Profilbild von odile

odile

Lesejury Star
offline

odile ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit odile über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.05.2026

Drei Frauen und der Kommissar

Ein Fenster in Copacabana
0

Im Zuständigkeitsbereich von Kommissar Espinosa, dem 12. Revier nahe der Copacabana, wird ein toter Polizeiinspektor gefunden. Er arbeitete im Zentrum von Rio de Janeiro wie ein weiterer Polizist, der ...

Im Zuständigkeitsbereich von Kommissar Espinosa, dem 12. Revier nahe der Copacabana, wird ein toter Polizeiinspektor gefunden. Er arbeitete im Zentrum von Rio de Janeiro wie ein weiterer Polizist, der ebenfalls vor wenigen Tagen ermordet wurde. Die Kollegen sind verständlicherweise beunruhigt und rätseln über den vermeintlichen Polizisten-Serienkiller. Einer von ihnen, Nestor, der erst seit wenigen Tagen in Espinosas Revier arbeitet, bietet diesem seine Hilfe bei den Ermittlungen an, was dem Kommissar seltsam vorkommt. Kurze Zeit später wird Nestor tot aufgefunden - ebenfalls erschossen. Und der Killer scheint noch nicht fertig zu sein. Als nächste sind die Freundinnen der Toten an der Reihe. Der Täter scheint sich außergewöhnlich sicher zu fühlen und nimmt nach zwei weiteren Morden die dritte der Geliebten, Celeste, ins Visier.

Luiz Alfredo Garcia-Roza war ein brasilianischer Psychologieprofessor, der 30 Jahre lang Theorie der Psychoanalyse unterrichtete und Fachbücher schrieb. Im Ruhestand entdeckte er ein neues Genre für sich, den Kriminalroman. Seine Kommissar Espinosa-Reihe, die er mit Anfang Sechzig begann, war auch international erfolgreich. Mehrere Bände wurden ins Deutsche übersetzt. Für sein Krimidebüt bekam er 1997 den Prêmio Jabuti, einen brasilianischen Literaturpreis. Sein zweiter Krimi wurde 2007 verfilmt (Die Tote von Ipanema). Ich war gespannt auf diesen Autor und wurde nicht enttäuscht.

Der Kommissar stellt ein kleines Ermittlerteam aus drei Polizisten zusammen: Oberinspektor Ramiro, Artur, frisch von der Akademie und Inspektor Welber. Vorbehaltlos vertraut er nur Welber. Die Ermittlung gestaltet sich schwierig, da der Täter clever agiert und ein Meister der Tarnung ist. Das Team stößt bei den Kollegen der Toten, also ebenfalls Polizisten, auf eine Mauer des Schweigens. Wer von ihnen gehört zur „Faulen Bande“ wie die Presse korrupte Polizisten bezeichnet?

Espinosa ist ein spannender Charakter. Seit seiner Scheidung vor zehn Jahren lebt er als Single und hat eine Geliebte, Irene, die wie er Unabhängigkeit schätzt. Der Kommissar träumt davon, irgendwann die Polizei zu verlassen und ein Buchantiquariat zu eröffnen. Seine kleine Wohnung dekorieren meterhohe Bücherstapel, tausend Bände, die ihm seine Großmutter hinterlassen hat. Wenn er zur Ruhe kommt, greift er zu seiner Lektüre, dem Thriller-Klassiker "Phantom-Lady" von Cornell Woolrich. Die anderen Charaktere bleiben eher flach. Drei Frauen, neben seiner Geliebten Irene, die Zeugin Serena und das potenzielle Opfer, die dritte Geliebte Celeste, spielen wichtige Rollen im Krimi.

