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Veröffentlicht am 17.11.2018

Schöner Jugendroman mit erstaunlich viel Tiefgang

Fünftausend Gründe, warum ich dich liebe
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„Fünftausend Gründe, warum ich dich liebe“ ist ein Jugendroman von Kasie West und ist in deutscher Auflage 2018 beim HarperCollins Verlag erschienen. Die Handlung spielt im sonnigen US-Bundesstaat Kalifornien, ...

„Fünftausend Gründe, warum ich dich liebe“ ist ein Jugendroman von Kasie West und ist in deutscher Auflage 2018 beim HarperCollins Verlag erschienen. Die Handlung spielt im sonnigen US-Bundesstaat Kalifornien, wo Abigail („Abby“) zusammen mit ihrer an Angstzuständen leidenden Mutter und ihrem seit langem verwitweten „Grandpa“ lebt. Abbys Vater ist bei der Army und seine Auslandsstationierung neigt sich dem ersehnten Ende zu. Neben der Frage, ob aus Freundschaft tatsächlich Liebe werden kann, steht der Reifeprozess eines jungen Mädchens im Vordergrund.

Zum Inhalt:

Vor Abby und ihrem besten Freund Cooper (der gleichzeitig ihr heimlicher Schwarm ist) liegt ein langer Feriensommer, den Abby nutzen möchte. Nein, nicht um Coopers Herz zu gewinnen - diesen Versuch hatte sie schon einmal gestartet und das hatte in einer Blamage geendet. Abby hat wichtigere Pläne: als begeisterte Künstlerin möchte sie unbedingt am Winterprogramm der Kunstschule teilnehmen und dafür gilt es gewisse Anforderungen zu erfüllen - u.A. bereits eigene Bilder ausgestellt und verkauft zu haben. Zum Glück arbeitet Abby in einem Kunstmuseum, wo in wenigen Wochen eine Ausstellung abgehalten werden soll. Leider macht ihr Boss (Mr. Wallace) Abbys Hoffnungen auf eine Teilnahme zunichte: ihre Bilder weisen - gemessen an Abbys jungem Alter - zwar eine gute Zeichentechnik auf, doch abgesehen davon springe der Funke nicht über; Abby fehle schlichtweg die nötige Lebenserfahrung, um Emotionen so in Bildform wiederzugeben, dass der Anblick ihrer Gemälde Gefühle beim Betrachtenden hervorrufe. Diese Aussage ist für das junge Mädchen, das bisher für ihr zeichnerisches Talent von allen Seiten nur Lob erfahren hat, niederschmetternd. Allerdings fasst Abby einen Plan - ihr Kampfgeist ist geweckt: sie wird an sich arbeiten und bis Ausstellungsbeginn neue Bilder malen, die Mr. Wallace einfach umhauen müssen! Cooper sichert ihr mit Feuer und Flamme seine Unterstützung zu. Eine Reihe von Erlebnissen, die Abby in diesem Sommer erleben möchte, soll ihr zu mehr persönlicher Reife verhelfen. Dumm nur, dass auch „sich verlieben“ auf Abbys Herzensliste steht - und dass Elliot, ein anderer Junge aus ihrer Schule, Abby scheinbar nur zu gerne bei der Erfüllung dieses Punktes behilflich sein möchte...

Dies war seit Langem mein erster Jugendroman und ich war positiv überrascht in vielerlei Hinsicht. Die liebevoll gestalteten Charaktere ließen mich bis zum Schluss der Geschichte mitfiebern und ich hatte größtenteils nicht das Gefühl, über die Erlebnisse von Jugendlichen zu lesen, sondern vielmehr über die von jungen Erwachsenen. Dies spiegelte sich auch in der generellen Wortwahl und in den Dialogen wieder, die oftmals nur so sprühten vor Witz. Auf Jugendausdrücke / Slang wurde gänzlich verzichtet, was zum angenehmen Leseerlebnis beitrug. Normalerweise schrecke ich vor Romanen zurück, in denen die Kommunikation zwischen den Figuren - sei es per E-Mail oder Textnachricht - Teil der Geschichte ist; in diesem Werk jedoch wurde dieses Tool sinnvoll und keineswegs verschwenderisch genutzt, sodass gelegentliche Telefonnachrichten eine willkommene Ergänzung zum großen Ganzen darstellen. Weiterhin lobenswert finde ich, dass der Hauptfokus der Story nicht lediglich auf eine eventuelle Romanze gelegt worden ist; stattdessen lernen die Leser/innen Abigails vielschichtigen Charakter durch einen Einblick in all ihre Lebensbereiche kennen: ihre Familie, ihre Arbeit im Kunstmuseum, ihre Gedanken während des Zeichnens.

