis und auch ich kann nur anerkennend nicken, wenn Anna Maschik als großes neues Talent gehandelt wird.

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Veröffentlicht am 30.05.2026

Schön gestaltet mit einem tollen Konzept, das leider inhaltlich nicht aufgeht

Auf den Spuren unserer Vorfahren
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In diesem Buch reisen wir zu 14 alten Kulturen rund um den Globus, von der Steinzeit bis ins Mittelalter. Jedem Aufenthalt sind zwei Doppelseiten gewidmet: auf der ersten erhalten wir einen Überblick über ...

In diesem Buch reisen wir zu 14 alten Kulturen rund um den Globus, von der Steinzeit bis ins Mittelalter. Jedem Aufenthalt sind zwei Doppelseiten gewidmet: auf der ersten erhalten wir einen Überblick über Begebenheiten, Lebensgewohnheiten und Eigenheiten der vorgestellten Zivilisation, auf der zweiten dann konkrete archäologische Fundstücke (50 insgesamt), aus der sich diese Rückschlüsse ziehen lassen.
Das Konzept des Buches hat mich sofort gecatcht, soll doch Geschichte „neu erzählt“ werden, weshalb ich mir frische Erkenntnisse erhoffte auf einem Wissenszweig, der auf mich immer verstaubt und langweilig wirkte.
Außerdem ist Haptik und Optik des großformatigen Druckwerkes außen wie innen sehr ansprechend, vor allem die Farbwahl begeistert mich: bunt, aber nicht zu knallig, und immer wieder – den unterschiedlichen Kulturen entsprechend – anders. Auf den Bildern gibt es viele liebevolle Details zu entdecken, farbliche Abgrenzungen schaffen Übersicht.
Doch obwohl ich und mein 7jähriges „Testkind“ gerne bei den Illustrationen verweilten, hat es uns textlich nicht überzeugen können. Beim Vorlesen fiel mir schnell auf, dass sowohl Titel als auch Untertitel den Großteil des knappen Begleittextes zusammenfassen und somit wirken wie „wiedergekäut“ (In Çatalhöyük herrschte Gleichberechtigung / In der jungsteinzeitlichen Stadt Çatalhöyük waren Männer und Frauen gleich / Vielleicht denkst du, dass die Gleichstellung der Geschlechter ein modernes Konzept ist, dabei gab es bereits vor etwa 9000 Jahren Jäger- und Sammlergruppen ihr Nomadenleben auf und schufen in Çatalhöyük eine Gesellschaft, in der Männer und Frauen den gleichen Platz einnahmen. S. 14) Sogar meine sonst nicht so sprachsensible Tochter beschwerte sich irgendwann über die Wiederholungen („Das weiß ich doch schon, Mama!“) Erschwerend kommt aber dazu, dass diese redundanten Behauptungen nicht mit beweisstarken Argumenten unterfüttert werden. Die Fundstücke sollen zwar Erklärungen liefern, tun dies aber oft nur sehr oberflächlich. In Çatalhöyük z.B. war bei Frauen und Männern Ernährung, Bestattung, bildliche Darstellung und Aufenthalt in geschlossenen Räumen gleich – das sind prinzipiell interessante Fakten, aber genügt es schon aus, die komplette Gesellschaft als „gleichberechtigt“ zu kennzeichnen? Noch schwächer wirken die Argumente bei den Thule, die hier ebenfalls als gleichberechtigt bezeichnet werden, doch die Objekte erzählen rein gar nichts davon: da werden Harpunen genannt und dass Thule-Familien als Team zusammengearbeitet haben müssen, doch das können, ganz pragmatisch betrachtet, ja auch Männer-Teams gewesen sein (?!) Also mir zumindest erschließt sich der Zusammenhang zwischen Harpunen und Geschlechtergleichstellung nicht wirklich.
Des Weiteren werden mehrere Kulturen als nachhaltig und naturnah bezeichnet, was ich direkt schon als Werbe-Gag empfinde, denn was hätten sie damals – in einer Zeit vor der Industrialisierung, ohne Plastik, ohne Autos, ohne Elektrizität – auch Anderes sein sollen?! Da wäre es meiner Meinung schlauer gewesen, sich zu fragen: warum ist es heute nicht mehr so? Wollen wir wieder Plumpsklos, Ochsenkarren, Tauschhandel? Und wenn nicht: wie könnten wir gleichzeitig vorwärtsgerichtet und nachhaltig leben?
Dieses Buch liefert eine Fülle an prinzipiell spannenden Informationen, deren Interpretation jedoch ganz ähnlich kurz greift wie die frühere Geschichtsschreibung (als die Helden immer männlich waren), welche hier kritisiert wird. Es will dazu anregen, unsere patriarchal geprägte Sicht auf antike Zivilisationen zu hinterfragen, doch das geschieht in erster Linie, indem inflationär mit Begriffen wie Gleichstellung, Gemeinschaft, Nachhaltigkeit und Toleranz um sich geworfen wird, es mangelt jedoch an harten Fakten und nachvollziehbaren Argumentationsketten.
So bleibt „Auf den Spuren unserer Vorfahren“ inhaltlich leider deutlich hinter meinen (elterlichen) Erwartungen zurück. Außerdem hätte ich mir eine Weltkarte gewünscht, in der die genannten Ortschaften und Gebiete (die heute oft anders heißen) gekennzeichnet sind, sowie Hinweise zur Aussprache der Namen – ja, lacht nur, aber ich mag es nicht, beim Vorlesen ständig über Zungenbrecher wie Ngiyampaa und Kwih-dich-chuh-ahtx zu stolpern. Es fallen auch viele andere komplizierte Wörter und Fachbegriffe (Osteoarchälogen, Luftzirkulation, Kolonialregierung, Röntgenfluoreszenanalyse,…), die ein flüssiges Lesen erschweren (man bedenke auch die angegebene Altersempfehlung ab 7 Jahren, sprich: Leseanfänger!) wobei das Fachgedöns glücklicherweise in einem Glossar erklärt wird.