Garcia-Roza schreibt spannend, aber ziemlich nüchtern. Die allgegenwärtige Korruption bei der Polizei wird ebenso thematisiert wie die sozialen Unterschiede innerhalb der brasilianischen Gesellschaft. Espinosas Viertel Copacabana wird bildhaft beschrieben. Hier ist der Autor aufgewachsen und hat die Entwicklung vom malerischen Dorf zum berühmtesten Stadtteil Rio de Janeiros miterlebt.

Offiziell wird der Fall nicht aufgeklärt, doch Espinosa entlarvt den Täter. Er erzählt Irene die Auflösung des Falls und wie er auf den Täter gekommen ist. Der Kommissar ist sicher, dass die Zeit für ihn arbeitet und er den Killer noch zu Strecke bringen wird.

„Ein Fenster zur Copacabana“ ist ein spannender, manchmal etwas spröder Krimi, der mich gut unterhalten hat. Die Einblicke in die brasilianische Gesellschaft fand ich aufschlussreich. Überrascht aber überzeugt hat mich die Identität des Täters. Vermutlich war das nicht der letzte Krimi dieses Autors für mich.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.05.2026

Tödliche Feier

Akte Nordsee - Die letzte Predigt
7

Tammo Gerdes, der Pastor von Estherwiek, wird tot in einem Priel gefunden. Am Vortag hat er noch anlässlich der Feier einer Silbernen Konfirmation aufwühlend über Verrat gepredigt. Unfall oder Suizid? ...

Tammo Gerdes, der Pastor von Estherwiek, wird tot in einem Priel gefunden. Am Vortag hat er noch anlässlich der Feier einer Silbernen Konfirmation aufwühlend über Verrat gepredigt. Unfall oder Suizid? Die Polizei beginnt zu ermitteln.

Eva Almstädt lässt in „Akte Nordsee - Die letzte Predigt“, dem 4. Band ihrer Nordsee-Reihe, Journalist Niklas John und Anwältin Fentje Jacobsen erneut gemeinsam ermitteln. Der neue Fall hat mich, abgesehen von kleineren Abstrichen, gut unterhalten.

Mit einer Reihe von Ereignissen beginnt der Krimi eher gemächlich. Erst die Trennung von Fentje und Niklas, dann eine kranke Katze, später die Feier zur Silbernen Konfirmation in Estherwiek. Lena, eine der damaligen Konfirmandinnen, macht in Sankt Peter-Ording eine überraschende Beobachtung, die sie zu einem langen Gespräch mit Pastor Gerdes bewegt. Am folgenden Tag ist dieser tot und Lena verschwindet über Nacht, ohne ihr Fremdenzimmer zu bezahlen.

Der neue Fall bietet Einblicke ins Dorfleben mit Klatsch und Tratsch. Ehemalige Einwohner, Zugezogene und Auswärtige haben hier zuweilen keinen leichten Stand. Der Mord am beliebten Pastor wirft genauso Fragen auf wie der Auftritt und das Verschwinden von Lena, die in Estherwiek aufgewachsen ist. Die Ermittlungen der Polizei und auch Fentjes Recherchen lassen Ereignisse aus der Vergangenheit wieder wachwerden. Hängt der Tod des Pfarrers mit einem Unfall in einem Ferienlager vor über 20 Jahren zusammen oder hat der Mörder jüngere Motive? In der zweiten Hälfte gewinnt der Krimi deutlich an Tempo und Spannung.

Viele Personen, viele Namen. Nicht alle spielen tatsächlich eine Rolle für die Handlung. Eva Almstädt schreibt gewohnt bildhaft und mit viel Lokalkolorit. Ihr Ermittlerpaar Niklas und Fentje funktioniert hervorragend, solange es nicht privat wird. Denn da haben die beiden ihre Probleme, die sie in diesem Band nicht angehen. Dagegen kommen sie dem Täter auf die Spur, lange vor der Polizei. Prompt gerät Fentje in Lebensgefahr.