Der Schreibstil ist harmonisch und flüssig; Abbys Erlebnisse und Gefühle werden anschaulich und emotional ansprechend beschrieben. Vor allem aber zeichnet sich der Schreibstil der Autorin durch eine gewisse Leichtigkeit aus - nicht im Sinne von Oberflächlichkeit und Halbherzigkeit, sondern dadurch, dass Ereignisse und Gedanken scheinbar mühelos ineinanderfließen, ohne der klaren Struktur der Handlung einen Abbruch zu tun. Der luftige, wolkenähnlich gestaltete Hintergrund des Covers verstärkt diese Leichtigkeit.

Als eigenes Bewertungskriterium würde ich für die Covergestaltung maximal 3 von 5 Sternen vergeben aus folgenden Gründen: Auf die Abbildung eines echten Fotos hätte ich verzichtet. (Dies liegt darin begründet, dass ich mir das Aussehen von Romanfiguren lieber im Laufe der Geschichte selbst vorstellen möchte und solche Symbolfotos eher störend finde.) Die Mischung der vielen Blautöne mit weißen pinselstrichartigen Elementen erinnert an Wolken und ruft somit besagtes Gefühl von Leichtigkeit hervor - bestärkt durch die Abbildung einer im Wind wehenden Pusteblume- , ist also durchaus passend gewählt. Unverständlich ist mir die Auswahl der Farbe Ockergelb / Hellbraun, die vielleicht als sommersonniges Gelb hatte ausfallen sollen und nun vielmehr an totes Laub erinnert. Die Glanzprägung des Buchtitels (der im englischen Original „Love, Life, and the List“ thematisch besser gewählt worden ist) wertet das Cover insgesamt auf.

Fazit:

Leser/innen von Frauenromanen sollten sich bei diesem Werk nicht abschrecken lassen von der Bezeichnung ‚Jugendroman’. Die Geschichte ist hervorragend geeignet für Fans einer romantischen sommerlichen Lektüre mit authentischen Charakteren. Ich habe mich trotz Altersunterschied sehr gut in die sympathische Hauptfigur hineinversetzen können und insbesondere die neckischen Dialoge zwischen ihr und ihrem Großvater genossen. Das Ende hätte ein klein wenig mehr an Emotionalität ausgebaut werden können, liest sich allerdings trotzdem angenehm.

Veröffentlicht am 31.10.2018

Freunde sind die Familie, die man sich aussuchen darf

Der Sommer der Inselschwestern
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Schon allein die schönen Farben des Covers, türkisblaue Töne und Weiß, lassen ein Inselflair aufkommen - man hat direkt kleine Sommerhäuschen am Strand vor Augen. Hier zunächst die kurze Beschreibung, ...

Schon allein die schönen Farben des Covers, türkisblaue Töne und Weiß, lassen ein Inselflair aufkommen - man hat direkt kleine Sommerhäuschen am Strand vor Augen. Hier zunächst die kurze Beschreibung, die mich neugierig gemacht hat:

"Drei Schwestern nennt man die Häuser auf Blackberry Island, und spontan kauft die junge Kinderärztin Andi das letzte Häuschen. Nach einer schweren Enttäuschung braucht sie dringend ein Heim für Herz und Seele. Was sie nicht nur im Haus, sondern vor allem bei ihren beiden neuen Nachbarinnen Deanna und Boston findet. Die zwei Frauen zeigen Andi: Wenn die Straße des Lebens holprig ist, braucht man dringend Freundinnen! Besonders wenn eine unerwartete Liebe alles durcheinanderzubringen droht..."

