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Veröffentlicht am 30.05.2026

Ein stummes Kind, eine Lehrerin, ein Sonnensystem und eine Katze

Die Sterne ordnen
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Normalerweise mache ich um Bücher, die vom 2. Weltkrieg handeln, einen großen Bogen; müde von dem Durchgekaue in der Schule, müde von vielen Wiederholungen ohne neuen Erkenntnisgewinn, müde von sich immer ...

Normalerweise mache ich um Bücher, die vom 2. Weltkrieg handeln, einen großen Bogen; müde von dem Durchgekaue in der Schule, müde von vielen Wiederholungen ohne neuen Erkenntnisgewinn, müde von sich immer wieder ähnelnden Motiven in Literatur und Film.
Dass ich dieses Buch gekauft habe, liegt zugegebenermaßen vor allem am aussagekräftigen Bild mit Katze auf dem Umschlag. Es sollte sich dennoch als Glücksgriff herausstellen…

Denn hier wird nicht nur einfach eine nette Geschichte erzählt, deren Ende sich Daus dem Klappentext schon erahnen lässt (und auf die ich hier aus Spoilergründen wieder einmal nicht näher eingehe).
Die Autorin gräbt stattdessen tief in der Vergangenheit der beiden noch jungen Hauptprotagonistinnen (Lehrerin Gilla und ihr Schützling Francesca), wirft einen Blick auf ihre Familien und immer wieder auch auf die realen historischen Dokumente wie Zeitungsartikel oder Regierungsbeschlüsse. Es braucht ein wenig Durchhaltevermögen, sich in diesen Zeit- und Ortswechseln orientieren und die kommentarlosen Fakten-Einschübe einzuordnen zu können. Doch genau diese fragmentarische Konstruktion ist unheimlich wirkungsvoll, denn sie verzichtet darauf, vorgekaute Lösungen oder Denkmuster zu liefern, sondern regt vielmehr die eigenen Reflektionen an.
Gleichzeitig bleibt dieses Buch eben nicht bei trockenen Daten und Fakten, sondern bietet eine große Nähe zu den Figuren, und es sind ganz durchschnittliche Menschen, deren Leben hier aufgezeichnet wird, allesamt auf die eine oder andere Weise vom Krieg gezeichnet. Sehr eindrucksvoll wird geschildert, was es bedeutete, in diesen Zeiten irgendwie zu überleben, und es sind eher kleine Dinge, Details, die hängenbleiben: die allgemeine Unsicherheit, der Schlafmangel bei nächtlichen Bombenangriffen, das Knapperwerden von Lebensmittel und Ressourcen, das tagelange Stehen in Warteschlangen.
Und am Ende eben auch, was es nach diesem Krieg bedeutete, einen Alltag zu finden. Ein Alltag, indem ein Modell unseres Sonnensystems und eine Katze Gold wert sind. Ein Alltag, der durch geregelten Schulunterricht und eine Mädchenfreundschaft eine neue, wundervolle Ordnung wiederfindet.
Unbedingt lesen – ein Roman für Hirn und Herz gleichermaßen!

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Veröffentlicht am 04.10.2025

Mitreißend und authentisch

Faces - Die Hoffnung hat viele Gesichter
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Seit 2017 reist Thomas Meyerhöfer durch Deutschland und die Schweiz, um die verschiedensten Menschen für seine wöchentliche Sendung zu suchen und aufzusuchen. „superfromm“ heißt das Format und ist ironisch ...