„Akte Nordsee - Die letzte Predigt“ lässt mich etwas zwiespältig zurück. Der Krimi ist gut zu lesen, in der zweiten Hälfte kommt auch Spannung auf, doch manches Motiv und die daraus resultierende Handlung hat mich nicht völlig überzeugt. Die Hauptcharaktere, vor allem Fentje, sind glaubwürdig. Wobei Niklas` „Gutmenschentum“ mitunter etwas übertrieben wirkt und ihn wiederholt in Schwierigkeiten (schwerkranke Katze, Mordverdacht) bringt. Auch die Motive für die letzten Morde waren für mich nicht wirklich einleuchtend.

Letztendlich wird der Fall gelöst und die Umstände, die zu den Gewalttaten führten, aufgeklärt. Ich habe den Krimi gern gelesen und er hat mich gut unterhalten. Aber er ist nicht der stärkste der Reihe.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 21.05.2026

Mord und Vorurteile

Strandopfer
0

Im kleinen Misdroy, einem beliebten Touristenort an der polnischen Ostsee wird ein toter Deutscher am Strand gefunden. Anscheinend ertrunken. Joachim Hundt hat zusammen mit seiner Frau und drei befreundeten ...

Im kleinen Misdroy, einem beliebten Touristenort an der polnischen Ostsee wird ein toter Deutscher am Strand gefunden. Anscheinend ertrunken. Joachim Hundt hat zusammen mit seiner Frau und drei befreundeten Paaren in der Nähe Urlaub gemacht. Da einer aus der Clique im deutschen Innenministerium arbeitet, wird Lena Schuldt, Kriminaloberkommissarin vom BKA, nach Misdroy geschickt. Sie soll abklären, ob es sich tatsächlich nur um einen Unfalltod ohne Fremdeinwirkung handelt. Als sie und ihr polnischer Kollege Adam Krawczyk die Leiche untersuchen, entdecken sie ein großes geschliffenes Stück Bernstein in der Kehle des Toten. Außerdem ist Luisa, die zehnjährige Tochter eines der Paare spurlos verschwunden. Schwierige Ermittlungen beginnen.

„Strandopfer“ ist der Auftakt zu Frank Goldammers neuer Reihe mit einem polnisch-deutschen Ermittlerduo. Schon die Leseprobe hat mich in ihren Bann gezogen, doch wurden meine hohen Erwartungen nicht ganz erfüllt.

Die Suche nach Luisa läuft auf Hochtouren, gleichzeitig ermitteln Schuldt und Krawczyk im Mordfall Hundt. Während sie einen Racheakt der polnischen Bernsteinmafia vermutet, glaubt Adam, dass der Täter einer der Reisegefährten sein könnte. Die Zeit drängt und bald ist ein weiteres Opfer zu beklagen.

Hier ist nichts so wie es scheint. Weder klappt die Zusammenarbeit zwischen Schuldt und Krawczyk besonders gut, noch kooperieren die Freunde des Toten mit der Polizei. Vorurteile, Misstrauen, Klischees und Kompetenzgerangel erschweren die Ermittlungen in hohem Maß. Es liest sich erschreckend, wie wenig die letzten Jahrzehnte und eine Europäische Union in den Köpfen der Menschen bewirkt haben. Das gilt für die Polizisten genauso wie für die Urlauber.

Während Adam fließend Deutsch spricht, versteht Lena kein einziges polnisches Wort, obwohl sie ganz in der Nähe aufgewachsen ist. Dies macht ihr neben ihren zahlreichen Vorurteilen gegenüber Polen, von Beginn an zu schaffen. Unterstellt sie doch Adam nicht korrekt zu übersetzen, ohne dafür einen Beweis zu haben. Außerdem hat sie Schwierigkeiten damit, dass er das Kommando hat.