Manchmal hat man einfach das Gefühl, einen ordentlichen Strich unter das allgegenwärtige Chaos in seinem Leben ziehen zu müssen, um irgendwann hoffentlich wieder glücklich werden zu können. Andi, die von Männern die Nase gestrichen voll hat, braucht dringend einen Neubeginn. Mutig kehrt sie dem Großstadtleben in Seattle den Rücken zu und beschließt, auf Blackberry Island, einer nahegelegenen kleinen idyllischen Insel, nochmal ganz von vorne anzufangen. Sie freut sich auf ihre neue Stelle - bald wird sie als Kinderärztin ihre eigene Praxis beziehen. Gut, das dazugehörige halb verfallene Haus mit dem von Unkraut überwucherten Garten bedarf einer Totalsanierung, und sie kennt nicht eine Menschenseele auf dieser Insel, hat weder Freunde noch Familie hier. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Andi ist wild entschlossen, ihrem Leben eine neue Richtung zu geben und ist sich sicher: so schnell wird sie ihr Herz nicht wieder verschenken, dafür hat sie der letzte Vertrauensbruch einfach zu sehr verletzt. Doch bekanntlich begegnet einem die Liebe ja genau dann, wenn man sie am wenigsten erwartet...

Ich kann dieses Buch wärmstens empfehlen. Der Schreibstil ist angenehm flüssig und die Geschichte wirkt gut nachvollziehbar; die Story kommt trotz der Zeitsprünge (die Handlung erstreckt sich schließlich über mehrere Monate) nicht ins Stocken. Normalerweise bin ich kein großer Fan von Perspektiven-Wechsel, habe es lieber, wenn eine Geschichte aus Sicht einer einzigen Person erzählt wird, vielleicht maximal einer zweiten. Hier gibt es gleich 3 einzelne Lebensgeschichten, die wunderbar mühelos ineinander verflochten werden, sich ergänzen und einfach ein schönes Gesamtbild ergeben. Neben Andis Alltag wird nämlich auch das Leben von ihren beiden Nachbarinnen, Boston und Deanna, näher beleuchtet. Diese zwei könnten vom Wesen her unterschiedlicher kaum sein.

Die Beschreibung der einzelnen Charaktere hat mich begeistert (besonders was die Kinder angeht: entzückend). Jede/r hat mit gewissen großen oder kleinen Schwierigkeiten zu kämpfen - so wie das eben ist im Leben. Dieses Buch ist eine Ode an die Kraft der Freundschaft und darauf, dass der erste Eindruck manchmal täuschen kann. Auch Blackberry Island wirkt sehr einladend aufgrund der zahlreichen Details, mit denen die Autorin das idyllische Örtchen zum Leben erweckt; man kann beinahe die Meeresbrise spüren und die Möwen kreischen hören. Es klingt nach dem perfekten Ort - sowohl zum Aufwachsen als auch zum Einfach-Glücklich-Sein; würde es diese Insel tatsächlich geben, hätte ich jetzt meinen nächsten Sommerurlaub dort gebucht. Einen winzigen Abzug gibt es von mir nur aufgrund der paar - meinem Geschmack nach ZU detaillierten - Sexszenen. Klar, wenn ein Buch von drei erwachsenen Frauen handelt, bleibt das wohl nicht aus - aber ein bißchen weniger "Nippel" und Co. hätten auch ausgereicht - ist allerdings nur meine persönliche Meinung und sollte daher nur als Randbemerkung verstanden werden.

Veröffentlicht am 26.05.2026

Ruhiger Sommer - und Familienroman

Brombeerblaue Tage
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Überwältigt vom allgegenwärtigen Stress-lass-nach-Gefühl und beflügelt vom ansprechenden Klappentext war ich so was von ready für einen literarischen Ausflug nach Rügen!

Was ich an diesem von Naturliebende ...

Überwältigt vom allgegenwärtigen Stress-lass-nach-Gefühl und beflügelt vom ansprechenden Klappentext war ich so was von ready für einen literarischen Ausflug nach Rügen!

Was ich an diesem von Naturliebende strotzenden Werk besonders gemocht habe:

❏ unzählige liebevolle Details wie die glänzenden Brombeeren auf dem Cover sowie inkludierte Pflanzen-Steckbriefe;

❏ der atmosphärische, sehr detailverliebte, bildhafte Schreibstil - emotional, aber nicht überdramatisch und voller herrlicher Farb- & Naturbeschreibungen … die entschleunigte Erzählweise passt perfekt zum ruhigen Verlauf der Geschichte;

❏ Setting: 10/10 - ein idyllisches Gutshaus, das trotz kleiner Mängel voller Charme steckt;

❏ ernstere Themen (Stichwort: postoperatives Delir) wurden gleichermaßen interessant wie sensibel eingebunden;

❏ Aurel (!!), weil … riesengroße Hunde-Liebe!;

❏ die Darstellung der speziellen, von enttäuschten Gefühlen und Unsicherheit geprägten Vater-Tochter-Dynamik.

