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Veröffentlicht am 06.06.2026

Havanna tanzt, Conde ermittelt und die Vergangenheit schweigt nicht

Anständige Leute
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Havanna, Obama, Rolling Stones und mittendrin ein toter Kunst Zensor. Klingt erstmal nach Krimi mit ordentlich Musik im Hintergrund, aber Anständige Leute ist viel mehr als nur ein Mordfall mit kubanischem ...

Havanna, Obama, Rolling Stones und mittendrin ein toter Kunst Zensor. Klingt erstmal nach Krimi mit ordentlich Musik im Hintergrund, aber Anständige Leute ist viel mehr als nur ein Mordfall mit kubanischem Flair. Dieses Buch riecht nach heißem Asphalt, altem Rum, falschen Versprechen und nach einer Stadt, die gleichzeitig tanzen und schreien möchte.

Mario Conde stolpert hier nicht einfach durch Ermittlungen, er trägt diese Geschichte wie einen schweren Rucksack. Man spürt seine Müdigkeit, seine Wut und diesen trockenen Humor, bei dem man kurz grinst und direkt danach denkt: Autsch, das war eigentlich bitter. Genau das mochte ich richtig gern.

Besonders stark fand ich die zwei Zeitebenen. Die Gegenwart mit Obama Besuch und Rolling Stones Konzert wirkt wie ein Land im Rausch, als würde gleich alles besser werden. Daneben das Jahr 1909 mit Halley’schem Kometen, Rotlichtmilieu, Gangstern und Mord. Erst denkt man: Okay, wohin will Padura damit? Und dann ziehen sich die Fäden langsam zusammen. Nicht hektisch, nicht billig, sondern mit richtig viel Gefühl für Geschichte.

Das ist kein Krimi zum Wegatmen. Padura nimmt sich Zeit, manchmal fast frech viel Zeit, aber genau dadurch entsteht diese Wucht. Kuba wird hier nicht als Postkartenkulisse gezeigt, sondern als verletzter, widersprüchlicher Ort voller Sehnsucht, Korruption, Hoffnung und kaputter Biografien.

Für mich ein dichter, kluger und atmosphärisch starker Kriminalroman, der im Kopf nachhallt. Nicht laut wie ein Knall, eher wie ein alter Song, der plötzlich wieder wehtut.

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Veröffentlicht am 05.06.2026

Japan zwischen Zen, Neonlicht und ganz viel Fernweh

225 Reisen durch Japan
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Japan hat ja sowieso diesen unfairen Vorteil, dass schon ein Torii-Tor im Morgenlicht reicht und mein Kopf direkt sagt: Koffer raus, Schuhe an, los jetzt. Dieses Buch macht daraus aber keinen kleinen Gedanken, ...

Japan hat ja sowieso diesen unfairen Vorteil, dass schon ein Torii-Tor im Morgenlicht reicht und mein Kopf direkt sagt: Koffer raus, Schuhe an, los jetzt. Dieses Buch macht daraus aber keinen kleinen Gedanken, sondern einen ausgewachsenen Fernweh-Anfall mit Bildern, Geschichten und Orten, bei denen man beim Blättern kurz vergisst, dass man eigentlich nur auf dem Sofa sitzt.

Besonders stark ist diese Mischung aus Ruhe und Tempo. Eben noch Zen-Garten, Bambus, Stille und dieses „Bitte jetzt nicht atmen, sonst zerstöre ich die Stimmung“-Gefühl. Ein paar Seiten später dann Tokio, Lichter, Architektur, Menschen, Straßenleben und mein innerer Reiseplaner schreit leise: Das schaffen wir alles niemals, aber egal, wir versuchen es.

Die 225 Reisen fühlen sich nicht wie eine trockene Liste an, sondern wie kleine Türen. Mal geht es zu bekannten Sehnsuchtsorten, mal zu Ecken, die man nicht sofort auf dem Schirm hat. Genau das mag ich. Japan wird hier nicht nur als Postkartenland gezeigt, sondern als Land voller Kontraste, Geschichte, Alltag, Natur und moderner Energie.

Klar, wer einen klassischen Reiseführer mit jeder Buslinie und jedem Preis erwartet, wird vielleicht noch Zusatzmaterial brauchen. Aber als Bildband, Ideengeber und Fernwehmaschine ist das Ding richtig stark.

Ein Buch zum Blättern, Staunen, Planen und kurz mal so tun, als wäre der nächste Flug schon gebucht.

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Veröffentlicht am 29.05.2026

Vom Beet direkt ins Herz

Selbstversorgung aus dem Garten
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Zwischen Beeten, Kräutern, reifem Gemüse und diesem wunderbaren Gefühl, etwas mit den eigenen Händen wachsen zu sehen, hat mich dieses Buch sofort abgeholt. Selbstversorgung aus dem Garten ist für mich ...

Zwischen Beeten, Kräutern, reifem Gemüse und diesem wunderbaren Gefühl, etwas mit den eigenen Händen wachsen zu sehen, hat mich dieses Buch sofort abgeholt. Selbstversorgung aus dem Garten ist für mich kein trockenes Nachschlagewerk, sondern eher ein liebevoller Begleiter durchs Gartenjahr.

Besonders schön finde ich, wie praxisnah Huw Richards und Sam Cooper zeigen, dass Selbstversorgung nicht riesig, kompliziert oder perfekt sein muss. Schon auf kleiner Fläche kann so viel entstehen, wenn man gut plant, sinnvoll kombiniert und den Garten als lebendigen Kreislauf versteht. Genau diese Mischung aus Wissen, Motivation und echter Alltagstauglichkeit macht das Buch für mich so wertvoll.