Seit 2017 reist Thomas Meyerhöfer durch Deutschland und die Schweiz, um die verschiedensten Menschen für seine wöchentliche Sendung zu suchen und aufzusuchen. „superfromm“ heißt das Format und ist ironisch gemeint. Denn hier geht es nicht um auf Hochglanz gebürstete superfromme Glaubenshelden. „Es hat mich ohne Ende genervt, dass in vielen Geschichten am Ende alles perfekt war. Alles glücklich, alles gerettet, alles safe. Aber so lief das Leben nicht.“ (S. 120) Auch die Sendung nicht. Es geht um Geschichten von Unsichtbaren. Geschichten von Leuten, die kämpfen müssen. Rau. Direkt. Unperfekt. Oft schmerzlich. Aber auch um Verwandlungen, um kleine Wunder, ums Nichtaufgeben, und immer wieder um dieses Schimmern am Horizont, das sich Hoffnung nennt.
„Faces – Die Hoffnung hat viele Gesichter“ heißt das nun erschienene Buch dazu.
Aus ganz vielen hat Thomas Meyerhöfer 12 Gespräche ausgesucht, die er mit seiner eigenen Geschichte (eine ebenso holprige ist wie die seiner Gesprächspartner) und der von „superfromm“ verwebt, von der Idee über die bescheidenen Anfänge mit YouTube-Kanal bis hin zum eigenen Sendeplatz auf BibelTV. Was mich anfangs irritiert hat (warum lässt er nicht einfach die Menschen erzählen?) entpuppt sich als sehr geschickte Lösung, beiden Komponenten eines Interviews – nämlich Erzählende und Moderator – ihren Raum zu geben. Denn Meyerhöfer beobachtet (und er beobachtet sehr genau!), was mit den Menschen passiert, die gerade ihr Innerstes entblößen, und er umschreibt die Umgebung und die Atmosphäre, in der die Geschichten erzählt werden, so bildreich und nah, dass man sich als Lesende „mittendrin“ fühlt. Das Geschriebene funktioniert an sich schon wie ein Film, wer trotzdem noch nicht genug hat, wird mit einem QR-Code direkt zum entsprechenden Aufnahme weitergeleitet.
Ich wollte eigentlich nur kurz reinschnuppern – und schon konnte ich das Buch kaum mehr aus der Hand legen! Jedes Kapitel ist so mitreißend, wie es der Untertitel verspricht, und damit ist eigentlich schon das Wichtigste gesagt: „Faces“ ist ein Buch, das gelesen werden will!
Ein Buch, das schon alleine von Aufmachung, Konzept und Schreibstil her Freude macht, ein Buch, das aber auch inhaltlich sehr viel zu bieten hat. Die Ehrlichkeit, mit der hier echte Menschen Einblicke in ihre Lebensumstände geben, ist so beeindruckend wie die dahinterliegende christliche Botschaft, die ganz ohne Dogmen und Wertungen daherkommt.
Uneingeschränkt empfehlenswert!

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Veröffentlicht am 17.08.2025

Magische Elefantenumsiedlung, magische Schreibkunst

Das Geschenk
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Wie die 20‘000 Elefanten nach Berlin gekommen sind, bleibt ein Geheimnis des botswanischen Präsidenten („Magic, my dear friend!“ S. 35) – oder der Autorin. Doch aus der fantastisch-magischen Grundlage ...

Wie die 20‘000 Elefanten nach Berlin gekommen sind, bleibt ein Geheimnis des botswanischen Präsidenten („Magic, my dear friend!“ S. 35) – oder der Autorin. Doch aus der fantastisch-magischen Grundlage des Romanes „Das Geschenk“ strickt sie eine Parabel, die sich ganz faktentreu entwickelt und durchwegs authentisch anfühlt.
Der kurze Roman beschränkt sich nicht nur darauf, unserer westlichen „Wir wissen, wie es funktioniert“-Arroganz einen Spiegel vorzuhalten, sondern auch, die Konsequenzen dieses Handelns durchzubuchstabieren. Vielleicht nicht ganz so schockierend brutal, wie es die flämische Autorin in ihrem Debüt „Trophäe“ getan hat, aber immer noch genug eindrücklich, um die vorherrschenden (v.a. politischen) Muster zu hinterfragen.
Ich war skeptisch, wie weit ein gerade mal 120seitiges Büchlein in der Lage ist, dem Thema die nötige Substanz einzuhauchen, aber sie war unbegründet. In der Kürze liegt die Würze: Gaea Schoeters schreibt direkt und schnörkellos, erreicht damit natürlich nicht die atmosphärische Dichte von „Trophäe“, muss aber auch gar nicht, weil hier die Politik im Mittelpunkt steht und nicht die sensorischen Erlebnisse eines Abenteurers.
Auf jeden Fall stecken in dieser Parabel unheimlich viele Themen und Fakten, von Elefantenbiologie über Düngemittelverordnung bis zur Glass-Cliff-Theorie. Trotzdem wirkt der Text keinesfalls überladen, sondern liest sich angenehm flüssig. Diese Schreibkunst wirkt direkt auch etwas „magic“. Magie à la Gaea Schoeters halt.