Zudem hatte ich das große Glück, mich über einen beiliegenden Brief der Autorin freuen zu dürfen, aus dem deutlich hervorgeht, wie viel Persönliches und Herzblut in der Geschichte stecken.

𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁:
Ein feinfühlig erzählter Familien- und Lebensroman, den ich insbesondere Pflanzenliebhabern ans Herz lege.

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Veröffentlicht am 25.05.2026

Gefiel mir super!

Hold Me Tight
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Obwohl es sich bei diesem Read bereits um den dritten Band einer Reihe handelt, hatte ich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass mir wichtige Informationen fehlen würden oder ich als Quereinsteigerin 'außen ...

Obwohl es sich bei diesem Read bereits um den dritten Band einer Reihe handelt, hatte ich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass mir wichtige Informationen fehlen würden oder ich als Quereinsteigerin 'außen vor' wäre - ganz im Gegenteil: Dieses Buch hat meine Neugier auf die Vorgängerbände nur noch mehr verstärkt und mir gezeigt, dass ich sie unbedingt noch lesen möchte.

Besonders angesprochen hat mich natürlich der Fußball-Background, denn ich mag den Sport selbst sehr gerne. Ich fand es richtig cool, dass sich die Handlung rund um einen Fußballclub dreht, und auch die kleinen Details haben das Gesamtbild wunderbar abgerundet. Die Aufstellung der Mannschaft mit Positionen und Spielernamen im Innencover war eine tolle Ergänzung - und über den Farbschnitt müssen wir gar nicht reden, oder?! Ein absoluter Traum! Ich liebe die Coverfarben, den Schriftzug des Buchtitels - kurzum: schon rein optisch ist dieses Werk rundum gelungen.

Inhaltlich begleitet man Allie und Neilan abwechselnd aus beiden Perspektiven. Allie steht nach dem Betrug ihres Ehemanns Owen plötzlich vor den Scherben ihres bisherigen Lebens. Der Mann, den sie seit ihrer Jugend geliebt hat, möchte die Scheidung, und plötzlich ist nichts mehr sicher. Gerade diese Mischung aus Herzschmerz, Orientierungslosigkeit und der Angst, noch einmal ganz von vorne anfangen zu müssen, wurde unglaublich greifbar dargestellt. Scheidung mit 26 - das war nicht Teil ihres Plans.

Auftritt: Neilan. Was für eine wandelnde Green Flag ist dieser Mann, bitte?! So aufmerksam, loyal, geduldig und emotional intelligent, dass mein Herz mehrfach geschmolzen ist. Besonders hängen geblieben ist mir sein Satz: "Liebe muss man sich nicht verdienen […]." So wahr, so selbstverständlich und richtig - und so unfassbar bedeutend und heilsam zu hören, wenn man derjenige ist, der genau daran in der Vergangenheit zweifeln musste.

Überhaupt mochte ich sehr, wie behutsam die Geschichte mit ihren ernsteren Themen umgeht. Allie trägt viele Ängste mit sich herum - nicht nur wegen des Betrugs, sondern auch wegen ihrer Zukunftsgedanken, ihres intensiven Kinderwunsches und der Sorge, dass ihr Leben plötzlich nicht mehr dem Verlauf entspricht, den sie immer vor Augen gehabt hatte. All ihre Gedanken wirkten wahnsinnig authentisch und nachvollziehbar.

Weiterhin berührt hat mich zudem die Dynamik innerhalb ihrer Familie. Vor allem ein gewisses Gespräch mit ihrer Mutter hatte so viel Wärme, Verständnis und emotionale Tiefe. Diese Szene hat mich dermaßen bewegt, dass ich Tränen in den Augen hatte - vielleicht mitunter auch deshalb, weil mir selbst solch eine liebevolle Beziehung zu meiner Mutter immer verwehrt geblieben ist.

Auch die Nebenhandlung rund um Neilans Schwester Lydia fand ich total gelungen und wichtig eingebunden. Ohne zu spoilern: Hier werden schwierige Themen angeschnitten, die sensibel und glaubwürdig dargestellt wurden. Und wieder punktete Neilan auf voller Linie, indem er sich gegenüber seiner Schwester und seinem kleinen Neffen beschützend und fürsorglich verhält. (Der kleine Jack war sowieso einfach Zucker.)

