Der Preis des Schweigens
WaldnachtWorum geht’s?
Eine junge Mutter wird im Luxusviertel Djursholm erschossen. Zurück bleibt ihr 2 Wochen alter Sohn. Sie hatte das perfekte Leben. Keine Feinde. Wer also wollte ihren Tod? Oder geht das Motiv ...
Worum geht’s?
Eine junge Mutter wird im Luxusviertel Djursholm erschossen. Zurück bleibt ihr 2 Wochen alter Sohn. Sie hatte das perfekte Leben. Keine Feinde. Wer also wollte ihren Tod? Oder geht das Motiv weiter zurück in die Vergangenheit? Sakka Pienni nimmt die Ermittlungen auf und schon bald gibt es einen weiteren Mord.
Meine Meinung:
Mit „Waldnacht“ lesen wir den ersten Fall um Sakka Pienni und für mich ist es zugleich das erste Buch von Lina Bengtsdotter. Und was soll ich sagen? Dieser Kriminalroman hat mich von der ersten Seite an gepackt. Der Schreibstil ist klar, präzise und schnörkellos, gleichzeitig aber unglaublich atmosphärisch. Bengtsdotter versteht es, Stimmungen einzufangen und zwischen den Zeilen eine unterschwellige Unruhe wachsen zu lassen, die einen durch das gesamte Buch begleitet. Die Wechsel zwischen Damals und heute sind dabei ebenso aufschlussreich wie verwirrend und setzen die Puzzleteile Stück für Stück zusammen, ohne zu viel preiszugeben.
Besonders gefallen haben mir die Figuren. Sakka ist eine spannende Protagonistin, die mit ihren manischen Depressionen und ihrer Synästhesie aus dem Rahmen fällt, ohne dass diese Eigenschaften ständig in den Vordergrund gedrängt werden. Eddie bildet dazu einen angenehm bodenständigen Gegenpol. Gemeinsam mit Liv und Maggie entsteht ein Ermittlerteam, das neugierig auf die kommenden Bände macht. Auch die Nebenfiguren bleiben im Gedächtnis. Filip als Sakkas Freund, aber vor allem Eugen, ihr Mentor, der trotz seiner vergleichsweise kleinen Rolle eine bemerkenswerte Präsenz entwickelt.
Obwohl wir bereits im ersten Band viel über die Figuren und ihre Hintergründe erfahren, hatte ich nie das Gefühl, dass der eigentliche Fall darunter leidet. Im Gegenteil. Die Ermittlungen bleiben durchgehend spannend und bewegen sich stellenweise fast auf Thrillerniveau. Immer wieder gibt es Momente, in denen das Tempo anzieht, neue Hinweise auftauchen oder sich scheinbar sichere Annahmen plötzlich als Irrweg entpuppen. Besonders gelungen fand ich die Verknüpfung von Vergangenheit und Gegenwart. Die kurzen Rückblicke werfen lange Schatten auf die Gegenwart und ergeben erst nach und nach ein vollständiges Bild. Alte und neue Verbrechen verweben sich zu einer Geschichte über Schuld, Macht und Vergeltung. Mehr möchte ich dazu gar nicht verraten. Gleichzeitig wirft der Roman einen faszinierenden Blick hinter die makellose Fassade der Wohlhabenden. Exklusive Clubs, Privatschulen, gesellschaftliche Netzwerke und die Frage, wie viel Einfluss Geld tatsächlich kaufen kann. Es ist gleichermaßen faszinierend wie verstörend zu beobachten, wie Privilegien Menschen schützen, formen oder manchmal auch zerstören können.
Die Ermittlungen wirkten auf mich durchweg authentisch. Es gab mehrere Verdächtige, einige falsche Fährten und Wendungen, die mich immer wieder in die falsche Richtung gelenkt haben. Auf die tatsächliche Lösung wäre ich jedenfalls nicht gekommen. Als sie schließlich offenbart wurde, war sie überraschend, aber zugleich vollkommen stimmig. Auch Cecilia hat mir als Figur sehr gefallen. Mit ihrer psychischen Erkrankung bringt sie eine leicht unheimliche, beinahe mythische Atmosphäre in die Geschichte, die perfekt zu den dunklen Untertönen des Romans passt. Vor allem aber macht dieser Reihenauftakt neugierig auf Sakka selbst. Auf ihre Vergangenheit. Auf ihre Mutter. Auf den Tod ihrer Schwester. Und auf all die Schatten, die sie bis heute begleiten.
Fazit:
„Waldnacht“ ist ein atmosphärischer, vielschichtiger Kriminalroman, der weit mehr bietet als einen klassischen Mordfall. Zwischen den glänzenden Fassaden von Djursholm lauern alte Geheimnisse, verdrängte Schuld und menschliche Abgründe. Mit einer starken Ermittlerin, einem spannenden Fall und vielen offenen Fragen für die Zukunft macht Lina Bengtsdotter große Lust auf die Fortsetzung. Für mich ein rundum gelungener Reihenauftakt.
5 Sterne von mir.