Meine Tochter war von einigen Beschreibungen und Bildern durchaus beeindruckt, weshalb ich meine Sternebewertung von 3 auf 4 aufrunde, allerdings war auch sie von dem Buch nicht so nachhaltig gefesselt und begeistert wie erhofft.

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Veröffentlicht am 23.05.2026

1984 in niedlich

Die unendliche Sehnsucht der Haushaltsgeräte
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Die Idee ist originell: wie der (ansonsten seltsame und unpassende) Titel schon verrät, steht in diesem Buch ein Handvoll Haushaltsgeräte im Mittelpunkt. Gemeinsam fragen sie sich, wie sie ihre Menschen ...

Die Idee ist originell: wie der (ansonsten seltsame und unpassende) Titel schon verrät, steht in diesem Buch ein Handvoll Haushaltsgeräte im Mittelpunkt. Gemeinsam fragen sie sich, wie sie ihre Menschen am besten unterstützen können, und diese Frage wird umso dringlicher und komplizierter, als Elie ihrer Krankheit erliegt und Harold alleine zulässt. Denn Trauer ist ein Gefühl, wie soll man diesem als nicht-fühlende Maschine begegnen?
Es ist vor allem Scout, die moderne Saugroboterin, die ihre feinen Sensoren ganz neugierig und naiv auf emotionale Schwingungen lenkt. Gerne lässt sie sich an einer Seite des Klaviers nieder und spürt, dass es da eben „mehr“ gibt als nur die Wiedergabe von bestimmten Tönen in bestimmten Abständen. Ihre geradezu philosophischen Gedankengänge über das, was nicht im messbaren Bereich liegt, sind so erfrischend wie tiefgründig. Ihr auf ihren vier Rollen durch das Haus zu folgen, ist eine reine Freude.
Nach einem gemütlichen Einstieg mit melancholischer Atmosphäre, liebevoller Schreibweise und herausragenden Dialogen zwischen Uhr, Kühlschrank und Saugroboter ist, gesellen sich dystopische Elemente zur Story. Das ist sehr geschickt gemacht, denn gerade weil sie so unvermutet und subtil auftauchen, wirken sie umso beklemmender. Die Fragen nach der Menschlichkeit werden auf ein höheres Level erweitert: was, wenn eine KI nicht nur im Haushalt, sondern im ganzen Land das Sagen hat? Hier trifft dieser Roman einen wunden Punkt unserer modernen Gesellschaft, sind wir doch diesem Szenario näher als je zuvor.
Der kluge Aufbau der Story lässt einen auf eine spannende Auflösung hoffen, in der jedes Element seinen Platz findet. Doch das System, in dem Haushaltsgeräte und Menschen leben und interagieren, weist zunehmen Logiklücken auf. Ein paar Unklarheiten seien einem ansonsten wunderbar charmanten Plot ja noch verziehen, doch hier vervielfältigen sie sich auf unangenehme Weise, da dadurch auch die Symbolik und die Botschaft "klemmt“.
Gleichzeitig tritt auch die Handlung auf der Stelle. Mehrfach wird auf die Aussichtlosigkeit der Lage hingewiesen, aber jegliches Weiterdenken wird mutwillig unterbrochen und im Keim erstickt, ganz so, als würde auch der Autor die Antwort nicht wissen, oder, noch schlimmer, gar nicht darüber nachdenken wollen. Dass ausgerechnet die Figur mit dem revolutionärsten Geist nicht mal den Versuch unternimmt, irgendwas zu unternehmen, sondern nur ein weiteres Mal über die Aussichtslosigkeit der Lage sinniert, lässt einen als Lesenden ratlos und irgendwann frustriert zurück.
Einzig die kleine Saugroboterin Scout kann noch für einen Funken Handlung sorgen. Ansonsten vermag der Autor nur noch einen Gott aus der Maschine zu kramen, um der Geschichte zu ihrem wohlverdientes Happy End zu verhelfen.