Die Pflanzpläne, Tipps zur Aussaat, Ideen zur Ernteverarbeitung und Rezepte greifen wunderbar ineinander. Beim Lesen hatte ich ständig Bilder im Kopf: volle Körbe, duftende Kräuter, eingelegte Vorräte im Regal und dieses leise Glück, etwas Eigenes auf den Teller zu bringen.

Wir lieben die Bücher von Huw Richards ❤️ Und auch dieses hier hat wieder diesen besonderen Ton, der Mut macht, ohne zu überfordern. Für Gartenfreunde, Selbstversorgerträume und alle, die frische, ehrliche Lebensmittel lieben, ist dieses Buch ein echtes Herzensstück.

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Veröffentlicht am 27.05.2026

Wenn Weltpolitik plötzlich sehr nah wirkt

AUF MEINEM POSTEN
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Auf meinem Posten ist kein Buch, das man mal eben nebenbei wegatmet wie einen leichten Krimi auf dem Sofa. Hier sitzt man eher mit Kaffee da, liest zwei Seiten und denkt sich: Junge, was in dieser Welt ...

Auf meinem Posten ist kein Buch, das man mal eben nebenbei wegatmet wie einen leichten Krimi auf dem Sofa. Hier sitzt man eher mit Kaffee da, liest zwei Seiten und denkt sich: Junge, was in dieser Welt eigentlich alles gleichzeitig brennt, ist schon frech.

Jens Stoltenberg nimmt einen mit hinter die Kulissen der NATO, und genau da wird es spannend. Nicht im Sinne von Actionfilm mit Explosionen alle fünf Minuten, sondern eher dieses trockene, politische Dauerknistern, bei dem man merkt: Ein falscher Satz, ein falscher Moment, und irgendwo wird es richtig ungemütlich. Afghanistan, Krim, Ukraine, Russland, China, Trump, Merkel, Selenskyj, Putin. Das ist schon ein ziemlich schwerer Rucksack, den dieses Buch mitbringt.

Was mir gefallen hat: Stoltenberg schreibt angenehm klar. Kein unnötiges Fachchinesisch, kein aufgeblasenes Politiktheater, sondern viel Einordnung, viele Begegnungen und ein Blick darauf, wie Diplomatie funktioniert, wenn draußen längst Sturm ist. Man merkt natürlich, dass er seine eigene Rolle nicht komplett kritisch zerlegt. Überraschung, er schreibt hier nicht seine persönliche Abrechnung mit sich selbst. Trotzdem wirkt das Buch oft erstaunlich ruhig, reflektiert und nahbar.

Emotional wurde es für mich vor allem da, wo klar wird, wie wenig Sicherheit selbstverständlich ist. Da liest man plötzlich nicht mehr nur über Sitzungen, Bündnisse und Strategien, sondern über die ziemlich simple Frage: Wie verhindert man, dass aus Krise Krieg wird?

Für mich ist das ein starkes, wichtiges und sehr aktuelles Sachbuch. Nicht perfekt, weil es stellenweise etwas staatsmännisch bleibt. Aber definitiv lesenswert für alle, die verstehen wollen, warum Weltpolitik manchmal klingt wie trockene Aktenlage, sich aber anfühlt wie ein Pulverfass im Wohnzimmer.

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Veröffentlicht am 25.05.2026

Wenn Feuer, Eis und Drachenherzen gemeinsam schlagen

Khyona (3). Gefährten von Feuer und Eis
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Feuer, Eis, Drachen und dieses kribbelige Gefühl, wenn man merkt, dass eine Geschichte sofort wieder nach Isslar zieht. Genau so ging es uns mit Khyona. Meine Tochter und ich haben das Buch als Buddyread ...

Feuer, Eis, Drachen und dieses kribbelige Gefühl, wenn man merkt, dass eine Geschichte sofort wieder nach Isslar zieht. Genau so ging es uns mit Khyona. Meine Tochter und ich haben das Buch als Buddyread gelesen, immer abwechselnd im gleichen Buch, und schon nach den ersten Kapiteln kam von ihr nur: „Okay, wir lesen heute aber noch weiter, oder?“ Da war klar, wir sind wieder drin.

Die Rückkehr nach Khyona fühlt sich groß, magisch und gleichzeitig vertraut an. Kari fiebert Andrik entgegen, aber statt ruhiger Sommerferien wartet eine schwarze Flotte, Krieg, Gefahr und eine Bedrohung, die selbst Feuer und Vulkanmagie an ihre Grenzen bringt. Besonders schön fand ich, wie Alice und John nicht einfach nur neben Kari stehen, sondern ihren eigenen Platz finden. Beim Lesen haben wir oft kurz gestoppt, uns angeschaut und direkt spekuliert, wer jetzt welche Rolle übernimmt.

Die Eisdrachen waren für uns ein echtes Highlight. Majestätisch, wild, gefährlich und trotzdem voller Hoffnung. Meine Tochter meinte an einer Stelle: „Ich will auch so einen Drachenpartner.“ Und ehrlich, ich konnte sie verstehen. Katja Brandis schafft es wieder, diese magische Island Kulisse so bildhaft zu erzählen, dass man Geysire, Eis, Rauch und Drachenflügel fast vor sich sieht.

Für uns war dieser Band spannend, emotional und richtig schön verbindend. Ein Fantasy Abenteuer, das nicht nur von Zusammenhalt erzählt, sondern sich beim gemeinsamen Lesen auch genau so angefühlt hat.

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