Keiner der Protagonisten ist sonderlich sympathisch. Die Ermittler machen Fehler, da sie nicht vernünftig zusammenarbeiten und ihren Vorurteilen frönen. Lena hat eine traumatische Kindheit und Jugend hinter sich und hasst die Region. Ihren Flashbacks wird sehr viel Raum gegeben. Adams gescheiterte Ehe mit einer Deutschen hat ihre Spuren hinterlassen. Die Mitglieder der Reisegruppe sind einander lange nicht so zugetan, wie sie den Anschein erwecken wollen. Sie verschweigen wichtige Beobachtungen und Vorkommnisse. Einig sind sie sich nur in der Beurteilung der kleinen Luisa, die als schwieriges, verzogenes Gör beschrieben wird. Ich habe mich wiederholt gefragt, warum diese Gruppe freiwillig ihren Urlaub gemeinsam und in Polen verbringt.

Der Autor schildert den Fall mit bilderreichem Lokalkolorit, was mir sehr gefällt. Die teilweise düstere Atmosphäre passt gut. Der Fall an sich ist spannend, doch die zahlreichen Rückblicke Lenas und das ständige Aufblitzen von Vorurteilen, führen zu Längen. Ich denke, dass dies der Einführung geschuldet ist. Letztendlich wird das Verbrechen aufgeklärt und alle Fragen beantwortet. Teilweise hat mich das Ende überrascht. Ich hatte zwar eine Ahnung in diese Richtung, aber die Perfidität des Täters hat mich doch verblüfft.

Im Epilog klingt an, dass Adam und Lena sich besser verstehen lernen und erfolgreich ihre Vorurteile bekämpfen wollen. Das lässt mich auf eine Fortsetzung hoffen, die das Potenzial des Plots voll ausschöpft.

Ein Glossar am Ende mit polnischen Begriffen rundet das Buch ab.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.05.2026

Eine Nonne verlässt ihr Kloster, um ein Verbrechen aufzuklären

Mord in der Pension Möwennest
0

Schwester Agnes verlässt nach dreißig Jahren ihr Kloster und wird wieder Nora Breen. Dieser Entschluss fällt ihr nicht leicht, aber sie sieht keine andere Möglichkeit. Schließlich geht es um Frieda. Die ...

Schwester Agnes verlässt nach dreißig Jahren ihr Kloster und wird wieder Nora Breen. Dieser Entschluss fällt ihr nicht leicht, aber sie sieht keine andere Möglichkeit. Schließlich geht es um Frieda. Die ehemalige Novizin ist Nora ans Herz gewachsen wie eine Tochter. Als Frieda das Kloster wegen eines Lungenleidens verlassen musste, gab sie ihrer alten Freundin das Versprechen, wöchentlich einen Brief zu schreiben. Daran hat sie sich strikt acht Monate lang gehalten bis die Briefe abrupt ausblieben. Frieda war plötzlich spurlos verschwunden und niemanden schien das zu kümmern - außer Agnes. Und deshalb wurde sie wieder Nora Breen.

Jess Kidd hat mit „Mord in der Pension Möwennest“ einen Kriminalroman mit einem ungewöhnlichen Ermittlerpaar geschrieben. Das Buch spielt in den 1950er Jahren und hat mich gut unterhalten.

Nora folgt Friedas Spur in die Pension Möwennest, in der sie vor ihrem Verschwinden gewohnt hat. In der heruntergekommenen Herberge lebt eine kleine Gruppe ziemlich skurriler Menschen. Sie alle können oder wollen nur vage Angaben zu Friedas Plänen und möglichen Zielen machen. Kurze Zeit nach Noras Einzug stirbt einer der Mieter. Die Polizei tippt auf Suizid, nur die Witwe geht von einem Mord aus. Nora sucht nach einer Spur von Frieda, aber auch im nahe gelegenen Städtchen Gore-on-Sea bleibt sie erfolglos. Mittlerweile sterben der nächste Bewohner des Möwennests und sein Hund eines unnatürlichen Todes. Während der Detective Inspector weiterhin von Suiziden bzw. Unfällen ausgeht, glaubt Nora an eine Mordserie, der auch Frieda zum Opfer gefallen ist.