Ich habe dem Roman nach dem Zuklappen spontan vier Sterne vergeben, weil Scout eine der liebenswürdigsten Buchfiguren ist, die mir je untergekommen sind und ich die Lektüre als willkommene Abwechslung empfand!
Bei näherem Hinschauen sehe ich allerdings deutliche schriftstellerische Mängel: viel Tell statt Show, große Logiklücken, unnötige Redundanzen, eine enttäuschende Auflösung. So lande ich dann doch „nur“ bei 3 Sternen, auch wenn das Buch sicherlich noch viele begeisterte Scout-Fans finden wird.

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Veröffentlicht am 19.04.2026

Spitzzüngige Satire mit enttäuschendem Ende

Verlorene Schäfchen
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Warum man „Verlorene Schäfchen“ lesen sollte (oder warum nicht), merkt man schon auf den ersten Seiten des Buches: es kracht nur so von bösem Sarkasmus und tiefschwarzem Humor. Wer auf solche Stilmittel ...

Warum man „Verlorene Schäfchen“ lesen sollte (oder warum nicht), merkt man schon auf den ersten Seiten des Buches: es kracht nur so von bösem Sarkasmus und tiefschwarzem Humor. Wer auf solche Stilmittel empfindlich reagiert, legt das Buch am besten gleich weg. Wer damit klarkommt, dass ernste soziale und psychische Probleme auf geradezu unbekümmert witzige Art formuliert werden, bekommt hier – in unserer woken Ära eher rar gewordenes – neues Lesefutter.
Die fünf Mitglieder der Familie Flynn sind grotesk überzeichnet (Mutter sinnsuchend verrückt, Papa ein Looser, eine Tochter aufregend schön, eine die graue Maus, eine hochbegabt und gelangweilt). Und obwohl man viele ihrer Handlungen nicht gutheißen kann, wachsen sie einem mit ihren allzu menschlichen, kleinbürgerlichen Problemen doch ein Stück weit ans Herz. Sie alle sehnen sich im Prinzip danach, einen Platz zu finden, wo sie gesehen und geliebt werden. Dieses Anliegen ist wohl für jeden von uns nachvollziehbar, dadurch entsteht, aller Absurdität zum Trotz, eine überraschende Nähe zu den Figuren.
Madeline Cash setzt hier spitzzüngig mit ihrer Gesellschaftskritik an, indem sie einerseits die Bedeutungslosigkeit von alten moralischen Vorstellungen (in Form der katholischen Kirche) aufzeigt, andererseits aber auch die Auswüchse unseres modernen Individualismus aufs Korn nimmt. Besonders die drei Teenie-Mädchen leiden unter der zunehmenden Haltlosigkeit und den verschwimmenden Konturen zwischen Individualität und Egoismus.
Zeit also, dass sie sich wieder bewusst werden, wie wichtig und bereichernd es sein kann, zueinanderzuhalten, wird sich die Autorin gedacht haben und bringt aus diesem Grund einen dubiosen Gegenspieler ins Geschehen, der außerdem mit seinen kriminellen Verwicklungen, die aufgedeckt werden müssen, zusätzlich für einen anziehenden Spannungsbogen sorgt.
Doch leider bringt sie dieses Element zu keinerlei befriedigendem Abschluss. Je weiter die Handlung voranschreitet, desto mehr verliert sie sich in Oberflächlichkeiten. Was wohl als Showdown angelegt war, bleibt am Schluss sogar ohne weitergehende Bedeutung für die Charaktere. Die angeblich große Gefahr löst sich in Lächerlichkeit auf, die seelischen Nöte in Wohlgefallen, die bissige Satire in einer schräg-netten Familiengeschichte, die hohen Erwartungen in Enttäuschung.
Schade um eine so böse wie kluge Betrachtung amerikanischer kleinbürgerlicher Kleinstadtprobleme. Schade, dass die Autorin keine ebenso prägnante, gut durchdachte, sprachwitzige Auflösung dieser Probleme gefunden hat.

