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Veröffentlicht am 25.05.2026

Leo Koski in der Zwickmühle

In den Fängen der Verräter
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Der ehemalige finnische Ministerpräsiden Leo Koski lebt inzwischen in den USA und zieht dort seine Tochter Daniela, 3 allein auf. Eines Tages wird Daniela entführt, und er kann sie nur retten, wenn er ...

Der ehemalige finnische Ministerpräsiden Leo Koski lebt inzwischen in den USA und zieht dort seine Tochter Daniela, 3 allein auf. Eines Tages wird Daniela entführt, und er kann sie nur retten, wenn er sein Land verrät. Die Russen erpressen ihn, damit er dafür sorgt, dass die Vereinigten Staaten die NATO verlassen. Er wird ins Weiße Haus eingeladen, wo Präsident Chester Tyler vor seinen Augen vergiftet zusammenbricht. Koski gehört neben der mit ihm befreundeten Journalistin Ashley Pegula zu den Hauptverdächtigen. Es gelingt ihm, aus dem bewachten Gebäude zu entkommen, und er flieht, um sich einer Festnahme zu entziehen und weiter alles für die Freilassung seiner geliebten Tochter zu tun. CIA, FBI, der Sicherheitsapparat des Weißen Hauses und ausländische Geheimdienste beeinflussen das wendungsreiche Geschehen dieses Thrillers, der teilweise so kompliziert konstruiert ist, dass man als Leser kaum noch folgen kann.
Der spannende Thriller über Loyalität, persönliche Verantwortung und die gefährdete Freiheit ist ausgesprochen aktuell, ist doch die Figur des Präsidenten in enger Anlehnung an Donald Trump mit seinem Credo „America First“ und seinen Bestrebungen gestaltet, sich aus der beschützenden Rolle der NATO mit ihrer Verpflichtung zum Beistand für bedrohte Mitgliedsstaaten zurückzuziehen. Ich kenne die beiden ersten Romane der Serie nicht, finde aber die Figur des Leo Koski im Zwiespalt zwischen persönlicher Moral und den Belangen seiner Familie und der Verantwortung für die Allgemeinheit, vor allem für Finnland und die durch einen Natoaustritt ebenfalls bedrohten baltischen Staaten sehr gelungen.
Ein lesenswerter, realitätsnaher Thriller.

Veröffentlicht am 26.04.2026

Machtkämpfe überall

Die Liebeshungrigen
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Ein Jahr, nachdem Dan Lehman, der fiktive linke Präsident mit jüdischen Wurzeln, nicht wiedergewählt wurde und gegen die Kandidatin der extremen Rechten verloren hat, kämpft er nach dem plötzlichen totalen ...

Ein Jahr, nachdem Dan Lehman, der fiktive linke Präsident mit jüdischen Wurzeln, nicht wiedergewählt wurde und gegen die Kandidatin der extremen Rechten verloren hat, kämpft er nach dem plötzlichen totalen Absturz noch immer ums Überleben. Seine zweite Ehe mit der deutschen Schauspielerin Hilda ist nach fünf Jahren nur noch Fassade, die Scheidung eine Frage der Zeit, zumal die attraktive Schauspielerin mit ihrem neuen Film auf dem Höhepunkt ihrer Karriere angekommen ist. Kurioserweise beruht der Film auf dem neuen Roman von Marianne, Lehmans erster Frau, mit der er viele Jahre verheiratet war und drei Kinder hat. Er liebt seine Kinder sehr, auch die kleine taubstumme Tochter aus der Ehe mit Hilda. Er hat auch nie aufgehört, Marianne zu lieben und hofft, da wieder anknüpfen zu können, wo er die Beziehung einst beendet hat. Dan ist jedoch Alkoholiker, was einen Neuanfang zusätzlich erschwert und muss sich gegen diverse Anzeigen vor Gericht wehren.
Aus wechselnder Perspektive erzählt der Roman die Geschichte verschiedener Figuren und behandelt dabei nicht nur das Thema Liebe in all ihren Facetten, sondern vor allem auch die Machtkämpfe in allen Bereichen: in der Politik, in der Ehe und allen Beziehungen, in der Filmindustrie und im Literaturbetrieb. Die Autorin zeigt, dass sich Frauen in der Filmbranche besonders häufig gegen dominante übergriffige Männer wehren müssen. Sie macht außerdem deutlich, welche Macht die Medien ausüben, wenn sie Personen im Rampenlicht aufbauen oder Existenzen zerstören. So muss sich Dan Lehman nach seiner Wahlniederlage üble antisemitische Beschimpfungen gefallen lassen und hinnehmen, dass die von ihm geleistete Arbeit nichts mehr gilt. Angesichts dieser Thematik finde ich den deutschen Titel nicht besonders passend gewählt für einen Roman, der im Original “La guerre par d´autres moyens“ (Krieg mit anderen Mitteln) betitelt ist.
Ich kenne die Autorin schon seit vielen Jahren und habe auch ihren neuen Roman sehr gern gelesen. Ich empfehle ihn ohne Einschränkung.