„Das Geschenk“ ist ein Buch, dem ich möglichst viele diskussionsfreudige Leser und Leserinnen egal welchen Hintergrunds wünsche! Klare Empfehlung!

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Veröffentlicht am 30.05.2026

2818 verschiedene Lebewesen

183 Pinguine. Das große Tier-Such-Buch
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wimmeln in diesem Buch: von 13 Blauwalen bis zu 1197 Kleinstlebewesen auf jeweils 1 Doppelseite. Pro Art gibt es acht bestimmte, namentlich genannte Tiere zu identifizieren, z.B. „Popeye, den Fisch, der ...

wimmeln in diesem Buch: von 13 Blauwalen bis zu 1197 Kleinstlebewesen auf jeweils 1 Doppelseite. Pro Art gibt es acht bestimmte, namentlich genannte Tiere zu identifizieren, z.B. „Popeye, den Fisch, der Grünzeug liebt“ über „Kuhwazy, die verrückte Kuh“ bis „Zyklopa, die Spinne, die nur ein Auge hat“. Alleine schon diese Formulierungen machen Spaß, geschweige denn das Durchforsten dieser liebevoll aufgebauten und gezeichneten Seiten!

Ich und meine 7jährigen Tochter haben uns gemeinsam auf die Suche gemacht und nicht nur eifrig gekniffelt, sondern uns auch über viele Details unterhalten und amüsiert. Die Aufgaben sind abwechslungsreich und so schwierig, dass man auch mal länger über den Seiten brütet und gleichzeitig so einfach, dass der Erfolg nicht ausbleibt, also einfach perfekt für Wimmeldetektive ab 6 Jahren.

Es gibt in meinen Augen nur zwei kleine Mankos: Die Erklärtexte zu den jeweiligen Tierarten. Anscheinend war das reine Bildersuchen nicht pädagogisch wertvoll genug und so hat man noch ein paar halblustige Infos dazugepackt, die nicht zum Rest des Buches passen. Da hätte ich lieber noch ein paar Tierchen mehr gesucht! Ja, und da sind wir direkt beim zweiten Problem: Die 10 Doppelseiten sind allzu schnell weggerätselt. Natürlich kann man sich unabhängig der vorgegebenen Aufgaben weitere „Ich sehe was, was du nicht siehst“-Fragen stellen, doch ein paar Seiten mehr wären trotzdem schön gewesen. Denn ja: dieses Buch macht definitiv Spaß!!!

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Veröffentlicht am 23.05.2026

Nicht der beste Band, aber immer noch klasse

Zelten mit Juli
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Zugegeben, dieser Band der vielgeliebten Juli-Reihe konnte mich und meine Tochter nicht so catchen wie seine Vorgänger. Natürlich erleben die Tierischen Sechs auch auf Klassenfahrt ein verrücktes Abenteuer; ...

Zugegeben, dieser Band der vielgeliebten Juli-Reihe konnte mich und meine Tochter nicht so catchen wie seine Vorgänger. Natürlich erleben die Tierischen Sechs auch auf Klassenfahrt ein verrücktes Abenteuer; spannend, witzig und lehrreich zugleich. Wie immer also! Doch es ist erwachsener geworden, insgesamt komplexer, mit noch mehr und noch wimmeligeren Bildern ausgestattet und überdies mit einem die Leserschaft direkt ansprechenden pädagogischen Konzept gerüstet. Das ist nicht verkehrt, schließlich geht es um die wichtige Botschaft, dass wir unsere Umwelt schützen müssen. Nur hat mir dabei die frühere so wunderbar quatschige Leichtigkeit gefehlt, sowohl in den Illustrationen als auch in der Story.
Allerdings sticht selbst ein schwächerer Juli-Band immer noch überaus (!) positiv aus der Masse an Kinderbüchern heraus! Es geht hier um Werte wie Tier- und Naturliebe, Freundschaft, Zusammenhalt, und diese werden mit viel Charme und Witz vermittelt. Die Gestaltung dieser Reihe ist durchwegs liebevoll, die Figuren lebendig, immer wieder gibt es kleine wortakrobatische Einlagen und pfiffige Details zu bewundern. Eben kein Buch „von der Stange“, sondern eines, in das sichtbar viel Herzblut geflossen ist und großes Vergnügen bereitet, beim Selber- wie auch beim Vorlesen!
Ganz sicher: wir sind und bleiben Juli-Fans!

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