Die Geschichte spielt 1954 und entwickelt sich in einem gemächlichen Tempo. Die Abläufe im Möwennest, Noras Nachforschungen und gelegentliche Ausflüge in die Stadt dominieren die Erzählung. Noch leidet die Gesellschaft unter den Nachwehen des Krieges. Geld und Arbeitsplätze sind knapp. Es herrscht eine etwas düstere, resignierte Atmosphäre. Nach und nach werden Details aus Noras früherem Leben und ihre Beweggründe für den Klostereintritt offenbart, ebenso warum ihr Frieda derart ans Herz gewachsen ist.

Jess Kidds Geschichte bevölkern eher schräge Charaktere. Nora, intelligent, stur und zupackend, findet sich erstaunlich gut in ihrem neuen Leben zurecht. Sie hat das Zeug zur Ermittlerin, da die Menschen gern mit ihr reden und sich ihr öffnen. Inspector Rideout ist Noras Thesen gegenüber zwar skeptisch, pflegt aber nicht die Vorurteile gegenüber Frauen, die in den 1950ern üblich sind. Er ist gewillt ihr zuzuhören und nimmt sie ernst. Die Bewohner des Möwennests bilden eine Zweckgemeinschaft, die die Not zusammengeführt hat. Die vornehme Pensionswirtin Helena, die sich in Krankheiten flüchtet und ihre wilde kleine Tochter nicht bändigen kann. Diese kleine Dinah weigert sich zu sprechen, bekommt aber mehr mit als die meisten glauben. Die schroffe Haushälterin Irene, die nicht so gefühllos ist, wie sie sich gibt. Und die Pensionsgäste: Poppy, der Puppenspieler, angeblich vornehmer Abkunft. Bill, der ehemalige Seemann, der jetzt Barkeeper ist und Helena liebt. Teddy und Stella, ein junges berufstätiges Ehepaar. Karel, der junge Fotograf und Frieda, die verschwundene ehemalige Novizin.

Die Geschichte hat mich erst allmählich in ihren Bann gezogen. Obwohl die Zahl der Verdächtigen klein ist, erfordert es einige Zeit, die Fälle aufzuklären. Letztendlich gelingt es, den Täter zu entlarven. Auch Friedas Schicksal wird aufgeklärt.

Jess Kidd gelingt es, die Atmosphäre der 1950er Jahre einzufangen und diese Zeit ihren Lesern näherzubringen. Mit Nora hat sie eine sympathische Ermittlerin geschaffen, die hervorragend mit Inspector Rideout zusammenarbeitet. Was mich leider während des gesamten Romans gestört hat, ist, dass die Autorin einerseits mehrfach Noras klamme finanzielle Situation thematisiert, sie aber gleichzeitig unsinnige Dinge kaufen lässt, obwohl es ihr an den einfachsten Sachen mangelt wie vernünftigen Schuhen. Auch lässt sie ihre Heldin keinen Gedanken daran verschwenden, wie sie diese Notlage beheben könnte. So geht sie nicht auf Arbeitssuche, obwohl ihre Ermittlungen dies zeitlich gut zuließen und sie als Krankenschwester Arbeit finden könnte.

Insgesamt gesehen haben mir Noras Geschichte, ihre Tatkraft und ihr Humor gut gefallen. Ich werde auch ihrem zweiten Fall eine Chance geben.



  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.04.2026

Ist Ispettrice Marias Ex ein Mörder?

Tödliche Begegnung
1

Samstagabend. Commissaria Giovanna Ruggieri freut sich auf ein Essen mit ihrem alten Nachbarn Ludovico. Doch die Idylle wird jäh gestört durch einen Anruf der Carabinieri. An der Uferpromenade von Varenna ...