Veröffentlicht am 22.03.2026

Die Uhr tickt

Noch fünf Tage
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Die Spitzenköchin Lis Castrop hat nach Jahren im Londoner Gourmetrestaurant Catch unter ihrem Chef Quirin das Angebot der Schweizer Milliardärsfamilie Harman angenommen und arbeitet in ihrer prunkvollen ...

Die Spitzenköchin Lis Castrop hat nach Jahren im Londoner Gourmetrestaurant Catch unter ihrem Chef Quirin das Angebot der Schweizer Milliardärsfamilie Harman angenommen und arbeitet in ihrer prunkvollen Villa in Davos als Köchin. Als sie das Silvestermenü ausrichtet, passiert das Unvorstellbare. Die Eltern und zwei Kinder sterben an Polonium-210 im Essen. Auch Lis wird vergiftet, hat aber eine geringere Dosis des Gifts abbekommen. Die Ärzte geben ihr noch fünf Tage. Lis will möglichst viel Zeit mit ihrer Tochter Cosima verbringen, aber auch den Mordanschlag aufklären, denn sie selbst gilt als Verdächtige, obwohl sie ebenfalls Opfer ist, weil sie das Essen zubereitet hat. Die sympathische Palliativschwester Esme unterstützt sie. Der Leser begleitet die beiden Frauen bei ihren Nachforschungen und erfährt viel über die Vergangenheit der Köchin, aber auch über die Harmans. Währenddessen läuft die Uhr, verdeutlicht durch die Angabe der Uhrzeit zu Beginn eines jeden Kapitels, was den Aufbau von Spannung verstärkt. Am Schluss ihres Lebens hat Lis herausgefunden, wer der Mörder ist und will ihn töten, vor allem, um ihre Tochter zu schützen.
Der Thriller ist spannend und liest sich sehr schnell. Er ist auch sprachlich gelungen und enthält vor allen Dingen keine Beschreibungen von exzessiver Gewalt. Mir hat besonders gefallen, dass immer wieder von ausgefallenen Rezepten und Zutaten der Gourmetküche die Rede ist. Das ist für den Normalverbraucher eine fremde Welt. Insgesamt ein sehr empfehlenswerter Roman.

Veröffentlicht am 19.03.2026

Pflicht oder Liebe?

Der Gesang der See
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Mit “Der Gesang der See“ liegt Trude Teiges Debütroman erstmals auf Deutsch vor. Die Geschichte spielt auf einer kleinen Insel an der norwegischen Westküste. Dort leben die Menschen von Fischerei und Schafzucht. ...