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Veröffentlicht am 24.01.2026

Zusammen ist man weniger - oder noch mehr - allein

Alle glücklich
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Mutter, Vater, Sohn, Tochter: In perspektivisch abwechselnden Kapiteln geht es um die Mitglieder einer normalen deutschen Mittelschicht-Familie, die ALLE GLÜCKLICH sind… oder sein sollten… oder wenigstens ...

Mutter, Vater, Sohn, Tochter: In perspektivisch abwechselnden Kapiteln geht es um die Mitglieder einer normalen deutschen Mittelschicht-Familie, die ALLE GLÜCKLICH sind… oder sein sollten… oder wenigstens so wirken müssten… es aber es nicht sind. Es sind alltägliche, typische Probleme, mit denen sie zu kämpfen haben, es geht um Selbstwert, um Beziehungen, um den Platz in der Gesellschaft und der Arbeitswelt und eben auch: den Stellenwert der Familie.
In die Hauptperson Nina, die sich in den letzten zwei Jahrzehnten hauptsächlich um den Haushalt und die Kinder (die nun - mit 16 und 19 Jahren - merklich selbständig werden) gekümmert hat, konnte ich mich sofort hineinversetzen. Doch auch die Gedanken und Handlungen der anderen Familienmitglieder sind problemlos nachvollziehbar. Man merkt der Autorin an, dass sie sich mit Psychologie beschäftigt hat, so klar und einleuchtend, wie sie die Beweggründe ihrer Figuren aufdröseln kann. Außerdem ist ihr Schreibstil ist schnörkellos und flüssig, so dass die Seiten nur so dahinfliegen. Die sich abzeichnenden Tragödien lösen eine gewisse Beklemmung, aber gleichzeitig einen unaufhaltsamen Lesesog aus.
Die Probleme der vier nebeneinanderher lebenden Personen spitzen sich im Laufe des Romans zu und erreichen dramatische Dimensionen, die mir persönlich schon wieder zu übertrieben schienen. Ich hätte mir gegen Ende eine vielschichtigere Tiefe gewünscht statt der sich überschlagenden Ereignisse. Zugegebenermaßen ist es aber gerade diese Dramatik, die Nachhall erzeugt und unbequeme Themen aufzuwerfen weiß. Es regt an, ehrlich zu sein, sowohl zu den anderen als auch mit sich selber, und miteinander ins Gespräch zu kommen. Auch – oder gerade dann! – wenn es weh tut.
„Alle glücklich“ ist ein Roman, der mit klaren Charakterzeichnungen und entwicklungsgetriebenem Plot den Lesebedürfnissen des breiten Publikums entgegenkommt. Er punktet mit großer Alltagsnähe und bietet viel Identifikationspotential, sowohl für junge als auch „mittelalterliche“ Erwachsene.

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