Der Fußballaspekt hätte für meinen Geschmack stellenweise sogar noch etwas präsenter sein dürfen, aber das, was eingebunden wurde, hat mir wirklich prima gefallen und sorgte für eine tolle Atmosphäre.

Schreibstil: Locker, modern, angenehm flüssig; gleichzeitig schafft es die Autorin aber, an den richtigen Stellen emotional in die Tiefe zu gehen.

𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁:
Eine emotionale Sports-Romance, die mir beim Lesen viel Freude bereitet hat.

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Veröffentlicht am 19.05.2026

Authentisch und inspirierend

Im Herzen bist du unbesiegbar
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Vorab: Dieses Werk war für mich ein überraschend emotionaler Read.

Ich kannte die Autorin zuvor tatsächlich nur vom Sehen (aus Film und Fernsehen), umso mehr hat mich berührt, wie offen, klar und ungeschönt ...

Vorab: Dieses Werk war für mich ein überraschend emotionaler Read.

Ich kannte die Autorin zuvor tatsächlich nur vom Sehen (aus Film und Fernsehen), umso mehr hat mich berührt, wie offen, klar und ungeschönt sie hier von ihrem Weg erzählt. Gerade weil ich selbst in der dieser Region aufgewachsen bin, lasen sich viele ihrer Schilderungen vom Ankommen in Ostdeutschland unfassbar eindringlich und nahbar. Diese Atmosphäre, dieses Funktionieren(-Müssen), dieses Sich-Anpassen(-Müssen) zwischen Behörden, Vorurteilen, sozialer Kälte - eben einem komplett neuen, teils befremdlich wirkenden Umfeld - das konnte ich an vielen Stellen regelrecht fühlen.

Besonders bewegt hat mich ihre Kindheit innerhalb der Familie, beim Lesen brach mir als Mutter stellenweise wirklich das Herz. Dieses viel zu frühe (!!) Hineingedrängtwerden in die Verantwortungsrolle, das ständige Sich-Beweisen/Behaupten-Müssen, Dolmetschen, Organisieren, Vermitteln. Immer stark sein. Immer leisten. Immer kontrolliert bleiben. Bloß keine Emotion zeigen. Nicht öffentlich über Geschenke freuen. Immer fein das Gesicht wahren (sowohl das eigene als auch das der gesamten Familie). Da war einfach NULL Raum für eigene Gefühle, Ängste oder - Gott bewahre - Schwäche. Mal ganz abgesehen vom ohnehin herausfordernden, permanenten Navigieren zwischen den gänzlich gegensätzlichen Kulturen. Diese von persönlichen Erinnerungen geprägten Momente haben mich am meisten gepackt.

Mai Duong Kieu beschreibt all das nicht jammernd oder anklagend, was es für mich teilweise noch schwerer zum Aushalten machte, weil mein Herz überging vor Anteilnahme. Ihre Sprache ist direkt, reflektiert, fast nüchtern, frei von übermäßigem Dramatisieren und Effekthascherei. Dennoch treffen einen viele Szenen mit voller Wucht; man spürt beim Lesen förmlich die Anspannung ihres früheren, kindlichen Ichs. Vor allem die Passagen über Schweigen als Strafe (- in meinen Augen grenzt das schon an seelische Grausamkeit/emotionalen Missbrauch -), über Scham, Druck, Einsamkeit und emotionale Härte empfand ich als extrem grenzwertig und tief traurig. Natürlich ist das nur mein persönliches Empfinden - denn sie selbst begegnet ihren Eltern trotz allem mit Liebe, Loyalität und Dankbarkeit.

Auch die Schilderungen von Alltagsrassismus gingen mir nahe - das ständige 'Anderssein' (angefangen bei der korrekten Aussprache des Namens), das Nicht-Auffallen-Wollen, das innere Wachsein gegenüber Ablehnung und Demütigung … Es ging mir total unter die Haut.

Trotzdem ist dieses Buch am Ende kein hoffnungsloser Read, ganz im Gegenteil! Es erzählt von Widerstandskraft, Disziplin, Selbstbehauptung und davon, sich Stück für Stück einen eigenen Platz in dieser Welt zu erkämpfen. Gerade die Verbindung aus autobiografischer Geschichte und den Gedanken des Kung Fu fand ich unglaublich spannend.

𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁:
Ein bemerkenswerter, ehrlicher und sehr eindringlicher Read einer beeindruckenden, starken Frau.

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