Mit “Der Gesang der See“ liegt Trude Teiges Debütroman erstmals auf Deutsch vor. Die Geschichte spielt auf einer kleinen Insel an der norwegischen Westküste. Dort leben die Menschen von Fischerei und Schafzucht. Die junge Kristiane ist mit ihrem ersten Kind schwanger, als ihr geliebter Mann Anders bei einem Sturm ums Leben kommt. Sie hat ihrem Vater einst versprochen, dass sie dafür sorgen wird, dass das Lotsenamt in der Familie bleibt. Er hat ihr zwar alles über das Leinenfischen und den Umgang mit Booten beigebracht, aber Frauen ist es verwehrt, als Lotsen zu arbeiten. Man setzt ihr eine Frist. Wenn sie keinen geeigneten neuen Partner findet, der die Lotsenprüfung besteht, verliert die Familie die Lotsennummer. Sie heiratet Lars, der seit der Kindheit ihr Freund ist und sie immer schon liebt. Er ist ein verlässlicher Partner und ein guter Vater für ihren kleinen Sohn Lisje Anders. Allerdings hat sich Kristiane inzwischen in Fredrik verliebt, einen gutaussehenden Mann aus einer reichen, einflussreichen Familie. Sie beginnen eine geheime leidenschaftliche Beziehung.
Kristiane ist eine sehr sympathische Protagonistin, eine ambitionierte, kämpferische Frau, die sich von Männern nichts vorschreiben lässt. Dafür erntet sie viel Kritik, obwohl sie durch geschicktes Verhandeln mit dem Fischhändler bessere Preise nicht nur für sich, sondern für alle Fischer im Dorf erzielt. Man tratscht über sie, weil sie im Meer schwimmt, was sich angeblich nicht gehört. Der Roman zeigt die harten Lebensbedingungen der Fischer, die durch ihre Arbeit kaum genug zum Überleben verdienen und lässt den Leser eintauchen in Landschaft und Klima der Westküste. Mir hat die Geschichte gut gefallen. Allerdings haben mich die ersten beiden Bände ihrer berühmten Trilogie noch mehr beeindruckt.

Veröffentlicht am 13.01.2026

Seinen eigenen Weg gehen

Trag das Feuer weiter
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Leila Slimanis neuer Roman “Trag das Feuer weiter“ ist der letzte Teil einer dreibändigen Familiensaga, die das Schicksal einer marokkanisch-französischen Familie erzählt. Die Großmutter Mathilde aus dem ...

Leila Slimanis neuer Roman “Trag das Feuer weiter“ ist der letzte Teil einer dreibändigen Familiensaga, die das Schicksal einer marokkanisch-französischen Familie erzählt. Die Großmutter Mathilde aus dem Elsass heiratet den Marokkaner Amine Belhaj. Aus dieser Verbindung stammen die Tochter Aicha und der Sohn Selim. Aicha heiratet Mehdi Daoud und hat mit ihm die Töchter Mia und Inès. Im Mittelpunkt dieses dritten Teils steht vor allem die Schriftstellerin Mia, die mehr als zwanzig Jahre in Paris lebt, bevor sie auf Anraten ihres Arztes nach Marokko zurückkehrt. Sie leidet als Folge von „brain fog“ unter einer Schreibblockade und soll durch das Eintauchen in ihre Vergangenheit ihre Erinnerungen zurückgewinnen. Mia lässt sich auf der Farm ihrer Großeltern nieder und erforscht ihre Geschichte.
Erzählt wird aus wechselnder Perspektive auf verschiedenen Zeitebenen. Wir erfahren viele Dinge vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund, dabei vor allem die gesellschaftliche und politische Situation Marokkos. Slimani zeigt, wie schwierig es ist, zwischen zwei Kulturen zu leben, nirgendwo richtig dazuzugehören. Obwohl die Schwestern der dritten Generation nicht einmal flüssig arabisch sprechen, werden sie auch wegen ihres Äußeren im Ausland automatisch als Araber betrachtet. Unter den Marokkanern fallen sie auf, weil sie zur reichen, gebildeten Oberschicht gehören, Personal beschäftigen, vor allem aber, weil sie sich nicht an gesellschaftliche Konventionen halten. In Anlehnung an ihre eigene Geschichte zeigt Slimani, wie schwer es ist, jenseits gesellschaftlicher Erwartungen und Zwänge seinen eigenen Weg zu gehen. Welche Erinnerungen nehmen wir mit, wenn wir neue Wege gehen? Überzeugend behandelt sie Themen wie Freiheit, Identität, Migration und die Suche nach sich selbst. Ich fand vor allem beeindruckend, wie sie die Stärke der Frauen der Familie darstellt: Mathilde, Amines Schwester Selma, Aisha und Mia. Mir hat auch dieser Roman der Autorin wieder sehr gut gefallen.