Jeder möchte lange leben, aber keiner möchte alt werden (Jonathan Swift)
Die Glorreichen 77. Rache kennt keinen RuhestandWährend Udo Jürgens noch trällert „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“, ist spätestens mit dem Einzug in ein Altersheim klar, dass die Tage gezählt sind.
In der Seniorenresidenz Leonardo können es sich ...
Während Udo Jürgens noch trällert „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“, ist spätestens mit dem Einzug in ein Altersheim klar, dass die Tage gezählt sind.
In der Seniorenresidenz Leonardo können es sich betuchte Senioren allerdings gutgehen lassen. Hier riecht es nach „Schnittblumen, poliertem Holz, einem Hauch Parfum, Kaffee und frisch gebackenem Kuchen“. Eine Hausdame sorgt für das Wohl der Bewohner und das Leonardo gleicht mehr einem Hotel als einem Altenheim. Hier lässt sich sogar das Alter gut ertragen.
Aber als der Eigentümer wechselt und eine raffgierige Investmentgruppe ans Ruder kommt, sollen die Preise drastisch steigen und die Bewohner werden sogar rüde bedroht. Wie gut, dass sich ausgerechnet ein Profikiller als neuer Mieter präsentiert, um die Bewohner bei ihrem Aufstand zu unterstützen.
Was passiert eigentlich, wenn ein Profikiller alt wird und eine beginnende Blasenschwäche das stundenlange Ausharren auf sein Opfer erschwert? Mit dieser Thematik habe ich mich bisher noch nie befasst, vermutlich, weil ich glücklicherweise noch nicht die Bekanntschaft dieser Berufsgruppe gemacht habe. 😉
Jo Brenner versagt bei seinem letzten Auftrag, da er es nicht übers Herz gebracht hat, sein Opfer in Anwesenheit dessen Dackels zu erschießen. Ich liebe den Stil des Autoren-Duos, herrlich unaufgeregt, mit einer großen Prise Humor und Ironie. Die Geschichte ist skurril, aber witzig und ich kann es kaum glauben, dass mir sogar ein Profikiller ans Herz wächst. Ist es wegen seiner Tierliebe oder ist er im Grunde seines Herzens vielleicht einfach doch ein guter Mensch?
Die anderen Bewohner sind eine muntere Truppe und fest entschlossen, sich nicht einfach vertreiben zu lassen, auch wenn die Gegenseite immer härtere Geschütze auffährt und es die ersten Toten gibt.
„Die Glorreichen 77“ feiert das Alter und zeigt etwas überspitzt, welch geringen Stellenwert alte Menschen in Deutschland leider nur noch haben. Von den Kindern nur noch als Hindernis auf dem Weg zum Erbe angesehen oder von der Polizei als senile Störenfriede, da kann einem angst und bange werden.
Trotz des ernsten Themas hatte ich viel zu lachen, die Geschichte ist so abstrus und komisch, aber auch so menschlich und die Bewohner mit all ihren Eigenheiten machen Lust, selbst ins Leonardo einzuziehen.
Ich wurde wunderbar unterhalten, vergebe sehr gerne 5 Sterne und freue mich schon auf ein Wiedersehen in Band 2.