Samstagabend. Commissaria Giovanna Ruggieri freut sich auf ein Essen mit ihrem alten Nachbarn Ludovico. Doch die Idylle wird jäh gestört durch einen Anruf der Carabinieri. An der Uferpromenade von Varenna wurde eine erstochene Frau gefunden. Immerhin scheint der Fall klar zu sein, denn der mutmaßliche Täter ist bereits verhaftet. Der Verdächtige, Stefano Bianchi, hatte noch die Tatwaffe in der Hand. Er verweigert jede Aussage und will nur mit einer Person sprechen - Ispettrice Maria di Bartolomeo, seiner Ex-Frau.

Elisa Corti lässt in „Tödliche Begegnung“ ihr Dreamteam Giovanna und Maria erneut zusammen ermitteln. Besondere Brisanz erhält der aktuelle Fall durch die Identität des Hauptverdächtigen. Ist Marias Ex-Mann tatsächlich ein brutaler Mörder? Diese Frage habe ich mir auch gestellt. Bis zur Lösung des Falls hat mich der Lombardei-Krimi spannend unterhalten.

Alles spricht gegen Stefano. Das Opfer, Liliana Gatti, und er hatten eine Beziehung, die sie erst kürzlich beendeten. Danach folgte noch ein heftiger Streit. Nur Stefanos Fingerabdrücke sind auf der Tatwaffe, er wurde als letzter vom Handy der Toten angerufen und der Mord sieht wie ein Verbrechen aus Leidenschaft aus. Questore, Staatsanwalt und Giovannas Kollege Fini sind überzeugt, dass sie den Täter bereits in Haft haben. Nur Giovanna zögert. Nicht nur, weil Maria felsenfest von der Unschuld ihres Ex-Manns überzeugt ist, sondern weil sie ihr Instinkt zögern lässt. Gemeinsam mit der Gemeindepolizistin hat Giovanna vor einem Jahr einen komplizierten Mordfall gelöst. Seither gehört die quirlige Maria zum näheren Freundeskreis der Commissaria.

Prolog und Rückblicke ins Jahr 2002 lassen uns Szenen aus Lilianas Vergangenheit miterleben. Der Schluss liegt nahe, dass hier der Schlüssel zur Lösung des Falls liegt. Warum ist damals Lilianas beste Freundin Alice verschwunden?

Die sympathische Giovanna ist eine kompetente und sehr gründliche Ermittlerin, die sich auf ihren Instinkt verlassen kann. Sie scheut keine Mühen noch vermeidet sie Diskussionen mit dem Questore, solange das Ermittlungsergebnis sie nicht überzeugt. Eher introvertiert, taut sie allmählich auf, knüpft Freundschaften und scheint ihren Platz in Bellagio gefunden zu haben. Ich finde es sehr sympathisch, dass sie ihren Ermittlungsstand mit Schildkröte Bruno „diskutiert“. Maria ist wesentlich extrovertierter und fest in ihren Clan integriert, sie ergänzt sich hervorragend mit der Commissaria, ist intelligent und sympathisch. Auch die Nebencharaktere überzeugen. Eine wichtige Rolle spielen natürlich der Comer See, seine anrainenden Gemeinden und „La Dolce Vita“. Das Lokalkolorit lässt stellenweise Urlaubsfeeling aufkommen.

Letztendlich knacken Giovanna und Maria den Fall und sogar noch einen zweiten. Obwohl ich dieses Mal nicht auf den Täter gekommen bin, fand ich die Lösung überzeugend. Allerdings gibt es auch kritische Anmerkungen von mir. Ich fand, dass der Auflösung des Falles zu wenig Raum gegeben wurde und das Ende deshalb überhastet wirkt. Auch die besonders brutale Ausführung des Mordes, quasi eine „Übertötung“, passt nicht zum Profil des Täters.

Der Lombardei-Krimi hat mich auch dieses Mal gut unterhalten und ich hoffe auf eine Fortsetzung der Reihe.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung